Oma-Beerdigung – 1: Alles über Italien
Samstag, 21. Januar 2006Meine nach Italien ausgewanderte Tante Barbara pflegt bei ihren Heimatbesuchen in Deutschland immer Vorträge über die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Italiens zu halten (erinnert mich dabei sehr an die Vorträge, die mein spanischer Vater bei seinen Heimatbesuchen gerne der staunenden Verwandtschaft über Deutschland im Allgemeinen und im Besonderen hielt). Die Tante hat minimale Schulbildung, lebt seit fast 40 Jahren in einem gottverlassenen Kaff südlich von Rom und hat den geistigen Horizont vom Durchmesser einer Espressotasse. In dieser Dummheit sowie in ihrer konstanten wehleidigen Opferhaltung ist sie ganz die Tochter meiner Oma.
Die visuelle Seite: Wenn Tante Barbara auf der Bildfläche erscheint, macht mein böses Hirn immer THAR SHE BLOWS!. Auf dem Walkörper steckt ein Pfannkuchengesicht mit Aknenarben Prochnow’schen Ausmaßes, darüber derzeit gelbblond gefärbtes und auftoupiertes Kurzhaar (die Frau hat Frisöse gelernt).
Wenigstens hat sie von ihrer Mutter nicht die verhasste Angewohnheit geerbt, ihre jüngere Verwandtschaft ständig anzutätscheln.
Diesmal habe ich erfahren, dass es „in Italien“ immer üblicher werde, Gäste bei Essenseinladungen auf Papptellern und mit Plastikbechern zu bewirten. Das sei so schön praktisch und spare den Abwasch. Weshalb sie, meine Tante, bei ihren Einladungen immer sehr bewundert werde, sie decke den Tisch nämlich weiterhin ganz altmodisch deutsch mit Geschirr.




