Archiv für November 2008

Beute der BoBs

Sonntag, 30. November 2008

Es war wieder ungeheuer bereichernd, die Jurymitglieder der BoBs und die Leute von der Deutschen Welle zu treffen. Die Diskussionen um die Bestimmung der Gewinner waren sehr intensiv und brachten uns durchaus an die Grenzen des Konzepts BoBs, nämlich bei dem Problem: Wie kann man in den gemischten Kategorien Blogs völlig verschiedener Blogkulturen miteinander vergleichen?

Am deutlichsten wurde das in der Diskussion um das beste Videoblog. Als Favoriten stellten sich schnell Voices of Africa und Bottleplot heraus. Selbst die Jurymitglieder, die sich nicht für Wein interessierten, sprangen sofort auf Bottleplot und Marlene Duffy an, waren begeistert von der technischen Professionalität, von der mitreißenden Marlene und von dem runden Konzept der Site. Daneben stand ein Videoblog mit dem Konzept, Videohandys an Menschen in Zentralafrika zu verteilen, die ihre Filme auf einer Sammelsite posten können und damit die Vielfalt Afrikas weit jenseits offizieller Berichterstattung erlebbar machen. Eine brutale Wahl.

Die Gewinner der BoBs finden Sie hier. Die Preisverleihung war ein sehr schöner Abend. Besonders freute mich, dass einige Nominierte angereist waren, darunter Zoe, Marlene (die auch im Introfilm auftrat), dievommond und zwei Damens hinter dem Gewinnerblog Mädchenmannschaft. Das waren zumindest die Nominierten, die sich mir zu erkennen gaben.

Fasziniert hat mich wieder an der Jurytätigkeit, wie anders der freundliche Umgang mit Menschen ist, die von wo ganz wo anders kommen. Selbst ein sonst jederzeit einsetzbarer Gesprächsanfang wie „Nice weather, isn’t it“ scheidet aus, wenn das Gegenüber aus Indonesien kommt und wegen seines klimatischen Hintergrunds vermutlich ein komplett anderes Konzept von schönem und nicht so schönem Wetter hat. Gleichzeitig entdeckte ich auch überkulturelle Gemeinsamkeiten, z.B. mit Farnaz aus Teheran: Uns verbindet die Liebe zu Großstädten, vor allem wegen der Chance zu Anonymität unter vielen Menschen. Auch sie erlebte, wie sie in einem Café so bekannt wurde, dass man ihr die übliche Bestellung bei Sichtkontakt bereits zuzubereiten begann – und ging fortan nie mehr hin.

Ich bekam in den Gesprächen rund um die Jurysitzung Einblicke in die Geschichte einer ägyptischen Familie von Künstlern und Architekten, in die Auswirkungen, die Internetzugang per Handy auf das Bloggen im Kongo hat (es wird enorm viel billiger), in die Situation von Einwanderern in Argentinien – und ich habe Grund zu Annahme, dass mir russischer Humor sehr liegt.

Unbedingt weitergeben möchte ich Ihnen einige inspirierende Blogentdeckungen.

- Das Videoblog Ill Doctrine: Der Hiphop-DJ Jay Smooth rapt Kommentare zu aktuellen Ereignissen. Muss aber nicht immer Rap sein, zum Beispiel finde ich den obersten Clip besonders schön.

- Noch ein Videoblog: Als Reverenz an die ersten Bewegtbilder überhaupt, die einen einfahrenden Zug zeigten, filmt und veröffentlicht das russische New Lumiere – in Bahnhöfe einfahrende Züge.

- Ebenfalls russisch ist Maratotchka: Cartoons um einen Punkt auf zwei Beinen.

- Für alle Liebhaber amerikanischer Zeitungscomics: Comics Curmudgeon schaut sich die traditionellsten davon an und nimmt sie auseinander.

Nachtrag: Fotos von der Nacht der BoBs hat wieder die hinreißende Frau gaga gemacht.

Schwimmen duch Berlin, Teil 2

Samstag, 29. November 2008

Das hier ist die SSE, die Schwimm- und Sprunghalle im Europa-Sportpark. Wie, Sie sehen keine Halle? Dann vielleicht von der anderen Seite.

Immer noch nicht? Ging mir auch so. Die haben dieses Schwimmbad nämlich in den Boden eingelassen; die graue Fläche rechts ist das Dach. Ich irrte eine unangenehme Weile durch den Schneeregen, bis ich endlich den Zugang fand (und war sehr an den Hauptbahnhof von Edinburgh erinnert).

Was sich allerdings als ein Glück herausstellte: Am Samstag öffnet das Bad erst um zwölf. Das hatte ich übersehen, musste durch das lange Herumirren aber nur fünf Minuten warten.

Örtliche Besonderheit: Man muss die Schuhe direkt hinter der Kasse ausziehen, denn gleich hier beginnt der „Barfußbereich“.

Das Bad ist modern, sauber und groß, für die Spinde braucht man 2-Euro-Stücke (danke, Frau generator), worauf auch die Kassenfrau aufmerksam macht, Bügel für die Spinde habe ich nirgends gefunden.

