Archiv für Juli 2005

In Augsburg gibt’s nämlich auch Kunststudenten

Sonntag, 31. Juli 2005

Am Wochenende stellten die Absolventen und Absolventinnen der Fachhochschule Augsburg, Fachbereich Gestaltung, ihre Abschlussarbeiten aus. Dieser Fachbereich ist in einem alten Backsteingebäude untergebracht, das mal ein Krankenhaus war. Ein bisschen habe ich mich umgesehen. (Ist das an allen Design-Fachbereichen so, dass man vor lauter hübschen Mädchen und Frauen gar nicht weiß, wo hingucken?)

Kathrin Hörmann: “Die Veränderung im Abbild der menschlichen Haut”

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Neulich auf dem Damenklo

Sonntag, 31. Juli 2005

‘xcuse me?

Mode marginal: Lästern

Samstag, 30. Juli 2005

Nein, Lästern macht mir keinen richtigen Spaß. Den Läster-Impuls habe ich als deutliches Zeichen zu erkennen gelernt, dass ich mich selbst nicht wohl fühle. Wenn ich über den explodierten und blondierten Pony der Kollegin nicht schmunzle, wenn ich beim Schlurfschwapf der Flipflops nicht mit den Schultern zucke, wenn über die sorgfältig hergerichteten Babypunks vor dem Augsburger Bahnhof nicht sentimental werde, sondern eine gehässige Bemerkung in mir aufsteigt, dann weiß ich, dass irgendwas nicht stimmt.

Auf Englisch ertrage ich nachvollziehbares Styling-Lästern allerdings hin und wieder, deshalb sei hiermit das Blog Go Fug Yourself empfohlen. Aktueller Anlass: Ich habe da eine Empfehlung aus Deutschland.

picture by dpa

No, this lady on her way to this year’s Wagner festival is not somebody special. She is just the long-time wife (then again, this might make her special) to the host of the biggest German Saturday evening TV show. She always looked a little bit like this, even 25 years ago, but never more so. On the other hand: Mrs Thea has now reached an age that fits this sort of excentricity. Very Zsa Zsa Gabor.
(And this is not a transvestite, honest.)

Familienalbum – 5: Die spanische Weinbauernseite

Freitag, 29. Juli 2005

An meinen Großvater spanischerseits erinnere ich mich gar nicht. Er starb, als ich acht war, also habe ich ihn auf etwa vier Spanienurlauben erlebt – mehr nicht. Und auch mein Vater weiß nicht einmal, ob sein Vater sieben oder acht Geschwister hatte. Aber er konnte mir sagen, dass er aus einer alten Weinbauernfamilie stammte, aus El Puente del Arzobispo bei Toledo.

Nicht nur mein Großvater zog in den 30ern nach Madrid, auch einige seiner Geschwister. Schon Legende ist meine lang verstorbene Großtante Julia: Sie wurde eine hochdotierte Prostituierte, hatte angeblich die gesamte Franco-Regierung als Kunden, und wohnte in einem luxuriösen Vier-Zimmer-Appartement hinterm Parque del Retiro, in der Calle Juan de Urbieta.

Ein anderer Großonkel von dieser Seite, der tío Felix meines Vaters, hatte in Madrid eine Bodega, also ein Weinlokal. Dort wurde das Foto oben aufgenommen. Die Bodega lag bei der Plaza San Juan und hatte zwei Eingänge, einer mit der Adresse Calle Santa María 46, einer Moratín 33. Ganz offensichtlich gibt es dort immer noch ein uriges Altstadtlokal, das heute Taberna Moratín heißt (ein wenig runterscrollen).
Tío Felix ist der Herr rechts mit den dicken Brillengläsern, vor ihm macht sich mein späterer Vater recht wichtig (ah, liegt also in den Genen), rechts hinter ihm steht der ältere Bruder meines Vaters. Tío Felix ist der Verwandte, der meinen Vater protegierte und dafür sorgte, dass er eine gute Ausbildung bekam. Mein Vater erzählt, dass er als Bub immer nach der Schule in der Bodega vorbeischaute und mithalf. Aus den drei Zapfhähnen auf dem Bild kamen verschiedene Arten Rotwein. Es gab die Sorten billig (mit viel Wasser verdünnt), mittelteuer (mit ein wenig Wasser verdünnt), teuer (unverdünnt) – der Spanier ist halt von Natur aus ein Weinkenner.

