Archiv für Februar 2005

Confiserie Rottenhöfer

Montag, 28. Februar 2005

Der umtriebige alte Musiklehrer an meinem bayrischen Provinz-Gymnasium organisierte zweimal im Jahr Opernfahrten nach München. Auf einer von diesen entdeckte ich die Pralinen von Rottenhöfer. Wir kamen immer etwa eine Stunde vor Beginn der Vorführung an der Münchner Staatsoper an, damit die Erwachsenen noch einen Snack einnehmen konnten. Wir Schüler drückten uns mangels Geld derweil in der Nähe des Opernhauses herum. Im Schaufenster einer Konditorei sah ich Pralinen, die an Vielfalt und Detailliebe alles übertrafen, was ich je in Schachteln gesehen hatte; ich investierte mein Taschengeld in mein erstes handgefertigtes Konfekt und aß es andächtig während der Oper auf meinem halsverrenkenden Stehplatz.

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Garagenausfahrt – der Könner

Sonntag, 27. Februar 2005

Mode marginal – Limes 0

Freitag, 25. Februar 2005

Das SZ-Magazin hat’s geschafft: Im heutigen Mode-Special sind die Kleidungsstücke so verkünstelt fotografiert (die Fotografen haben sie um selbstgebastelte Karton-Tiere gewickelt), dass kein Bezug mehr zum Text herzustellen ist. Was auf dem Foto soll der Bikini sein? Wo ist an dieser Tasche wohl oben? Ach, ein 1200-Euro-Strandkleid bindet man um den Kopf?

Wissen’S was, Frau Fehn: Das nächste Mal lassen’S die Fotos gleich ganz weg und beschränken sich auf Ihre launigen Texte im Stil der Conley’s-Kataloge. Die Anzeigenbilder transportieren das Thema eh besser.

(Abgesehen davon: Herr Vuitton, Louiserl, ich erkläre Ihnen gerne mal den Unterschied zwischen stricken (tricoter) und häkeln (faire du crochet). Ihre Tasche namens Crochet ist gestrickt.)

Lesen bei anderen:

Donnerstag, 24. Februar 2005

Ein wunderbar sachlicher und kundiger Kommentar-Thread zu Arztkosten bei Tante Doktor pepa.

Eine Leistungskurs-Gymnasiastin, die eine Deutsch-Stunde über Wolf Haas in Form einer Wolf-Haas-Imitation beschreibt.

Superheld am Kopierer

Dienstag, 22. Februar 2005

Eben war Wolverine in meinem Büro und hat den Kopierer repariert. Da die Störanfälligkeit von Kopiergeräten wirklich zu den Geißeln der Menschheit gehört, wunderte ich mich nicht, dass zur Beseitigung ein Superheld geschickt wurde.

Als ich ihm zu verstehen gab, dass ich ihn erkenne, tat er ganz ahnungslos: „Wer?“ Na gut, er hatte seine Koteletten minimal gestutzt und trainiert ganz offensichtlich nicht mehr so viel, aber ich werde doch wohl Wolverine identifizieren können, wenn ich ihn sehe. Zum Beweis habe ich ihm dieses Bild gezeigt:

Er hat dann immer wieder so komisch zu mir rüber geschaut. Für den Fall, dass ich mich doch geirrt haben sollte, bin ich für die Dauer der Reparatur lieber ins Büro der Kollegin verschwunden.

Ich fahre einen Bombardier

Montag, 21. Februar 2005

Es war Sten Nadolnys Roman Netzkarte, aus dem ich von der Existenz derselben erfuhr. Eine Fahrkarte, mit der man jeden beliebigen Zug in Deutschland nehmen kann, jederzeit – ich konnte mir keine luxuriösere unbegrenzte Mobilität vorstellen.

Allerdings schien mir selbstverständlich, dass eine Netzkarte nur in einer mehrmonatigen Auszeit Sinn ergab, wie sie der Roman beschrieb. Sonst konnte man doch die Trilliarden Geld, die eine solche Karte sicher kostete, gar nicht ausnutzen.

Meine enge Verbindung mit dem Zugfahren begann einen Tag nachdem ich mein erstes Auto, einen orangen safran-farbenen C-Kadett, in einen verschneiten Graben gesetzt hatte: Ich ließ das Auto vom Schrotthändler bergen und kaufte mir einen Junior-Pass der Deutschen Bahn. Das war 1987. Als Kind war ich nie Bahn gefahren; ich erinnere mich an einen einzigen Familienausflug mit dem Zug (wahrscheinlich hatten meine Eltern ihren Jahreswagen unerwartet schnell verkauft und mussten eine autolose Lücke überbrücken). Das mag der Grund sein, warum Zugfahren für mich bis heute einen Hauch von Abenteuer, zugleich von Luxus hat. Dazu kommt meine große und gänzlich ideologie-freie Abneigung gegen das Autofahren.

Vor wenigen Jahren kam dann der Augenblick, als ich zum ersten Mal selbst mit Netzkarte fuhr: Für eine Geschäftsreise mit der Bahn holte ich mir im ICE-Hotel neben dem Bahnhof die Firmen-Bahncard ab und konnte es kaum fassen. Sehr enttäuscht war ich von der fehlenden Anerkennung des Schaffners: Der guckte bei der Kontrolle keine Sekunde länger darauf als sonst auf meine Monatskarten. Enttäuschend waren auch meine Versuche, im Bekanntenkreis Eindruck zu schinden: „Ich bin mit einer Netzkarte hergekommen! Wollt ihr mal sehen?“ quittierten sie mit einem freundlichen, aber ahnungslosen Blick.

Es war, glaube ich, diese unscheinbare, sehr junge Frau, die die Bahncard 100 auf meinen eigenen Planeten holte. Zwar hatte ich bei meinem täglichen Pendeln im ICE hin und wieder jemanden eine Netzkarte vorzeigen sehen, doch das waren immer Anzugträger an Laptop gewesen, denen die Möglichkeit zur grenzenlosen Bahnfahrt doch sicher vom Arbeitgeber ins Handschuhfach des Dienstwagens gelegt worden war. Die junge Frau aber stand über jedem solchen Verdacht; sie wirkte wie eine Studentin, die einfach sehr oft Bahn fährt. Also begann ich zu rechnen: Zwölf Monatskarten plus Streifenkarten für den öffentlichen Nahverkehr in der Wohnstadt und in der Arbeitsstadt machte konservativ gerechnet jährlich etwa 3.200 Euro. Die Netzkarte, die zudem ein Jahr lang in 60 deutschen Städten zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs berechtigt, kostet 3.250 Euro. Und bringt mich auch sonst überall hin, wo’s in Deutschland Bahnhöfe hat.

Als ich die Bahncard 100 letzte Woche aus der Post zog, war ich euphorisch: Es erfüllte sich ein ähnlicher Lebenstraum wie damals bei der Schifffahrt nach New York. Doch schon wieder bleiben Neid und Jubel aus! Nicht mal der Schaffner zieht anerkennend die Augenbraue hoch!

Was bleibt mir also übrig, als meine Prahlerei per Blog in die weite Welt des Internets zu rufen, wenn ich irgendwo ein bewunderndes, oder gar neidisches „Boooh!“ haben möchte.

Osterschokolade und Limericks

Sonntag, 20. Februar 2005

Ich lese gerne Blogs, weil ich dadurch hinter die Kulissen anderer Welten schaue. Heute:
- Supermarktleiter erklärt, warum Oster- und Weihnachtsware schon Monate vor dem Ereignis im Laden steht.
- Schlaflose Übersetzerin spielt mit Limericks.