
Haarschafleder, Oberseite geprägt mit Muster, unten schlicht dunkelbraun, seidengefüttert. Da mag mein Wintermantel noch so langweilig omabeige sein: Diese Handschuhe machen mich zur Königin. Zumal ich jetzt endlich ein Paar mit lederbezogenem Knöpfchen habe. Ein Hoch auf den Designer von Roeckl. (Wenn Sie mal in einem der Läden sind: Lassen Sie sich unbedingt die wieder aufgelegten historischen Modelle zeigen.)
Es macht mir immer mehr Spaß, feine Dame zu spielen. Dadurch wird immer klarer, wie groß der Unterschied zu meiner Mutter ist: Ihr Ideal ist Jugend und Sportlichkeit (passt gut zu ihrem mädchenhaften Typ, nur dass sie sehr mit dem Älterwerden hadert), meines ist Alter und Eleganz. Meine Mutter glaubt immer noch ich scherze, wenn ich behaupte: „Man kann gar nicht früh genug mit dem Älterwerden anfangen.“ Sie versteht bis heute nicht, dass ich meine vielen grauen Haare nicht färbe, auch wenn ich ihr erkläre, dass ich lieber älter und interessant als jünger und fad aussehe. Als ich ihr von einer früheren Mitschülerin vorschwärmte, weil diese ganz ausgezeichnet und wunderschön altert, schloss sie daraus sofort auf Faltenlosigkeit und jugendliches Aussehen. Ich glaube meine Mutter sieht sich am liebsten als die jung gebliebene Bergwanderin, die damit überrascht, dass sie auch mal Abendkleid und hohe Schuhe trägt. Ich wiederum überrasche viel lieber damit, dass ich auch in Seidenkostüm und Pumps über Zäune klettere.
Erst gestern fiel mir in der Muckibude (Schwabing halt) eine ältere Dame auf, die selbst für das Heben von Gewichten perfekt zurecht gemacht war: weiße, bequeme lange Sporthose, weißer Strickpulli mit blauem Streifen am Kragen, weiß-blaue Turnschuhe, dazu dezenter Perlenschmuck mit Lapislazuli an Ohren und Hals. Wow. Dafür bin ich eindeutig noch zu jung.
Edle Lederhandschuhe sind meine neuesten Damen-Insignien. Meine großen Bäurinnenhände verhinden zwar hunderprozentige Eleganz, aber das verbuche ich einfach unter Understatement. Mal sehen, wann ich zu Hüten finde.
Allerdings wies der Mitbewohner bei passendem Anlass (ich war mitten in München in eine unbewegliche Touristengruppe geraten und hatte deutlich „Muh!“ geschimpft) darauf hin: „Wenn du dich auch noch wie ein Gentleman benehmen könntest, wärst du eine echte Lady.“
Das muss der Seeräuberkapitän sein, der durchschlägt.