Archiv für Februar 2006

Auf meinem Weg in die Arbeit (32): Manche Frauengrüppchen

Mittwoch, 15. Februar 2006

Diät macht blöd. Im Zug diskutieren drei Frauen zwischen 40 und 50 noch vor 7 Uhr Abnehmstrategien (selbstverständlich ist keine von ihnen dick): Die wöchentlichen Weightwatchers-Treffen seien so schlecht mit den Kindern vereinbar, außerdem müsse man zahlen, wenn man unentschuldigt fehle, viel Gemüse und Obst, „vor allem Fisch!“, Carnitin fördere den Energiestoffwechsel, „ich denk mir, Low Carb ist ja auch nicht so gesund“. Ich höre eine Weile erfolgreich weg, fange aber den abschließenden Kellnerpunkt auf: „Und da denk ich mir: Es gibt schon einige Leute, die für manche Sachen viel Geld ausgeben.“

Basitsch

Sonntag, 12. Februar 2006

Gestern zum ersten Mal meine Wochenendeinkäufe im Münchner Bio-Supermarkt Basic am Viktualienmarkt gemacht. Beschlossen, dass er „Basitsch“ ausgesprochen wird, da es in München erheblich mehr kroatische Einwanderer gibt (2004: 25.104) als britische und amerikanische zusammen (2004: 4559 / 5074).

Die Augsburger Filiale dieser Kette besuche ich ja gerne, ausgiebig und regelmäßig nach Arbeitsende, doch dieser riesige Ableger in der Münchner Stadtmitte ist ein ganz anderes Kaliber. Im Grunde sollte er als Sightseeing-Attraktion zur Besichtigung reicher Klischee-Münchner in Touristenführern verzeichnet sein. Zwar müsste ich zum ausgewogenen Vergleich auch mal beim Käfer samstags einkaufen gehen, aber vorerst schätze ich, dass man beim Basitsch auf die begütertste Münchner Schicht trifft, die noch selbst einkauft.

Eine so hohe Dichte an Louis-Vuitton-Tascherln sehe ich sonst nur in Horden von Barbiemädels, nur dass ich an den Barbiehändchen asiatische Fälschungen vermute. Offensichtlicher Pelz geht natürlich in einem Bioladen nicht, er ist dezent als Futter des Wintermantels verarbeitet. Wenn nicht LV (was mich immer auf neues Geld schließen lässt, denn altes Geld, so habe ich mir das zurecht gezimmert, würde niemals für einen Modehersteller mit dessen Logo Reklame laufen, sondern lässt maßfertigen) dann hängt Boho-Stil von PradaDGetc. an den Schultern über der Hand, die den Kinderwagen schiebt. Und so viele Kinderwagen auf einem Haufen habe ich zuletzt in Cafés am Prenzlauer Berg in Berlin gesehen.

Eine beeindruckende Obst- und Gemüseabteilung, allein mindestens vier Quadratmeter frische Pilze verschiedenster Sorten. In diesem Bereich des Ladens findet man tendenziell Kunden mit Schuhen, die gesund sind und gleichzeitig witzig designt.

Der Basitsch am Viktualienmarkt hat die Drogerieabteilung in einen eigenen Laden im Obergeschoß ausgelagert, in dem standesgemäß 40 Prozent Fläche von Esoterikware belegt ist. Hier allerdings ist selbst am Samstag ruhiges Einkaufen möglich, weil man nur über Treppen und damit nicht mit einem Kinderwagen hochkommt.

Heute an der Isar

Samstag, 11. Februar 2006

Durch wild wirbelnde Schneeflocken zu traben, macht einfach glücklich. Auch wenn ich nach wenigen Minuten die Brille abnehmen und in der Hand tragen musste, weil sie zugeschneit war.

Aktuelles Winterrätsel

Freitag, 10. Februar 2006

Warum klingt der Winterdienst im Fabrikhof vor meinem Bürofenster nur nach Kleinlastermotor, der Winterdienst vor meinem Schlafzimmerfenster morgens zwischen 4 und 5 aber nach 40-Tonner-Motor plus einer Stahlwand, die hochkant über eine Schotterpiste gezogen wird?

