Archiv für Mai 2006

Alles über Polen, Teil 5

Mittwoch, 31. Mai 2006

In der Warschauer Altstadt sitzt in einem Gässchen voller Bernsteinläden ein Akkordeonist und spielt das Titelthema von Frantic. Ob er ahnt, warum plötzlich eine besonders große Münze in dem Geldschächtelchen vor ihm landet?

Über meinen polnischen Großvater weiß ich sehr wenig. Er hat meiner polnischen Großmutter in Deutschland zwei Kinder gemacht, darunter meine Mutter, und sie dann ungeheiratet mit den Kleinen sitzen lassen, soviel ist verbrieft. Und er hat zuvor in Krakau an der Kunsthochschule studiert. Sie sieht nach Auskunft der einheimischen Fremdenführerin heute noch in etwa so aus wie vor 70 Jahren. Da habe ich das Gebäude fotografiert.

Krakau_Kunsthochschule.jpg

Alles über Polen, Teil 4

Montag, 29. Mai 2006

Die Polin ist nicht groß anders gekleidet als die Deutsche. Allerdings fehlt der jungen Polin der bei Deutschen tscheints nicht zu unterdrückende Drang, ihren Hüftspeck offen zu legen. Ganz selten blitzt hier mal ein nackter Nabel auf (auch in Polen allerdings fast ausschließlich an Körperformen, deren Details nicht unbedingt interessieren), ganze Bäuche oder Stauungen am Mittleren Ring nie. Wodurch mir die Polinnen im Durchschnitt weit hübscher erscheinen als ihre deutschen Pendants.

Leider hat die Polin zudem kleine Füße. Meine Frage nach Größe 41 stieß in Schuhgeschäften durchweg auf entsetzt aufgerissene Augen und heftiges Kopfschütteln

Alles über Polen, Teil 3

Sonntag, 28. Mai 2006

Der Pole macht ganz tolle Plakate und Sprüche.

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Zum Beispiel spielt er für Pizzawerbung mit sozialistischen Tschakka-Motiven.

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Oder wird für eine Ausstellungsankündigung künstlerisch.

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Ich bin noch am Überlegen, ob ich diesen Spruch meinem Ex-Chef, einem gelernten Anwalt, schenke, der Moral-Kolumne des SZ-Magazins anbiete, oder als dünnlippiges Motto über mein Blog hänge.
Er steht (unter vielen anderen) am Warschauer Justizpalast und lautet auf Deutsch:
Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch ehrenhaft.

Polen: Dann halt doch Papst

Sonntag, 28. Mai 2006

Aber nur wegen den Juden. Heute stand Warschau auf dem Programm, mit viel Information über den Aufstand im Warschauer Ghetto und die jüdische Gemeinde, die vor ihrer Ausrottung die weltweit zweitgrößte nach der in New York war. Mittagessen im jüdischen Restaurant, dann Gespräch mit einer jungen Warschauer Jüdin. Sie war ein wenig auseinander: Zwar erzählte sie uns, dass sich die paar polnischen Juden (im ganzen Land etwa 6000, die sich auf welche Weise auch immer als jüdisch identifizieren, davon etwa 100 praktizierende, eine davon diese junge Frau, die gerade von drei Jahren Talmud-Studien in Israel zurück gekehrt war) eben erst, nach den vielen Jahren des Hin und Her auch nach der Wende, in Polen sicher gefühlt hätten. Und nun sei gestern Abend der Rabbi der Warschauer Gemeinde überfallen worden. Er stehe in Kontakt mit dem Innenministerium, das aus aktuellem Anlass viel mit dem Papst zu tun habe. Der ja heute Auschwitz besuche, und dort hoffentlich, so sagte die junge Jüdin, deutlich gegen Antisemitismus Stellung beziehen werde, gerade in Polen.
Da bin ich ja mal gespannt, ob er das getan hat.

Opel, übrigens

Sonntag, 28. Mai 2006

Auch mich hat Nico Lumma angeschrieben, ob ich eine Weile für umsont einen Opel fahren würde und darüber bloggen. Ich habe, mit einigen Tagen Verzögerung allerdings, zugesagt. Klar hätte ich das gemacht, wäre ein Abenteuer und ein Heidenspaß gewesen.
In meiner Zusage habe ich aber noch allerdingser offen gelegt, dass für mich, die ich aus gutem Grund begeisterte Bahnpendlerin bin, Autofahren einen großen Verlust an Lebensqualität bedeuten würde, und dass ich zwei Wochen des angegeben Autotest-Zeitraums im Urlaub sein würde. Das nächste Mal hörte ich von der Aktion, als es bei Don D. und Ix losging mit Autofahren und Bloggen.

In Polen: Erste Bilder

Samstag, 27. Mai 2006

(Jawoll, na endlich geht doch: Im Warschauer Radisson gibt es einen Port-Stecker, den ich in das „schnuckelige Subnotebook“ schieben kann, und dann funtkioniert das mit dem Internet. WLAN findet das Rechnerchen zwar auch, doch ohne Internet.)

Also schiebe ich erste Bilder hoch:

Kulm.jpg

Ich erwähnte, dass die Reisegruppe, deren Teil ich bin, genau so ist, wie man sich das vorstellt?

Thorun_Laufen.jpg

Wenn ich keine Isar habe, laufe ich halt die Weichsel runter (hier in Thorun).

Sensburg_Laufen_1.jpg

Oder in den Masuren einen See namens Czos lang.

Sensburg_Laufen_2.jpg

Den am nächsten Tag gleich nochmal.

Alles ueber Polen, Teil 2

Samstag, 27. Mai 2006

Aspik! Ich kann Frau Modeste beruhigen, die die alte und hohe Kunst des Aspikierens verloren glaubt: In Polen ist diese Tradition quietschlebendig. Vorspeisen sind ohne Aspikmantel oder -deckel praktisch undenkbar. Tuermchen, in denen sich Schinkenstreifen und Erbsen tummeln, in einer Momentaufnahme ihres Tanzes festgehalten. Oder Pastetenscheiben, die nach Sushi-Art Sellerie, Champignons, Schinken, Ommelette umschliessen, jede Scheibe in Aspik gekleidet. Mit einem Tuepfchen Majonese serviert.

(Beim Abendessen in Thorun erzaehlte ich dem Reiseleiter an unserem Tisch, dass die Stadt bekanntlich nicht nur die besten Restaurateure der Welt ausbilde, sondern auch die letzte Aspikierschule beherberge. Dort wuerden Aspikierer ausgebildet, um die sich Restaurantkuechen auf der ganzen Welt rissen: Es habe sogar schon gewaltsame Entfuehrungen gegeben. An dieser Meisterschule, so fuhr ich fort, unterrichteten zwei uebel verfeindete Meister zwei grundsaetzlich unterschiedliche Verfahren. Ein Kenner, so betonte ich, wisse schon nach dem ersten Bissen, welcher dieser beiden Schulen der verantwortliche Aspikierer angehoere.
Der Hamburger hoerte mir mit dem ernst-aufmerksamen Gesicht zu, das Reiseleiter machen muessen, wenn ihre Schuetzlinge versuchen, sie zu belehren, haette mir aber fast geglaubt – wenn meine Reisebegleiterin, die mich halt schon laenger kennt, nicht unpassenderweise in schallendes Gelaechter ausgebrochen waere. Jetzt glaubt mir der Reiseleiter nicht mal mehr, wenn ich ihn auf einen Storch in der Landschaft hinweise.)

Aspik.jpg