Archiv für August 2012

Auszeitjournal Donnerstag, 30. August 2012 – Kleinkindbilder

Freitag, 31. August 2012

Nach medizinischem Vormittagstermin und Muckibude zum Wochenmarkt Schwanthaler Höhe geradelt (gekleidet wie gestern). Ich hatte einer lokalen Serie in der Süddeutschen Zeitung Hinweise auf einige Wochenmärkte in München entnommen, die ich noch nicht kannte. Mit diesem fing ich an – und handelte mir gleich eine Enttäuschung ein: Gerade mal sechs Stände, von denen zwei zusammengehörten (was wohl keine Ausnahme ist). Mal sehen, welche ich mir noch anschaue.

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Weiter Scans aus Familienfotoalben gesichtet. Hier eine Auswahl von Kleinkaltmamsell-Fotos, die ich sogar selbst mag.

Kleinkaltmamsell mit Papa

Kleinkaltmamsell mit Mama – so lange ist das noch nicht her, dass Kopftuchtragen in Deutschland ganz normal war.

Kleinkaltmamsell im Sportwagen (so hieß das damals) mit Mama und Nachbarskind vor Wohnblock.

Mit hohen Schuhen hatte Kleinkaltmamsell schon damals keine Schwierigkeiten.

Als die Tasten noch mechanisch waren.

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Auf dem Balkon gelesen, bis der angekündigte Regen begann und die Temperaturen zum Sturz ansetzten.
Gebügelt, Abendessen gekocht (Fussili mit Buschbohnen, Tomatensugoresten und gebratenem Knoblauch), die diesjährige Reneklodentarte gebacken, Rezept dafür gebloggt.

Auszeitjournal Mittwoch, 29. August 2012 – Schweine

Donnerstag, 30. August 2012

Bin immer noch verdutzt über die Tendenz der vergangenen Wochen, dass Blogger für ihre Blogs auf Facebook Fanpages einrichten – und dann ihre Blogleserinnen zum Folgen derselben auffordern. Blogger, die bereits als Personen ein Facebook-Konto haben, dem man folgen kann. Möglicherweise rührt mein Unverständnis aus meiner geringen Nutzung von Facebook: Wünschen sich Blogleser am End‘, Blogpostings nicht direkt oder oder per Feedreader zu lesen, sondern in ihre Facebook-Timeline geschickt zu bekommen? Endet die Zeit des Internetlesens außerhalb von Facebook?

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Es kam ein weiterer Hochsommertag, und ich war samt Mitbewohner mit den Mitbewohnereltern zu einem Ausflug verabredet. Den ich so antrat.

Als Ausflugsziel hatte ich mir Glonn gewünscht, genauer die Herrmannsdorfer Landwerkstätten: Dort ist ohne Auto schlecht hinkommen, und ich wollte gerne im Schweinsbräu essen, außerdem die Schweine besuchen, deren Fleisch ich im Herrmannsdorferladen am Viktualienmarkt kaufe (na gut: ihre Verwandten). Eine Wanderung oder auch nur ein Spaziergang war unwahrscheinlich, da Herr Schwieger nicht mehr gut läuft. Doch der Ausflug lohnte auch so rundum.

(Die Fussel sind in der Kamera, soll ich mich trauen, sie aufzuschrauben?)

Rechts im Hintergrund sieht man das Räucherhäuschen.

Die tanzenden Säue im Restaurant fand ich besonders hinreißend.
Das bekamen wir auf die Teller:

Mein paniertes Schweinskotelett (rechts oben) war das beste, das ich je gegessen habe – dass es Kotelettfleisch überhaupt in so saftig gibt! Und dann der kräftige Geschmack, der hervorragend zu den in Butter geschwenkten Karotten passte. Ich dankte den künftigen Fleischlieferanten herzlich:

Plakate und eine Broschüre wiesen auf eine neue Initiative der Herrmannsdorfer Landwerkstätten hin: Das Herrmannsdorfer Landhuhn. Denn es gibt heute nur noch zwei Hühnerrassen (auch in Biohöfen), beide Hybridhühner.

Masthybriden setzen bei geringem Futterverbrauch in kürzester Zeit viel Fleisch an, legen aber wenige Eier. Legehybridrassen hingegen bestehen fast nur aus Haut und Knochen und setzen ihre gesamte Energie in Eier um. Daraus resultiert, dass auch die Brüder von Bio-Legehennen als Eintagesküken getötet werden.

