Archiv für April 2012

Foodblogs auf der re:publica 2012

Montag, 30. April 2012

Meine Panik flüstert mir zwar seit Tagen hoffnungsvoll zu, dass ja vielleicht niemand kommt – aber das wäre tatsächlich schade, wo doch vier so spannende Menschen zugesagt haben.

Wir sind also am Donnerstag dran, um 15 Uhr auf Stage 3, mit Foodblogs – Verfall oder Rettung der Esskultur.
(Wobei mir einfällt: Wenn ich schon mit diesem platt provokanten Titel locke, sollte ich mir schleunigst Fragen auch zu diesem Aspekt des Themas ausdenken.)

Hochsommer im April

Samstag, 28. April 2012

Das ist dann doch ein wenig gruslig: Heute, 28. April, hatte es in München spürbar über 30 Grad und sah es nachmittags so an der Isar aus.

Vormittags war ich zum Laufen an den Friedensengel geradelt, hatte in Erwartung höhrerer Temperaturen Wasser bei mir. Ich hatte allerdings nicht einkalkuliert, dass ich praktisch durchgehend in praller Sonne laufen würde, da die Bäume zum Schattenspenden noch nicht belaubt genug sind. Nach einer Stunde Trab im Schneckentempo gab ich erschöpft auf und ging nur noch. Selbst beim gemächlichen Heimradeln schlug mir das Herz an Ampeln bis in die Kehle, und daheim zeigte mir der Blick in den Spiegel ein rotes Gesicht mit weißen Lippen: klassische Zeichen für Überanstrengung. Ich erschrak und ließ mich den Rest des Tages fahren (Tram zu Auer Dult), bewegte mich auch sonst möglichst wenig.

Berlin kündigt für meinen morgigen Anreisetag auch schon 28 Grad an. Dann werde ich wohl mal die Sommerkleidung einpacken.

Sommerferien im April

Samstag, 28. April 2012

Urlaub hin oder her (zwei Wochen ab gestern): Freie Freitage sind immer ein besonderes Bonbon. Und dann war ja noch am Donnerstag der Sommer ausgebrochen (wenn ich in meinem Blog zurückblättere, scheint das zur Regel zu werden, dieser Sommer im April – bislang leider jedesmal auf Kosten eines programmgemäßen Sommers von Juni bis August). Schon als ich Donnerstagabend heim radelte, verstaute ich Strickjacke und Trenchcoat im Fahrradkorb, und ich begegnete jungen Mädchen in Träger-Shirts und Sandalen, die keineswegs zu frieren schienen.

Gestern Morgen dann nahm ich meinen Morgenkaffee bei offener Balkontür (auf dem Balkon selbst war es mir doch noch zu kühl) und radelte mit offener Jacke zu meiner Lieblingsstunde Stepaerobics nach Haidhausen.


(Jetzt ärgere ich mich, dass ich gestern zu bequem war, zusätzlich zum Telefon auch meinen Fotoapparat einzustecken: Dieses Motiv hätte ich selbst mit meiner Ritschratsch besser eingefangen als mit der Handykamera.)

Nach meinem anschließenden Arzttermin wusste ich gleich gar nicht wohin mit dem sensationellen Wetter: Biergarten? Café? Spazieren? Balkon? Da ich noch nichts gegessen hatte und sehr hungrig war, holte ich mir in der Münchner Türkei an der Goethestraße eine Schale italienischer Erdbeeren (noch bekam ich nur die harte, aber einigermaßen aromatische Sorte) und nach langem mal wieder ein Urfa Pide (viel dünner als das normale Pide, mit Löchern drin und besonderes elastisch). Damit setzte ich mich auf den Balkon und sah den Kastanienblüten beim Aufgehen zu.

