Sex mit Steri

Mittwoch, 2. November 2005 um 14:23

Elle informiert über eine Art der Verhütung: Poppen mit Persona. Wenn’s nichts ausmacht, trotzdem schwanger zu werden. Sehr löblich. Ich häng mich dran und informiere über Verhütung durch Sterilisation.
Regelmäßig werde ich von an sich gebildeten Frauen gefragt, ob da nicht der Hormonhaushalt durcheinanderkomme, wenn einem die Gebärmutter entfernt wird, aber, na ja, wenigstens müsse ich nicht mehr menstruieren. Deshalb gehe ich davon aus, dass der durchschnittliche Kenntnisstand über die Tubensterilisation erbärmlich ist. Und Bloggen soll ja bilden.
Im Gegensatz zu elle kann ich nicht mit einer Illustration dienen (Foto von meinen verschmurgelten Eileitern?).

Zur Erklärung der Verhütungsmethode bemühe ich vorsichtshalber die populärmedizinische Quelle medizininfo:

Die Sterilisation bei der Frau ist eine Operation, die unter Vollnarkose durchgeführt werden muß. Über eine Bauchspiegelung werden die Eileiter mit Hitze verschweißt, oder mit einem kleinen Clip abgeklemmt, so daß keine Eizelle mehr durch den Eileiter in die Gebärmutter gelangen kann. Natürlich können auch keine Samenzellen mehr zur Eizelle erreichen. Die Sterilisation der Frau nennt sich auch Tubensterilisation. Tube ist die Kurzform von Tuba uternina oder Eileiter.

Durch die Durchtrennung der Eileiter wird das hormonelle Gleichgewicht nicht gestört. Es reifen weiterhin Eizellen in den Eierstöcken heran, die ebenso Östrogene produzieren. Sie werden dann vom Gewebe aufgenommen. Auch die Monatsblutung findet wie gewohnt statt. Die Lust zur Sexualität wird nicht beeinträchtigt.

Eine Tubensterilitation kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Das gleiche in anderer Formulierung steht bei www.gyn.de. Diese Methode bietet hundertprozentige Sicherheit, allerdings nicht tausendpromillig: Die Versagensquote liegt bei ein Promill.

Meiner Meinung nach sollten Kinderhasserinnen auf keinen Fall aus Versehen Kinder bekommen; das wäre unverantwortlich den unschuldigen Würmern gegenüber. Konsequenterweise wollte ich Kinderhasserin also sehr sicher stellen, dass das nicht passiert. Außerdem hatte ich so ziemlich alle sonstigen Verhütungsmethoden durchprobiert und entweder Probleme mit der mangelnden Sicherheit oder mit heftigen Nebenwirkungen gehabt. Ich freue mich bis heute, mehr als acht Jahre später, immer noch praktisch bei jedem Sexakt, dass ich mir keine Sorgen mehr machen muss.

„Aber wie kannst du wissen, dass du deine Meinung nicht irgendwann ändern wirst?“, fragte meine entsetzte Mutter seinerzeit, als ich sie post factum informierte. Hm, damals hatte ich 30 Jahre gelebt, in denen ich nicht mal einen Sekundenbruchteil lang ein Kind hatte haben wollen, sondern im Gegenteil Kinder allgemein und besonders potenziell eigene vehement ablehnte. Warum sollte sich das ändern? Ich hielt es und halte es für wahrscheinlicher, dass ich irgendwann meine Ablehnung der Todesstrafe ändern werde, und auch die ist tief in mir verwurzelt.

Und hier, wir wollen ja ausgewogen berichten, die Gegenseite:
„Verhütung wie Sterilisation sind von der Sache her gleichermaßen schwere Sünde.“

Auf meinem Überweisungsschein stand damals übrigens die Diagnose: „Abgeschlossene Familienplanung“

die Kaltmamsell

21 mal Beifall zu “Sex mit Steri”

  1. Pest0 meint:

    Zu so viel Konsequenz und Bescheidenheit kann man nur gratulieren.
    Leb’ also wohl, Erbgut der Kaltmamsell! Der deutsche Genpool wird dich vermissen.

  2. wuestenfloh meint:

    Auch wenn es an einer fundierten Begründung wohl nicht fehlen wird, den Begriff “Kinderhasserin” für sich in Anspruch zu nehmen, bin ich trotzdem befremdet. Das ist aber nur mein Problem.

  3. typ.o meint:

    SchnippSchnapp, und nie wieder Ärger, kann ich auch nur empfehlen. (Schon 15 Jahre her, herrliche Befreiung, nie wieder dieses Gepröksel, Gefummle, Gebange, Gemesse, ah, bah!)

