Räderungen
Donnerstag, 5. November 2009 um 9:20Nächste Woche habe ich eine berufliche Aufgabe zu erfüllen, die mich belastet und die Morgenstunden meines Nachtschlafs kostet. Ich wache gegen 4 Uhr halb auf und wälze Teilaufgaben – viel mehr: werde von Teilaufgaben gewälzt: „Ich darf X nicht vergessen“, „hoffentlich landet der Flug von F. pünktlich“, „morgen früh als erstes eine Stellwand suchen“, „oh, einen Laptop muss ich auch noch auftreiben“, „habe ich die Einstiegspräsentation überhaupt auf Englisch?“, „für’s Mittagessen muss ich noch einen Tisch in der Kantine reservieren“, „wenn bloß die Teilnehmer sich nicht gegen mich verbünden – kooperieren und ein paar Verantwortungen teilen hat doch schon mal funktiert“, „wann soll ich bloß Zeit dafür finden, die Unterlagen vorzubereiten?“, etc. etc. Höchst ärgerlich.
Das passiert mir nicht zum ersten Mal, und eigentlich hatte ich mir bereits ein sehr brauchbar klingendes Gegenmittel gemerkt: All die kreisenden Sorgen und Teilaufgaben aufschreiben, auf einen Zettel, den ich neben dem Bett platziere. Zettel und Stift liegen auch bereit, nur: Ich werde nicht wach genug, um mich an das Gegenmittel zu erinnern. Weiter als „ich bin so müde und will schlafen, wenn nur endlich der Gedankenkreisel aufhören würde“ komme ich nicht. Fünf solche Nächte stehen mir noch bevor.
die Kaltmamsell


5. November 2009 um 9:33
Sie arbeiten aber nicht bei France Telecom, oder? Sonst würde ich mir jetzt Sorgen machen……
5. November 2009 um 10:17
Hmm, haben Sie vielleicht mal in Erwägung gezogen, eventuell sowas wie Baldiparan oder dergleichen zu nehmen? Zumindest bei mir funktioniert das, wobei ich äußerst selten dazu greife. (Da es pflanzlich ist, zudem nur in Ausnahmefällen Verwendung findet, stufe ich es nicht als “gefährlich” ein.)
5. November 2009 um 10:22
Huch, Katia, so weit würde ich es nie kommen lassen. Im Gegensatz zu den armen Schweinen bei France Telekom habe ich mir den Job selbst ausgesucht – und wer größere Dinge bewegen will, hat halt manchmal Muskelkater.
Danke für die Empfeglung, Mela! Auf Mittelchen würde ich allerdings erst zurückgreifen, wenn ich ohne solch konkreten Anlass halbwach liege.
5. November 2009 um 10:26
Ein bissl Stress ab und zu ist schon ok. Das muss auch mal sein, ist ja kein Dauerzustand. Die Anspannung lässt sicher in den nächsten Tagen nach, man bekommt ja dann langsam das Gefühl, es im Griff zu haben. Da habe ich bei Ihnen, werte Kaltmamsell, keine Sorgen. Ansonsten, wie wäre es mit gezielten Weckerklingeln gegen 4, dann aufschreiben, ein Glas Wasser und dann wieder ab in’s Bett für 2 Stunden.
Mel: Pflanzlich = ungefährlich ???? Lecker, dann mach ich schonmal Fliegenpilz mit Engelstrompeten zum Abendessen. Mag’st kommen ?
5. November 2009 um 11:41
@Applegg: Dazu einige Produkte aus Hanf und Mohn ;-)
5. November 2009 um 16:17
“…wer größere Dinge bewegen will, hat halt manchmal Muskelkater.”
Sehe ich genau so.
Und genau so kenne ich auch dieses morgens gegen 4 Uhr (da sind einige Hormonspiegel, z.B. Cortisol, tief tief im Keller – daher immer zu dieser Uhrzeit) halbschlafend sich selbst und Probleme wälzen. Mein Beileid also!