Abends spazierte ich mit dem Mitbewohner zum Nachtmahl zu Walter & Benjamin – ich hatte Lust auf Weinentdeckungen (dort gibt es immer eine große Zahl Weine glasweise, schön ausgestellt mit umfangreichen Informationen). Die Entdeckung des gestrigen Abends: Vinha Pan von Luis Pato aus Portugal, der anders war als alles, was ich derzeit daheim habe – dunkle Rose, Duft nach frischem Selbstdreh-Tabak, Beeren. Beim Spazieren entlang den Weinregalen (gibt es ein önologisches Pendant zu to stand ahenny?) entdeckte ich dann einen Weißwein, den mir vor Jahren eine gewisse inspirierende Sommelier aus Italien mitgebracht hatte, den ich sehr gemocht hatte – ohne Hoffnung, ihn in München zu bekommen: Trebbiano Spoletino Antonelli. Von beiden nahm ich gleich mal ein paar Flaschen heim.
An der Kasse wies uns der freundlich Herr Weinverkäufer darauf hin, dass Luis Pato gerade zur heutigen Weinmesse zu Gast sei und deutete auf einen grauhaarigen Herrn am langen Tisch beim Fenster.

Heimito von Doderer, Die Strudlhofstiege

Freitag, 27. April 2012

Dieser Ziegel wohnte schon lange unter den ungelesenen Büchern des Mitbewohners: Ich hatte ihm das Stück Torberg-Zeit 1996 geschenkt – ein seltener Fall, dass ich ein Buch verschenkte, das ich selbst nicht gelesen hatte. Nun habe doch ich es noch vor ihm gelesen. Und empfehle es nicht nur ihm.

Über 900 Seiten lang lebte ich im Wien von 1911 und von 1925. Es gibt zwar kurze Griffe zurück in weitere Vergangenheit und nach vorne in jüngere Zeiten, doch nur in Nebensätzen und um Hintergründe zu klären. Wir begleiten mehrere Familien, vor allem die Generation, die im 1911er-Teil um die 20 ist, entsprechend älter im längeren Teil, der im August und September 1925 spielt. Es wird viel Tee und Mokka getrunken, in Cafés gesessen (in denen man noch den Kellner um den Zugfahrplan bitten kann), ausgegangen, spaziert, geredet und beraten. Alle Figuren sind dabei, ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft zu finden.

Der Erzähler bleibt immer sehr nah an seinen Figuren, ist gleichzeitig immer deutlich präsent. An einigen Stellen macht er sich auch explizit bemerkbar und kommentiert das Geschehen, dankt in der einzigen Fußnote Anton Kuh für eine passende Formulierung, die er übernommen hat, gesteht am Ende, dass nicht mal er selbst den Vornamen seiner Hauptfigur kennt. Dieser picareske Tonfall schlägt ohnehin immer wieder durch.

In fast blogartigem Detailreichtum leben wir die Tage mit den Protagonisten (vor allem mit einem Major Melzer), sei es in Wiener Stadtwohnungen und Cafés, sei es in der ländlichen Umgebung der Sommerfrische, mit Tennisspiel, „Garden-party“ und morgendlichen Bergwanderungen.
Umgebungen, Menschen und Ereignisse sind sehr genau beschrieben, allerdings nicht platt berichtend: Vor allem die Menschen werden durch ihre Außenwirkung charakterisiert, selbst wenn mal das eine oder andere nach oben geschwungene Näschen, ein schräg gestelltes Auge, und immer wieder das besondere Faszinosum roten Haars auftauchen. Doch es sind eher Betrachtungen denn Beschreibungen – auch diese immer wieder mit Schabernack und ein wenig Bosheit: „die Frau in einem roten Sommerkleid, die Haare gelb wie ein Trompetenstoß“.

Von den so betrachteten Personen erfahren wir viel Innensicht und Reflexion, meist aus personaler Perspektive, hin und wieder schaltet sich aber auch der oben beschriebene Erzähler ein. Er stellt sicher, dass wir die Welt des Romans in ihrer ganzen Besonderheit kennenlernen:

Denn (…) abgesehen von diesem leidigen Phänomen, war ihm etwas zugestoßen, was einem in Wien unter gar keinen wie immer gearteten Umständen passieren darf, wegen der unübersehbaren und unabsehbaren damit verknüpften Folgen, etwas, das ganz bedingungslos vermieden werden muß, und worüber der Rittmeister als ein Fremder, welcher er im Grunde doch geblieben war, sich offenbar nicht in genügender Klarheit befunden hatte, welche allerdings eine ganz außerordentliche hätte sein müssen, um die fehlenden eingewurzelten Instinkte zu ersetzen: denn allein diese bremsen gebieterisch und sozusagen um jeden Preis vor bestimmten Gefahrenzonen. Auch um den Preis des Rechthabens oder Rechtbehaltens.
Eulenfeld hatte sich mit der Hausmeisterin zerstritten.

