Archiv für November 2008

Destatis klingt griechisch – ist es aber nicht

Mittwoch, 12. November 2008

Heute möchte ich Ihnen Destatis empfehlen. Klingt wie der Name eines griechischen Tavernenbesitzers, ist aber das Statistische Bundesamt: http://www.destatis.de/. Wenn Sie, wie ich, Zeitungsmeldungen besonders dann misstrauen, wenn sie sich auf Statistiken berufen, sind Sie hier genau richtig: Hier finden Sie nämlich die Statistiken selbst. Sie können nachvollziehen, wie die Zahlen erhoben wurden und wo sie herkommen – Schlussfolgerungen bleiben Ihnen überlassen.

Zu den Themen, die Sie besonders interessieren, können Sie neueste Zahlen abonnieren. Für mich waren bislang mindestens einmal die Woche wirklich interessante Aufstellungen dabei.

Zum Beispiel bekam ich heute diese Meldung: Zahl der Einschulungen geht weiter zurück.
Das für mich interessante Detail: Es wurden doppelt so viele Kinder auf Waldorfschulen eingeschult wie auf Gesamtschulen. Wenn ich daran denke, auf welcher Ideologie Waldorfschulen gründen und welche Inhalte dort vermittelt werden, bin ich schon sehr gespannt auf die neue Generation, die jetzt großgezogen wird.

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Dienstag, 11. November 2008

Sprachgeknobel

Dienstag, 11. November 2008

Aus den Kommentaren zum vorherigen Eintrag ziehe ich eine Diskussion, zu der ich herzlich einlade. Kommentator „martl“ fragte: „Müsste es nicht ‚wir Deutschen’ heißen? Also mit n?“ Genau das hatte ich auch überlegt.
„Wir Deutsche“ ist ja wohl Nominativ, wie in:

„Und was sind die da drüben?“
„Das sind Deutsche.“

Aber es scheint einen weiteren Nominativ zu geben:

„Wer hat den Zweiten Weltkrieg begonnen?“
„Die Deutschen.“

Warum gibt es zwei? Welcher stimmt? Ist einer davon in Wirklichkeit kein Nominativ?

Wir Deutsche

Montag, 10. November 2008

Wenn man als Deutsche zur Welt gekommen ist, kennt man das nicht anders: Man hat ein problematisches Verhältnis zu Nationalbewusstsein samt seinen Symbolen, setzt sich intensiv mit den Geschehnissen im Europa des 20. Jahrhunderts auseinander, tauscht Schweinsbratenrezepte aus, hat Goethe, Schiller, Hölderlin, Brecht zumindest ansatzweise gelesen. Man findet Deutsche im internationalen Vergleich oft doof, hält sie für unspontan, nörgelig, bürokratisch, überheblich, peinlich. Und findet es gleichzeitig unangenehm, dass Deutsche so gar kein Selbstbewusstsein haben und einander peinlich sind.

Wer, wie ich, erst mit elf Deutsche wurde, ist und macht all das da oben – aber viel bewusster. Wenn ich von „wir Deutsche“ spreche, handle ich mir gerne mal einen fragenden Blick von meinen Landsleuten ein: Die Formulierung passt nicht so recht zu meinem durch und durch undeutschen Namen. Soll ich etwa nicht für uns Deutsche sprechen dürfen, weil ich zwar in Deutschland, aber mit einer anderen Staatsangehörigkeit auf die Welt gekommen bin? Vergesst es, beglückwünscht euch lieber, dass wir herkunftsbunten Hunde dazugehören.

Noch eine Besonderheit von uns neudeutschen Kaltmamsells: Wir gehen sehr zur Wahl. Immer. Zu jeder.1 Ich kann mich noch sehr an die Feierlichkeit des ersten Wahltermins erinnern, den meine Eltern wahrnehmen durften. Und dass ich in meiner Aufgeregtheit anlässlich meiner ersten Bundestagswahlbeteiligung 1987 erstaunt war, wie gleichgültig das meine Altersgenossen ließ.

Am Wochenende hat meine Mutter mir meine Einbürgerungsurkunde mitgebracht; sie war beim Räumen in ihren Unterlagen aufgetaucht. Das Blatt bekommt definitiv einen Ehrenplatz in meinem Ordner für wichtige Dokumente.

