Archiv für Mai 2013

Backtag

Freitag, 31. Mai 2013

Na, der gestrige Fronleichnamsfeiertag hätte schlimmer kommen können: Es regnete mindestens zweimal mehr als eine Stunde am Stück nicht. Ich hatte trotzdem keine Lust, einen Fuß vor die Tür zu setzen, zudem signalisierte mein Körper mit einem überraschenden und überraschend heftigen Muskelkater vom Krafttraining am Vortag, dass ein Tag Pause eine gute Idee wäre. Meine Backvorhaben konnte ich also in aller Gemütlichkeit umsetzen.

Nicky hatte sich an die Entwicklung des perfekten Rotweinkuchens gemacht – unter Berücksichtigung auch meines Rezepts, aber mit dem einen oder anderen Nicky-typischen Dreh. Ich empfehle das Ergebnis sehr: Meine Befürchtung, die gerösteten Haselnüsse könnten vorschmecken, erfüllte sich nicht, das ist ein ganz wunderbarer und besonders feiner Rotweinkuchen.

Die Neuigkeit dabei: Ich bereitete zum ersten Mal einen Rührkuchenteig mit unserer Kenwood-Küchenmaschine, sonst nur zum Kneten genutzt. Nach 25 Jahren war mir nämlich ein Quirl meines Krups-Handrührgeräts zerbrochen, und die Lieferung der neuen wird noch die eine oder andere Woche dauern. Und wieder hatte ich das Problem, dass der Patisserie-K-Haken die Butter in einer Schicht in der Rührschüssel verteilte. Das nächste Mal teste ich den Schneebesen und hoffe, dass er sich bei Zugabe des Mehls nicht verbiegt.

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Nach längerer Pause backte ich wieder Brot, erst mal mussten die tiefgefrorenen Vorräte weg. Ich büke gerne viel öfter, doch so viel Brot essen wir gar nicht. Vielleicht sollte ich mir doch mal einen Ruck geben und Kontakt zu Nachbarn suchen, die mir vielleicht hin und wieder eines abnehmen.

Gestern probierte ich Zorras Ballonbrot aus. Meinen Weizensauerteig musste ich erst mal durch mehrfaches Auffrischen aus seinem Winterschlaf holen, doch dann hatte er die nötige Kraft. Beim Auffrischen orientiere ich mich an den Erfahrungen von Ulrike und von Lutz (auf dessen angekündigtes Brotbackbuch ich mich schon sehr freue):
20 gr Weizensauerteig in einem Deckelglas mit
60 gr Wasser und
60 gr Weizenmehl Type 550 mischen.
Deckel locker drauf, er soll nicht luftdicht schließen, und bei Zimmertemperatur stehen lassen. Wenn sich nach sechs Stunden deutliche Blasen entwickelt haben, verwende ich ihn. Wenn es deutlich länger dauert, wiederhole ich den Vorgang nach 12-24 Stunden (je nach Vergesslichkeit). Wenn sich auch nach 24 Stunden gar nichts tut, ist der Sauerteig tot. Das passierte mir aber zuletzt vor zwei Jahren, ich setzte ihn mit meiner Roggensauerteigkultur neu an (20 gr Roggensauerteig, 60 gr Wasser, 60 gr Weizenmehl).

Mein Riesenlaib riss gehörig auf, und schmeckte ausgezeichnet.

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Arbeitsterminologie

Donnerstag, 30. Mai 2013

Da mein Vater als Elektriker Schicht in einer großen Fabrik arbeitete, wurde beim Heranwachsen mein Bild der Berufswelt von einer bayrischen und eher proletarischen Terminologie geprägt. (Dazu kam, dass mein Vater nie einem Schabernack widerstehen konnte: Als ich klein war, fragte ich den Papa, wenn er zur Spätschicht aufbrach, oft wohin er gehe. „Brotzeit machen“, scherzte er immer. Und das funktionierte: Wenn Nachbarn sich erkundigten, wo denn mein Vater sei, sagte ich: „Brotzeit machen.“ Er muss großen Spaß daran gehabt haben.)

