Archiv für September 2005

Toleranz geschlossen

Freitag, 30. September 2005

Mehr Grüße aus der Schulungsferne

Mittwoch, 28. September 2005

Zwei Tage lang mächtig was gelernt, vor allem von den Kollegen (die ich vorher nicht kannte) übers Unternehmen. Aber auch von zwei guten Trainern. Heute Nachmittag müssen wir freiwillig in der Gruppe etwas Sportliches unternehmen. Wenn das Wetter so schlecht bleibt, droht Cartfahren (erwähnte ich, dass ich die einzige Frau in der Gruppe bin?).

Grüße aus der Schulungsferne

Montag, 26. September 2005

Es gibt Berge (hoch und alpin), einen See, drei Esel (mindestens einer davon depressiv), Stallhasen, Hühner, eine große schwarze Katze und ein Rudel lauter Enten.
Ich muss alle duzen und nahezu ernsthaft Sport treiben, ohne dass gruppendyamische Wirkung erkennbar wäre.
Heute habe ich mir das WLAN untertan gemacht, jetzt geht’s mir besser.

Die Last der Maske

Sonntag, 25. September 2005

Ich hätt grad so viel aus meinem Berufsleben zu erzählen, wunderbare Geschichten – Rührendes, Lustiges, Banales, Überraschendes. Die nächsten Tage bin ich fort auf Schulung, da mach ich mir Gedanken, wie und ob ich parallel unter meinem Klarnamen ein persönliches aber offizielles Jobblog führen könnte (kein Unternehmensblog, das wäre in unserem Fall unnütz, wenn nicht gar gegennütz).
Danach mache ich mir Gedanken, wie ich meine Oberchefs davon überzeuge.

Bahngeschichten: Souvenirs

Samstag, 24. September 2005

Der alte Schaffner im ICE hat die Geduld eines sächsischen Engels. In allen Details sucht er den jungen Eltern – Hautfarbe und Akzent deuten auf ferne Herkunft hin – die Anschlussverbindung von München zum Flughafen heraus. Er bespricht Umsteigemodalitäten, Wege, Zeitabstände, er diskutiert eingehend die Rolle des vielen Gepäcks und des Kinderwagens. Liebevoll malt er eine Skizze des Wegs vom Ankunftbahnsteig zum S-Bahn-Gleis. Endlich ist die beste Lösung gefunden.

Abschließend wendet er sich dem Baby zu: “Och, dor is ja noch ganz frisch!” Er kramt in der Innentasche seines dunkelblauen Schaffnerjackets und zieht ein buntes Papierbildchen heraus. Dann stempelt er es mit dem Fahrkartenzwicker und überreicht das Kärtchen der Mutter: “Da steht die Zugnummor drauf un das heutige Datum. Für seine allorerste Fahrt mit ‘nem Zuch.”

Keine richtige Ehe

Freitag, 23. September 2005

„Fällt dir eigentlich gar nichts an mir auf?“
Der Aufhänger für Axels Hackes Kolumne im heutigen SZ-Magazin erinnert mich brutal an meine fehlenden Fertigkeiten beim Herbeiführen von Ehekrächen. Diese Frage habe ich nämlich noch nie gestellt, nicht in meiner 12-jährigen Partnerschaft mit dem Mitbewohner, auch nicht davor.
Ich sage eher: „Schau mal, ich habe mir einen Ring gekauft!“ Oder: „Findest du, dass die Haare diesmal zu kurz geworden sind?“ Manchmal sogar: “Nimmst du mich so mit?”

Allerdings möchte ich zu meiner Entlastung darauf hinweisen, dass der Mitbewohner keine Hilfe bei der Kracherzeugung ist. Er sagt gerne mal bei passender Gelegenheit: „Kenne ich diesen Rock? Gefällt mir!“ Oder: „Habe ich diese Ohrringe schon mal an dir gesehen? Ah richtig, die wolltest du ja bei Ebay kaufen.“ Hin und wieder stellt er auch fest: „Gut schaust du heute aus!“

Finge ich Spiele à la „Fällt dir eigentlich gar nichts an mir auf?“ an: Ich bin mir sicher, es würde ihn bestürzen, und er würde nicht ruhen, bis er herausfindet, wodurch er mein Wohlwollen und mein Vertrauen verscherzt hat.

Aber gut, ich speichere ab: Es gilt als normal, wenn eine Beziehung einem Minenfeld gleicht.

Subversive Büroaktionen

Freitag, 23. September 2005

Heute absichtlich das Ritual des Corrie- gebrochen und einen jungen sowie kaum bekannten Kollegen aus 200 Metern Entfernung laut und winkend gegrüßt, obwohl er ordnungsgemäß nach den Regeln des corriecravie scheinbar beiläufig an mir vorbei schaute. Mich an seiner völligen Verunsicherung geweidet.


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