Und dann muss ich dem SSE (nennt man das Bad in Berlin so? das SSE?) für eine Erkenntnis danken: Die von mir immer wieder geforderten geordneten Schwimmbahnen bringen gar nichts. Beim Betreten der Halle freute ich mich sehr: Hier gab es anscheinend das System, das ich im Uni-Schwimmbad von Swansea zu schätzen gelernt hatte. Kugelketten steckten Bahnen ab, in denen rundum geschwommen wurde, gegen den Uhrzeigersinn. So passten auf eine Bahn bequem zehn Schwimmer. Nur dass das eine Detail fehlte, das ein Fließen erst ermöglicht: In Swansea waren die Bahnen nach Geschwindigkeit sortiert, von gemütlich bis turbo. Ohne diese Regel, so musste ich feststellen, wird das Bahnenschwimmen sehr anstrengend. Befindet sich auch nur ein Langsamerer oder eine Rückenschwimmerin auf der Bahn, gibt es kein Durchschwimmen, denn für Überholen reicht der Platz nicht. Es bleibt nur eine vorzeitige Wende oder Warten am Beckenrand, bis der Vorsprung des Hindernissen groß genug ist. Entspannend ist das nicht.

Dennoch freute ich mich an meiner wiedererwachten Schwimmlust. Mal sehen, wann mir der tagelange Chlorgeruch in allen Poren diese Freude vermiest.

Das mit dem Balzverhalten

Freitag, 28. November 2008

Es erleichtert mich sehr, dass ich nicht die einzige bin, die schon immer automatisch zu typischen männlichen Imponierhandlungen gegriffen hat, um Männer zu beeindrucken – mochten sie auch, vernünftig besehen, wenig Chancen auf Anziehungskraft haben. A girl’s got to do, what a girl’s got to do. Deshalb sei Frau generator gewidmet: “Anything You Can Do” aus Annie Get Your Gun:

Schwimmen durch Berlin, Teil 1

Donnerstag, 27. November 2008

Auch wenn ich lieber eine weitere Laufstrecke in Berlin getestet hätte: Winterliches Laufzeug füllt allein schon einen halben Koffer. Und so verlegte ich mich auf das erheblich ausstattungsärmere Schwimmen. Zunächst beschwamm ich das Stadtbad Tiergarten, gut erreichbar in fünf Fußminuten vom Hauptbahnhof aus. (Mittlerweile kann ich wohl aufhören, Wege in Berlin nach der Formel zu berechnen: so lang, wie ich nach Münchner Maßstäben über den Daumen peile, mal zwei. Ich scheine eine geeignete Berliner Daumenpeilung entwickelt zu haben.)

Der Eintritt liegt mit vier Euro überraschenderweise über dem Münchner Standard (3,60 Euro), das Bad ist sauber und gepflegt. Am heutigen Donnerstagvormittag wurden zwar einige Schulklassen unterrichtet, die Hälfte des 50-Meter-Beckens stand aber der Laufkundschaft zu Verfügung. Es war so angenehm leer, dass ich meine 3000 Meter ohne viel Umwege schwimmen konnte – sehr entspannend.

Für den Spind braucht man eine Euromünze, darauf machte mich die Kassiererin aufmerksam, die ich um eine Einweisung für mich Neuling bat. Allerdings erwähnte sie nicht, dass ich für den Haarfön Fünf-Cent-Münzen brauchen würde (ist mit Föns wirklich etwas zu verdienen?). Ich hatte nur Zehnerl dabei und ging mit nassen Haaren hinaus, mir den Tod holen.

(Weiteres Bloggen wird durch durch den freundlichen, aber fremden Herrn unterbunden, der mich hier in der Hotellobby gerade auf einen Kaffee einladen wollte. Nix wie weg.)

Best of the Blogs – Endspurt für den Publikumspreis

Dienstag, 25. November 2008

Bis morgen kann das Publikum noch über seinen Favoriten unter den BoBs-Nominierten der Deutschen Welle abstimmen, und zwar hier. Tun Sie das doch!

Ich mache mich heute Nachmittag auf den Weg nach Berlin, um morgen mit Bloggern aus der ganzen Welt über die Preise der Jury zu debattieren. Im Moment steht leider noch auf der Kippe, ob Shuguang Zhou, das chinesische Jurymitglied, ausreisen darf.

Bekanntgegeben werden die Preise am 27. November auf einer Feier im Berliner Museum für Kommunikation. Die Veranstaltung ist öffentlich und beginnt um 20 Uhr, der Eintritt ist frei. Sie sind herzlich eingeladen – die angereisten Blogger aus aller Welt sind sehr daran interessiert, einheimische Blogger kennenzulernen. Kommen Sie einfach auf mich zu (ich bin die Frau im dunkelgrünen Abendanzug), ich mache Sie gerne bekannt.

Marktprofil

Montag, 24. November 2008

Beim Blättern nach Brigitte Hobmeier, auf die ich mir demnächst einen handfesten crush erlaube, entdeckte ich nicht nur, dass das lesenswerte SZ-Interview mit ihr online steht, sondern stieß auch auf ihre Agenturseite. Darin ihr Profil für den Schauspielerinnenmarkt:

München
1976
167 cm, rot, blau
Ski, Skating, Basketball
Führerschein III
Englisch, Französisch
berlinerisch, bayrisch, wienerisch
Sopran

Ist vermutlich ganz üblich in dieser Branche, befremdete mich dennoch. Für mich sähe es so aus:

München (wenn damit der Wohnort gemeint ist)
1967
172 cm, grau, blaugraugrün
Standardtanz, Ski, Schwimmen, Aerobics (wenn damit Sportarten gemeint sind, in denen ich glaubhaft einen Profi mimen könnte. Ex-Profi, ahem, altersbedingt)
Führerschein III
Englisch, Spanisch
oberbayrisch
Alt

Angeschneiter Isarlauf

Sonntag, 23. November 2008

Das Milchhäusl im Englischen Garten hat wieder die ausgemusterten Skigondeln zum Schutz gegen die Winterkälte aufgestellt.

Und kurz nachdem ich die Sonne auf dem angeschneiten Weg hinter der Emmeramsbrücke einfing, trabte ich umwirbelt von Schneeflocken.