Zum Beispiel war die stehende Wendung fürs Gekündigtwerden: Muss seine Papier holen. Beispielsatz im Bayrisch meines spanischen Vaters: „Hab i zum Kagerer gesagt: Wenn du wiede net pünktlich lieferst, kannst du glei deine Papiere holen.“ Hintergrund: Wenn man rausgeworfen wurde, ging man als erstes in die Personalabteilung und ließ sich die Unterlagen aushändigen, die man fürs Arbeitsamt brauchte. (Wenn ich das richtig verstanden habe.)

Um in dieser Terminologie zu bleiben und worauf ich hinaus will: Seit gestern gehe ich Stempeln.

Denn ich habe weiterhin keine Wünsche und Ideen für meine berufliche Zukunft, brauche aber jetzt ein Einkommen, wenn ich nicht meine eisernen Sparreserven aufbrauchen will. Nachdem einige Bewerbungen (Redaktion, Teamassistenz) kein Ergebnis brachten, gehe ich jetzt bescheiden den Weg der Lieschen Normalbürgerin: Arbeitslos melden. Nein, Wunder erwarte ich nicht. Aber ich bin gespannt und neugierig auf diese unbekannte Ämterwelt und ich hoffe auf das Beste.

Bereits vergangene Woche hatte ich online eingegeben, was nur irgendwie online geht. Doch schon die ersten Papierformulare, die ich derzeit ausfülle, weisen darauf hin, dass mein Fall nicht so recht vorgesehen ist. Ich werde mir das eine oder andere Sonderformular holen müssen.

So weiß ich jetzt, dass es ein eigenes Formular für Selbstkündigerinnen wie mich gibt. Mit viel Platz für Freitext zu den Fragen:

1. Aus welchen Gründen haben Sie das Beschäftigungsverhältnis beendet?
2. Haben Sie versucht, diese Gründe zu beseitigen?
Ja – Was haben Sie unternommen?
Nein – Bitte begründen Sie, warum Sie keinen Versuch unternommen haben.
3. War es möglich, das Beschäftigungsverhältnis erst zu einem späteren Zeitpunkt zu beenden und haben Sie dazu einen Versuch unternommen?
Ja – Was haben Sie unternommen?
Nein – Bitte begründen Sie, warum Sie keinen Versuch unternommen haben.
4. Haben Sie das Arbeitsverhältnis beendet, um eine Arbeitgeberkündigung zu vermeiden?
Ja – Bitte begründen Sie, welche Nachteile Sie bei einer Kündigung befürchten mussten.
Nein.

Und wieder habe ich ehrlich geantwortet. Was mich, nehme ich an, nicht nur Geld kosten wird.

Gute Wünsche meiner Umgebung sind mir fast peinlich, weil ich doch an allem selbst schuld bin. Ich erwarte eher Kommentare wie: „Na, das hättest du dir schon vorher überlegen müssen.“
Aus dem Verpflichtungsgefühl komme ich weiterhin nicht heraus: Nein, ich habe (derzeit?) keine Lust, große Dinge zu reißen. Ich möchte einfach mit einer anständigen Tätigkeit meinen Lebensunterhalt verdienen. Doch gleichzeitig würgt mich das schlechte Gewissen, denn jemand mit MEINER Ausbildung, mit MEINEN Fertigkeiten und MEINEN Chancen hat all dieses doch gefälligst auch zu nutzen. Jajaja, theoretisch weiß ich schon, dass dem nicht so ist.

Der Haken: Die Methode, die das Problem erzeugt hat, kann nicht die Methode sein, mit der ich das Problem löse. Losstürmen plus pflichtgetriebenes Zusammenreißen, mich überreden, aus Impulsivität und inhaltlicher Begeisterung Jobs anpacken, mich zu Höchleistungen bringen – das alles hat mich irgendwann in die innere Blockade getrieben. Doch auch wenn das logischerweise nicht die Methoden sein können, die meinen psychischen Kolbenfresser reparieren: Was anderes kann ich halt nicht. Deshalb versuche ich es auf einfacherem Niveau einzusetzen.

