Archiv für Mai 2011

Freier Abend

Dienstag, 31. Mai 2011

Und dann wurde der Arbeitstag um genau so viel zu lang, dass es mir für eine Runde Strampeln am Sportort zu spät war – unter anderem wegen Hunger. (Sehr eigenartig: Sport funktioniert bei mir am besten auf leeren Magen, und ich habe dann auch nicht mal Appetit. Aber wenn ich in derselben Situation keinen Sport treibe, will ich SOFORT etwas zu Essen und habe Visionen von ganzen gebratenen Ochsen.)

Doch das hieß natürlich, dass ich den wundervollen freien Maienabend wenigstens NUTZEN musste! Der Mitbewohner half aus und begleitete mich auf ein Abendessen in den Biergarten des Stadtcafés. Dortselbst hatte ich, für alle Beteiligten überraschend, Lust auf ein alkoholfreies Weizen. Es schmeckte nur marginal wie ein Hefeweizen, erinnerte mich aber umso mehr an das Malzbier meiner Kindheit (das meine Mutter mir selbstverständlich fast immer verwehrte, weil es ja so viele Kalorien hatte). Karamalz – gibt es das wohl noch? Und hat es dann die Retro-Welle jemals auf die Getränkekarten von Szenebars gespült?

(Links aus dem Gebäude des jüdischen Gemeindezentrums klang übrigens Mamuhshka-artige Musik, in fröhlicher Runde mit Klavierbegleitung gesungen. HEY!)

Das Lesen der anderen

Montag, 30. Mai 2011

Auch das Wochenende habe ich mit nichts Blogbarem verbracht (nicht etwa weil zu privat oder schrecklich, sondern weil zu nichts), sondern den üblichen Sport getrieben (Laufen am Samstag, Stepaerobics am Sonntag) und gelesen (Mystic River von Dennis Lehane – guter, sehr zeittypischer Krimi).

Lesenswerte Blogposts gibt es aber woanders:

Modeste macht sich kluge Gedanken über die ursprünglich treibende Kraft des Bürgertums:
Die „bürgerliche Partei“.

Heartcore erleidet die Folter einer türkische Hochzeit und konstatiert lakonisch:
„Als Sohn bin ich ein Verlustgeschäft.“

Kelef macht mit ihrer behinderten Hundewauwau ganz schön was mit – nicht wegen der Wauwau, sondern wegen der Menschen:
wie wär’s mit hundearzt

Nullzeitgenerator erfährt Böses über die Konsequenzen eines Umzugs „aufs Land“, wenn es sich dabei um ein brandenburgisches Landleben handelt:
Shining.
Selbstverständlich habe ich sofort dieses Lied von Rainald Grebe im Ohr:

Dann habe ich über den emsigen Modeblogger Rene Schaller ein sehr schönes und vielversprechendes Backblog kennengelernt: Der muss haben sieben Sachen. (Selbstgemachten Vanillezucker statt Vanillinzucker zu verwenden, werden wir dem Herrn schon noch beibringen können, oder?)

Und wer den gestrigen Tatort verpasst hat, kann ihn aus soprans Perspektive nachlesen, die die nächsten Wochen Sonntagabend ihrer eigentlichen Berufung als Tatortbloggerin nachgehen kann statt nutzlos rumzusingen: Ausgelöscht.

(Nein, ich werde mich nicht für den Überschriftkalauer entschuldigen.)

Für die Aufnahme

Freitag, 27. Mai 2011

Heute regnet es. Das war aber auch Zeit. Denn in den vergangenen Wochen war das Wetter erfreulich schön, aber viel zu trocken für die Jahreszeit. Für München kündigte die Wetterverhorsage (das lasse ich so stehen, gefällt mir) zwar seit sieben Tagen „unwetterartige“ Niederschläge an, tatsächlich fielen aber höchstens Tropfen. Geben wir ihm noch einen Tag satten Regen, dem Wetter. Und ab Sonntag wieder schön, ja?

Ich teile das Großraumbüro mit jemandem, der sich heute mit der korrekten Anrede weltlicher Würdenträger befassen muss. Das tut er geplagt und laut. Das daraus resultierende Vergnügen genieße ich in einem Maß, das mir auf ewig einen Arbeitsplatz nur daheim vergällt.

Laut meinen Logfiles hat jemand auf dieses Blog gefunden, der nach „Die Zahl der von mir angebrunzten Kaffeesieder ist Legion“ gesucht hat. Genau das sollte ich viel öfter tun: Kaffeesieder anbrunzen. Dann nämlich, wenn sie mir in München einen scheußlichen Cappuccino gebraut haben, wie es die meisten tun. Das hieße allerdings, das ich mit der Reaktion des Anbrunzens besser zurechtzukommen lerne.

Beifang aus dem Netz

Mittwoch, 25. Mai 2011

Silenttiffy war immer eine Ausnahme-Twitterin, für mich der beste Beweis, welche künstlerische Kraft in diesem Medium steckt. Ich hatte bedauernd bemerkt, dass sie in letzter Zeit nur noch selten zu lesen war. Umso mehr freue ich mich über dieses Interview mit ihr im Twitterhuder Abendblatt.

