Archiv für Oktober 2009

Granatapfel

Samstag, 31. Oktober 2009

Granatapfel

Granatapfelkerne

WIR GRATULIIIEREN! WIR GRATULIIIEREN!

Donnerstag, 29. Oktober 2009

A_O

Asterix & Obelix wird 50! (Gell, Idefix, wir haben auch unsere kleinen Geheimnisse!)

Ich durfte ja eigentlich keine Comics lesen, weil diese nach Ansicht meiner Mutter Schund waren. Bis eine spanische Freundin meiner Eltern mir „Asterix bei den Spaniern“ (Ayayay Mama, ich bin so unglücklich!) mitbrachte. Da war ich 11 oder 12. Zusammen mit meinem Vater beömmelte ich mich, meine Mutter war geschlagen. Fortan legten mein Bruder und ich unser Taschengeld zusammen und kauften nach und nach alle Hefte. Dann die jeweils neu erscheinenden.

Kaum ein Werk der Literatur hat meine Alltagssprache so geprägt (Hie‘ sind nu‘ Hasenfüße d’in!). Alles, was mir von sieben Jahren Latein geblieben ist, sind die Lateinfetzen aus Asterix (T wie Timeo Danaos et dona ferrentes?). Wie kann man diese Bücher auch nicht lieben? Es kommt ausreichend zu essen drin vor (Obelix, DREI Stücke!), niemand ist allwissend (Mein Herr?), es gibt Liebe (Blödmann? Wieso Blödmann?), Tapferkeit (Nein, du wirst nicht singen!), Abenteuer (Latürnich!), Stil (Ich muss noch mein Lippengrün verwüsten).

In Nizza stand ich durch Zufall vor dem Grab von Goscinny und habe ihm bei der Gelegenheit gedankt. Doch natürlich weiß ich, dass all die Zitate, die sich durch meinen Alltag ziehen, nicht ihm geschuldet sind, sondern der Übersetzerin Gudrun Penndorf. Welt online hat ein sehr schönes Interview mit ihr geführt. (Mit Honig?)

International Wear A Dress Day 2009

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Isabo hat dafür gesorgt, dass dieser Welttag des Kleidtragens (garantiert nicht von den Vereinten Nationen initiiert, sondern von A Dress A Day) nicht an mir vorbei gegangen ist. Danke!

Da das genau in die Kategorie jeden Scheiß fällt, den ich begeistert mitmache – bitteschön:

Dressday

(Gekauft bei Boden.)

Das kuriose Wirken von Suchmaschinen

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Im Zitat, das vor vier Jahren diesen Blogeintrag auslöste, steht ein Frauenname, den die SZ-Autorin als Pseudonym für die Protaginistin gewählt hatte. Nun gibt es aber wohl Menschen, die tatsächlich so heißen. Eine ist beim Googlen nach ihrem Namen irgendwo auf mein Blogposting gestoßen. Sie schrieb mich an und bat mich, ihren Namen daraus zu entfernen.

Diese Bitte machte mich zunächst ratlos. Zum einen war ja schon in den Kommentaren jemand mit exakt diesem Namen aufgetaucht, die ebenfalls über die Googlesuche dorthin gekommen war. Allerdings amüsierte sie sich über den Zufall. Zum anderen handelt es sich bei der Erwähnung ja um ein Zitat, das ich nicht beliebig verändern kann. Gleichzeitig nahm ich den Schreck der Namensvetterin durchaus ernst.

Meine vorläufige Lösung: Ich habe das Zitat als Grafik eingebunden. Damit dürfte es für Suchmaschinen-Bots nicht mehr lesbar sein. Zumindest wurde mir in der Arbeit jahrelang umgekehrt eingeimpft, Schlüsselwörter und Unternehmensnamen nicht in Grafiken online zu stellen, weil sie dann nicht von den Suchmaschinen gefunden werden. Mal sehen, wie schnell der Eintrag aus der Ergebnisliste verschwindet.

Übrigens: Wenn ich meinen – ziemlich verbreiteten spanischen – Namen in Google eingebe, stoße ich unter anderem auf eine Rechtsanwaltsgehilfin, eine Grafikerin, viele Babys, eine Virologin mit beeindruckender Publikationsliste, eine Historikerin, eine Vertrieblerin bei einer Luftlinie, eine Krankenschwester. Es macht mir nichts aus, mit einer davon verwechselt zu werden.

Mein Vater und Fahrräder

Dienstag, 27. Oktober 2009

Manchmal frage ich mich, ob nicht alle Kaltmamsells das Problem mit Geselligkeit haben, das ich an mir beobachte. Inzwischen unterstelle ich meinem Vater ja, seine Manie des Geschirrspülens von Hand sofort nach dem Abräumen sei lediglich eine Flucht vor den Menschen, die dann noch um den Tisch sitzen. Als er letzthin wieder mal unauffällig von der großen Kaffeetafel verschwunden ist und ich aus der Küche ein verdächtiges Klappern höre, gehe ich ihm nach und greife nach einem Geschirrtuch; je älter ich werde, umso mehr genieße ich die seltenen entspannten Momente mit meinem Vater.

