Archiv für Oktober 2012

Der viel zu frühe Schnee will auch noch bleiben

Dienstag, 30. Oktober 2012

Zum Radeln erwies sich Ledermantel über Wollpulli nützlicher als der dicke Janker, durch den der Fahrtwind pfeift.

Auszeitjournal Sonntag, 28. Oktober 2012 – zu früher Winter

Montag, 29. Oktober 2012

Nein, nicht schön. Für mich haben verschneite Bäume, die noch die Hälfte ihrer Blätter tragen, etwas Postapokalyptisches (die Kastanie rechts war ja schon im August kahl).

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Sehr schöne Reportage über eine ganz junge Bäckerin in Niederösterreich: “Denise Pölzelbauer“. Eine junge Frau betreibt die Familienbäckerei in vierter Generation mit traditionellen Backmethoden. (via @baeckersuepke)

Allerdings hätte mich zudem interessiert, warum Frau Pölzelbauer ihre Bäckerei online mit erotischen Fotos von sich präsentiert.

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Gestern hatte ich ja nicht mehr frei, sondern Termine. So war in meinem kleinen Verdienstprojekt etwas abzuarbeiten (ging gut voran), außerdem wollte ich zum Krafttraining. Da mir beim Sitzen im nur halb beheizbaren Wohnzimmer einfach nicht recht warm werden wollte, hatte ich gar nichts gegen ein Radeln dorthin.

Klappte nur halb. Draußen war es gar nicht schlimm kalt, die Bewegung wärmte mich. Aber zurück daheim bekam ich das Wohnzimmer einfach nicht über 18 Grad. Das Ergebnis: Ich saß in dickem Wollpulli, mit zwei Paar Socken und einer Decke über den Knien im Sessel (und musste sehr an meine polnische Oma selig denken, die bei einer Begegnung im Winter immer als erstes fragte: “Haste warm?”).

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Weiterer Programmpunkt: Den Großteil der Äpfel aus Elterns Eigenernte zu Kompott kochen. Die Boskopäpfel dufteten schon beim Schälen, und das Einkochen parfümierte die ganze Wohnung.

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Den zweiten Film aus der Stadtbücherei angeschaut: Invictus. Hmja, Matt Damon mit südafrikanischem Akzent und mit würfelförmig trainierter Rugby-Figur war ganz interessant, außerdem habe ich jetzt auch mal ein paar Minuten Rugby gesehen. Aber insgesamt ist der Film dann doch das pathetische Stück, das ich bei diesem Thema fast befürchtet hatte.

Auszeitjournal Freitag/Samstag, 26./27. Oktober – Erster Schnee, Gewürzkuchen

Sonntag, 28. Oktober 2012

Freitag schon wieder voller Termine:
– Vormittagssport (viel Spaß bei Stepaerobic mit Lieblingstrainer)
– medizinischer Termin
– Mittagessen mit dem Nachfolger auf meinem hingeschmissenen Job (sehr sympathisch, und er wird das sicher gut machen)
– Krankenbesuch
– Zwiefachentanzkurs, letzter Teil: Hiermit kann ich sogar Triefachen tanzen, die verrückte bayrische Volksmusik kennt auch Tänze mit drei Taktsorten (zu Dreher und Walzer kommt dann Polka).

Das Wetter war zum vermutlich letzten Mal mild genug, dass ich im Kleid radeln konnte (Outfit siehe Donnerstag), ab jetzt wird Radeln nur in warmen Hosen angenehm.

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Den Samstag nahm ich mir dann so richtig frei. Das mag sich seltsam lesen, denn ich habe doch eigentlich jeden Tag frei. Doch ich schaffe es ja sogar im Urlaub, Programm zu planen und ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich es nicht einhalte. Gestern aber schlief ich richtig aus und nahm mir fest vor, nichts vorzuhaben. (Na ja, den Grünkohl aus der Gemüsekiste wollte ich verkochen, aber notfalls hätte ich auch das auf Sonntag schieben können.)

Die Zeitungen von Freitag und Samstag las ich, weil ich wirklich Lust darauf hatte und nicht, damit sie weggelesen sind.

Zum Einkaufen ging ich, weil ich wirklich abends Ofengemüse essen wollte (da ich nicht radeln musste, konnte ich mich für Rock entscheiden).

Gewürzkuchen backte ich, weil ich wirklich große Sehnsucht danach hatte, Gewürzkuchenbackdüfte in der Wohnung zu riechen – wie eigentlich immer so um den ersten Schnee. Mittlerweile habe ich auch ein ganz hervorragendes Rezept dafür, hier habe ich es notiert.