Und viel Spaß bei der Aktion, um die Du Dich gerade wälzt! Mit einer guten Portion Adrenalin rockt man doch erst so richtig die Bude. Egal ob bei einem Auftritt, einem Notfalleinsatz oder anderen großen beruflichen Aufgaben, wa?
5. November 2009 um 16:29
Sie kennen die Anekdote, die Billy Wilder dazu erzählte? Von dem Regisseur (oder war’s ein Autor?), der Nachts immer und immer wieder mit der Idee für einen Film aufwachte? Bzw. halbwach davon träumte? Nur – jeden morgen hatte er die Idee wieder vergessen. Bis zu dem Tag, an dem auch er einen Block und einen Stift an seinem Bett plazierte. Als er dann prompt wieder die große Idee hatte, schaffte er es tatsächlich, sie noch im Halbschlaf zu notieren. Als er dann am nächsten Morgen wach wurde, griff er voller Vorfreude – denn, wie gesagt, es war die ultimative Idee für einen wirklich großen Film – seinen Block. Was er darauf las, war folgendes:
“Boy meets girl!”
5. November 2009 um 21:07
Völlig offtopic:
Schau, schau, die Frau Kaltmamsell liest Science Fiction, wie kommt es? Wie ist das Buch? Ich kenne nur die ursprüngliche Kurzgeschichte, die mich aber jedesmal zu Tränen rührt, wenn ich sie lese.
(noch mehr offtopic: erinnert sich eigentlich noch jemand außer mir an den Stritzel’schen Laden am Stigelmayerplatz mit dem hochtrabenden, aber rührend falsch geschriebenen Namen “Sience Fiction Zentrale”? Dort hätte man früher das Buch in älterer Auflage sicher jederzeit bekommen).
Ansonsten wünsche ich erholsame Nächte und stressfreie Tage, Frau Kaltmamsell
(der Mitbewohner lässt sich doch sicher wieder mal was einfallen, oder?)
5. November 2009 um 23:08
Kenn ich, hatt ich zuletzt Anfang des Monats wegen Umzug. Leider war der Umzug rum und meine Träume hatten ihn immer noch vor sich. Die Psyche kommt halt manchmal nicht so schnell hinterher. Inzwischen habe ich allerdings ein paar mal wie ein Stein geschlafen und überhaupt rette ich mich mit der Erfahrung, dass ein gesunder Körper durchaus mal ein paar schlaflose Nächte wegsteckt. Egal wie müde man morgens ist, nach ein zwei Stunden und einem guten Kaffee fühlt man sich dann doch wieder ganz gut.
6. November 2009 um 1:03
Oh, das kenn ich. Seit Tagen liegen auch auf meinem Nachttisch Block und Stift um wirre Träume aufschreiben zu können. Mein Wachsein reicht auch nur bis zu dem Gedanken – “Das schreibst du jetzt aber auf”. So bleibt der Block jede Nacht aufs Neue leer.
Ihnen viel Erfolg beim bewegen großer Dinge :-)
@applegg
Ich sah schon mal Menschen eine habe (Sucht-)klinik unter dem Einfluß von Engelstrompeten in Schutt und Asche legen. Also überlegen Sie gut, bevor Sie Ihren Gästen Engelstrompeten servieren ;-)
6. November 2009 um 8:10
@togibu: Der Strietzel, aber sicher. An ihn erinnern sich ganze Generationen. Vor über zwanzig Jahren am Stiglmaierplatz, dann immer wieder hierhin und dorthin umgezogen (aber immer zwischen ursprünglichem Ort und Bahnhof). Inzwischen ist er in der Dachauer Straße, sieht gut aus. Ich war vor ein paar Monaten wieder drin.
Wir gingen aber eher wegen der Rollen- und Brettspiele dorthin, Taschenbücher gab’s damals auch in Augsburg.
6. November 2009 um 9:43
Na ja, togibu, es ist eher so: Ich lasse mich durch die Zuordnung zum Genre Science Fiction nicht vom Lesen eines Buches abhalten. Nach der ersten Hälfte der Lektüre von Flowers for Algernon bin ich auch eher an belehrende Gesellschaftsutopien wie Skinners Walden Two erinnert als an Science Fiction.
