Wie ich lernte, Rindsrouladen zu machen
Donnerstag, 21. Februar 2008Mütter ihres Schlages wurden nicht krank, nie. Ihr Schlag war der einer Frau, die selbst eine dumme und wehleidige Mutter hatte, mit Selbstmordrohungen als Erziehungsmethode, eine eigene Mutter, die sie zutiefst verachtete. Was bereits ein Schritt in Richtung unerbittlicher Selbstdisziplin war. Ihr Schlag war die Nachkriegsgeneration, für die Mutterschaft ein ernsthafter Beruf war, eine Pflicht inklusive Vorbildfunktion, fast kein Opfer zu groß.
Zum Beruf der Vollzeitmutter gehörte auch ein perfekt geführter Haushalt. Schön eingerichtete, jahreszeitlich dekorierte Wohnung, täglich gestaubwischt und -saugt. Jeden Tag warmes Essen auf dem Tisch, wenn die Kinder aus der Schule kommen, der Ehemann von der Frühschicht kommt oder sich für die Spätschicht fertig macht. Und Krankheit passte definitiv nicht in dieses Konzept.
Es muss meiner Mutter also schon extrem dreckig gegangen sein, als sie sich eines Schulferienvormittags, ich ging ungefähr in die 7. Klasse, ins Bett legte, ganz schlimm erkältet und fiebrig. Mein kleiner Bruder und ich schlichen ein wenig ratlos durch die Wohnung. Doch selbst in diesem Zustand ließ meine Mutter die eisernen Pflichtzügel nicht locker: Warmes Essen musste auf den Tisch, wenn mein Vater aus der Arbeit kam (ein liebevoller Partner, der das niemals eingefordert hätte). Es sollte Rinderrouladen geben, eingekauft war schon alles. Und so instruierte sie mich Küchen-Analphabetin vom Bett aus, Schritt für Schritt. Rouladen auf die Arbeitsfläche legen, salzen und pfeffern, mit etwas scharfem Senf bestreichen. Und jetzt? Speck in Streifen schneiden, Essiggurken in Streifen schneiden, in die Mitte der Rouladen legen. Und dann erklärte sie mir ganz genau, wie die Rouladen zu falten und zu rollen waren – so genau und eindringlich, dass ich bis heute bei jeder Rouladenzubereitung daran denke. Gleichzeitig vermisse ich ihre Rouladennadeln, die sie – in einen kleinen, grünen Bastuntersetzer gesteckt – in einer Schublade aufbewahrte. Als mein Vater damals aus der Arbeit kam, gab es recht gute Rouladen, nur ein kleines bisschen zäh. Und erst viele Jahre später begann ich mich zu wundern, dass meine Mutter nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen war, dass man auch mal einfach krank ist und es deshalb Käsebrote gibt. Glücklicherweise hat sie ihr eisernes Plichtbewusstsein mittlerweile lange überwunden. Ich liebe diese Frau sehr.
Heute beginnt sie ihre erste Runde Chemotherapie. Wenn Sie hülfen, Daumen zu drücken, wäre ich sehr verbunden.





