Mein Handschuh des Jahres
Donnerstag, 24. November 2005 um 9:58
Haarschafleder, Oberseite geprägt mit Muster, unten schlicht dunkelbraun, seidengefüttert. Da mag mein Wintermantel noch so langweilig omabeige sein: Diese Handschuhe machen mich zur Königin. Zumal ich jetzt endlich ein Paar mit lederbezogenem Knöpfchen habe. Ein Hoch auf den Designer von Roeckl. (Wenn Sie mal in einem der Läden sind: Lassen Sie sich unbedingt die wieder aufgelegten historischen Modelle zeigen.)
Es macht mir immer mehr Spaß, feine Dame zu spielen. Dadurch wird immer klarer, wie groß der Unterschied zu meiner Mutter ist: Ihr Ideal ist Jugend und Sportlichkeit (passt gut zu ihrem mädchenhaften Typ, nur dass sie sehr mit dem Älterwerden hadert), meines ist Alter und Eleganz. Meine Mutter glaubt immer noch ich scherze, wenn ich behaupte: „Man kann gar nicht früh genug mit dem Älterwerden anfangen.“ Sie versteht bis heute nicht, dass ich meine vielen grauen Haare nicht färbe, auch wenn ich ihr erkläre, dass ich lieber älter und interessant als jünger und fad aussehe. Als ich ihr von einer früheren Mitschülerin vorschwärmte, weil diese ganz ausgezeichnet und wunderschön altert, schloss sie daraus sofort auf Faltenlosigkeit und jugendliches Aussehen. Ich glaube meine Mutter sieht sich am liebsten als die jung gebliebene Bergwanderin, die damit überrascht, dass sie auch mal Abendkleid und hohe Schuhe trägt. Ich wiederum überrasche viel lieber damit, dass ich auch in Seidenkostüm und Pumps über Zäune klettere.
Erst gestern fiel mir in der Muckibude (Schwabing halt) eine ältere Dame auf, die selbst für das Heben von Gewichten perfekt zurecht gemacht war: weiße, bequeme lange Sporthose, weißer Strickpulli mit blauem Streifen am Kragen, weiß-blaue Turnschuhe, dazu dezenter Perlenschmuck mit Lapislazuli an Ohren und Hals. Wow. Dafür bin ich eindeutig noch zu jung.
Edle Lederhandschuhe sind meine neuesten Damen-Insignien. Meine großen Bäurinnenhände verhinden zwar hunderprozentige Eleganz, aber das verbuche ich einfach unter Understatement. Mal sehen, wann ich zu Hüten finde.
Allerdings wies der Mitbewohner bei passendem Anlass (ich war mitten in München in eine unbewegliche Touristengruppe geraten und hatte deutlich „Muh!“ geschimpft) darauf hin: „Wenn du dich auch noch wie ein Gentleman benehmen könntest, wärst du eine echte Lady.“
Das muss der Seeräuberkapitän sein, der durchschlägt.



24. November 2005 um 10:56
Die Roeckl-Handschuhe sind doch die besten und schönsten! Schon meine Oma kaufte ihre immer im Roeckl-Laden am Rindermarkt – oder ist das noch oder schon die Sendlingerstraße? – in München. Ein wunderbarer alter Laden, gleich neben dem spanischen Fruchthaus, das ebenso wunderbar ist. Und um die Ecke ist der kleine Laden mit den Kommunions- und Hochzeitsdevotionalien. Es sit die schönste Geschäfteecke Münchens und hier in Berlin vermisse ich das am meisten.
Da ich eine Tendenz dazu habe, meine teuren Handschuhe zu Beginn des Winters immer zu verlieren, eifere ich nun meiner Oma hocherfreut nach und beglücke den Roeckl-Laden jedes Jahr drei bis vier Tage vor Weihnachten zu Beginn meines Festtagsfamilienbesuches mit meiner Anwesenheit und einem schnellen und entschlossenen Kauf von ein Paar Handschuhen.
Ich bleibe allerdings noch klassischer und nehme immer nur schwarzes Leder und etwas länger am Schaft – gegen den bösen Zug in den Mantelarm.
24. November 2005 um 11:35
Ha, Polizei, genau dieser Laden ist meine Quelle. Schöner finde ich zwar den in der Theatinerstraße (in München hat es in einem Radius von 400 Metern alle drei Roeckl-Läden) mit seiner uralten Befensterung und Einrichtung, aber aus dem in der Sendlinger Straße 1 kam halt mein allererstes Paar.
24. November 2005 um 14:07
Endlich mal jemand, der meine Leidenschaft für schöne Handschuhe versteht und teilt! Ich persönlich trauere ja fast der Zeit hinterher, in der man auch Sommerhandschuhe trug (hätte da noch ein paar von meiner Oma – komm mir damit aber ein bisschen zu komisch damit vor). Übrigens, das wunderschöne Geschäft im Roeckl-Eck in der Theatinerstraße ist gar kein eigentliches Roeckl-Geschäft (versteh wer will, ist aber kein Schmäh) – davon gibt es nur zwei: in der Maffeistraße und besagtes in der Sendlinger Straße. Dennoch: Ich finde das im Roeckl-Eck auch am schönsten – hat den richtigen Flair.
24. November 2005 um 19:54
Oh! Ooohhh! Sind DIE schön!
24. November 2005 um 20:25
Sehr vornehm, sehr chic und ganz außergewöhnlich.
Einen schönen Winter wünsche ich.
27. November 2005 um 15:48
Mit solchen Handschuhen kann der Schnee liegen bleiben und der Winter bis in den April dauern. Dann präsentieren Sie uns neue Modelle für den Sommer.
Sehr schön, die Paisleys. Da wird der beige Mantel neidisch sein, dass er so unauffällig ist.
27. November 2005 um 19:28
Darf eine Frau auch mit unverlierbaren Micky-Maus-Heft-Gimmick-ABS-Handschuhen in Würde altern?
27. November 2005 um 19:48
Seit wann geht es hier um Würde? Eleganz will ich!
28. November 2005 um 12:02
Ok, dit is andere Liga! (Grins)