6. November 2009 um 12:29
@Kaltmamsell:
Das ist wohl eine Frage der Definition des Genres SF: Wenn man unter SF nur Weltraumkriegsspiele und Terminatorgemetzel versteht, hat Keyes natürlich keine SF geschrieben. Das ist mir persönlich aber zu eng, das würde etliche hervorragende Romane und Geschichten ausschließen (z.B. von Philip K. Dick oder Connie Willis). Am Besten gefällt mir die Definition von Theodore Sturgeon (sehr zu empfehlen, z.B. die Kurzgeschichte: “The man who lost the sea”): Danach ist SF eine eigentlich ganz normale Geschichte, die in einem “wissenschaftlichen/technischen/gesellschaftlichen Umfeld” spielt, oder auf einem “wissenschaftlichen/technischen/gesellschaftlichen” Aspekt beruht, wobei Umfeld/Aspekt über das zur Zeit des Schreibens der Geschichte bekannte/übliche hinausgehen, und die ohne diesen Aspekt /Umfeld nicht so hätte geschrieben werden können. In diesem Sinn kann eine Utopie natürlich auch SF sein (ich kenne allerdings Skinner nicht)
@Mitbewohner:
Ja, ich erinnere mich noch an den Umzug ums Eck vom Stiglmaierplatz in den dann reinen Rollenspielladen. Danach wars in der Zentrale immer ziemlich ruhig, und ich habe mich dort bei meinen antiquarischen Taschenbuch-Einkaufsbesuchen immer sehr nett mit der Mutter des Herrn Strietzel unterhalten. Das ist aber schon mindestens 20 Jahre her. Ich erinnere mich auch noch an die (in meinen Augen absolut nicht zu ihm passende, aber durchaus nette und sehr hübsche) Ehefrau des “Charly”, die in den Läden immer etwas hilflos wirkte. Gibt es die noch?
6. November 2009 um 21:05
Das, togibu, kommt schon sehr nahe an “Science Fiction ist alles, was irgendwie erfunden ist”. Womit es deckungsgleich mit fiction wäre. Mir ist dieses Etikett einerlei: Flowers for Algernon ist für mich genauso eine “What if”-Geschichte wie Jane Austens Sense and Sensibility.
(Der Mitbewohner als großer Science-Fiction-Liebhaber beharrt übrigens darauf, dass echte Science Ficition schlecht geschrieben sein muss.)
8. November 2009 um 20:54
I agree, werte Frau Kaltmamsell (ist das eigentlich korrektes Englisch? Jedenfalls stimme ich Ihnen zu.). Ich glaube, SF zu mögen ist bei Fans meist irgendwie aus der Jugend bzw. Kindheit (bei mir) übrig geblieben, auch wenn sich später der Lesehorizont erweitert hat. Insoweit mag ich deshalb auch dem Mitbewohner durchaus zustimmen (Das ist dann “echte” SF).
9. November 2009 um 6:14
SF ist auch bei mir von früher hängen geblieben, ja. Aber die meisten Bücher, die mir heute gefallen, haben immer irgendwelche phantastischen Elemente, und auch richtige SF lese ich immer noch gelegentlich.
Asimov hat in einem Aufsatz mal geschrieben, dass gute Science Fiction erst mal auch gute Literatur sein muss. Der Umkehrschluss gilt natürlich nicht, und mir ist oft aufgefallen, dass ich Bücher Namhafter Autoren, die typische SF-Themen aufgegreifen, schwach finde. Was hätte ein SF-Autor aus Kazu Isgihuro, Never Let Me Go gemacht oder aus Julie Zeh, Corpus Delicti. Vieles aus Harlan Ellisons Anthologie Dangerous Minds ist schlecht geschrieben, aber die Fülle an Ideen darin ist enorm.
Und so habe ich mir vorläufig zusammengereimt, dass Autoren guter Science Fiction schreiben müssen als Namhafte Autoren. Ganz bin ich aber noch nicht fertig mit der Theorie.