Alle Schreibungen sic! Leider enthält meine Ausgabe keine Anmerkung zum Text; Doderers Interpunktion und Orthografie weichen oft von den heute gebräuchlichen ab (auch von denen vor den diversen Rechtschreibreformen der vergangenen 15 Jahre). Es ist durchaus möglich, dass er ganz eigenen Regeln folgte, zumal er im Lauf des Romans viele ungebräuchliche, wenn nicht sogar selbst erfundene Wörter verwendet. So macht man „Carrière“, ein immer weider auftauchender Menschentypus ist der „troglodytische“, ein Amtsrat Zihal steht Pate für einen nach des Erzählers Meinung damals in Österreich dominierenden „zihalistischen“ Typus – auch die Sprache entstammt einer Welt von gestern, obwohl der Roman erst 1951 erschien. Gerade durch ihr Abweichen von Konventionen wirkt sie sehr präzise.

Fast durchgehend ist Sommer im Roman: Die Menschen in Wien schützen sich vor der Augusthitze durch Verschattung der Wohnungen, eine Jause an der Donau kommt vor, man genießt warme Nächte, in der Sommerfrische blüht es, Berwanderungen müssen wegen der drohenden Hitze früh begonnen werden, die Kleidung ist leicht, Jacken oder Mäntel tauchen gar nicht auf.
Die letzten 40 Seiten konnte ich gestern auf dem Balkon mit Blick auf sonnenbeschienen sich entfaltende Kastanienblätter lesen – das war besonders schön. Auch wenn gerade im letzten Teil des Buches auch mal ein bisschen Herbst ist.

Das Buch ist dick, die Dichte und Üppigkeit der Sprache und das Fehlen von Spannungsbögen führen zu gemächlichem Lesen – so konnte ich über zwei Wochen in der Welt der Strudelhofstiege wohnen. Aus der ich ungern wieder auftauchte.

————-

Seit ich vor vielen Jahren davon las, blieb mir dieses Detail am tiefsten aus Herrn Doderers Vita hängen: Sein Vorname ist ein verballhorntes Jaime – die Mutter fand auf einer Spanienreise den Diminutiv Jaimito so schön, dass sie ihn für ihren Sohn als Heimito eindeutschte. Kindesmisshandlung per Namensgebung ist also keineswegs ein nur gegenwärtiger Tatbestand.

Arbeitsaufteilung und Mütter

Mittwoch, 25. April 2012

Das beschäftigt mich jetzt doch. Frau croco schreibt über ihre Mutter, die zwar selbst sehr gerne die häuslichen Tätigkeiten in der Ehegemeinschaft verrichtete, ihre Töchter aber zu einem ganz anderen Leben animierte:

Höre nie auf zu arbeiten, sagte sie. Verdiene immer so viel, dass du nie nach Geld fragen musst. Und so viel, dass du alle Arbeiten, die du nicht magst, von anderen ausführen lassen kannst.

Croco fasst das sehr berührend zusammen:

Mütter sind manchmal wie ein Strassenschild, auf dem Paris steht. Noch soundso viele Kilometer bis zur großen Stadt. Sie waren selbst nie dort, aber sie weisen den Weg dahin.

Sie verlinkt den Text von Joelynne, die das ähnlich erlebt hat:

My mother, in fact, often resented being what she felt was the last housewife in an age where women should be more liberated. She urged me to put down the pot and make enough money to hire a cook. And a housekeeper. And a nanny for the child me and my female partner would adopt because God forbid I marry a man because it’s the equivalent of being bought into slavery.

Drittens erinnere ich mich an eine Freundin, die mir erzählte, wie ihre Mutter ihr sogar explizit verboten habe, Kochen und Hausarbeit zu lernen, sie sei für höhere Dinge bestimmt.

