Archiv für Februar 2004

Mode marginal (2)

Donnerstag, 12. Februar 2004

cathy (8k image)

It is no secret that in the old days of Seventh Avenue, women were referred to as broads, and many a model’s fanny got pinched on the way to the dressing room. Fast forward through Hefner’s bunny mansions, through the “Belle de Jour” years, when Saint Laurent made hay of bourgeois heat, through feminism, postfeminism, through “Friends” and Friendster, and you arrive at the point where there is no distinction, morally or philosophically, between Lady Thatcher and Pamela Anderson. Or, between a country mouse and a Chanel-clad suburban missus.

Cathy Horn schreibt für die New York Times über die „Matronly Aesthetic“ der neuen Kollektion von Marc Jacobs.

Diätterror – die Serie (7): Poetic Justice

Donnerstag, 12. Februar 2004

Es ist billig. Es ist gemein. Es ist pietätlos. Aber ich hab gestern soooooo viel gelacht….

Diät-Guru Atkins starb übergewichtig

Diät-Guru Robert Atkins hat nach Medienberichten vor seinem Tod unter Übergewicht und Herzproblemen gelitten. Atkins war im vergangenen April im Alter von 72 Jahren nach einem Sturz auf einer vereisten Straße gestorben. Zuvor habe er einen Herzinfarkt gehabt und außerdem unter einer Herzinsuffizienz und Bluthochdruck gelitten, berichtete «The Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf den Bericht des ärztlichen Leichenbeschauers.
Bei einer Größe von 1,82 Meter und einem Gewicht von 116 Kilogramm wäre Atkins nach den Berechnungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde (CDCP) als fettleibig eingestuft worden. Bei Herzerkrankungen spielt die Ernährung eine Rolle, auch Infektionen können jedoch eine Ursache sein. Der Vorsitzende des Atkins-Medizin-Rats in New York, Stuart Trager, sagte der Zeitung, Atkins Herzprobleme seien auf eine Kardiomyopathie zurückzuführen, eine Erkrankung des Herzmuskels, die wahrscheinlich von einer Virusinfektion ausgelöst wird. Die Erkrankung habe auch zu der Gewichtszunahme geführt, davor sei Atkins deutlich schlanker gewesen.
Die Zeitung hatte den Bericht des Leichenbeschauers von dem Ärztekomitee für Verantwortungsvolle Medizin erhalten, das sich für eine vegetarische Ernährung ausspricht. Atkins dagegen empfahl in seinen Diätplänen, viel Fleisch zu essen. Das Büro des Leichenbeschauers erklärte, der Bericht sei versehentlich an das Ärztekomitee geschickt worden. Atkins Witwe Veronica Atkins zeigte sich empört über die Veröffentlichung. Die Ärzte ihres Mannes hätten ihr versichert, dass seine Erkrankung nicht in Zusammenhang mit seiner Ernährungsweise gestanden habe.

Lob des Spießertums

Mittwoch, 11. Februar 2004

Es liegt vermutlich an meinem Naturell, dass ich mich dem Spießertum schon immer recht verbunden gefühlt habe. Als meine Altersgenossen bereits so richtig wilde Sachen machten (Schule schwänzen! In Diskotheken gehen! Haschisch rauchen!), sang ich im Jugendchor und vergnügte mich mit meinen Mit-Pfadfinderinnen bei selbst gekochten afrikanischen Speisen, die wir mit den Fingern und auf dem Boden aßen (oho!). Und ich hatte nicht mal das Gefühl, irgendwas zu verpassen, wenn ich auf den Knutsch-Partys, in die selbst ich das eine oder andere Mal aus Versehen geriet, ungeknutscht übrig blieb – versunken in philosophische Diskussionen mit dem einen Burschen, den zu knutschen sich keines der Mädchen herabgelassen hatte.

Noch dazu bin ich in einer Stadt groß geworden, deren Spießertum und Borniertheit bereits Künstlerinnen zu großen Dramen inspiriert hat.

Und, ZACK!, machen sich letzten Freitag die Münchener des SZ-Magazins über Leute wie mich Gedanken!
“Unsere kleine Welt” lautet der Titel des Artikels (leider nur mit Anmeldung zugänglich, und das auch nur noch bis Donnerstag kostenlos), die Unterzeile “Früher konnte man herrlich auf die deutschen Spießer schimpfen. Heute geht das nicht mehr: Viele müssten sich selbst beschimpfen.”

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es für die coolen, trendy People ein Schock ist, wenn sie an sich oder in ihrer coolen, trendy Gesellschaftsschicht Symptome des Spießertums feststellen. Wenn man sich nicht langfristig darauf vorbereitet hat, ist es schwer damit zu leben, dass man zum Beispiel gerne früh aufsteht.