Auf Gut Herrmannsdorf wird eine Hühnerrasse herangezüchtet, die sowohl als Fleischlieferant taugt als auch zum Eierlegen, sogenannte Zweinutzungshühner. Viele Schritte sind schon getan, da weitere Geld kosten, bieten die Herrmannsdorfer eine Beteiligung an dem Projekt an: Für ein Landhuhn-Darlehen in Höhe von 300 Euro bekommt der Geldleiher zehn Jahre lang jedes Jahr einen Herrmannsdorfer Warengutschein im Wert von 40 Euro. Das halte ich für eine großartige Idee. Hier stehen mehr Informationen und die Möglichkeit zum Mitmachen. Hier gibt es ein Blog dazu.

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Den Einkauf aus dem Laden gab es zum Nachtmahl, alles Herrmannsdorfer Käsesorten von Kuh und Ziege – nach einem ausführlichen Salat aus der heute gelieferten Ökokiste.

Auszeitjournal Dienstag, 28. August 2012 – die Schwabinger Fliegerbombe

Mittwoch, 29. August 2012

Ein bewegendendes Plädoyer für die große Liebe und den Kampf darum bei Vigilien.

The truth is that the only thing that would have worked would have been: To choose wisely. And then. never. quit. ever.

Ich fürchte, so ist es. Dass es aber auch unendlich schwierig ist, große Liebe ernst zu nehmen (woran merkt man die? ist das vielleicht doch nur eine Magenverstimmung?), vom Brand der körperlichen Anziehung zu unterscheiden. Dass es großes Glück ist, sie überhaupt zu erleben, überhaupt auf diese große Sache zu stoßen. (Und ich kenne es, dass man tiefe Dinge besser – oder überhaupt nur – in einer anderen Sprache als der Muttersprache sagen kann.)

via @ankegroener

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Der Termin der nächsten re:publica steht fest: 6. bis 8. Mai 2013. Ein Thema habe ich noch als Vorschlag in der Hinterhand; mal das Motto der Veranstaltung abwarten.

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Doch noch einen Hochsommertag geschenkt bekommen, ihn im Einzelbad eingelöst (und Sonnenbrand geholt). Meine Bewegungen sind derzeit reichlich hölzern: Die 20 Minuten Gymnastik am Montag fühlten sich gar nicht so anstrengend an, bewirkten aber einen Muskelkater (obere Beine, Po), wie ich ihn seit Monaten nicht mehr hatte. Zwei Tage Sportpause sind wahrscheinlich eine gute Idee. Tagesaufzug:

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„Hält in Atem“ gehört zu den journalistischen Floskeln, die in die Metaphernverklappung geworfen werden sollte. Doch das tat gestern Nacht wirklich die Fliegerbombe, die Montag in München Schwabing gefunden worden war. Einige Straßenzüge waren noch Montagabend evakuiert worden, Fachleute kamen zu dem Schluss, dass eine Entschärfung der Bombe nicht möglich war: Sie sollte am Dienstag kontrolliert detonieren. Doch das zog sich bis spät in die Nacht. Über den Live-Bericht auf dem Onlineportal der Süddeutschen (genau dafür seid Ihr da, endlich verstanden?) informierte ich mich über die Sprengung, erfuhr, dass Funken die Dachstühle angrenzender Häuser entzündet hatten, dass die Schaufenster der umliegenden Geschäfte geborsten waren. Draußen hörte ich immer wieder Martinshörner.

Solche Bombenfunde lassen mich an die Menschen denken, die dafür plädieren, man solle den Zweiten Weltkrieg, seine Gräuel und Verbrechen „endlich mal vergessen“. Sie sind der beklemmende Beweis, wie sehr diese Geschehnisse zu unserer Gegenwart gehören. Selbst bin ich ja mit Kriegsversehrten aufgewachsen, mit Zwangsarbeitern, Kriegsflüchtlingen, ich kenne viele Kriegsgeschichten aus dem Mund von Zeitzeugen. Ich bin sicher, dass durch diesen Bombenfund wieder einige Eltern mit Fragen ihrer Kinder konfrontiert wurden, erklären mussten – nicht umhin kamen, das große Thema Krieg auf eigenem Boden anzuschneiden. Bei der Gelegenheit selbst mal nachschlagen. Ins Stadtmuseum gehen. Die Uroma oder die 90jährige Nachbarin nach ihren Erinnerungen fragen. Gut so.

Auszeitjournal Montag, 27. August 2012 – Lesen im Grünen

Dienstag, 28. August 2012

Es war ein Montag, um den ich mich beneiden würde, hätte ich ihn nicht eh gehabt.
Nachtrag: Gekleidet war ich wie am Vortag.