Für mich ist das sehr exotisch. Denn nein, selbst kenne ich das gar nicht. Zwar war meine Mutter ebenfalls die klassische Hausfrau, solange ich daheim wohnte. Und sie fand das gerecht, schließlich arbeitete mein Vater extrem viel mit fast zwei Jobs und kam für den Lebensunterhalt der ganzen Familie auf.
Ihr Feminismus aber bestand darin, dass sie meinen Bruder und mich gleich intensiv zum Helfen heranzog (meinen Bruder etwas weniger, weil der sechs Jahre jünger ist): Hausarbeit war keineswegs automatisch Frauensache. So lernten wir beide (Kochen nicht, dazu war sie zu ungeduldig) Bügeln, Kloputzen, Staubwischen, Staubsaugen, Abspülen, Edelstahlwienern, Knopfannähen – beide widerspenstig und knurrend, denn weder meinem Bruder noch mir bereitete das Vergnügen.
Auf die Idee, wir könnten für diese Arbeiten später jemand anderen bezahlen, kam sie nie: Mit Selbermachen konnte man doch Geld sparen. (Folgerung: Geld und Besitz sind wichtiger als Bequemlichkeit?)

Das Ergebnis: Der Mitbewohner und ich lassen putzen, doch ich bügle selbst, beim Kochen und Abspülen gibt es einen deutlichen Mitbewohnerüberhang, und beide kümmern wir uns um die restlichen Haushaltsdinge. (Wobei der Mitbewohner aus einer Familie kommt, in der Mutter in Vollzeit für den gesamten Haushalt zuständig war und ihren Söhnen nichts davon beibrachte.)
Bei meinem Bruder (Hauptverdiener, Partnerin in Teilzeit) weiß ich das nicht ganz genau, aber ich sehe ihn sehr selbstverständlich Häusliches in seiner fünfköpfigen Familie übernehmen.

Meiner Meinung nach gehören Basisfertigkeiten im Haushalt zur Grundausstattung jedes Menschen, und ich sehe bei den Eltern die Aufgabe, sie ihren Kindern beizubringen wie etwa Tischmanieren. Dann wiederum bekomme ich mit, dass Eltern ihren Kindern heutzutage sogar Tischmanieren oder Schwimmen in eigenem Unterricht von Fachleuten vermitteln lassen. Sind vielleicht längst Abspülen und Staubsaugen Teil des Grundschulunterrichts?

Frische Twitterliebe

Dienstag, 24. April 2012

Jetzt auch mit Bildern!

Der Auer Mühlbach

Sonntag, 22. April 2012

Das hier ist der Auer Mühlbach, sein so ziemlich nördlichster Giesinger Teil. Am gestrigen Samstag gab es nämlich nicht nur einen Vormittag, sondern einen Nachmittag: An dem spazierte ich mit dem Mitbewohner den Auer Mühlbach entlang, ein der Isar abgezweigter Kanal. Es war die perfekte Gelegenheit für diesen Spaziergang in einer weiteren Idylle, die die Isar München verschafft: Ein richtiger, echter Frühlingstag mit weiß-blauem Himmel, milden Temperaturen, grün verschleierten Bäumen und Büschen, Blüten in vielen Farben – gleichzeitig aber waren die Bäume im Grunde noch kahl und erlaubten Durch- und Weitblicke.

Die Idee für diesen Spaziergang habe ich beim Preißndirndl gefunden. Das mit dem Bloggen funktioniert nämlich so: Ich bekomme Kommentare, und manchmal steckt ein Blog dahinter, in dem ich mich umsehe. Bei Preißndirnl fand ich dieses Posting über einen Spaziergang den Auer Mühlbach entlang. Sie verlinkt auch die hochspannenden und umfangreichen (allerdings nicht mehr taufrischen) Hintergrundinformationen des Teams Auer Mühlbach, inklusive den Stationen des Spaziergangs. Eine genaue Route ist nicht beschrieben, ich empfehle einen Stadtplan mitzunehmen. Wir waren gestern mit dem ipad des Mitbewohners unterwegs, der uns die Orientierung erleichterte. Ich werde habe unseren Spaziergang (knapp drei Stunden mit viel Gucken) auch als ordentliche Wanderbeschreibung ohne persönlichen Firlefanz notierten, hier zum Download als PDF(bald).

