Das BRAVO-Orakel

Dienstag, 1. August 2006 um 11:36

Dass die Konstellation von Himmelskörpern bei der Geburt irgend eine Auswirkung auf Persönlichkeit oder Lebensweg haben soll, hat mir nie eingeleuchtet, auch nicht in vor-aufgeklärtem Alter. (Läge nicht ein Einfluss im Augenblick der Zeugung viel näher?) Heute weiß ich zudem, dass Eltern das Neugeborene durch einfaches Umhängen einer Rosenquarzkette vor allen einflusssuchenden Sternenstrahlen schützen und im Anschluss selbst versuchen können, es ein wenig kontrollierter kaputt zu machen.

Viel aussagekräftiger ist das BRAVO-Orakel: Das Titelbild, unter dem man geboren wurde, kann unmöglich ohne Einfluss auf die allererste Synapsenbildung gewesen sein. Nehmen wir zum Beispiel meines:

Geburtstagsbravo.jpg

Unter dem BRAVO-Titelbild John Lennon geborene sind von der ersten Minute an politisiert. Sie zeichnen sich durch einen starken Willen aus und sind gleichzeitig flexibel, verbinden Kreativität mit Gesellschaft. Sie fühlen sich in weißer Kleidung wohl, reisen viel und werden gerne vor Hotels in Manhattan erschossen. Voilá.

Ich habe während genau neun Monaten meines Lebens BRAVO gelesen: Als ich 1987-1988 bei einem Privatradio arbeitete. Irgendwoher musste ich leichten Stoff für meine Moderationen bekommen oder auch nur herausfinden, welche Musik handelsübliche junge Leute so hörten. (Der Sender war so neu, dass er noch kein Plattenarchiv hatte und alle Mitarbeiter mit ihrer eigenen Musik unterm Arm zur Arbeit kamen.) Vorher fand ich das Blatt ausgesprochen unattraktiv: Es sah billig aus und kam mir nur in den Händen von Leuten unter, die ich blöd und uninteressant fand. Ich las statt dessen Stafette und später Geschichte mit Pfiff (heute G / Geschichte). Echte Naturspießerein halt. Vermutlich nur wegen dieses BRAVO-Titels.

via Frau Klugscheißer

die Kaltmamsell

10 mal Beifall zu “Das BRAVO-Orakel”

  1. schickse meint:

    Die Frage ist ja nicht nur, ob man BRAVO tatsächlich gelesen hat, sondern auch, ob man sie gern gelesen hätte. Ich gestehe, ich hätte. Sie hatte etwas Verruchtes. Aber wahrscheinlich wäre ich heftig enttäuscht gewesen, wenn ich tatsächlich mehr als immer nur den einen oder anderen Blick in die gehüteten Ausgaben nicht so guter Freundinnen werfen hätte können.
    Die besten Sachen haben ja immer die anderen, nie man selbst.

  2. dangermaus meint:

    Ich hätte dann doch lieber die Rosenquarzkette oder was der Markt sonst zu bieten hat,
    denn bei Uschi Glas hört für mich der Spass auf. Ich frag mich echt, wie sie es geschafft hat, auf die Bravotitelseite zu kommen. Jedenfalls habe ich keine Neigung zum Hungern und auch keine Pläne, die Kosmetikbranche zu erobern…

  3. creezy meint:

    Ich bitte Dich, was kann es Besseres geben als ein Bravo-Titelseitenorakel? Ich bin begeistert! Meine Mum hat mir die immer Mittwochs gekauft (ohne das ich etwas sagen mußte) und mir immer die Eintrittskarte für die Bravo Otto Show gekauft (lange bevor ich überhaupt wußte, was ich da sollte). Ich werde nie das Jahr vergessen als dort die Bay City Rollers auftraten – und ich die komplett vorher verdrängt hatte (die waren ja auch dämlich) – das Gekreische. Ich dachte, ich wäre auf einem fremden Planeten.
    Hey, und Dr. Sommer Headlines à la ‚Knallt es, wenn das Jungfernhäutchen durchstossen wird?‘

    Ich habe Bravo gelesen. Gerne gelesen. Ich konnte das Erscheinungsdatum nicht erwarten. Ich würde Bravo heute noch lesen, leider mag ich keine Boybands und bin mittlerweile leidlich aufgeklärt … ,-(

  4. Susanne meint:

    Tja, bei Ihnen war es wenigstens John Lennon, bei mir war es Rex Gildo. REX GILDO! Schauder.