Als Sport hatte ich mir Aerobics, Gymnastik (Kraft-Ausdauer-Training) und Crosstrainer-Strampeln herausgesucht, der Himmel dazu war bayerisch weiß/blau.

Frühstück mit Zeitunglesen gab es um die Mittagszeit im Café Hüller: Ein herrlicher Pfannkuchen, gefüllt mit frischen Feigen, Ziegenfrischkäse und Honig. Den Cappuccino dazu kann ich weniger empfehlen, er hatte lediglich mittlere Münchner Qualität.

Um den Putzmann in Ruhe seine Arbeit in unserer Wohnung tun zu lassen, suchte ich mir draußen ein Plätzchen zum Lesen. Da ich eh gerade in der Ecke war, fiel mir der Rosengarten ein, offiziell Städtische Baumschule Sachsenstraße. Ich sah mich um und setzte mich dann auf eine Bank unter einer Trauer-Rotbuche in den Schatten.

Wenn ich nicht gerade Eichhörnchen zusah oder meinen Blick schweifen ließ, las ich The Hunger games zu Ende. In erster Linie beschäftigt mich der enorme Erfolg des einfach gestrickten Buches, in dem alles direkt geschildert wird, nichts indirekt gezeigt (Ausnahme ist die Ich-Erzählerin, die auch mal platt unzuverlässig wahrnehmen darf), kaum ein origineller Gedanke aufscheint. Es gibt keine Brüche, keine Weiterentwicklung der Charaktere (Ausnahme der fortschreitende Hormonpegel der Protagonistin). Am wahrscheinlichsten fesselt der Romanhintergrund aus Model- und Castingshows sowie der gesamten scripted reality, die wohl den Medienkonsum der meisten Leserinnen prägen. Ich genieße blanke Unterhaltungsgeschichten in Buchform sehr wohl, doch ein wenig besser geht das schon (Erinnerung an mich: Tal der Puppen rauslegen. Und Umberto Ecos Aufsatz über gute schlechte Literatur versus schlechte schlechte Literatur nachblättern).

Die Wendung am Ende von Hunger Games ist allerdings stark genug, zumindest betont die Erzählerin mehrfach, dass sie eine echte Überraschung mit großen Auswirkungen ist, dass auch ich wissen möchte, wie es weitergeht, ob sie eine Weiterentwicklung bewirkt: Ich werde wahrscheinlich den nächsten Band zumindest anlesen.

Zwischenspiel: Twitterlieblinge gesammelt

Montag, 27. August 2012

Ich verspreche (vor allem mir), dass ich nie wieder so viel zusammenkommen lasse, sondern die Lieblinge öfter poste.

Auszeitjournal Sonntag, 26. August 2012 – Brot und Regen

Montag, 27. August 2012

Genüsslich ausgeschlafen, genüsslich Milchkaffee aus frisch gemahlenen Bonanza-Bohnen getrunken.

Der Himmel war stark bewölkt, aber das steht einer Schwimmrunde im Freibad ja nicht im Wege. Zum Schyrenbad geradelt, 2.800 Meter geschwommen – ich bin ziemlich stolz darauf, dass ich wirklich aufhörte, als ich keine Lust mehr hatte und nicht auf Biegen und Brechen meine 3.000 Meter abschwamm.

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Für den Tag angezogen sah ich so aus:

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Zum Frühstück briet ich amerikanische Buttermilch-Polenta-Pfannkuchen. Durch die Polenta hatten wir deutlich mehr zu beißen als bei klassischen American Pancakes. Die ich weiterhin lieber mag.

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Es war ja bloß, weil ich noch ein Kilo Manitoba-Mehl hatte, das Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten. Als ich es einerzeit im Laden der Hofbräuhausmühle entdeckte, griff ich sofort zu: Damals begegnete es mir in vielen Brotrezepten, und überall wurde darauf hingewiesen, dass es schwer zu bekommen sei. Sobald das Mehl in meinem Küchenschrank stand, begegnete mir natürlich keine Verwendung mehr. Nun musste es weg, ich entschied mich für das Pane Valle Maggia bei Petra, nach ihren Erfahrungen allerdings mit nur 20 Gramm Hefe (war immer noch zu viel, der Teig sprengte bereits nach einer Stunde die Schüssel). Und das nächste Mal nehme ich auch einen Tick weniger Wasser; mit Rührteig bringe ich kein Stretch&Fold zustande.

