Archiv für November 2005

Süüüßer die Galoocken nie kliiiiiengään…

Mittwoch, 30. November 2005

Erst jetzt ist echter Advent. Denn eben bekam ich die alljährliche Rundmail:

Liebe Mitarbeiter,

immer wieder werden in der Vorweihnachtszeit in Büros und Werkstätten Kerzen angezündet. Wir weisen aus Gründen des Brandschutzes darauf hin, daß das Anzünden und Abbrennen von Kerzen innerhalb des gesamten Firmengeländes nicht gestattet ist.

Die Vorgesetzten werden gebeten, dies zu überwachen.

Mit freundlichen Grüssen
- Werkfeuerwehr -

Anderes Kochen im Fernsehen

Mittwoch, 30. November 2005

Gestern habe ich erstmals Jamie Oliver in Bewegung gesehen, weil ein RTL-Sender seine Serie über die Verbesserung des englischen Schulessens ausstrahlt: „Jamie’s School Dinners“. `tschuldigung, aber in einer Dokumentation die Leute von Schauspielern synchronisieren zu lassen, finde ich nicht nur unredlich – ich kriege echte, physische Gänsehaut davon. Hätte es ein Voice-Over der Übersetzung nicht auch getan?

Das Projekt selbst ist hochinteressant, der Herr Oliver bleibt mir aber in Kochbuchform am liebsten. Was das Fernsehen wirklich lohnte, war der Anblick der derben, lauten Kantinen-Chefköchin Nora in der Restaurantküche des edlen Fifteen: Totaler Clash der Kulturen, etepetete Feinchenkoch (ein Kollege Olivers) trifft auf Working-Class-Bulldozer, gestreiftes Modekäppchen gegen weißes Haarnetz, Messerakrobat gegen zwei in die Hüfte gestemmte Fäuste. Und was die Frau einen Spaß hatte! Wie sie guckte und naschte und lachte und trompetete! Das guck ich weiter, dienstags um 21.15 Uhr auf RTL II.

… morgen bringe ich sie um.

Dienstag, 29. November 2005

Sie kennen hibbelige 7-Jährige, die keine Sekunde ruhig sitzen können? Nervig, nicht? Dieses Verhalten stellen Sie sich jetzt bitte bei einer schicken Endfünfzigerin vor, die in einer ganztägigen Tagung am langen Konferenztisch neben Ihnen sitzt.
Sie wechselt das Schreibgerät, erhangelt sich quer über den Tisch eine Mandarine und schält sie in Quadratzentimeter-Stückchen, säubert sich die Nägel, ribbelt die noch zugenähten Taschen ihres Sakkos auf, kramt aus ihrer Tasche ihren Lippenstift hervor, schminkt sich damit, versucht mich oder den Kollegen auf ihrer anderen Seite mit Bühnengeflüster in Parallel-Diskussionen zu ziehen, holt sich ein Glas, stellt es zurück, holt sich ein anderes Glas, wechselt die Brillen, zieht eine Gazette heraus, blättert darin und macht sich daran, den Psychotest auszufüllen, sucht in ihren Unterlagen den Zugfahrplan, blättert darin. Bei all diesem juckelt sie auf ihrem Leder-Drehstuhl hin und her, vor und zurück, so dass sie ständig mit Lehnen oder Füßen an meinen Stuhl, meine Ellbogen, meine Füße dotzt.
Und wenn sie tatsächlich minutenweise ruhig sitzt, räuspert sie sich, hustet oder kruscht in in ihrer riesigen Handtasche jeweils in einer Lautstärke, dass der Referent schier nicht zu hören ist.

Noch dazu ist sie ein rheinische Frohnatur, wie wir sie seit Einstellen der Sendung Zum blauen Bock für ausgestorben hielten. Keine Ankündigung, kein Thema, zu denen sie nicht eine launige Bemerkung machen muss. Glauben Sie mir: Die deutsche Humorlosigkeit hat ihren schlechten Ruf zu Unrecht. Rheinischem Humor ziehe ich sie jederzeit vor.

Weil grad Zeit ist: Mal wieder ein Fragebogen

Samstag, 26. November 2005

1. Dein erster Gedanke heute morgen?
Ich muss aufs Klo.

2. Wieso ist dies ein guter Tag?
Weil ich zwar Einiges für die Arbeit tun muss, aber Zeit hatte, an die Isar zum Laufen zu gehen (davon über 20 Minuten echtes Joggen, es wird), ein Bad zu nehmen, in aller Ruhe Futterholen zu gehen.

