Gruslige Folgen des Dünnerwerdens
Donnerstag, 27. Juli 2006 um 9:00Es ist mir weiterhin unangenehm, auf meine Verschlankung angesprochen zu werden (ein einfaches „Gut sehen Sie aus!“ wäre mir lieber).
Geradezu gruslig war es, als gestern eine eher dicke Kollegin aus der Versicherungsabteilung in mein Büro kam, die mich schon vor Wochen eigens angerufen hatte, um mich zum Gewichtsverlust zu beglückwünschen und zu erfragen, wie ich das „geschafft“ hätte. Mit leuchtenden Augen berichtete sie, welche Inspiration ich gewesen sei, und dass sie das jetzt auch angepackt habe. „Sie, I mach jetz jeden Tag drei Stunden Sport“, gluckste sie, und ich bemerkte, dass ihre Augen eigentlich weniger leuchteten, als eher irre flackerten. Vorsichtig verwies ich auf die Bedeutung von Regenerationsphasen im Sport, ganz besonders bei untrainierten Menschen. Die Kollegin ließ mich gar nicht ausreden: „Seit Ende Mai hab i scho 14 Kilo abgnomma!“ 14 Kilo in sieben Wochen, hm, das sei aber nicht gesund, versuchte ich wieder den vernünftigen Ansatz. „Nah, so ganz langsam, des könnt’ i net, bei mir muss si was rühra.“ Aber ob sie denn so nicht in den verhängnisvollen Diät-Kreislauf gerate: Ein Leistungsanspruch, der sich niemals dauerhaft einhalten lässt, den gesamten Stoffwechsel durcheinanderbringt und erwiesenermaßen bereits mittelfristig zu noch mehr Gewicht führt? Doch die Frau war im Diät-Delir – meine Argumente kamen nicht an sie heran. Sie schaute nochmal an mir herunter, juchzte „Des schaff i au no!“ und stob von hinnen.
Oh je. Das Alter Ende 30, Anfang 40, so habe ich gelesen, ist neben der Pubertät eine weitere sehr gefährliche Phase für das Ausbrechen von Essstörungen.
Da sind mir die Frauen lieber, die ihr Körpergewicht auf „zu schwere Knochen“ zurückführen. (Den Cartoon will ich schon seit Monaten verlinken.)



27. Juli 2006 um 11:34
Dann übernehme ich das jetzt mal:
“Gut sehen Sie aus!”
27. Juli 2006 um 13:55
Oh, danke schön!
27. Juli 2006 um 14:54
Ich war auch ganz stolz darauf, mich verschlankt zu haben (keine Angst, kein Diät-Delirium, zehn Kilo in einem Jahr), aber jetzt kommen auc alle mit “Wie haben Sie das denn geschafft?” und warten auf die Wunder-Diät oder Pille. Mein gehüsteltes “Ich habe einfach wie ein normaler Mensch gegessen, auch wenn ich mich dazu zwingen musste.” oder “Mir ist klar geworden, dass ich mich entscheiden muss, ob ich mich regelmäßig überfresse oder mit meinem Körpergefühl zufrieden bin.” kommt da irgendwie nicht gut an.
Und richtig sauer schauen sie dann alle, wenn ich sage: “Äh, nein, ich habe auch schon Sport gemacht, als ich 15 Kilo zugenommen habe, da hat sich eigentlich nichts geändert.”
Äh, und natürlich sehen Sie gut aus. (Ja, ich habe Sie schon in echt gesehen.)