Wir plaudern über Fahrräder, und während er heißes Wasser ins Becken nachfüllt, erzählt mein Vater, wie er sich seinerzeit in Madrid im Parque del Retiro selbst das Fahrradfahren beibrachte. Es habe ihn, so berichtet er, einfach gewurmt, dass ihn der Pfarrer auf dem Dorf so blöd angeredet hatte. Im Sommer nämlich, wenn er in die sierra nördlich von Madrid zu den Verwandten ins pueblo geschickt wurde, auf dass sie ihn gegen Handlangerdienste durchfüttern mögen, im Sommer fungierte er sonntags als Ministrant, als monaguillo. Der Pfarrer habe nicht nur eine Kirche in dieser sonst gottverlassenen Gegend Kastiliens betreut, sondern eine ganze Reihe. Und so forderte er den Burschen auf, mit ihm zur nächsten Messe ins nächste Dorf zu radeln. Ein Fahrrad hätten seine Verwandten sogar gehabt – nur dass mein späterer Vater nie gelernt hatte, darauf zu fahren. Da habe ihn der Pfarrer, und hier drückt er den Spülschwamm, dass es nur so schäumt, saublöd angeredet.

16 sei er damals gewesen. Zurück in Madrid sei er zum Fahrradverleih des Retiro gegangen. Mein Vater legt den letzten gesäuberten Kuchenteller vorsichtig zum Abtropfen ab und beschreibt mit beiden Händen, wo genau im Retiro Ende der 50er Jahre die Hütte dieses Verleihs stand. Halbstundenweise habe er sich Räder ausgeliehen, um das Fahren zu lernen, erst ein Dreirad, dann das richtige Fahrrad. Schließlich habe er damals als Elektrikerlehrling erstmals ein bisschen eigenes Geld gehabt (nicht etwa aus der Lehre, sondern weil er das Erlernte umgehend mit seinem besten Freund Pedro in elektrische Installationen gegen Schwarzgeld umwandelte). Doch ganz allein wollte ihm das Radfahren nicht gelingen; er brauchte einfach jemanden, der ihn auf den ersten Metern ein bisschen am Gepäckträger hielt. Wieder sprang sein Onkel, der Wirt einer tasca, ein: Er beordnete einen seiner Kellner in den Retiro und hieß ihn, meinem Vater zu helfen. Das klappte wohl, und mein Vater konnte fortan Fahrrad fahren. (Dieser Onkel habe auch dafür gesorgt, dass mein Vater im Elektrogroßhandel für seine Schwarzjobs auf Rechnung einkaufen durfte und nicht Vorkasse zahlen musste.) Inzwischen ist das gesamte Kaffee- und Kuchengeschirr sauber und trocken. Beim Verstauen in den Schrank kann ich nicht helfen – ich weiß schon lange nicht mehr, wo der feste Platz welcher Dinge bei meinen Eltern ist.

Mit dem Lappen in der Hand erzählt mein Vater weiter: Wenige Jahre später in Deutschland habe er seine Radlkünste gut genutzt. In meiner späteren Geburtsstadt kauften er und zwei befreundete Spanier beim Kellerhals (dort bekam auch ich mein erstes) gebrauchte Fahrräder. Gleich am nächsten Sonntag fuhren sie 30 Kilometer in einen Nachbarort, weil sie gehört hatten, dass dort Spanierinnen wohnten. Zu denen fragten sie sich auch erfolgreich durch und verbrachten einen lustigen Nachmittag. Doch dann mussten sie wieder zurückradeln. Alle drei, so schmunzelt mein Vater und beginnt die Arbeitsfläche zu wischen und zu wieneren, seien völlig fertig gewesen. Die beiden anderen hätten sich am nächsten Tag in der Fabrik krank gemeldet. Er natürlich nicht.

Gleich nachdem er meine Mutter kennenlernte, fällt ihm nun ein, habe er sich mit ihr zu einer Radtour verabredet. Mit dem alten Gebrauchtrad habe er sich dabei aber auf keinen Fall blicken lassen wollen. Also überredete er seine beiden Freunde, dass sich alle drei neue Fahrräder kauften: dasselbe Modell, nur in verschiedenen Farben, auf Pump. Mein Vater wählte das blaue. Damit, so war er sicher, würde er meine Mutter beeindrucken können. Als sie zum Treffpunkt für die Tour mit einem richtig alten Rad anfuhr, sei er beruhigt gewesen.

(Soweit die Erzählung meines Vaters, die ich so wenig wie möglich ergänzt habe. Vielleicht schmücke ich sie irgendwann zu einer richtigen Geschichte aus.)

Vom Glauben abgefallen

Montag, 26. Oktober 2009

Gestern wohnte ich seit Langem wieder einem katholischen Ritus bei. Gebetet wurde auch das „Apostolische Glaubensbekenntis“. Und ich bemerkte, dass mein schrittweiser Glaubensverlust damit am einfachsten nachzuvollziehen war: Weil ich seinerzeit immer größere Lücken ließ.

