Fetthetze

Donnerstag, 19. März 2009 um 12:51

Wer deutlich dicker ist als gesellschaftlich idealisiert, bewegt sich in einem dichten Netz negativer Stereotypen. Mit Dicksein wird nichts Freundliches assoziiert, Dicke rangieren in der „Selber-schuld“-Verdammung an erster Stelle. Verglichen mit einer Dicken darf sich jeder, absolut jeder, unabhängig von allen anderen Eigenschaften, wenigsten noch ein klein bisschen überlegen fühlen.

Eine neue Dimension von Fetthetze eröffnet die Kampagne einer holländischen Kette von Fitnessstudios: Sie macht die Bänke von Bushäuschen zu Waagen – mit öffentlicher Gewichtsanzeige.

bild_kopie

via feministing

Ein Hinweis, dass dick und fit durchaus kompatibel sind, wäre jetzt möglicherweise haarspalterisch? Interessant sind die Überlegungen von Womanist Musings zur Kampagne.

die Kaltmamsell

10 mal Beifall zu “Fetthetze”

  1. Nathalie meint:

    Die Bank ist doch hoffentlich ein Aprilscherz?

  2. Chris K. meint:

    Früher nannte man sowas Pranger.

  3. cohu meint:

    Also ich fänds lustig, mich da draufzusetzen, und ich hab kein Idealgewicht und noch nie ein Fitnesstudio von innen gesehen. Die Geschmacklosigkeit, die „Hetze“ oder der „Pranger“, liegen also zumindest teilweise im Auge des Betrachters.

    (Nicht falsch verstehen, ich sehe Stereotypisierung und Verdammung von bestimmten Körpertypen auch und finde sie ganz schrecklich. Ich glaube nur nicht, dass man diese Werbe-Waage unbedingt gleich als Ausdruck großer gesellschaftlicher Missstände interpretieren muss. Frei nach Freud: Manchmal ist eine Waage auch einfach nur eine Erinnerung daran, dass einem die alten Jeans wieder passen würden, wenn man sich zweimal die Woche zum Sport aufraffen könnte…)

  4. croco meint:

    Beim Gewicht bin ich empfindlich.
    Ich sehe nämlich viel leichter aus als ich bin.
    So höre ich jedes Mal, wenn ich mein Gewicht nenne „WAAAS? SO VIEL??“

    Richtig gemein wird es, wenn sich ein Mensch drauf setzt, der schwerfällig ist,
    und ein bißchen unförmig. Er wird bloßgestellt, und nicht zu knapp.
    Wer sitzt denn auf den Busbänkchen? Doch nicht das Junggemüse.
    Ältere Menschen, die nicht mehr stehen können.
    Übrigens, wer ist denn die Zielgruppe dieser Werbeaktion?

  5. Tanja meint:

    Und da wundert man sich, dass sich westliche Frauen freiwillig unter den Schleier werfen. Ist wohl die Antithese zu derlei Wahnsinn.

  6. walküre meint:

    The diet and exercise industry could care less about the emotional trauma that they create because their end goal is always profit. In these industries we can see the prefect connection of patriarchy and capitalism and the ways in which they collude to not only keep women poor but enforce a constant need to conform to the male gaze.

    So sehe ich das auch. Und stelle immer wieder fest, dass meine Kondition (und generell mein Gesundheitszustand, denn von meinen Laborwerten können viele Menschen nur träumen) jene vieler schlanker Frauen um Längen schlägt.

    Diese Art der Werbung scheint mir in jeder Hinsicht wenig durchdacht zu sein, denn wenn ich mich hier in Wien umsehe, sitzen in den Wartehäuschen vorwiegend alte Herrschaften, meist die Einkäufe neben sich gepackt und sicherlich mit gesundheitlichen Problemen jenseits des Gewichts versehen, wobei ich meine, dass sich das anderswo auch nicht anders verhält.

  7. Sven E. meint:

    Ich würde mehr wiegen, wenn ich wieder anfinge Sport zu machen (was hoffentlich bald der Fall ist). Es gibt Menschen, die zu „Übergewicht“ neigen – egal, wie sportlich sie sind – und welche die nur durch Muskelaufbau zunehmen. Letztere leiden unter ähnlichen Problemen wie Erstere. Sie finden selten die passende Kleidergröße im Geschäft und müssen darauf achten, dass ihr Körpergewicht nicht ungesund ist. Nur aus einem unerklärlichen Grund sind sie gesellschaftlich anerkannter.

  8. Remington meint:

    Dankeschön. Jetzt hab ich ein Thema für meinen nächsten Artikel. The power of pounds.

  9. somlu meint:

    Ich hatte da vor eine Weile mal so ein Erlebnis. Ich, nicht schlank, unterhielt mich mit einem Kollegen, sieht sehr sportlich aus (soviel zu meiner eigenen Wahrnehmung). Ich erzählte, dass ich schon mal 19+ Kilometer wandere, er verzieht das Gesicht, soviel könne er nicht laufen.

    Aber die Frage bleibt, ist das da oben ein Fake? Wenn nicht und sowas sollte hier auftauchen, werde ich die Möglichkeit von Vandalismus an öffentlichen Mobiliar in Anspruch nehmen.

  10. generator meint:

    Ein Zitat von Meryl Streep kürzlich in der Zeitung gelesen: „Frauen nehmen nur ab, um weniger bedrohlich zu erscheinen.“

Kommentare mit erlogener E-Mail-Adresse gelten hier als unredlich und werden hin und wieder gelöscht.

XHTML: Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

 

 

Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.