In der Nähe der Bodega lag die Berufschule. Mein Vater hatte die Schule der Salesianer besucht, die damals einen exzellenten Ruf hatte und sicherstellte, dass mein Vater bis heute ein echtes Hassverhältnis zur katholischen Kirche hat. Obwohl sie darauf ausgelegt war, spätere Büroangestellte auszubilden, wollte mein Vater unbedingt ein Handwerk lernen. Berufsschulen sind bis heute in Spanien die Ausnahme (man lernt einen Beruf halt beim Arbeitgeber), damals war es fast unmöglich, auch nur in Sichtweite eines Platzes zu kommen. Doch die Lehrer der Berufschule kehrten jeden Tag auf dem Heimweg in der Bodega des Tío Felix ein. Und dieser bearbeitete sie so lange, bis sie seine Neffen, also meinen Vater und seinen Bruder, zur Aufnahmeprüfung zuließen. Mein Vater lernte Elektriker, mein Onkel wurde Dreher.

Deppen-Stricknadeln

Donnerstag, 28. Juli 2005

Auch vor der Strickerei macht die Ingenieurskunst nicht Halt:
Jetzt gibt es Stricknadeln, die Maschen zählen können.
via Uffish

Mein liebsten Schlagzeilen

Donnerstag, 28. Juli 2005

Hach, die Fachpresse. Hier meine heutigen Lieblingsschlagzeilen aus einem wichtigen deutschsprachigen Fachblatt, das ich beruflich lese:

Kakaoexporte leicht gefallen

Um zehn Meter verlängert

Über Swinoujscie nach Rønne

Kammer sieht Handlungsbedarf zur Steigerung der Attraktivität

Gesundheitsgefahren beim Containerumschlag analysiert

Jungfer „British harmony“ lief Hamburg an

In Japan für Thailand gebaut

Klein und zwei Jahre wartungsfrei

Nach Deutschland verkauft?

„Elbetor“ und „Krempertor“

CSD-Dichtungsstopfen auf neuer Website

Babyalarm

Mittwoch, 27. Juli 2005

Kein Büro entkommt ihnen, ob Buchhaltung, Stadtverwaltung, Kreativagentur oder Lehrstuhl: den ehemaligen Arbeitskolleginnen, die zum Babyvorzeigen auf Besuch kommen. Ich glaube, meine Zimmerkollegen in der letzten Agentur haben die Tiefe meiner Kinderabneigung erst ernst genommen, als ich bei solch einer Gelegenheit, als man im Eingangsbereich bereits Säuglingsgeräusche und eine in Obertönen juchzende Telefonistin hörte, mit dem Ruf „Oh Gott, Babyalarm!“ unsere Bürotür schloss und verriegelte.

Mittlerweile meide ich solche Besuche durch Auswärtstermine oder Urlaub und lüge schamlos bei der Terminabsprache, dochdoch, ich sei ganz bestimmt da (sonst wird der Besuch ja so lange verschoben, bis Muttern mir das Baby ganz sicher unter die Augen schieben kann).

Immer noch kein Mittel habe ich aber gegen Babyfotos. Wenn Sie mir nur gemailt werden, öffne ich sie halt nicht oder klicke sie nach kurzer Betrachtung ungerührt wieder zu. Was aber, wenn die stolze Oma („Oma“ immer in der Kollokation „stolze“ verwenden) mich an der Hand in ihr Büro zieht, um mir das Enkelbabybild persönlich vorzuführen? Ich bin gesellschaftsfähig genug, meine Stimme in den Kopf zu schrauben und erst mal mit einem Glissando über zwei Oktaven auf „Mmmmh!“ zu reagieren. Doch dann muss ich was sagen. Immer. Heute habe ich mir damit geholfen zu zwitschern: „Oh! Ein echtes Baby! Zwei Augen zwei Ohren eine Nase!“ Dann ging ich zurück in mein Büro.

War das genug? Die stolze Oma war, glaube ich, zu sehr damit beschäftigt, selbst strahlend das Bildschirm füllende mondähnliche Gesicht zu bewundern, um den Inhalt meines Zwitscherns zu registrieren. Das nächste Mal probiere ich es vielleicht mit Ehrlichkeit, spaßeshalber. In diesem Fall hätte ich quietschen müssen: „Das ist ja mal ein ungewöhnlich breites und unattraktives Baby!“