Und so sind wir gestern spaziert:

Wir nahmen die U-Bahn nach Thalkirchen und gingen zunächst nach Süden. Am gegenüberliegenden Ufer des Mühlbachs sahen wir die Kanuvereinsmitglieder am Vereinsheim und an der Uferbefestigung zum Kanueinstieg herumbauen. Auf unserer Seite zeigte ich dem Mitbewohner die neuen Wohnblöcke, die so schön ins Grüne schauen, dass ich mich während des Baus sogar nach den Kaufpreisen der Wohnungen erkundigt hatte (sie gingen kurz unter einer Million Euro los und brachten mich endgültig von dem Gedanken ab, Immobilienbesitz könnte in München eine kluge Investition sein). Wir kreuzten am Restaurant zur Floßlände die Straße hinüber zur Floßlände und gingen zum Schleusenwärterhäuserl.

Am Ursprung des Auer Mühlbachs bin ich auf meinen Isarläufen der vergangenen Jahre schon dutzendfach vorbeigelaufen. Doch ich ahnte nicht, dass hier, gleich bei diesem Häuserl, ein Bach abgezweigt wird, und zwar unter der hinteren, schmalen Schleuse.

Von dort wird der neue Bach unter der Isar durchgeleitet, die linke Begrenzung dieses Tunnels ist die Stufe hier im Bild.

Dass das Ganze „Düker“ heißt, habe ich auch bei dieser Gelegenheit gelernt. Auf der Marienklausenbrücke querten wir die Isar hingegen überirdisch. Dem Auer Mühlbach konnten wir nur kurz hinterhersehen, er läuft seine ersten paar hundert Meter quer durch den Tierpark. Statt dessen besichtigte ich endlich die Marienklause. Ich wusste immer, dass sie hier irgendwo sein musste, war aber nie auf die Suche gegangen – ein Versäumnis: Sie liegt an einem ganz reizenden Kreuzweggärtlein.

Das Innere der Kapelle zeigt, dass sie immer noch für Fürbitten genutzt wird. Vielleicht die heimliche Surferwallfahrt?

Um mit Bach im Blick um den Tierpark herumzukommen, nahmen wir die Stufen hinter der Kapelle zur Hochleite – und sahen unter anderem die Seehundanlage von oben (umwölkt vom Frittendunst der daneben gelegenen Imbissbude). Der Weg endet an der Harlachinger Einkehr. Wir stiegen den Harlachinger Berg hinab und kamen an der Rückseite des Tierparks vorbei – hier landet also all der Elefantenmist. Hinterm Tierpark bogen wir nach links ab und kreuzten die Straße zurück an den Auer Mühlbach. Rechts sahen wir das Anwesen Siebenbrunn. Der Biergarten wirkte durchaus einladend, wir waren aber noch nicht reif fürs Einkehren.

Auf der rechten Seite des Auer Mühlbachs spazierten wir in die Kleingartenanlagen. Überall wurde eifrig gegartelt, bei Blickkontakt bekamen wir einen Gruß. Einen Garten mit Bachanschluss – stelle ich mir traumhaft vor.

Am Ende des Weges kreuzten wir den Bach auf die andere Seite und folgten dort dem Weg, bis er in eine Straße mündete: die Wohlgemutstraße. Dieser folgten wir weiter und sahen schon bald rechts durch die Bäume unsere nächste Station: Die Kraemermühle.

Ein großer Teil der Mühle ist eingerüstet, das Bauschild kündigte das angestrebte Ergebnis an.

Preißndirndl hatte auf die Kaffeerösterei mit Café in der Mühle hingewiesen, das wollte ich sehen. Das Caffé Fausto ist sehr hübsch, aber auch hier wars uns noch zu früh zum Einkehren. Allerdings nahm ich ein Pfund frisch geröstete Kaffeebohnen mit – die Beratung war ganz ausgezeichnet.

Weithin sichtbar war die nächste Landmarke, der Hauptsitz der Templer- Ordensgemeinschaft in Deutschland. Wir beobachteten, dass sich der Orden anscheinend auch heute noch um Bedürftige kümmert.

Das Gebäude liegt an der Birkenleiten, und dieser Straße folgten wir, vorbei an dem gleichnamigen Schlösschen.

