Archiv für Juni 2007

GUT GEBRÜLLT, LEHRER!

Samstag, 30. Juni 2007

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(Klick auf Bild, um Filmchen zu sehen.)

Taylor Mali ist amerikanischer Lehrer und Slam Poet. Hier slamt er über seinen Beruf – und ich habe vor lauter Zustimmung Wasser in den Augen. Ist da draußen kein Lehrer, keine Lehrerin, die sowas mal auf Deutsch hinlegt?

Mode marginal – Spanien 2007

Mittwoch, 27. Juni 2007

Gestern erkannte ich auf dem Flughafen Düsseldorf die Dame hinter mir in der Schlange sofort als Spanierin – nur an ihren Strumpfhosen. Im kühlen Madrid war mir Ende Mai nämlich schnell der modische Trend der Saison aufgefallen: blickdichte Feinstrumpfhosen, die aussahen wie gehäkelt. Sie erinnerten mich sofort an die von spanischen Tanten gehäkelten Baumwollkniestrümpfe, die ich als kleines Mädchen zu feierlichen Anlässen tragen musste (sehr unangenehm: Baumwolle ist nicht elastisch, deswegen war in die Bündchen Gummiband eingearbeitet, das in meine strammen Waden ziemlich einschnitt). Erst nach diesen topaktuellen Strumpfhosen sah ich in den Händen der Dame am Flughafen einen spanischen Pass.

Habe mir aus Spanien gleich mal zwei Paar Strumpfhosen und ein Paar Strümpfe in diesem Design mitgebracht. Hier ein Beispiel von Wolford (sieht an weniger dünnen Beinen besser aus):

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Erziehungsgrusel

Mittwoch, 27. Juni 2007

Ich weiß nicht, welche Eltern mich mehr gruseln: Die, die ihren Kindern ständiges Bravsein abverlangen („Bist du schon wieder böse?“), oder die, die von ihren Kindern konsequentes Revoluzzertum erwarten, und das schon weit vor dem zweiten Geburtstag („meine Tochter lässt sich sowas nicht einfach gefallen!“).

Romantisch abendessen in München

Dienstag, 26. Juni 2007

Wenn ich touristische Empfehlungen in fremden Städten ernst nehme, kann ich das ja auch in der eigenen tun. Da wäre zum Beispiel das Drehrestaurant oben im Münchner Olympiaturm. Und siehe da: Auch hier lohnte sich der Test.

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Nicht nur wird hier auf hohem Niveau gekocht – von April bis September sind hier wohl die romantischsten Abendessen Münchens möglich; man muss man nur um einen Sonnenuntergang herum planen. Das Drehrestaurant braucht für eine Runde knapp 50 Minuten, im Lauf unseres ausgedehnten Mahls kamen wir gut drei Mal rum. Die Karte spricht offensichtlich zwei Zielgruppen an: Das Menü und ein paar weitere Gerichte sind eher konventionell und mit den touristischen Besuchern aus aller Welt kompatibel (wir hörten an den Nebentischen Italienisch, Spanisch und Amerikanisch, eine größere Gruppe kam wohl aus Japan), dazu kommen ausgefallenere und an der Saison ausgerichteten Kombinationen. Die Spargel-Chili-Suppe war zum Beispiel eine schöne Idee.

Die Preise liegen mit etwa 15 Euro für Vorspeisen und um die 27 Euro für Hauptspeisen durchaus über dem Klassendurchschnitt, das ist halt die Gebühr für die Aussicht. Preiswerter wird das Ganze mittags – aber um diese Zeit ist ein Sonnenuntergang einfach wenig wahrscheinlich.

Eine Reservierung empfiehlt sich. Das sehr freundliche Personal des Drehrestaurants hinterlegt dann am Eingang zum Olympiaturm Fahrkarten für den Lift, die einfach auf die Rechnung gesetzt werden. Zusätzliche Besonderheit: Das Lokal ist auch am Sonntag geöffnet (wer in München am Sonntagabend fein Essen gehen möchte, steht vor einem echten Problem). Die nächste Reservierung ist allerdings erst wieder für Samstag, 21. Juli möglich; bis dahin wird umgebaut.

