Ich habe bisher alle Bond-Darsteller mitgespielt. Der einzig wahre ist selbstverständlich Sean Connery (nein, dazu darf nicht halt jeder seine eigene Meinung haben!). Aber ich habe Roger Moore akzeptiert, obwohl sein teigiger Körper mich immer Schweißfüße bei ihm vermuten hat lassen, obwohl ich ihm den Lebemann abnahm, das Athletentum nicht im geringsten. (Meine spanische Tante Luci schwärmte für ihn und sprach seinen Namen konsequent spanisch „Rocher More“ aus.)
Den Herrn Lazenby kenne ich nur aus dem Augenwinkel, doch er sieht britisch, elegant, clever und sportlich aus, kann zudem gute Umgangsformen simulieren – gekauft. Timothy Dalton habe ich ebenfalls gutwillig hingenommen: Ein James Bond mit augenscheinlich chronischen Magenschmerzen, von mir aus. Als Romanleserin bin ich in suspension of disbelief geübt.
Beim Wechsel zu Pierce Brosnan kam endlich wieder echte Freude auf: Der hatte nicht nur keine Magenschmerzen, sondern zudem eine unzerstörbare Fönfrisur und genaus das Quäntchen Lässigkeit, das ein Bond unbedingt braucht.
Aber jetzt? Daniel Craig? DANIEL CRAIG? Dieser Automechaniker-Typ? Ein weißrussischer Automechaniker soll so tun, als kenne er sich mit Brandys und Weinen aus, mit Frauen, Bartok und Stochastik? Neeeee, das hab ich ihm nicht eine Sekunde abgenommen.
Casino Royal ist trotzdem ein sehr schöner Bond-Film geworden, allein schon wegen der vielen Poker-Szenen (für meinen Geschmack hätte die Kamera allerdings gerne länger auf den offenen Karten bleiben können, so zum Mitdenken). Großer Respekt fürs Drehbuch, weil nicht ein Royal Flush dabei war (wenn sonst in Filmen gepokert wird, hat der Gewinner immer einen Royal Flush). Wenn Sie Bond-Filme mögen, schaun Sie Ihn sich an: Es ist unglaublich, was diesmal wieder alles kaputt gemacht wird; der Showdown war mir ein hörbares „Boah!“ wert (sorry, netter alter Herr neben mir).
Nachtrag: Für die Grönerin haben sie offensichtlich extra einen ganz anderen Bond-Film gedreht und nur ihr gezeigt. Vor allem haben sie eigens für sie einen anderen Hauptdarsteller verwendet. (Unsterbliche Bloggerinnen-Fehden gingen schon wegen weit weniger Wichtigem in die Geschichte ein.)