Am Ende rauscht nicht nur der Auer Mühlbach, sondern auch der Verkehr auf der Candidbrücke. Wir folgten davor rechts dem Paula-Herzog-Weg vorbei an einem sehr einladenden Spielplatz (aha, die Spielplatzhäuschenmode geht weg von rechten Winkeln), wandten uns an dessen Ende links, um entlang dem Auer Mühlbach unter der Candidbrücke durchzugehen. Auf der anderen Seite erwartete uns ein kleines Wasserkraftwerk, einst die älteste Mühle Giesings.

Nun konnten wir eine Weile gedankenverloren spazieren, vom Fußweg Lohstraße aus hatten wir immer den Auer Mühlbach im Blick. Und stießen auf den ersten von zwei Trinkwasserbrunnen auf der Route – ich war begeistert. Denn während immer mehr Münchner Bürger die Isar entlang Sitzbänke stiften, würde ich ja eher testamentarisch verfügen, mit meinem (dann sicher sensationell hohen) hinterlassenen Vermögen an den beliebtesten Joggerstrecken Trinkwasserbrunnen einzurichten – wie es sich ohnehin für jede Großstadt gehört.

Von einem Brückerl, das von der Lohstraße aus abgeht, habe ich auch das Bild ganz oben im Posting aufgenommen. Dann aber verschwindet der Auer Mühlbach unterirdisch. Wir bogen in die Mondstraße ab, in deren Biegung wir noch einen vorläufig letzten Blick auf den Bach warfen.

Am Ende der Mondstraße bogen wir nach links in die Kupferhammerstraße, der wir unter den Bahngleisen hindurch folgten, dann rechts in die Pilgersheimerstraße – ich vermisste im Rummel der mehrspurigen Straße schon nach wenigen Schritten die Beschaulichkeit des bisherigen Spaziergangs. Die Pilgersheimerstraße wurde zum Edlingerplatz, dieser mündet in die Falkenstraße. Von dort bogen wir rechts in die Taubenstraße (ah, hier ist das Restaurant Österia – schon viel und und nur Gutes davon gehört). Hier stießen wir endlich links wieder auf den Auer Mühlbach – und auf einen weiteren Trinkwasserbrunnen, inklusive Zamperlbrunnen.

Zu meiner Überraschung ebenfalls direkt am Auer Mühlbach (ja mei, ich bin halt keine Giesingerin): Die Paulanerbrauerei.

Um dem Bach weiter zu folgen, mussten wir die Ohlmüllerstraße kreuzen. Auf der anderen Seite ein ganz frisch neugestalteter Bereich des Mühlbachs: Am Neudeck.

Hier sieht man schon das ehemalige Zuchthaus. Weiter hinten steht die ehemalige Impfanstalt, heute eine Polizeiinspektion.

Jetzt ging es erst mal nicht weiter, weil das Kloster der Armen Schulschwestern die Nutzung ihres Grundstücks nicht erlaubt. Wir folgten also der Straße Am Neudeck, bogen rechts zum Mariahilfsplatz ab (die Auer Dult wurde bereits aufgebaut), dann wieder rechts zur Gebsattelstraße, die wir überquerten. Hier hatte uns der Auer Mühlbach wieder – mit einem Blick auf den Kunstbunker (den ich nur schwer im Internet finden konnte, weil „Kunstbunker“ schon länger der unrühmliche Beiname des Gasteig ist) an der Quellenstraße, in die wir auch einbogen.

Am Ende des Wegs bogen wir nach links in die Au und waren – schwups – an den Museumslichtspielen.

Im Café im Müller’schen Volksbad kehrten wir dann auch ein, zu Apfelschorle und Kuchen. Eigentlich geht es jetzt noch ein paar hundert Meter an der Isar entlang bis zum Maxwerk (das uns einer der letzten München-Tatorte als bewohnte Villa verkaufen wollte), nach dem der Auer Mühlbach zurück in die Isar fließt. Doch der Mitbewohner weigert sich: Erstens täten ihm die Füße weh, zweitens habe man ja wohl noch nie etwas davon gehört, dass ein Spaziergang nach dem Einkehren fortgesetzt werde. Das werde ich also nachholen.

Nachtrag 23. April: Hier der Spaziergang als Wegbeschreibung zum Download. Korrekturen und Verbesserungsvorschläge willkommen.