Michael Herbig, „Bully“, habe ich sehr spät entdeckt. Zum einen fernsehe ich zu wenig, um auch nur einen von Allgemeinbildung geforderten Kenntnisstand zu erlangen, zum anderen hieß die Sendung, mit der er wohl in Deutschland bekannt wurde, „Bullyparade“ – der Titel ließ mich einen Witze-Erzähl-Wettbewerb vermuten, und sowas interessiert mich überhaupt nicht. Dass damals in der Agentur der Gruß der brasilienstämmigen Grafikerin auf einmal konsequent „Grüß Ditsch!“ lautete (1), dass Kollege Franz nur noch in Fistelstimme und sekundenlang gerolltem R angesprochen wurde (2), dass der in Agenturkreisen häufige Prosecco meist mit tuntigen Gesten, gehaucht und mit den Worten „Mogst a Glasl Prosecco?“ angeboten wurde (3) – all das brachte ich natürlich nicht in Verbindung mit einer Fernsehsendung. Und dann stolperte ich eines Abends in die Ausstrahlung einer alten Folge Bullyparade und entdeckte: genial, nie dagewesen, fast britisch in intellektuellem Aberwitz und Pointenlosigkeit, durchmischt mit einer kalauernden Albernheit, die Mel Brooks zur Ehre gereichen würde. Ich war fassungslos. Dann endlich ging ich auch ins Kino und sah mir ein Jahr nach dem Start Der Schuh des Manitu an. Ich amüsierte mich, neuerlich fassungslos machte mich aber das filmische Niveau des Films: Wo ich Supernasenartiges in Drehbuch, Ausstattung, Kamera und Schnitt erwartet hatte, kam mir Hollywood entgegen. Nur halt auf Deutsch.
Wie komisch Bully Herbig ist, zeigte das Fotointerview mit ihm im SZ-Magazin letzte Woche: Die Frau, die sich letzten Freitag am Sendlinger Tor gegen acht vor Lachen am Bushäuschen festhalten musste – das war ich.
Also schaute ich mir Lissi und der wilde Kaiser an, Herrn Herbigs ersten Trickfilm, natürlich in dem einen Münchener Kino, dessen barocke Ausstattung es mit den Sissi-Filmen aufnehmen kann: im Filmtheater Sendlinger Tor. Und – ich hab sehr g’lacht. Angefangen mit der Heinz-Erhardt-Figur, die erst mal vor den Vorhang tritt und auf Deutsch und sowas wie Englisch Anweisungen zum Verhalten während des Filmes gibt (halt: Vorher kam ja schon die übliche schnell durchlaufende Raubfilmer-Warnung, die Herr Herbig vergeblich versuchte vorzulesen), über den hessischen Teufel und sein Echo, gesprochen von Badesalz, bis zum Navigationssystem in der Kutsche: eine Menge guter Einfälle. Und zuletzt belohnt Michael Herbig als Filmliebhaber natürlich die Abspannsitzenbleiber. Wer mit Bullyhumor etwas anfangen kann oder / und die Sissi-Trilogie mehr als einmal gesehen hat, wird eine Freude haben.

(1) Zitat aus dem Serienelement „Pavel und Bronko“: Die beiden tschechischen Intellekturellen Pavel Pipović und Bronko Kulička (gekleidet in Rollkragen plus Jacket in sozialistisch gedeckten Farben) an Sofatisch unterhalten sich kettenrauchend über Weltereignisse. Wörter, die auf -ig und -lich enden, werden dabei immer auf -itsch und
–litsch endend ausgesprochen.
(2) Zitat aus dem Serienelement „Sissi – Wechseljahre einer Kaiserin“: Herbig in Drag als romyschneidereske Sissi und Kollege Tramitz als Kaiser Franz himmeln einander in verschiedenen grotesken Umgebungen an.
(3) Aus dem Serienelement „Unser (T)Raumschiff“: „Raumschiff Enterprise“ (orignal series) nachgespielt mit einer durchwegs tuntig-schwulen Besatzung, darunter Capitain Kork, Mr. Spuck, Schrotti, Pulle und Mr. Solo.