Blick in eine andere Berufswelt, heute: Englischlehrer

Montag, 25. Juni 2007

Blogs vor dem Hintergrund beruflichen Alltags liebe ich ja (unter anderem Ärztintum bei pepa, Anwaltschaft bei Udo Vetter, Musikerei bei Orchestermusiker, Fernsehredaktorat beim Tagesschaublog, Buchhändlertum bei Aci).

Einen nützlichen Einblick in das Denken und Planen eines erfahrenen bayerischen Gymnasiallehrers gibt hier Jochen Englisch. Vielleicht hilft diese detaillierte Beschreibung der professionellen Erstellung und Korrektur von Englischschulaufgaben ein wenig, die unausrottbare Mär zu widerlegen, dass Noten von der Zu- oder Abneigung des Lehrers abhängen.

Och: Die Queen setzt sich zur Ruhe

Montag, 25. Juni 2007

„Als treues Cunard World Club-Mitglied“, schreibt mir die Cunard Line, „möchten wir Sie darüber informieren, dass die Queen Elizabeth 2 im Herbst 2008 die Cunard-Flotte verlassen wird.“

Das wäre ja kein Drama, führe der eleganteste aller Ocean Liner (nicht Kreuzfahrtschiff!) halt für eine andere Reederei. Doch die Queen, wie wir sie nennen, einen Monat jünger als ich, setzt sich zur Ruhe: Die Dame wird in Dubai festmachen und, wie es in dem Brief weiter heißt, „nach geplanten Umbauarbeiten als ein schwimmendes Luxushotel und Einkaufsparadies“ dienen.

Nochmal bin ich froh, dass ich seinerzeit eine der letzten Gelegenheiten genutzt habe, auf der Queen Elizabeth 2 nach Amerika zu fahren. Die Queen Mary 2 ist mir immer noch zu protzig. Vielleicht wird die in Bau befindliche und erheblich zierlichere Queen Victoria eine würdige Nachfolgerin.

Das zweite Fahrradzeitalter

Sonntag, 24. Juni 2007

Gestern bin ich seit viereinhalb Jahren erstmals wieder Fahrrad gefahren – die größte Pause, seit ich das Fahrradfahren gelernt habe. Klingt komisch, ist aber so.

Vor fünf Jahren wechselte ich zum Arbeiten in eine andere Stadt, war nur an Wochenenden in München. Und als der Winter kam, mottete ich das Rad im Keller ein. Für einen Einsatz im Sommer darauf hätte ich es flicken und reparieren müssen; dazu war ich zu faul und anderweitig beschäftigt. Erst jetzt, wo ich in wieder in Fahrradnähe arbeite, reichte der Antrieb, das Rad zu einem professionellen Bastler zu tragen und flott machen zu lassen. Ich brauche nun es nur vom Küchenbalkon nach unten zu tragen (dieses noble Wohnhaus hat keine Fahrradparkplätze vorgesehen, auch nicht im Keller) und loszufahren.

Das war fei komisch gestern, als ich wieder durch München radelte. Das Fahrradfahren selbst verlernt man natürlich nicht, doch Radeln erfordert eine völlig andere Wegplanung als Gehen, Autofahren, Öffentliche. Zu meinem großen Befremden konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wie ich drei Jahre lang fast täglich vom Sendlinger-Tor-Platz zum Wiener Platz kam und zurück. Mit welcher Route habe ich damals bloß den Radleralbtraum in der Verkehrsführung am Isartor gemeistert? Und dass Münchner Radler für andere Radler die größte Gefahr darstellen, wusste ich auch nicht mehr.
Zumindest erinnerte ich mich, wohin ich die externe Beleuchtung geräumt hatte. Und sie war rundum einsatzbereit.

Was ich hingegen vergessen hatte: Ich kann nicht langsam fahren. Auf dem Fahrrad sitzen heißt treten heißt fetzen. Noch dazu in der wundervollen sommerlichen Nachtluft. Ich schätze, ab sofort erschließe ich mir spazierenradelnd auch die Gegenden Münchens, die ich noch nicht erforscht habe.