  1. Hat jemand eine Erhebung zur Hand, die die Wahlbeteiligung von Geburtsdeutschen mit Eingebürgerten vergleicht? []

Gottschalk war gut

Donnerstag, 6. November 2008

Nach fast einer ganzen fast durchgehend sonnigen Woche ist es heute in Münchens Mitte novemberlich neblig, und die Autos fahren schon um Drei mit Licht. Ich ertappe mich beim Summen von „California Dreaming“: „Anneliese Braun, and the sky is grey…“ Und weiß sofort, woher ich das habe – aus den Zeiten, zu denen Thomas Gottschalk richtig gut war. Als er nämlich auf Bayern 3 (damals noch ein journalistischer Sender) erst die Sendung „Pop nach acht“ moderierte, die ich als Teenager in meinem Kinderzimmer anhörte. Und als er danach das Mittagsmagazin auf Bayern 3 machte, im wöchentlichen Wechsel (?) mit Günther Jauch (damals noch Journalist), das Highlight beim Heimkommen von der Schule. Das machte er auch noch, als ich schon selbst beim Radio arbeitete, einem schraddligen Lokalradio Mitte der 80er: Während sonst natürlich der eigene Sender die Redaktionsräume beschallte, wurde um Eins oft zu Gottschalk umgeschaltet – um etwas zu lernen.

Es war aber noch zu Schulzeiten, als Gottschalk „California Dreaming“ spielte und danach fragte: „Aber WER ist diese Anneliese Braun, von der da gesungen wird? Hören Sie mal zu.“ Er spielte nochmal den Anfang des Stücks, und tatsächlich: „Anneliese Braun, and the sky is grey…“

Als ich eben meine radioerfahrene Kollegin fragte, ob sie sich an den Namen der Mittagssendung erinnere (BR Radio Show?), berichtete sie, dass selbst diese Blödelei Gottschalks inzwischen instituionalisiert sei: Hörer würden aufgefordert, Verhörer zu melden, das sei ein fester Programmpunkt beim BR.

Worauf ich hinaus will: Gottschalk war mal richtig gut. Sogar über Jahre.

Die guten alten

Mittwoch, 5. November 2008

Die ältesten Posten meiner Blogleseliste empfehle ich viel zu selten. Zum Beispiel Frau Buschheuer, die für mich weiterhin das verkörpert, was mich begeisterte Blogleserin bleiben lässt: Interessanten Menschen beim Leben zuzugucken. Dabei gehört sie zu den nicht wenigen Blogautorinnen, mit denen ich mir keine persönliche Begegnung wünsche – ich genieße einfach nur ihr Blog. Zum Beispiel wegen solcher Beobachtungen (die Dame verweigert hartnäckig Permanent links):

jetzt bin ich grad ganz gerührt von meinem eigenen kitsch.

Marketing funktioniert

Mittwoch, 5. November 2008

Ich versuche, meiner Fassungslosigkeit Herr zu werden über den Umstand, dass die deutschen Medien in den vergangenen neun Monaten vom US-Wahlkampf dominiert wurden, wie es eine Bundestagswahl noch nie geschafft hat – indem ich die Geschehnisse als das betrachte, was sie nun mal waren: eine gigantische Marketing-Maschinerie, vergleichbar mit dem ewigen Kampf Coca Cola gegen Pepsi Cola, Adidas gegen Puma. Im Ring war zunächst die Marke Clinton gegen die Marke Obama – und die deutschen Medien berichteten über die Kür eines Präsidentschaftskandidaten eines 4000 Kilometer entfernten Staates bereits mehr als über jede Bundestagswahl. Wenn meine Wegschalterinnerung nicht trügt, gab es darüber sogar Brennpunkt-Sendungen nach der Tagesschau. Dann hieß es Marketingkampagne McCain gegen Marketingkampagne Obama, inklusive Testimonials von Prominenten. Und es hat funktioniert: Diese Shows rissen mindestens so viele Deutsche emotional mit wie die Fußball-Europameisterschaft, unter gebildeten Deutschen lag der Prozentsatz vermutlich höher als bei der EM. (Glücklicherweise fehlten die Hupkonzerte.) Man erzähle mir nicht, dass das eine vernünftigere Parteinahme war als die Präferenz für eine Turnschuhmarke – kaum einer der Schlachtenbummler konnte Inhalte der Wahlprogramme nennen. Heute Morgen hat sich die digitale Intelligentia von der Abschlussreden-Show bereitwilliger zu Tränen rühren lassen als von Steven Spielbergs E.T. Wird Herr Obama jetzt Kurzarbeit bei BMW verhindern? Wird er dafür sorgen, dass der G8-Lehrplan an bayerischen Gymnasien reformiert wird? Wie steht er zu Studiengebühren? Wird Herr Obama gegen die neue Computerüberwachung einschreiten? Will auch er die Pendlerpauschale wieder einführen? Ach, dafür ist er gar nicht zuständig?

Aber ja sehe ich auch Gutes darin: Demnächst gibt es hoffentlich ein Marketing-Lehrbuch, in dem die Macher der Obama-Kampagne detailliert schildern, warum ihre Marke mehr Käufer gefunden hat als der Wettbewerb.