Ich selbst hatte es da immer erheblich leichter. Ausgestattet mit oben beschriebenem Naturspießertum, entdeckte ich im Lauf der Jahre am Spießerdasein immer mehr gute Seiten. Vor allem im Vergleich zur Trends settenden Schicht. In meinen Studienzeiten hörten diese Leute “Independent” und kleideten sich in England ein, will heißen in Manchester und London. War interessant anzuschauen und anzuhören (mit ein paar Meter Platz zwischen Klangquelle und Ohr). Nur dass die Herrschaften in Gesellschaft ungeheuer unnahbar und freudlos wirkten, zudem gegenüber Andersgläubigen enorm intolerant waren.
Da lobte ich mir doch die Besucher von Dorfdiscos mit Namen wie Wigwam, Lollipop oder Circus. Modisch und musikalisch allesamt keine Inspiration – aber freundlich und offen. Es war vor allem die Toleranz der Spießer, die ich immer mehr zu schätzen lernte: „Nun ja, wenn’s ihm gefällt.“

Wichtig auch: Reaktionär ist was Anderes. Das impliziert Aktion und Planung. Wir Spießer aber sind dazu viel zu bequem. Neues ist schön – wenn wir neugierig genug sind und es nicht anstrengt. Aber warum nicht auch mal das Neue im Alten finden?

Das Werbe- und Marketingblatt Horizont hält sich als Kolumnisten einen „Spießer Alfons“. Bezeichnenderweise ist seine Funktion, wie das Kind aus dem Märchen auf den aufgeblähten Kaiser zu deuten und „der hat ja gar nichts an!“ zu rufen.

Ich gebe allerdings zu, dass ich zusätzlich die Postmoderne in meinem Gen-Code habe; mein Faible für Gummibäume und Perserteppiche mag also durchaus ironisch sein.

Kaltmamsell übt Haiku

Mittwoch, 11. Februar 2004

Riesige Scheinwerfer,
die das Rathaus anstrahlen:
Ballsaal für Schneeflocken.

Fremde Sprachen

Dienstag, 10. Februar 2004

“Oder wie die Spanier sagen: ‘Bis später’.”

(aus eher betagtem Frauenmund auf dem Flughafen von Palma de Mallorca)

Teufelsrad

Dienstag, 10. Februar 2004

Sich verachten und hassen. Gleichzeitig aber so intelligent und reflektiert sein, dass man die Grundlosigkeit und Lächerlichkeit dieser Selbstsicht erkennt. Sich deshalb gleich noch mehr verachten.

Gutes Buch

Montag, 9. Februar 2004

LifeofPi (5k image)

Yann Martel, Life of Pi

Nature can put on a thrilling show. The stage is vast, the lighting is dramatic, the extras are innumerable, and the budget for special effects is absolutely unlimited.

Der Pi des Buchtitels ist ein 16jähriger indischer Bursche, Sohn eines Zooverwalters, der in den 70er Jahren auf der Überfahrt nach Kanada Schiffbruch erleidet. Yann Martel schreibt seine Geschichte auf (Ecos „Natürlich, eine alte Handschrift“). Denn nach dem Schiffbruch findet sich Pi in einem Rettungsboot wieder, das er mit einem bengalischen Königstiger teilt.

Der Roman hat drei “Parts”:
“Part One – Toronto and Pondicherry” erzählt von der Begegnung des Autors mit der Hauptperson Pi in Kanada und von Pis Kindheit und Jugend bis zum Schiffbruch,
“Part Two – The Pacific Ocean” ist der längste Teil; er deckt die Zeit im Rettungsboot ab,
“Part Three – Benito Juárez Infirmary, Tomatlán, Mexico” besteht aus dem Protokoll des Gesprächs zwischen zwei Vertretern des japanischen Transportministeriums (das gekenterte Schiff war japanisch) und dem Schiffbrüchigen nach seiner Rettung.

Der Rahmen für die Geschichte ist wunderbar subtil konstruiert, das Schiffbruch-Thema greift augenzwinkernd die Vorfahren des Genres auf, und in der oft traurigen Geschichte gibt es viel zu lachen. Eines der Highlights ist die ausführliche Anleitung, wie in dieser Situation (in einem Rettungsboot mitten im Pazifik) ein Tiger zu dressieren ist, in neun Punkten. Der erste davon lautet:
1. Choose a day when the waves are small but regular. You want a sea that will put on a good show when your lifeboat is broadside to it, though without capsizing your boat.

Life of Pi hat 2002 den Booker Prize bekommen.