Begleitet wurde mein Brotbacknachmittag von heftigen Regengüssen, unterbrochen oder untermalt von Sonnenschein; leider haben wir keine Fenster Richtung eventueller Regenbögen. In den Gärphasen des Teiges las ich endlich The Hunger Games – ein ziemlich schlichtes Jugendbuch, oder? Ich bekam große Lust, mal wieder Frank Herberts Dune zu lesen.

Beim Einschieben der Wassertasse (ersetzt in meinem konventionellen Backofen die Bedampfung) kam ich ganz kurz mit dem Handballen an den Backofenboden; das reichte für eine heftige Verbrennung. Auf mein Jammern bei Twitter riet mit der ehemalige Rettungssani Konstantin von Brandsalbe ab („dummes Zeug“) und statt dessen zu Eiswürfel/Eiswasser, eine halbe Stunde lang. Ein großartiger Rat: Der Eiswürfel, den ich mit Hilfe eines Geschirrtuchs auf die Stelle presste, stoppte den sonst gewohnten Ablauf mit bösem Schmerz und Brandblase.

Das Brot, auf dem Pizzastein gebacken, war ein Volltreffer, riesig und saftig.

Allerdings nur das erste: Das zweite, das ich samt Gärkorb im Kühlschrank geparkt hatte, fiel beim Stürzen auf den Backstein zusammen und ging beim Backen eher in die Breite als in die Höhe.

Außerdem beobachtete ich zum wiederholten Mal eine unerwünschte Erscheinung: Das Brot kam mit krachender Kruste aus dem Ofen, doch als ich es nach dem Abkühlen anschnitt, war sie deutlich weniger knusprig. Liegt das an der Luftfeuchtigkeit in der Wohnung? An zu schnellem Abkühlen?

Auszeitjournal Samstag, 25. August 2012 – Gesamtfamilie

Sonntag, 26. August 2012

Es war bedeckt am Morgen, in der Nacht hatte es heftig geregnet. Dennoch traute ich mich zum Laufen nicht nach Thalkirchen isaraufwärts: An einem Samstag im Sommer reicht bedecktes Wetter nicht, die Horden Mountainbiker drinnen zu halten, die ich dort fürchte. Also lief ich von der U-Bahn-Haltestelle Universität durch den Englischen Garten zur Isar und drehte Richtung Unterföhring meine Runde, nur einmal kurz angeduscht von Regentropfen.

Nach dem absichtlichen Duschen verließ ich das Haus so:

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Derzeit ist italienische Familie bei meinen Eltern zu Besuch: die Schwester meiner Mutter und deren Tochter, also meine Kusine, inklusive der nächsten Generation, des Kusinensohns. Damit wir alle einander mal anschauen konnten, hatte mein Bruder zu Kaffee und Kuchen in seinen Garten geladen. Dort herrschte im Gegensatz zu 70 Kilometern weiter südlich schönstes Sommerwetter.

Man bekundete einander, wie gut man aussah, meine Tante betonte wie bei jeder Begegnung, wie sehr ich ihrer anderen Tochter ähnelte (und jedes Mal ruft sie das aus, als fiele es ihr eben erst in diesem Moment zum ersten Mal auf – ebenso wie ich jedesmal erkläre, ich hätte noch nie eine Ähnlichkeit feststellen können), der Kusinensohn wurde auch im Alter von fünf noch gefüttert.

Ich sprach die Tante auf meine Erinnerung an, wie sie mir als Kind ein kleines bisschen Kochen beigebracht hatte. Doch es stellte sich heraus, dass sie davon nichts wusste, sogar bestritt, jemals selbst Tortellini angefertigt zu haben. Glauben Sie mir also künftig kein Wort, wenn ich von meiner Kindheit erzähle. (Allerdings war ihre eigene Kochphase wohl ohnehin ein vorübergehender Lebensabschnitt, eng verknüpft mit einer vorübergehenden Ehe und der vorübergehenden Mitgliedschaft in einer weit verzweigten, sizilianischen Familie mit vielfältigen Koch- und Esstraditionen. Heute lebt die Tante begeistert von Fertiggerichten und schwärmt für Tiefkühl-Apfelstrudel.)

1970 sah die Schwester meiner Mutter so aus:

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Auf der Rückfahrt Dorothy Parkers Best of ausgelesen. Parker beschreibt die klischeeüblichen Pärchenzickigkeiten zwischen Männern und Frauen so genau und unausweichlich, dass ich es nach der Lektüre für eine Weltrettungsidee hielt, die Geschlechter künftig getrennt zu halten.

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München empfing uns mit einem Wolkenbruch, der bis in die Nacht anhielt.