  4. Claus meint:

    Für den Link mit der Gegenmeinung ziehe ich wirklich meinen Hut. Schöne Idee, Respekt.

    Auch wenn ich dieser Dame eine sehr skurile Auslegung einer in dieser Angelegenheit meiner Meinung nach völlig unschuldigen Bibelstelle vorwerfen muss.
    Auch als Christ kann ich akzeptieren, dass Gott mir ein Gehirn geschenkt und gegen eine kreative Verwendung der gebotenen Ressourcen nichts einzuwenden hat.
    Von verantwortlicher Familienplanung auf “Verhüten = Abtreiben” zu schlußfolgern: ohje.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Keine Angst, Wüstenfloh, ich habe Kindern nie was getan (zumindest nicht seit meiner eigenen Kindheit). Ich halte mich nur sehr großräumig und notfalls mit viel Aufwand fern. Wäre “Kinderfeindin” besser?

  6. wuestenfloh meint:

    Ich habe auf keinen Fall unterstellt, dass Sie Kindern nachstellen, wirklich nicht. Gestern habe ich Frau und Tochter gefragt, wie sie mit einer Person umgehen würden, die sich selbst als ‘Kinderhasserin’ bezeichnet. Meine Frau sagte, dass Sie mit dieser Frau einfach nicht mehr reden würde. Die Tochter (16) wiederum meinte, dass sie die Aussage nicht ernst nehmen würde. Das ist eine nicht repräsentative Volksbefragung.

  7. Stefan meint:

    Frau Kaltmamsell möchte uns damit nur zur Gelassenheit erziehen: Wenn man es schafft, keinen Kommentar zu den Begriffen “Kinderfeindin” oder “Kinderhasserin” zu posten, hat man den Test bestanden :-)

  8. wuestenfloh meint:

    Dann sind Sie also auch durchgefallen? :-)

  9. Stefan meint:

    Nein. Ich habe ja nur einen Kommentar zu Frau Kaltmamsells Intention gepostet :-)

  10. kein einzelfall meint:

    Das ist jetzt in doppelter Hinsicht abseitig, aber die Wunderwelt der Technik macht’s möglich: Kindheit spenden ohne Gebäraufwand.

  11. Jörg meint:

    Alles Koketerie. Ich nenne mich auch gerne Misanthrop.

  12. Sebas meint:

    Hihi. Die Diagnose gefällt mir.

  13. teacher meint:

    Ich mag diesen Bildungsblog.

  14. mutant meint:

    hm, eine bekannte von mir hatte sich mal frueh zur sterilisation entschlossen (erstes kind mit 16 gehabt) und dann jahre spaeterbeschlossen, das es wohl doch noch ein kind sein soll.
    bei der untersuchung, ob es denn machbar waere, wurde festgestellt, das nur einer ihrer eileiter korrekt abgeklemmt war, vermutlich haette sie jederzeit schwanger werden koennen…
    diese klemm-methode ist wohl eh nicht so zuverlaessig…

  15. die Kaltmamsell meint:

    Richtig, Frau Mutant, Klemmen oder Schnippeln der Eileiter liegt in der Zuverlässigkeit weit hinter Verschmurgeln.

  16. Jack Skysegle meint:

    Ich, als bekennder (mehrfacher) Vater, finde gut, dass das Hassen von Kindern sich so zumindest nicht vererbt.

  17. die Kaltmamsell meint:

    Ich fürchte, Eltern sind nicht unbedingt das beste, was Kindern passieren kann:
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,383879,00.html

  18. Kristin meint:

    Als 2-fache Mutter darf ich nur gratulieren – ich würde meine Miniatur-Terroristen um nichts in der Welt abgeben wollen, aber noch heute denke ich, den Schritt Verschmurgeln zu spät begangen zu haben… und Kinder finde ich meist anstrengend, nervtötend, zeitraubend – trotz der Freude, die sie uns hin und wieder bereiten.

    Nun habe ich wohl vollends verloren … *gg

  19. dildo meint:

    Also das hört sich wirklich nach einem gefährlichen eingriff an… Ich würde das nie tun es stimmt zwar das kinder sehr anstrengend sind aber ohne sie könnte ich auch nich mehr!

  20. die Kaltmamsell meint:

    Aber nicht doch, Frau..äh… dildo: Der Eingriff ist ganz sicher nicht gefährlicher als Schwangerschaft und Geburt. Es soll ja die eine oder andere Frau eine Geburt nicht überlebt haben, doch von Todesfällen nach Tubensterilisation habe ich noch nie gehört.

  21. dildo meint:

    @die Kaltmamsell aber ohne eltern wirds doch schon recht schwer… ;)
    @mutant kann man gegen sowas nicht klagen? wirde mich wirklich mal interessieren das ist doch fusch?

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