Dirty old woman

Freitag, 11. Dezember 2009 um 17:28

Als ich zwischen meinen Weihnachtseinkäufen vier Packungen Kaffeebohnen beim Schtabacks kaufte (die Christmas Blend ist wirklich empfehlenswert), bot mir der freundliche junge Mann an der Kasse eine Dreingabe für diesen Kauf:
„Eine Tasse Kaffee?“ (Er sagte wirklich „eine Tasse Kaffee“ – ich wusste nicht, das man das beim Schtabacks überhaupt kriegt.)
„Oh, nein danke.“
„Wirklich nicht?“
„Nein, wirklich nicht.“
„Dann vielleicht ein Keks?“
„Danke, sehr nett, aber auch das nicht.“
„Wirklich nicht?“
„Nein – aber Sie könnten mich einfach nochmal anlächeln.“
Da wurde er ganz verlegen und schaute mir nicht mehr ins Gesicht. Und ich fühlte mich alt, vulgär und aufdringlich.

die Kaltmamsell

18 mal Beifall zu “Dirty old woman”

  1. Buchfink meint:

    Nein, Frau Kaltmamsell, das ist entzückend! Machen Sie weiter so, bestimmt wird sich ein anderer junger Mann trauen und Sie nochmal anlächeln. Solche kleinen Erlebnisse sind doch das Salz in der Suppe.

  2. Sanníe meint:

    Es ist kein bißhen vulgär, einem jungen Mann zu sagen, daß er ein schönes Lächeln hat. Auch wenn man keine 20 mehr ist.

  3. Not quite like Beethoven meint:

    Find ich auch. Seit wann ist Lächeln vulgär? Außerdem hat er’s ja eh schon mal gemacht, oder? Sie sagten ja nochmal

  4. Sebastian meint:

    Ach jetzt kommt Ihr, das will sie doch nur hören. Wie aufdringlich.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Der Mann fühlte sich meinetwegen ganz offensichtlich unwohl – kann wirklich niemand nachvollziehen, dass ich mir deshalb schoflig und distanzlos vorkam?

  6. habsvergessn meint:

    Naja, wenn mir das ein fremder Mann auf der Strasse sagen wuerde, waere ich auch nicht gerade begeistert.

  7. Not quite like Beethoven meint:

    Ich kann schon nachvollziehen, dass er sich unwohl fühlte. Oder vielleicht eher: erschreckt, weil da jemand auf einmal persönlich wurde. Aber ich finde man kann höchstens zur Kenntnis nehmen, dass man da wen auf dem falschen Fuß erwischt hat und es vielleicht bedauern. Ansonsten bin ich für mehr so Aktionen im Alltag, ich nehme ja an, Sie haben auch gelächelt dabei. (Aber gut, ich lebe auch in Berlin, wo man immer damit rechnen muss, dass einer am Nebentisch die eigene Unterhaltung kommentiert…)

  8. Ruth meint:

    Kenne ich gut. Von beiden Seiten. Auch von beiden “Thekenseiten”.
    Sehen Sie es so: Wahrscheinlich sitzt er gerade zu Hause und grämt sich, nicht souverän, gelassen oder lachend reagiert zu haben.

  9. Stefan meint:

    Ich dachte beim Lesen eher daran, wie oft dieser junge Mann oder seine junge Kollegin heute das professionelle Lächeln für jede Kundin oder jeden Kunden genau einmal angeknipst haben.

  10. ilse aus München meint:

    jetzt übertreibens’ aber! dirty old woman? da gehört schon noch mehr her: “nein, aber haben Sie nachher noch was vor?”

  11. Richard meint:

    Bin 65 und habe mir angewöhnt Menschen welche mich bedienen und ein Namensschild tragen immer mit diesem Namen anzusprechen. Ja auch da gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen und manchmal scheinen jüngere Frauen dies als Anmache zu empfienden. Aber die Mehrheit ob Frau od. Mann wird freundlicher und aufmerksamer bzw. nehmen einen mehr wahr und das ist doch auch etwas.

  12. Helga meint:

    Hm, denken Sie mal 20 oder mehr Jahre zurück. Im Rückblick: ich hätte wohl auch eher verlegen reagiert. Souveränität ist eine Frage des Alters. Im positiven Sinn.

  13. walküre meint:

    Frau Kaltmamsell, ich muss jetzt einmal ganz energisch reagieren, denn von “alt, vulgär und aufdringlich” sind gerade SIE Lichtjahre entfernt. Haben Sie schon einmal in Erwägung gezogen, dass um das Selbstwertgefühl des jungen Mannes nicht sonderlich gut bestellt ist und er vielleicht reflexartig angenommen hat, Sie würden Ihn auf den Arm nehmen ? (Das war nämlich MEINE Reaktion in früheren Jahren; niemals und unter keinen Umständen wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass jemand, der mich nicht näher kennt, mein Lächeln liebenswert finden könnte !)

  14. hasenkind meint:

    Ich kann’s sehr gut verstehen!

  15. loreley meint:

    “kann wirklich niemand nachvollziehen, dass ich mir deshalb schoflig und distanzlos vorkam?”

    Kann ich schon verstehen. Würde ungefähr so unangenehm sein, wie wenn sich Kinder oder Haustiere von einem abwenden. Obwohl das mit den Kindern bei Ihnen ja anders wäre. Als Mädchen oder junge Frau kannte man das ja auch, wenn einem ein älterer Mann, alt war ja jeder über 30, ein Kompliment machte oder noch schlimmer, anflirtete. Junge Leute haben für Ironie auch nicht immer den Sinn.

    Ein Mann würde sich, glaube ich, keinen Kopf darüber machen, ob er eine junge Verkäuferin vielleicht verlegen gemacht hat.

  16. cohu meint:

    Ach, das ist doch süß! Und zwar sowohl das Angebot als auch die Erwiderung. Nur mal als Kontrast zu Ihrem charmanten Spruch ein Erlebnis, das ich vor einigen Jahren hatte: ein älterer Mann rief mir über die Straße hinweg laut zu, das sei ja “ein schöner Busen”, und das am hellichten Tag und ohne merkliche Alkoholisierung. So sieht ein dirty old man aus. Meine Vermutung: der Widerling fühlte sich dabei wie ein toller Hecht und sicher nicht “alt, vulgär und aufdringlich”. Dieses Gefühl ist ein ziemlich starkes Indiz dafür, dass Sie in Wirklichkeit kein bisschen distanzlos sind. Also weiter so :)

  17. Hande meint:

    cougar!
    (er war einfach noch nicht so weit, es souverän zuhandhaben – schwamm drüber!)

  18. generator meint:

    Mich wundert manchmal die Erfahrung, als “älter” werdende Frau plötzlich für voller genommen zu werden. Souveränitäts-Gewinn? Was ist das weibliche Pendant zu Machismo?
    … Und sage immer, wenn ich über 50 bin, nenn ich alle Männer “Schätzchen” — just kidding.

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