Denn wie schreibt Juliane bei kleinerdrei? „Nur tun als ob, ändert die Welt nicht“.

Da nehme ich einmal das Angebot eines Rezensionsexemplars an …

Mittwoch, 29. Mai 2013

… und dann lese ich bereits auf den ersten beiden Seiten:

„Etwas eingeengt durch die spanische Wand, die sie von Robert Redford und seiner Hamburger Freundin trennten, aß sie ihren Salat Niçoise mit medium gebratenen Thunfisch-Scheiben.“

„Sie senkte die bleiernen Augen auf den zum Zeichen des Parkverbots gelb gestrichenen Bordstein, um entlang dieser Linie einen geraden Gang zu finden.“

„Sie wühlte in ihrer Mandarina Duck Handtasche nach dem Schlüssel und stieg mit letzter Kraft die steilen Aluminium-Stufen zum Wohn-Schlaf-Küchen-Dusch-und-Toilettenraum hinauf.“

Nach der fünften Seite war endgültig klar, dass das nicht als Satire gemeint war. Die nächsten Seiten überflog ich nur noch.

„Sie hätte sich nachdrücklicher wehren sollen gegen Machos Gezerre, das sie in die Badewanne bewegen sollte, dachte sie zu spät. Als Frau und Opfer hätte sie die Macht gehabt.“

„‚Sie ist schwer zu bekommen‘, raunte Magid, wissend und fühlend.“

„Als sie die Augen öffnete, weil sich neben ihr nichts mehr regte und sie überprüfen wollte, was der Andere tat, schaute sie geradewegs auf Machos übergroße Männlichkeit, die erschreckend nah vor ihrem Gesicht hing.“

„Das traf sie wie ein Dartpfeil aus den Händen des Dukes. Nein, nicht zum Tier hatte sie sich gemacht, das wäre naturnah gewesen, sondern zur Prostituierten, die nicht freiwillig gab.“

Soweit die Ernte (alle Schreibungen sic!) bis Seite 18. Dazu eine ausgesucht abstoßende Typo.

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Oder hat man die in erotischer Literatur?
Wie schade, dass Lyssa und Merlix den PussyProsaPreis nicht mehr ausloben (hier der Gewinner 2004, hier der von 2005 – Scheiße, ist das schon so lange her?!).

Warum ich mich überhaupt darauf eingelassen habe? Die Autorin hatte mich angeschrieben, und ich will nicht immer sperrig sein. Möchte jemand dieses genitale Grauendiesen Roman haben?

Ein Tag Frühling

Mittwoch, 29. Mai 2013

Der Mai war nicht sehr nett zu uns, milde Tage mit Frühlingsdüften gab es nur vereinzelt. Dafür war es die vergangenen zehn Tage so kalt, dass wir wieder heizen mussten – bei einstelligen Höchsttemperaturen draußen reichen drinnen auch Pullis, dicke Socken und warmer Tee nicht mehr. Die Aussichten sind ebenso unerfreulich.

Umso beflügelnder war der gestrige Dienstag, den alle Vorhersagen als einzigen regenfreien Tag auf lange Zeit angekündigt hatten, sogar mit Sonne, sogar mit wirklichen Frühlingstemperaturen. Da der Mitbewohner gerade Ferien hat, erbat ich mir einen Ausflug inklusive Biergartenbesuch.

Der Ausflug führte uns in den Tierpark Hellabrunn (auf Rädern! wir beide!). Dass es dort sehr voll sein würde, hatte ich kommen sehen: Auf meiner morgendlichen Isarlaufrunde hatte ich bereits um 10 Uhr lange Schlangen anstehen sehen.

Gezielt sahen wir uns erst mal das neue Giraffenhaus an. Die Bauarbeiter, die den Außenbereich fertigstellten, waren offensichtlich genauso bezaubert von dem zweieinhalb Monate alten Giraffennachwuchs wie wir.