Als Katholikin hatte ich Gebete – wie überhaupt Wörter – sehr ernst genommen. Ich hätte nie etwas in Gebetsform geäußert (Ich bitt‘ Sie: an eine Gottheit gerichtete Wörter!), was ich nicht exakt so meinte. Um meine Firmung herum, also mit 12 Jahren, fiel zunächst „die Gemeinschaft der Heiligen“ meinem Glaubenswandel zu Opfer. Deren Rolle in der katholischen Kirche hatte schon früh heftige kognitive Dissonanz ausgelöst, deren Überbrückung mich viel Kraft kostete – auch wenn ich als Kind begierig Heiligengeschichten gelesen hatte; romantische Stereotypen sind nicht zufällig bis heute ein erzählerisches Erfolgsrezept. Als nächstes musste „geboren von der Jungfrau Maria“ dran glauben: Deren frauenfeindliche Rolle im Katholizismus stieß mir ebenfalls schon früh auf.

Ein paar Jahre lang dachte ich, dass ich mir den Rest irgendwie würde zurechtbiegen können. Das Auslassen der „heiligen katholischen Kirche“ war dann wieder in erster Linie ein Protest. Doch schon ums Abitur ging mir der Glaube an „Auferstehung der Toten und das ewige Leben“ verloren. Ein wenig sah ich mir noch den Protestantismus an, der allein schon durch Frauenpriestertum und Abwesenheit von Heiligen- sowie Marienverehrung sympathisch erschien. Bis mir klar wurde, dass mir die Basis für Religiosität abhanden gekommen war: der Glaube an irgendeinen Gott, irgendetwas Überirdisches.

Die einstige Ernsthaftigkeit habe ich allerdings bis heute nicht ganz abgelegt. Selbst wenn ich mir noch so oft vor Augen führe, dass die Riten und Wörter der etablierten Religionen vor allem Kultur und Tradition sind: Menschen, die die Tempel dieser Religionen einfach wegen der guten Show nutzen, zum Beispiel für Hochzeiten, gehen mir gegen den Strich. Am lockersten kann ich noch die Musik nehmen, die unserem westlichen Gotteskult entwachsen ist: Sowohl komponierte Messen als auch Motetten singe ich mit Genuss und ohne Bedenken. Auch den Happy-Clappy-Liedern der gestrigen Zeremonie lieh ich also meine Stimme beherzt.

Strictly Isar

Sonntag, 25. Oktober 2009

Vielleicht mögen Sie mich ja mal wieder bei einem Dauerlauf an der Isar begleiten? Wir starten frühmorgens bei milden 12 Grad und Föhn dort, wo die Fraunhoferstraße auf den Fluss trifft, an der Reichenbachbrücke. (Da müssen Sie schon selbst hinkommen. Mir ist heute ja auch die 27er davongefahren, weil sie drei Minuten vor Fahrplan an der Haltestelle war. Wie ich von Weitem sah. Bin ich halt spaziert.)

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Auf der anderen Seite der Brücke traben wir flussaufwärts, und zwar auf dem Trampelpfad direkt an der Isar. Wir wollen nämlich nachschauen, was der Münchner unter dem „Natur“ in „Renaturierung der Isar“ versteht. (Das nachfolgende Foto stellen Sie sich bitte scharf vor. Dann ist es nämlich sehr schön.)

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Dieses Ensemble aus Braunauer Eisenbahnbrücke, Heizkraftwerk und Wehr verabschiedet uns erst mal aus zu offensichtlicher Zivilisation.

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Denn zwei Flussbiegungen weiter sieht es so aus:

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Wir laufen unter der Thalkirchner Brücke durch

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und profitieren ganz ohne Eintrittsgeld von einem Blick auf die Zootiere direkt hinterm Tierparkzaun (und von deren deutlichen Gerüchen): Hirsche, Pferde, Lamas.
Bei Maria Einsiedel kreuzen wir den Fluss.

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Wir machen uns auf den Rückweg isarabwärts. Hinter der Tierparkbrücke genießen wir das Schwingen der Bretter auf dem Flauchersteg.

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In den Auen dahinter zieht eine Joggerin ihre beiden großen Hunde mit der Leine ruckartig von uns weg – sie erklärt sofort entschuldigend, dass das nichts mit uns zu tun hat, sie nur etwas entfernt einen anderen Hund gesehen hat. Wir lachen alle herzlich.
Unter der Brudermühlbrücke hindurch – um diese frühe Uhrzeit treffen wir auf der Wiese dahinter allerdings nicht wie sonst so oft auf Schattenboxer. Schade.

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Schneller als uns lieb ist, kommen wir an der Wittelbacherbrücke an. Wir biegen weg von der Isar ins Glockenbachviertel und müssen ab sofort mit hoher Kinderwagen- und Kleinkinddichte rechnen (die Prenzlauerbergisierung des einstigen Schwulenrefugiums schreitet zügig voran).

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Quer durch den Südfriedhof geht es zurück nach Hause.

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(Insgesamt 1 Stunde 20 – ich sag doch, dass ich die vermutlich langsamste Läuferin an der Isar bin.)