Archiv für September 2005

Toleranz geschlossen

Freitag, 30. September 2005

Bahngeschichten: Souvenirs

Samstag, 24. September 2005

Der alte Schaffner im ICE hat die Geduld eines sächsischen Engels. In allen Details sucht er den jungen Eltern – Hautfarbe und Akzent deuten auf ferne Herkunft hin – die Anschlussverbindung von München zum Flughafen heraus. Er bespricht Umsteigemodalitäten, Wege, Zeitabstände, er diskutiert eingehend die Rolle des vielen Gepäcks und des Kinderwagens. Liebevoll malt er eine Skizze des Wegs vom Ankunftbahnsteig zum S-Bahn-Gleis. Endlich ist die beste Lösung gefunden.

Abschließend wendet er sich dem Baby zu: „Och, dor is ja noch ganz frisch!“ Er kramt in der Innentasche seines dunkelblauen Schaffnerjackets und zieht ein buntes Papierbildchen heraus. Dann stempelt er es mit dem Fahrkartenzwicker und überreicht das Kärtchen der Mutter: „Da steht die Zugnummor drauf un das heutige Datum. Für seine allorerste Fahrt mit ‚nem Zuch.“

Keine richtige Ehe

Freitag, 23. September 2005

„Fällt dir eigentlich gar nichts an mir auf?“
Der Aufhänger für Axels Hackes Kolumne im heutigen SZ-Magazin erinnert mich brutal an meine fehlenden Fertigkeiten beim Herbeiführen von Ehekrächen. Diese Frage habe ich nämlich noch nie gestellt, nicht in meiner 12-jährigen Partnerschaft mit dem Mitbewohner, auch nicht davor.
Ich sage eher: „Schau mal, ich habe mir einen Ring gekauft!“ Oder: „Findest du, dass die Haare diesmal zu kurz geworden sind?“ Manchmal sogar: „Nimmst du mich so mit?“

Allerdings möchte ich zu meiner Entlastung darauf hinweisen, dass der Mitbewohner keine Hilfe bei der Kracherzeugung ist. Er sagt gerne mal bei passender Gelegenheit: „Kenne ich diesen Rock? Gefällt mir!“ Oder: „Habe ich diese Ohrringe schon mal an dir gesehen? Ah richtig, die wolltest du ja bei Ebay kaufen.“ Hin und wieder stellt er auch fest: „Gut schaust du heute aus!“

Finge ich Spiele à la „Fällt dir eigentlich gar nichts an mir auf?“ an: Ich bin mir sicher, es würde ihn bestürzen, und er würde nicht ruhen, bis er herausfindet, wodurch er mein Wohlwollen und mein Vertrauen verscherzt hat.

Aber gut, ich speichere ab: Es gilt als normal, wenn eine Beziehung einem Minenfeld gleicht.

Subversive Büroaktionen

Freitag, 23. September 2005

Heute absichtlich das Ritual des Corrie- gebrochen und einen jungen sowie kaum bekannten Kollegen aus 200 Metern Entfernung laut und winkend gegrüßt, obwohl er ordnungsgemäß nach den Regeln des corriecravie scheinbar beiläufig an mir vorbei schaute. Mich an seiner völligen Verunsicherung geweidet.

Ausgedient

Donnerstag, 22. September 2005

(Die Kabelbäume noch von Hand und mit Schnur gebunden.)

So kann man’s natürlich auch sehn

Mittwoch, 21. September 2005

German Joys, ein Amerikaner in Deutschland, hat ebenfalls am Sonntag ferngesehen.

(…) all of the leaders showed up, none of them had a teleprompter, and they agreed to be quizzed by journalists. At least some of the time, they actually more-or-less answered on anothers‘ questions. Fancy that! And you know what? They debated Serious Issues, and remained perfectly civil throughout. Everyone called each other Mr. or Mrs., or Kollege (my colleague), or used the appropriate title. There were a few interruptions, and some heated moments, but that was it. The only real breach of etiquette was that Chancellor Schroeder seemed a bit too brassy and defiant. But overall, they talked about the possibility of forming coalitions, and their parties‘ ideas about how to solve Germany’s problems, and other grown-up things.
(…)
Watching the average American politician be interviewed is like watching a human being fail the Turing test.

Zum ganzen Eintrag.

Mama im Straßenwahlkampf

Dienstag, 20. September 2005

Im Haus meiner politisch sehr engagierten Eltern ging man von der Muttermilch direkt zur Erbsensuppe als Hauptnahrungsmittel über. Als Kind dachte ich lange, die Schlußphase des Wahlkampfes würde „heiße Phase“ genannt, weil dann die wirklich großkalibrigen Gulaschkanonen aufgefahren wurden, in deren Bäuchen genug Suppe für das halbe Ruhrgebiet köchelte.

Wahlkampf aus Familienperspektive: „Es ist noch Suppe da“ im neuen und knallgrauen Web-Magazin Mindestens haltbar (toitoitoi).