Journal Sonntag, 3. April 2011

Montag, 4. April 2011 um 6:30

Vor dem Balkon weiterhin Frühsommer, ich schwang mich endlich zum ersten Mal auf mein Fahrrad. Es brachte mich die Isar entlang (Sichtung der ersten Schlüsselblume auf Höhe Fraunhoferstraße!) zur Aerobicstunde an den Ostbahnhof.

Die Vorturnerin stellte sich als ebenfalls heiser heraus. Ob die Wollmütze, die sie beim schweißtreibenden Turnen auf dem Kopf trug, wohl dagegen helfen sollte? Ich freute mich wieder an dem slowakischen Akzent der kleinen Hüpfkugel1 – und an ihren Pfeifkünsten: Mangels Stimme gab sie Kommandos durch ohrenbetäubende Pfiffe.

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Großartiges Porträt Christoph Waltz von Alexander Gorkow auf der Seite 3 der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende (vielleicht irgendwann auch online?).

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Den Nachmittag in der sonnendurchfluteten Wohnung verbracht, alle Balkontüren offen. Zeitung und Internet gelesen, Zitronenkuchen gebacken, alte ER-Folgen geguckt, am speziellen Zwitschern gehört, dass draußen wieder Schwanzmeisen sitzen, sie auch gesehen. NICHT gebügelt.

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Ein Hinweis für Spanischversteher. Im ohnehin interessanten Backblog Madrid tiene miga wird über das ganz besondere Weißbrot geschrieben, das ich mit der Heimatgegend meiner spanischen Großmutter (Nordkastilien) verbinde: pan candeal.
Auf diesem Bild aus Sepúlveda von meinem Spanienurlaub 2007 sieht man eine Scheibe:

Besonders ist der Laib durch seine feste, feine Porung und die dicke, harte Kruste. Ich mochte es eigentlich nie sehr, weil es mir zu trocken war, mir war das größerporige Stangenweißbrot lieber. Aber erst durch das Posting wurde mir klar, dass das pan candeal unvergleichlich ist. Diese Eigenschaften bekommt es wohl zum einen durch sein besonderes Mehl aus einer Weizensorte, die mittlerweile nicht mehr angebaut wird (ungeeignet für industrielle Brotherstellung): Es enthält besonders viel Eiweiß, aber wenig Gluten – kann mir jemand helfen, welches in Deutschland erhältliche Mehl vergleichbar ist? Zum anderen wird das Brot so feinporig, weil der (sehr wenig hydrierte) Teig mehrfach ausgerollt und gefaltet wird. Auf Madrid tiene miga wird das mit Bildern gezeigt.

In diesem Blog steht, auch auf Spanisch, noch mehr über das pan candeal und seine Zubereitung.

Ich leiste ein wenig Abbitte, weil ich am Vorabend wie so oft über die spanische Alltagsküche gelästert habe: Diese Blogs beweisen, dass es offensichtlich auch dort einige Menschen gibt, denen Nahrungsmittel, ihre Herkunft und ihre traditionelle Zubereitung sehr wichtig sind. Sie leben halt nur in einer ganz anderen Welt als meine spanische Familie.

  1. Wobei mir auffällt, dass in dieser explizit auf Abnehmen ausgelegten Fitnessstudiokette die Vorturnerinnen fast durch die Bank deutlich kräftiger und voluminöser sind als die Vorgaben der Frauenzeitschriften. []
die Kaltmamsell

2 mal Beifall zu “Journal Sonntag, 3. April 2011”

  1. KochSchlampe meint:

    Ich selber weiß leider nicht genug, um bei der Mehlsorte zu helfen, aber ich bin ziemlich sicher, dass Ihnen beim Mehlstübchen (http://www.mehlstuebchen.de/) geholfen werden kann.

  2. Sebastian Dickhaut meint:

    Habe selbst vor kurzem gelernt, dass für Pizzateig gerne das italienische „Nullermehl” genommen wird (Typo 00, beim Spezialitaliener fragen), das durch viele Eiweiß auffällt – also Klebereiweiß, auch Gluten genannt. Wovon das oben gesuchte aber wenig hat. Verwirrt bin ich jetzt. Ansonsten steht hier was:
    http://www.pizzasteinversand.de/pizzabaecker-schule/pizzamehl.html

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