A Single Man

Sonntag, 18. April 2010 um 14:45

Endlich ist er auch in Deutschland angelaufen, endlich erwischte ich gestern eine unsynchronisierte Vorstellung: A Single Man. Ich war völlig gefesselt: Dass es sich um einen besonders schön aufgenommenen Film handeln würde, hatten alle Kanäle bereits angekündigt, aber diese Neo-60er-Ästhetik bildete nur die Bühne (Vieles erinnerte mich an eine Theaterinszenierung).

In erster Linie besteht der gesamte Film aus Colin Firth und seiner unglaublichen schauspielerischen Leistung – die zu mindestens 50 Prozent im Einsatz seiner Stimme bestand. Ich kann nur hoffen, dass er für die deutsche Fassung einen ausgezeichneten Synchronsprecher bekommen hat, denn im Original macht erst Firths Stimme seine Vorstellung genial: Immer wieder sprach er völlig gegen die Erwartung, die die Szene hervorgerufen hatte – und machte die Figur des George besonders. Das Drehbuch legte Vieles genau darauf an: In der Szene seiner größten Verzweiflung zum Beispiel hört man George gar nicht, denn es regnet ohrenbetäubende Sturzbäche.

Ganz am Anfang und ganz am Ende spricht George auf dem Off als voice over – eine logische Klammer für die Handlung. Er ist ein Literaturdozent, der über den Unfalltod seines Lebenspartners Jim nicht hinweg kommt. Der Film erzählt nur einen Tag, vom Aufstehen bis zum nächtlichen Schlaf. Sowohl durch die Geschehnisse des Tages als auch durch Rückblenden wird die Tiefe seines Schmerzes klar – verstärkt durch den Umstand, dass eine Beziehung zwischen zwei Männern in den 60ern ein Tabu war. So hat George nur vom Tod seines Mannes erfahren, weil sich dessen Cousin erbarmte und ihn anrief; die Familie verleugnete ihn und schloss ihn auch von der Trauerfeier aus. Ein harmloses Nacktfoto von seinem Geliebten muss er im Bankschließfach verstecken. Selbst Georges beste und langjährige Freundin unterstellt ihm, dass seine 16-jährige Partnerschaft mit einem Mann nur ein substitute gewesen sei.

Mir gefiel der Erzählrhythmus, ich mochte die Musik (hauptsächlich orchestral, komponiert von Abel Korzeniowski), auch die anderen Schauspieler waren ausgezeichnet. Vielleicht lese ich doch mal die Romanvorlage von Christopher Isherwood.

die Kaltmamsell

5 mal Beifall zu “A Single Man

  1. nata meint:

    So eine Frisur und solche Ohrringe hätte ich auch gerne.

  2. brittbee meint:

    na gott sei dank, wenigstens sie! ich kam mir vor wie bei „des kaisers neue kleider“: keinem gefiel der film so recht, und ich war so berührt. vom roman übrigens auch schon.

  3. barbara meint:

    mein englisch reicht leider nicht für die ov. Aber ich denke , dass die synchronisation
    gut war. colin firth’s darstellerische leistung ist großartig und die von tom ford so liebevoll gezeichnete beziehung ließ mich mit einem kloß im hals aus dem kino gehen.
    scheint, als regisseur ist er einer der letzten romantiker.
    einer der sehenswertesten filme überhaupt.

    eine frage die mich am rande interessiert: hat tom ford die gleiche starke abneigung gegen halslose ungeheuer wie ich oder christopher isherwood?
    vielleicht beantworten sie es, falls sie die vorlage lesen.

  4. Kai meint:

    ich habe den film gestern abend gesehen und bin heute noch ganz geflashed von den eindrücken. einen film, der bei mir eine solche wirkung hinterlässt, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. für mich das beste war die filmmusik, die einem das blut gelegentlich in den adern gefrieren lässt und es in jeder szene schafft, die vom bild und den dialogen erzeugte athmosphäre noch zu verstärken. traumhaft traurig.

  5. creezy meint:

    Ach … Colin, der einzige, der wahre Grund „Brigdet Jones“ zu gucken.

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