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Und dann gab’s davor Erdmännchen!

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Sonstige Niedlichkeiten: Humboldt-Pinguine,

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Orang-Utans, deren Klettereien im Freigehege an Feuerwehrschläuchen ich stundenlang beobachten könnte,

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grumpy Röhrenaale

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und – cute overload – Rüsselspringer.

130528_Ruesselspringer

Dazu die Majestäten: Nandu

130528_Nandu

und Schneeleopard.

130528_Schneeleopard

Nicht zu sehen bekamen wir Ameisenbären, Roten Panda und die Vielfraße, bei denen wir immer vorbeischauen (hatten sich gerade verkrochen), dafür bewunderten wir im Aquarium den neuen Teil mit Quallen, ließen uns von Fledermäusen umflattern und stießen auf die Pinselohrschweine, die ich bei meinen letzten Besuchen nicht gefunden hatte.

§

Der vereinbarte Biergartenbesuch setzte uns an den Flaucher.

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Die Schweinshaxn, die ich dort aß, war zwar gut, aber derart salzig, dass ich abends auch nach dem vierten Tagesliter Flüssigkeit noch durstig war.

Und heute Morgen plätschert schon wieder der Regen, gepeitscht von bösen Winden.

Durchhalten lohnt sich: Wie aus einer Foodblog-Diplomarbeit eine ipad-App wurde

Dienstag, 28. Mai 2013

Sie hat wirklich bewiesen, dass sich Durchhalten lohnt: Dreieinhalb Jahre nach dem Beginn des Diplomprojekts von damals Grafikdesign-Studentin Ariane Bille wird es jetzt veröffentlicht – als ipad-App bei Caramelized.

Im Februar 2010 hatte Ariane einige Foodbloggerinnen und Foodblogger angeschrieben:

Unter dem Titel „Kulinarische Momentaufnahmen“ soll im kommenden halben Jahr ein Buch mit dazugehörigem Blog entstehen, indem ich (und vielleicht auch Sie) Einblick in die bunte Welt der Foodblogs geben möchte.

Ich machte sehr gerne mit – und es stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige war, die gerne dieses studentische Projekt unterstützte. Ariane stellte uns zu Paaren zusammen und wies den Paaren Monate zu: Jeder und jede wählte im Partnerblog aus diesem Monat Rezepte aus, Ariane kochte sie nach und machte professionelle Fotos von Prozess und Ergebnis. In ihrem Diplomkochbuch stellte sie zudem jeden Blogger und jede Bloggerin mit Interviews und Fotos vor, zu den einzelnen Gerichten gab es Hintergrundgeschichten. Begleitet wurde das Ganze von einem Blog, das so hieß wie das Buch: Kulinarische Momentaufnahmen. (Ariane führt das Blog inzwischen als umfassendes Foodblog weiter.)

Am 14. Juli 2010 präsentierte Ariane ihre Diplomarbeit inklusive Ausstellung. So beschrieb sie damals das Ergebnis:

Das Buch ist in 12 Kapitel aufgeteilt, jedem Blogger ist (wie Du weißt) ein Kapitel bzw. Monat zugeordnet. Anfangs hatte ich noch utopische vier Rezepte für jeden Blogger eingeplant, daraus wurden jetzt leider zwei. Das Buch ist aber 240 Seiten dick, ich denke da kann man die ausgelassenen Rezepte verkraften.

Danach machte sich die nun diplomierte Grafikdesignerin auf die Suche nach einem Verlag für das Prachtstück – leider zunächst ohne Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt war es aber auch gerade mal ein deutschsprachiger Kochbuchverlag, nämlich Gräfe & Unzer, der sich an Kochbücher von Foodbloggern traute (Ergebnis waren die von Nicole Stich und von Claudio del Principe).

