Jedem seine Nische
Dienstag, 23. Januar 2007Das Wundervolle und Attraktive am Internet ist, dass es Platz für alle und alles hat. Zum Beispiel für den Minderheitenzeitvertreib Bloggen.
Unter diesen Bloggern haben sich über die Jahre Interessengemeinschaften gebildet, wie vorher schon in Diskussionsforen und Newsgroups. Da gibt es Foodblogger, die übers Essen Geschichten erzählen, Erlebnisse mit und Fotos von Rezepten posten, Kochbücher und Kochsendungen besprechen. Diese Blogs finde ich sehr interessant. Oder IT-Blogger, die sich über Entwicklungen in der Informationstechnologie auslassen, Hardware testen, Software beurteilen. Das interessiert mich weniger. Ebenso wenig fühle ich mich von Auslassungen über Fernsehserien und Online-Computerspielen angezogen.
Eine sehr große Gruppe von Bloggern sind in Deutschland die Leute, die im Internet Geschichten erzählen und das möglichst interessant und gut. Die lese ich am allerliebsten. Und wenn ich mir die Geschichten anschaue, wie im Sturm der letzten Woche so mancher Erlebnisblogger in fremden Städten Obdach bei anderen Geschichtenerzählern aus dem Internet gefunden hat, fühle ich mich dieser Interessengemeinschaft sehr verbunden (was ich davor schon auf Lesungen und Bloggertreffen gemerkt hatte).
Dann gibt es wieder diejenigen, die in erster Linie oder sogar ausschließlich übers Business mit Blogs bloggen, und eine ganze Reihe Internetuser, die das lesen. Diese Websites interessieren mich nicht besonders. Die meisten engagieren sich in ihren Blogs in der Suche nach funktionierenden solchen Businesses. Andere suchen hauptsächlich nach gescheiterten. Wenn sie darin ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell sehen, betreiben die Mitglieder dieser Interessengemeinschaft gerne „Networking“, veranstalten und besuchen dazu professionell organisierte Konferenzen und Tagungen. Naturgemäß sind darin oft etablierte Unternehmen vor allem aus der Medienbranche involviert. Unter anderem bekommt hier manch armer Schlucker die Gelegenheit, sich kostenlos durchfüttern zu lassen (eine Art Suppenküche für die digitale Boheme?) – das begrüße ich. Es handelt sich einfach nur nicht um meine Interessengemeinschaft.
Glücklicherweise ist im Internet Platz für uns alle; ich wünsche den Blogbusinessbloggern und ihren Lesern weiterhin viel Vergnügen.