    Bravo habe ich allerdings schon gelesen. Zwischen 1979 und etwa 81. Bis ich das Gefühl hatte, ich bin mit 13 eine alte Jungfer. Und dann war es mir irgendwie zu blöd und ich bin Feministin geworden.

  5. Chronistin meint:

    „Manuela, der Star aus dem Hinterhaus…“ – Mir bleibt auch nix erspart! :)

  6. ww meint:

    Hm, Joan Jett. Da kann ich mich weder richtig beklagen noch richtig freuen. Wenigstens eine Sache stimmt: ‚I love Rock’n Roll‘ :-)

  7. Michael meint:

    Anthony Perkins war einen Tag bevor ich das Licht der Welt erblickte auf der Bravo zu sehen. Ja, genau der Mörder in Hitchcocks „Psycho“. Hmmm ….*kinnkratz*….. na ja…. gut….. Allerdings war der Perkins bi, während ich eine alte Hete bin und meine Frau ist zwar weg, aber keineswegs bei den Anschlägen vom 11.09. gestorben sondern quietschlebendig……..

  8. stefanolix meint:

    Das ist ja lustig. Ich bin im selben Jahr wie Frau Kaltmamsell, aber in einer Rex-Gildo-Woche geboren. Und nein, es hatte wirklich keinen Einfluss auf mein Leben oder meinen Musikgeschmack ;-)

  9. Glam meint:

    hmmmmm…
    ich bin laut „Bravo-Titelblatt“ ein „Suzi Quattro Geborener“
    Das ist dann wohl der Rüffel, den man bekommt, wenn man knappe 10 Jahre nachdem ein Beatles Cover nach dem nächsten erschienen ist, geboren wurde. John Lennon wäre mir auch deutlich lieber gewesen – da wäre dann der Einfluss erkennbar! Ich werde mich dann wohl eher nicht erschießen lassen sondern in der Versenkung verschwinden, nehm ich mal an!
    Jedenfalls kann ich nicht behaupten, daß das einen erkennbaren großen Einfluss auf mich gehabt hat. Naja – andererseits…
    Diese ganze Glamrocksache könnte sich eventuell ein wenig auf meine Sexualität und/oder auf mein teilweise leicht auschweifendes Leben in der einen oder anderen Hunsicht niedergeschlagen haben.

    Wie sind denn Suzi Quattro Geborene so in der Regel?
    Können die sich in der Regel überhaupt noch an „Can the Can“ oder „48 Crash“ erinnern?

  10. latita meint:

    ich fass es nicht…. aber vielleicht hatte ich ja auch Glück. Auf dem Cover Der Bravo meiner Geburtswoche ist ne 3D-Brille auf dem Cover… Stars zum Anfassen?
    Was soll mir das sagen?
    Dass ich alles so sehe, wie ich es gern hätte? Hm… das wiederum könnte evtl. in manchen Situationen zutreffen.

    Die Woche davor wäre es Limahl gewesen. Bei dem hätte ich noch mehr zu sagen gewusst. Um voran zu kommen, geht er sehr unkreativ zu Werke und verändert seinen Nachnamen durch das vertauschen von ein paar Buchstaben zu seinem Künstlernamen. Kurz nach dem Erfolg geht er seinen eigenen Weg, um als One-Hit-Wonder bald in der Versenkung zu verschwinden… So interpretiere ich mein Wissen über ihn. Er versucht ein Comeback, dass nicht gelingt.
    … Mir ist die 3D-Brille lieber. Sonst wäre mir ein Leben beschieden, in dem ich durch voreilige Entschlüsse meine Laufbahn aus den Fugen bringe und somit meine Träume platzen müssen. Durch mangelnde Kreativität, kann ich das auch nicht mehr ausgleichen…. Ein Glück hab ich die Brille

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