Archiv für Januar 2008

Alphabetisches Browsen

Donnerstag, 31. Januar 2008

Lustiges Spiel: Buchstaben in den Browser eingeben und gucken, welche Seite mit diesem Anfangsbuchstaben als erstes auftaucht.
Interessanterweise ist der letzte Besuch oft viele Wochen her. (via Anke)

A: Ärzteblatt zu Sorbit

B: Bayerisches Staatsschauspiel

C: Cafés Pozo (mal wieder gecheckt, ob die Online-Bestellung endlich aktiviert ist)

D: Tatort („Das Erste“)

E: Erziehungstipps

F: Feministing

G: Gaga

H: Hackblog

I: Hillary auf CNN

J: Mardermolch („Jenbachweb“)

K: Klinik

L: Lisa Neun

M: Mädchenblog

N: Nachtschwester

O: Küchenlatein („Ostwestwind”)

P: Mediashift

Q: Kwüpe

R: reasononline

S: Dinnerscout („Schleissheimforum”)

T: Tagesschau zur Jugendkriminalität

U: Lawblog (“Udovetter”)

V: Mach doch mal was mit Tieren („Vari.Antville”)

W: Wagner Waiblingen

X: … is a blog („Xrays”)

Y: nie besucht

Z: Geschmacksfrage (zeit.de)

Was mich misstrauisch macht: Es ist überhaupt nichts Peinliches dabei. Hat die URL-Speicherfunktion einen Filter?

Krapfenideologie

Donnerstag, 31. Januar 2008

Anderswo mag man von Karnevalswagen werfbare Bonbons testen – für mich ist die am engsten mit Fasching verbundene Speise der Krapfen.

Neumodische Füllungen wie Quark und Nougat überlassen wir weiterhin den Neumodlern. Doch selbst beim klassischen, gstaubten Faschingskrapfen tut sich ein ideologischer Graben auf: Welche Marmelade gehört da rein? Am Sonntag musste ich beim Krapfenkauf die Sortenbezeichnung „klassisch (gelbe Marmelade)“ lesen. Das ist in meiner Krapfenreligion genau die falsche Option. Krapfenmarmelade hat idealerweise von Hagebutten abzustammen, zumindest aber muss sie garantiert rot sein. ODER!?

Tote Terroristen

Mittwoch, 30. Januar 2008

Zum einen ein Buch: Stella Rimington, At Risk.
Frau Rimington heißt wirklich so und war Chefin des britischen Geheimdienstes (!). Ich bin auf ihr Buch über ein Interview in der Süddeutschen Zeitung gestoßen, das ich sehr empfehle.

Ohne Stella Rimington wäre 007 nicht so schnell zu einer Chefin gekommen. Oft soll Lois Maxwell alias Moneypenny gebettelt haben, dass „M“ eine Frau sein sollte. Absurd, beschied man ihr. Eine Frau in der Position! Dann wurde Rimington 1992 Chefin des MI5, und seit „Golden Eye“ gibt es also eine „M“ – gespielt von Judi Dench. Für ihren ersten Bond hat sie offenbar genau das Original studiert. Jedenfalls taucht sie als Auslandsspionagechefin mit dem gleichen Faconschnitt und kragenlosen Mantel auf, wie sie Dame Stella zu tragen pflegte. Und einem sehr scharfen Ton. Wenn sie James Bond als „sexistischen Dinosaurier“ anraunzt, soll das nicht allein der Phantasie der Drehbuchautoren entsprungen sein.

Den Spionageroman empfehle ich Freunden dieses Genres oder von Krimis: Er ist keine literarische Glanzleistung, aber durch seinen Reichtum an Alltagsdetails im Geheimdienstleben besonders. Die Geschichte: Die Hauptfigur Liz Carlyle, Mitarbeiterin des britischen Geheimdiensten MI5, bekommt Wind von einem islamistisch motivierten Anschlagsplan und geht dem nach. Die darauffolgenden Geschehnisse werden abwechselnd aus Sicht der Attentäter und aus Sicht der Ermittler geschildert, im Grunde recht undramatisch.