3. Deine größte Aufgabe heute?
Den XY-Beitrag zum XY nochmal zu redigieren und dem Vorstand zur Freigabe zu schicken.

4. Endlich Feierabend! Was hast Du heute noch vor?
Seeteufel-Gulasch kochen und essen.

5. Fünf Gründe, warum Du später als gewollt ins Bett gehst…
Hahahaha….! Bei mir müsste die Frage lauten: Fünf Entschuldigungen, warum du nicht so lange wie geplant aufbleibst. Gerade im Winter werde ich abends sehr früh sehr müde. Was unter anderem daran liegen mag, dass ich an fünf Morgen die Woche sehr früh aufstehen muss.

gimme-five.org via Youknowwho

Seasonal Greetings

Freitag, 25. November 2005

Weihnachtsverbrechen

Von wegen virtuell

Freitag, 25. November 2005

Ach ist das schön, dem Liebsten überraschend in den Kommentaren eines meiner Stammblogs zu begegnen. Dass ich bei großem Vermissen während der Arbeitszeit immer in sein Blog klicke, ein Stück Nähe spüre, wenn es ein neues Posting gibt, sogar eine Berührung – das ist bei verpaarten Bloggern normal, oder?

Mein Handschuh des Jahres

Donnerstag, 24. November 2005

Haarschafleder, Oberseite geprägt mit Muster, unten schlicht dunkelbraun, seidengefüttert. Da mag mein Wintermantel noch so langweilig omabeige sein: Diese Handschuhe machen mich zur Königin. Zumal ich jetzt endlich ein Paar mit lederbezogenem Knöpfchen habe. Ein Hoch auf den Designer von Roeckl. (Wenn Sie mal in einem der Läden sind: Lassen Sie sich unbedingt die wieder aufgelegten historischen Modelle zeigen.)

Es macht mir immer mehr Spaß, feine Dame zu spielen. Dadurch wird immer klarer, wie groß der Unterschied zu meiner Mutter ist: Ihr Ideal ist Jugend und Sportlichkeit (passt gut zu ihrem mädchenhaften Typ, nur dass sie sehr mit dem Älterwerden hadert), meines ist Alter und Eleganz. Meine Mutter glaubt immer noch ich scherze, wenn ich behaupte: „Man kann gar nicht früh genug mit dem Älterwerden anfangen.“ Sie versteht bis heute nicht, dass ich meine vielen grauen Haare nicht färbe, auch wenn ich ihr erkläre, dass ich lieber älter und interessant als jünger und fad aussehe. Als ich ihr von einer früheren Mitschülerin vorschwärmte, weil diese ganz ausgezeichnet und wunderschön altert, schloss sie daraus sofort auf Faltenlosigkeit und jugendliches Aussehen. Ich glaube meine Mutter sieht sich am liebsten als die jung gebliebene Bergwanderin, die damit überrascht, dass sie auch mal Abendkleid und hohe Schuhe trägt. Ich wiederum überrasche viel lieber damit, dass ich auch in Seidenkostüm und Pumps über Zäune klettere.

Erst gestern fiel mir in der Muckibude (Schwabing halt) eine ältere Dame auf, die selbst für das Heben von Gewichten perfekt zurecht gemacht war: weiße, bequeme lange Sporthose, weißer Strickpulli mit blauem Streifen am Kragen, weiß-blaue Turnschuhe, dazu dezenter Perlenschmuck mit Lapislazuli an Ohren und Hals. Wow. Dafür bin ich eindeutig noch zu jung.

Edle Lederhandschuhe sind meine neuesten Damen-Insignien. Meine großen Bäurinnenhände verhinden zwar hunderprozentige Eleganz, aber das verbuche ich einfach unter Understatement. Mal sehen, wann ich zu Hüten finde.

Allerdings wies der Mitbewohner bei passendem Anlass (ich war mitten in München in eine unbewegliche Touristengruppe geraten und hatte deutlich „Muh!“ geschimpft) darauf hin: „Wenn du dich auch noch wie ein Gentleman benehmen könntest, wärst du eine echte Lady.“
Das muss der Seeräuberkapitän sein, der durchschlägt.


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