Verbotene Links zur Fraunhofer-Gesellschaft

Donnerstag, 9. Februar 2006

Bislang hatte ich die Öffentlichkeitsarbeit der Fraunhofer-Gesellschaft bewundert: Sie hat es geschafft, die Gesellschaft bei Medien und Öffentlichkeit als unabhängiges und damit unbegrenzt glaubwürdiges Forschungsinstitut zu etablieren, selbst in den Fällen, in denen Aufträge und Geld von Unternehmen kommen. (Selbstaussage: „Rund zwei Drittel dieses Leistungsbereichs erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten.“)
So bekommen die Fraunhofers praktisch jede Vermeldung prominent in die Presse. Die machen ja auch schöne Sachen.

Eben allerdings zweifelte ich am technischen Sachverstand der Herrschaften. Auf der Website der Fraunhofer-Gesellschaft fand ich nämlich unter „Linking Policy“:

Wir freuen uns, dass Sie auf unsere Seite einen Link setzen wollen. Diese Erlaubnis ist jederzeit widerrufbar und gilt nur, wenn Sie die nachfolgenden Regeln einhalten:
Der Hyperlink muss auf die Startseite der Fraunhofer-Gesellschaft gesetzt werden.
Nach vorheriger schriftlicher Zustimmung kann im Einzelfall der Hyperlink auf eine einzelne, zu benennende Webseite der Fraunhofer-Gesellschaft gesetzt werden.
Der Vertragspartner ist verpflichtet die jeweilige Seite vollständig neu zu laden, ohne dass die Zielseite in einen Rahmen gesetzt wird.
Der Vertragspartner teilt der Fraunhofer-Gesellschaft innerhalb von 24 Stunden nach Setzen des Links durch eine E-Mail an die Adresse info@fraunhofer.de das Setzen des Links bzw. die Freischaltung der betreffenden Seite mit.
Diese Information muss den Pfad enthalten, von dem aus auf die betreffende Seite zugegriffen werden kann.

Erinnert mich doch sehr an den Link-Spaß mit ADAC (ganz unten, immer noch). Spaß zum Nachlesen bei IT&W.

(Und jetzt gehe ich einen Juristen suchen, der mir das Wort „Vertragspartner“ neu erklärt.)

Nachtrag: Dieselben Regeln bilden sich auch andere Fraunhofer-Institute ein, unter anderem (wahllos herausgegriffen)
Institut Chemisch Technologie
Institut für Offene Kommunikationssysteme (wer hat da gekichert?!)
Innovationsnetzwerk „LAB 2020“
Institut Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen
Institut Physikalische Messtechnik
Institut Fertigungstechnik Materialforschung
Informationszentrum Raum und Bau
Fraunhofer-Allianz Rapid Prototyping
Institut Biochemische Technik
Fraunhofer Technology Academy (da war doch schon wieder ein Kichern!)
Institut Mikroelektronische Schaltungen und Systeme
Institut Experimentelles Software Engineering (Ruhe da hinten!)
Institut Werkstoff- und Strahlentechnik
Institut integrierte Systeme und Bauelementetechnologie
Institut Arbeitswirtschaft und Organisation
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Anstrengend

Donnerstag, 9. Februar 2006

Jetzt soll ich sogar in amerikanischen Junkfoodketten “bewusst leben”. Darf es überhaupt noch auf mich viel attraktiver und entspannter wirken, möglichst unbewusst zu leben?

Großbritannien lernt den Umgang mit Alkohol

Mittwoch, 8. Februar 2006

(Sehn’Se , so ne Überschrift dürfte ich als Zeitungsredakteurin nie über einen Bericht machen. Weil sie klar wertend ist.)

Seit 15. November letzten Jahres gelten in Großbritannien liberale Ausschankzeiten für Alkohol. Der Independent berichtet heute über die Konsequenzen:

Serious violent crime has fallen by more than a fifth since the licensing laws were liberalised, police figures show.
(…)
The statistics, released today, will confound critics who warned that the Licensing Act, which allowed 24-hour drinking from November, would lead to an upsurge in violence and antisocial behaviour.

Ich freu mich schon auf meinen nächsten England-Urlaub, wenn ich nicht mehr ab 23 Uhr auf den Straßen marodierenden und kampfkotzenden Truppen ausweichen muss.