Der Mitbewohner ist über ein verlängertes Wochenende zum Rollenspielen verschwunden (WEHE, das zahlt sich in der Zombieapokalypse nicht aus!), das und das angekündigte Wetter wollte ich zum Film-DVD-Gucken verwenden. Da man mir den Tipp gegeben hatte, die Münchner Stadtbücherei biete eine große Auswahl Filme an, meldete ich mich letzte Woche dort an. Für 20 Euro Jahresgebühr habe ich jetzt nach 15 Jahren wieder einen Bibliotheksausweis im Geldbeutel. Zwei Filme hatte ich gleich ausgeliehen. Die Neuverfilmung von Brideshead Revisited sah ich gestern aber nur an, weil ich sie wirklich gerne sehen wollte, nicht etwa, um den Plan zu erfüllen (schöner Film, besonders freute es mich, mal wieder Greta Scacchi zu begegnen).

Selbst das Verkochen des Grünkohls wollte ich wirklich echt ehrlich und genoss es, beim Schneiden, Waschen, Blanchieren, Hacken, Braten über die Zeitungslektüre nachzusinnen. U.a.: Alexandros Stefanidis spielt leidenschaftlich Poker von Kindesbeinen an und hatte nicht im Kopf, wann die Weltmeisterschaft in Las Vegas stattfindet? Glaube ich nicht, halte ich für eine artikeldramaturgische Lüge.

Das Draußen gab der Wettervorhersage recht und schaltete den Winter zu. Ab Mittag ging der kalte Regen in Schnee über, abends schneite es richtig, nachts blieb der Schnee sogar liegen. Für meinen Geschmack kam das viel zu früh, die Pflanzen vom Balkon holte ich dann doch recht hektisch herein. Ich hoffe auf die eine oder andere milde Woche im November und im Dezember.
Ich bereute dann doch, letzte Woche nicht gleich die Hausverwaltung verständigt zu haben als ich entdeckte, dass nur einer von den beiden Heizkörpern im Wohnzimmer funktioniert: So richtig warm wurde mir nur mit heißem Tee und voll aufgedrehtem Thermostat.

Ja, ich gebe zu: Gammeln im Sinne des Mitbewohners war das immer noch nicht. Wie würde er unter anderem betonen? “Du bist ja sogar geduscht!”

Auszeitjournal Donnerstag, 25. Oktober 2012 – Frauenformen

Freitag, 26. Oktober 2012

Eine Hobbysportlerin, die auf der halben Welt in Balletstunden geht, beobachtet: “What you can’t tell about a woman from her body shape”.

After more than ten years of taking open adult dance classes, on three different continents, I still haven’t properly learned this lesson: you can never know how well someone can dance until you see them dancing.
(…)
We live in a culture where body size and shape are considered indications not just of what a person can do, but what he or she is worth. We see a slender woman and see discipline and fitness. We see a fat woman and see greed and illness. It’s a snap judgment we make, one we rarely stop to evaluate. It’s also often wrong.

Selbst freue ich mich ja immer wie ein Schnitzel, wenn ich in einer Aerobicstunde eine kugelige Mitturnerin elegant oder sportlich oder wie einen Flummy um ihr Stepaerobic-Brett turnen sehe. Oder wenn gar die Vorturnerin überhaupt nicht schlank ist. Weil ich es liebe, wenn stereotype Erwartungen konterkariert werden.

Mein größtes eigenes Vorurteil gegenüber Körperformen: schmalschultrige Frauen mit sehr breiten Hüften und dicken, kurzen Beinen können keine guten Läuferinnen sein. Sie gehören tatsächlich zu dem Körpertypus, dem ich unter den Joggerinnen an der Isar am seltensten begegne, und wenn, ziehen sie mit dem erwarteten Schlurfen an mir vorbei (auch sie sind fast immer schneller als ich, die langsamste Joggerin rechts und links der Isar). Doch dann kam mir einmal genau solch eine Körperform entgegengefedert, flott, leicht und fröhlich – und schon war mein Vorurteil als solches entlarvt: “you can’t tell what a body can do just by looking at it”.

Was mir die Gelegenheit gibt, dieses wundervolle Filmchen über Misty Copeland einzubauen: Wer legt nochmal fest, wie eine Prima Ballerina auszusehen hat? (via Kluges & Scheiß, wo es noch mehr Links und Infos zu der Dame gibt)

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Nachmittags besuchte ich eine Freundin in der Frauenklinik an der Maistraße – und fand mich zu meiner großen Überraschung im schönsten Krankenhaus wieder, das ich je gesehen hatte. Der Bau von 1918 ist liebevoll und in vielen Details erhalten, ich konnte mir hinter den Holztüren mit handgemalten Schildern kaum moderne Operations- und Behandlungsräume vorstellen. Das Patientenzimmer, in dem die Freundin lag, hatte sogar einen Erker in den wundervoll begrünten Innenhof. Nach einem hochneblig trüben Vormittag war er strahlend besonnt.

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Am Abend kam Stevan Paul in die Buchhandlung Moths und las aus seinem Schlaraffenland vor. Ich nehme an, dass das in allen seinen Lesesstädten so ist: Die Veranstaltung wurde automatisch zu einem kleinen Foodbloggertreffen. Ich traf einige Damen wieder, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte.