Schreiben ist für mich, die ich es bei den Bundesjugendspielen nicht einmal zur Siegerurkunde gebracht habe und seit Jahren überwiegend im Liegen arbeite, die bevorzugte Fortbewegungsart.

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Schöne Außensicht: Die New York Times über deutsche Ordnungsämter.
Germany’s Anti-Chaos Crusaders

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Andrian Kreye schreibt auf sueddeutsche.de über das eG8-Forum, zum dem der französische Präsident Nicolas Sarkozy vor der G-8-Konferenz Vertreter der Wirtschaftsmächte und Internetkonzerne eingeladen hat: „Internet für Analoge

Wenn ich bei dieser Gelegenheit an das Baumhausprinzip erinnern darf? Wer nicht allein reinkommt, hat uns drinnen nichts anzuschaffen. Kreye legt den Finger zurecht in eine Wunde:

Das Problem der digitalen Bürgerrechtsbewegungen ist nicht nur, dass sie auf die Rolle der lästigen Zwischenrufer reduziert werden. Ihre größte Herausforderung wird sein, ein Gros der Bürger davon zu überzeugen, dass das wichtig ist, für was sie hier kämpfen.

Gleichzeitig erlaube ich mir ein wenig Augenrollen, weil schon wieder die Mär vom digital native weitererzählt wird. Dass eine Generation nur ein Leben mit Internet und seinen Kommunikationsformen kennt, heißt ziemlich wenig. Die meisten dieser jungen Leute befassen sich mit genau einer Online-Plattform, allerhöchsten noch mit einer zweiten. Sie führen ihr Online-Leben fast ausschließlich auf Facebook – warum sollten sie also von irgend einem anderen Aspekt des Internets Ahnung haben, am Ende noch reflektiert oder technisch fundiert? Meine Generation zum Beispiel sind alle TV natives – deshalb kenne ich noch lange nicht den Unterschied zwischen Satellitenübertragung und terrestrischer, weiß ich noch lange nicht, wie ich Werbung im Fernsehen schalte oder kann auch nur Auskunft über die Zusammensetzung des Rundfunkrats geben.

Ich wünschte, es würde sich die Unterscheidung in digital residents und digital visitors durchsetzen, die ich für tatsächlich nützlich halte. Sie geht zurück auf den Artikel vom Juli 2008 „Not ‘Natives’ & ‘Immigrants’ but ‘Visitors’ & ‘Residents’” von David White, laut seinem Twitterprofil „Social/ed media researcher running an award winning R&D group at the University of Oxford”.

Digital residents sind demnach Menschen, die einen ganzen Teil ihres Lebens online verbringen. Sie haben ein Online-Profil, das sie pflegen, sind aktiv in Blogs, Foren, Kommentaren sichtbar. Für sie ist das Internet Alltag, geselliger Austausch, Ausdruck ihrer Selbst.
Digital visitors hingegen sehen das Web als Werkzeug, das sie bei Bedarf nutzen. Sie gehen mit einem konkreten Anliegen online (Flug buchen, Buch bestellen, Preis eines Produkts recherchieren) und loggen sich dann wieder aus. Sie wohnen nicht im Internet.

Auf dieser Basis kann ich viel eher einen bestimmten Umgang mit Online-Inhalten prognostizieren als über die Information, in welchem Alter jemand erstmals Kontakt mit dem Web hatte.

Sommerfarben

Dienstag, 24. Mai 2011

Gestern zum ersten Mal in der Saison: Wassermelone mit Minze, Käse und Balsamicobalsam. Der Käse war diesmal nicht der Feta, den ich sonst verwende, sondern Ziegenricotta, den meine Eltern von ihrem Urlaub am Gardasee mitgebracht hatten. Dadurch fehlte das Rass-Salzige, war aber trotzdem köstlich. Bald wieder. (Ja, das da oben ist eine Portion für zwei. Verstehen Sie jetzt, dass ich mit den Portionsangaben der meisten Kochbücher nicht zurecht komme?)

Menetekel

Montag, 23. Mai 2011

Möglicherweise sagte gestern der ca. vierzigjährige Isarjogger, der so langsam lief, dass sogar ich Berner Blitz an ihm vorbeizog, tatsächlich: „Jetzt muss ich mich schon von einer älteren Dame überholen lassen.“ Sicher aber erklärte er mir danach entschuldigend, als ich mich zu ihm umdrehte: „War gestern doch a bissl viel Bier, wahrscheinlich schaff ich nicht mal die ganze Runde.“ Ich empfahl ihm lachend, lieber langsam zu tun. Erst ein paar Schritte weiter schlug mein Hirn Alarm: WAS hat der gerade gesagt?

Ein Wochenende in Speisen

Montag, 23. Mai 2011

Freitagabend:

Dazu mein erster Merlot blanc.

Samstagabend in der Terrine:

Sagen Sie: Was soll ich von einem Sommelier halten, der, nachdem ich mit Vergnügen die im Menü angebotene Weinbegleitung erbeten habe, zu einer Flasche Wein rät, weil es doch recht anstrengend sei, ständig einen anderen Wein im Glas zu haben?

Sonntags Roggenbrot mit Schrotanteil nach dem Rezept von Chili und Ciabatta – ging bei mir deutlich mehr und schneller auf, schmeckte großartig.