Zum anderen ein Video: Achmed, the dead terrorist.
Schön, dass die alte Kunst des Bauchredens noch lebt.

achmed.jpg

(„I KILL YOU!“)

Lion Feuchtwanger, Erfolg

Sonntag, 27. Januar 2008

Selbst bei mir Literaturwissenschaftlerin funktioniert der Abschreckmechanismus, Klassiker der Weltliteratur müssten anstrengend zu lesen sein. Dabei weiß ich, dass das bei englischen solchen fast nie gilt, und als ich nach jahrelangem Drumrumschleichen endlich Choderlos de Laclos‘ Gefährliche Liebschaften anging (übersetzt von Franz Blei, ich kann kein Französisch), konnte ich es vor Spaß und Spannung schier nicht aus der Hand legen.

Nun habe ich endlich Feuchtwangers Erfolg gelesen, von dem mich neben seinem Status trotz vieler Empfehlungen die 900-Seiten-Dicke abschreckte. Doch was soll ich sagen: Der Roman ist großartig! In vielen Kapiteln (ich mag Kapitel) erzählt Feuchtwanger aus dem München der frühen 20er; als roter Faden dienen ihm der Prozess und die Haft des Museumsdirektors Martin Krüger, der des Meineids angeklagt und verurteilt wird. Die Handlung wird durch die Beschreibung der am Prozess beteiligten Personen voran getrieben, jedes Kapitel personal aus der Perspektive einer solchen erzählt. Erzählt werden damit auch die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse der Zeit, vieles direkt (Feuchtwanger wollte laut dem Nachwort einen historischen Roman schreiben, auch wenn er die allerjüngste Vergangenheit behandelte), vieles implizit.

Aus diesem Erzählrhythmus fallen ein paar Einzelkapitel eher satirischer Art heraus. In einem stellt Feuchtwanger, unkommentiert und dadurch umso entlarvender, statistische Größen der ganzen Erde aus dieser Zeit nebeneinander, vom Anteil der landwirtschaftliche Beschäftigten über die Anzahl von Selbstmorden in Deutschland bis zur Religionsverteilung in Bayern.

Der große Bogen der Haupthandlung schafft nicht Spannung im eigentlichen Sinn; es sind die immer wieder aufgegriffenen Personen, die mich fesselten. Dazu kommt die Hauptrolle, die das damalige München spielt: Orte wie der Englische Garten, das Müller’sche Volksbad, Karolinenplatz, Feldherrnhalle, Rathauskeller gehören zu meinem Alltag, sogar vom Kocherlball ist kurz die Rede. München, Bayern und seine Bewohner, vor allem aber seine Politiker haben sich in den vergangenen 80 Jahren anscheinend kaum verändert. Auch damals war der naheliegende Vergleich der mit Berlin, das nicht unbedingt besser wegkommt. Einige historische Figuren tauchen sehr erkennbar, wenn auch unter anderem Namen auf, darunter Bert Brecht und Karl Valentin.

Sehr gefallen hat mir Feuchtwangers elegante Sprache, die sich ganz selbstverständlich vieler Bavarismen bedient, ob „damisch“ oder „Lackl“. Sehr bald zu viel wurden mir allerdings seine ständig wiederholten Adjektive in Personenbeschreibungen (soll das an die homerischen epiteta ornantia erinnern?) – als er mir zum 15. Mal Johannas Hände als „großporig“ vor Augen führte, Klenks „langen Schädel“, hätte ich ihn gerne posthum ein bisschen gewürgt. Aber wirklich nur dafür, ansonsten danke ich sehr herzlich für das Verfassen und Veröffentlichen dieses Buches.