Wie schon bei seiner letzten Münchner Lesung 2009 war es sehr unterhaltend, Paulsen beim Lesen zuzuhören, das Publikum hatte hörbar Spaß. Das Buch selbst habe ich ja schon mal empfohlen.

Auszeitjournal Mittwoch, 24. Oktober 2012 – Erfolgsschritte

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Ein bisschen Hopsen abwechselnd mit Krafttraining im Aerobicstudio. Habe die ältere Mitturnerin wohl ordentlich verdutzt, als ich ihr spanisches Gemurmel am Gestell mit den Hanteln (“creo que esto es demasiado”) ohne nachzudenken spanisch kommentierte.

Vorher Alberei zu #609060 auf Instagram (drama, baby!).

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Beginne gerade ein kleines freies Projekt für den früheren Arbeitgeber.
Und was mache ich nach den ersten ernsthaften Arbeitsschritten? Einen Stundenzettel anlegen. Um den Überblick zu haben, ob ich mit meinem Angebot richtig lag und und als Basis für eine mögliche Dokumentation.
You can get a girl out of management, but you can’t get management out of the girl.

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Jetzt mit offiziellem Ankündigungsfoto: Die 4 Damen aus dem Internet lesen wieder Spam, und zwar am 17. November in Lörrach.

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Hurra! Nach mindestens sieben Versuchen habe ich es geschafft, dass die Schwarzwälder Kruste nach Bäcker Süpke beim Backen aufreißt – zumindest der größere Laib (vielleicht sollte ich nur einen formen?). Vorgeschichte: Schwarzwälder Kruste gehörte seit Jahren zu meinen Lieblingsbroten, ich bekam es an der Brottheke der Feinkostabteilung des Kaufhof am Marienplatz. Als ich also auf ein Rezept stieß, noch dazu vom Profi und anscheindend bereits von der gesamten deutschen Brotblogwelt getestet, sprang ich darauf an. Das Resultat war ein ausgesprochen wohlschmeckendes Brot mit begrüßenswerter Textur. Aber aufreißen wollte es einfach nicht. Bis gestern.

Jetzt steht das Rezept hier.

Auszeitjournal Montag/Dienstag, 22./23. Oktober 2012 – Herbsttrüb, aber verapfelt

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Den Montagvormittag schwimmend verbracht, vergeblich auf ein Lichten des Hochnebels gewartet.

Den Montagnachmittag mit frischer persönlicher Blogbekanntschaft die Isarauen hinaufspaziert, fast fünf Stunden lang unter Hochnebelhimmel, vertieft in Gespräche über Bäume, über das deutsche System der Evidenzbasierung von Medizin, über Eigenverantwortung, über den Zusammenhang zwischen Kantinengesprächen, Ajvar und Fortschrittlichkeit, über die besonderen Schwierigkeiten mulitnationaler Partnerschaften. Im Caffé Fausto ungewöhnlich köstlichen Nusskuchen gegessen. Die nächste Verabredung mit der Dame wird wohl eine Bergwanderung werden – ich kann’s kaum erwarten. (Danke, Internet.)

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Gestern schöner Isardauerlauf unter Hochnebel, Radeln zu diversen über die Stadt verstreuten Terminen in pinken Strumpfhosen.

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Spenden Sie eine Note: Passanten am Busbahnhof in Newcastle wurden gebeten, am Klavier die eine oder andere Note Beethoven zu spielen.

The work was created with commuters and passers-bye from the Haymarket Bus Station in Newcastle UK. Most of the participants are non players, many had never touched a piano before, we just convinced them to donate a note or two.

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Cats that look like Pinup Girls

via @HappySchnitzel

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Da draußen in Akademien passiert gerade Interessantes beim Thema Rassismus und Sprache (“eine Art neoprotestantischer Sektenbildung”), dazu ein Interview in Jungle World: “Die deutsche Linke wurde längst migrantisiert”

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Nachmittags das berühmte Apfelschlangerl aus Österreich vegetarisch von Katharina Seiser und Meinrad Neunkirchner nachgebacken. Wagemutig verwendete ich aus der Kiste, die meine Eltern am Sonntag voller selbstgeernteter Äpfel mitgebracht hatten, nicht die Boskop, sondern die Tafeläpfel vom Baum daneben.

Sie dufteten bereits beim Schälen betörend, und dass sie genug Säure fürs Backen enthielten, stellte ich durch kontinuierliches Naschen davon sicher (außerdem begannen sie erst nach über einer halben Stunde, sich zu verfärben).

Das Schlangerl wurde wunderbar und schmeckte herrlich. (Aber zwei Kilo Äpfel waren zu viel, die passten nicht alle rein. Anderthalb Kilo reichen.)

Ein Sack voll frischer Lieblingstweets

Mittwoch, 24. Oktober 2012