Terrine

Freitag, 25. Januar 2008

terrine_logo.jpg

Eine Geschichte, wie nur Blogs sie schreiben.
Auf Dinnerscout hatte ich zum wiederholten Mal über ein Münchener Restaurant namens Terrine Dinge gelesen, die mich sehr anzogen. Die Website des Lokals in der Maxvorstadt verriet mir außerdem, dass es unter dem Namen „Bistro Terrine“ in den 80ern ein Szenetreff war (ich hatte sofort Baby Schimmerlos vor Augen), dann verkam, aber 2005 vom Geschäftsführer vom Tantris ihm seim Buben übernommen, hergerichtet und neu eröffnet wurde. Ich liebe ja solche Geschichten. Und dann lockte mich, dass es Menüs mit Weinbegleitung zu jedem Gang gibt. (Auch dass der Sommelier Benjamin Karsunke heißt – ist das nicht ein Name zum Niederknien?)

Also verbrachte ich mit dem Mitbewohner einen Abend dort. Er war voll großer Genüsse; schwer zu entscheiden, ob das größere Verdienst bei den Speisen oder beim Wein lag. Als köstlichen Gruß aus der Küche hatten wir exakt das bekommen, was hier auf dem ersten Foto zu sehen ist – nur hatten wir nicht genau verstanden, was es war. Vor allem das grüne Bläschen hätten wir gerne genauer einordnen können.

Wofür gibt es Internet – ich schrieb also dem Dinnerscout-Autor Florian, ob er Auskunft geben könne. Konnte er:

Schön das Ihr die Terrine besucht habt. Habe am Freitag auch in der
Terrine mitgekocht. Habe auch Euer Amuse Geule gemacht. Das grüne
Bläschen ist eine sphärische Ravioli. Das ist eine Erfindung von Ferran
Adria aus dem ElBulli kommt in Kürze auf dinerscout.
Die Olive wird entsaftet mit Olivenöl versetzt, Xantana ( Geliermittel
Bos-food ) und Calcic zugegeben und dann in einem Alginbad „gekocht“.

Das nächste, was ich von der Terrine hörte, war, dass sie einen
Michelin-Stern bekommen hatte. Seither war ich noch zwei Mal in dem kleinen,
unglaublich liebevoll geführten Restaurant. Das ich hiermit sehr empfehle.

Schnappschüsse von Speisen, Personal und Einrichtung gibt es in einem weiteren Eintrag bei Dinnerscout.

Gefühlsmechanismen

Mittwoch, 23. Januar 2008

Wie die Erschütterung über eine schlechte Nachricht sich aus allen Lebensbereichen dazu Passendes sucht, zielsicher überall Belastungen findet, die in helleren Umständen keine wären. Und anfängt, daraus Schwärze zu basteln, Endziel Lähmung.

Auch Erbe

Dienstag, 22. Januar 2008

einkaufszettel.JPG

Der Mensch lässt sich ja in den seltsamsten Dingen vom Elternhaus prägen. Bei Lila hatten wir’s vor längerer Zeit mal vom Putzverhalten, das sich meist – am messbarsten in der Präferenz von Schwamm oder Lappen oder Bürste beim Geschirrspülen – an dem der Aufwachsumgebung orientiert.

Auf dem Foto oben sieht man einen weiteren Beleg solcher Prägung. Mir wurde bewusst, dass nicht jeder Mensch in meinem Kulturkreis solche Einkaufszettel hat. Abgesehen davon, dass es ja Leute geben soll, die nie Einkaufszettel schreiben (wirklich?), ist man möglicherweise in der Auswahl des Mediums sehr von Daheim geprägt. Das da oben ist nämlich Teil des Innenkartons einer Strumphosenpackung; besonders als Einkaufszettel geeignet, weil fester als einfaches Papier. Wie schon meine Mutter vor mir zerschneide ich alle solche Innenkartons, so sie nicht bedruckt sind, in sechs Streifen. Diese staple ich an einem festen Platz in der Küche (links neben den Geschirrtüchern); wenn mir ein einzukaufender Artikel einfällt, oder wenn mir Senf, Zucker, Mehl, Zwiebeln ausgehen, ziehe ich einen der Zettel aus dem Stapel, lege ihn auf das Monster und schreibe es mit dem dort bereit liegenden Kuli auf.

Mögen Sie mir verraten, wie Ihre Einkaufszettel aussehen und ob Sie damit eine Familientradition fortsetzen?