Doch wieder hatte Ariane eine wunderbare Idee: Sie schickt ein handgebundenes Exemplare eben auf Reisen, zu allen beteiligten Bloggern und Bloggerinnen:

Mein Plan ist, dass jede(r) Foodblog-AutorIn meines Projekts das Buch einmal „in echt“ sehen soll und per Post zugeschickt bekommt. Dafür wird eine Art „Kettenbrief“ gebildet. Nach jeder Station wird das Buch an eine(n) andere(n) AutorIn weiter geschickt (…). Jeder darf selbst entscheiden, wie lange er bzw. sie das Buch behalten möchte. Ihr könnt es lesen, fotografieren, daraus kochen oder es Menschen zeigen, die daran interessiert sein könnten. Danach bringt Ihr es einfach gut verpackt zur Post und schickt es weiter auf die Reise. Wenn ich Glück habe und die Post zuverlässig ist, kommt es irgendwann wieder zurück bei mir in Berlin an.

Wieder spielten wir alle begeistert mit, das Buch wurde zum „Wanderbuch“ (Betreff der zugehörigen E-Mails). Wir schrieben persönliche Anmerkungen und Grüße hinein, lernten per Buch die beteiligten Foodblogger und Foodbloggerinnen kennen.

Und dann, als ich es wirklich nicht mehr erwartet hatte, bekam ich im November 2012 die Erfolgsmail von Ariane: Caramelized wollte ihr Buch als App veröffentlichen.

Das Unternehmen hat zwar eigentlich das Ziel, auf Papier veröffentlichte Kochbücher digital zur Verfügung zu stellen, um sie durchsuchbar zu machen – also so ähnlich wie Eat your books, nur mit Volltexten (bis sie dafür meine tatsächlich existente Kochbuchbibliothek mit deutschen, spanischen, englischen und antiquarischen Büchern erfasst haben, dürfte allerdings noch das eine oder andere Jahrzehnt vergehen). Doch in diesem Fall sollte es ein nigelnagelneues Buch sein, das alle technischen Möglichkeiten einschließt, die eine App bietet.

Ariane nahm zwei weitere Foodblogger/Foodbloggerinnen dazu, bat uns alten Stamm jeweils um weitere Rechte, um die Aktualisierung der Interviews, je zwei Exklusivrezepte für die App, Fotos für eine Diashow – und wir spielten wieder mit, aus Enthusiasmus für das damalige Diplomprojekt weiterhin für Gottes Lohn und gegen zehn Freiexemplare der App. Außerdem luden uns Ariane und das Unternehmen zur Belohnung nach Hamburg zu einem „Bloggertreffen“ ein:

Wir haben uns überlegt, dass es schön wäre gemeinsam ein paar Gerichte aus der App zu kochen und dies dann anschließend in gemütlicher Runde (je nach Wetterlage im Eszimmer oder unter freiem Himmel) zu genießen.

Großartig, eine wundervolle Gelegenheit, so manchen Foodblogger, so manche Bloggerin endlich mal persönlich kennenzulernen, die ich schon so lange lese – Reise und Übernachtung von Caramelized spendiert.

Vier Wochen vor dem Termin war das „Bloggertreffen“ plötzlich ein Presse-Event zum Launch der App geworden, für das wir Foodblogger zusammen kochen würden. Aus dem Schreiben der cleveren betreuenden PR-Agentur:

Sie alle sind seit vielen Jahren in der Foodbranche unterwegs und haben sicher auch selbst zahlreiche, gute Kontakte zur Presse. Darum schlagen wir vor, dass jeder von Ihnen einen seiner persönlichen Kontakte einlädt.

Wir von $AGENTUR verschicken die Einladung an unseren umfangreichen Food-Verteiler und würden den Rücklauf mit Ihren Adressen abgleichen und koordinieren.

Geben Sie uns einfach zeitnah Bescheid, wer auf Ihre Einladung folgen will, wir führen dann die Gästeliste.

Nun, zum Glück hatten wir uns für den Abend zuvor im Trific verabredet, und dort fand es dann auch statt, das persönliche Kennenlernen: Ich schloss endlich Claudio in die Arme, genoss das schöne Österreichisch von Eline, lernte Heike von Au und Chef Hansen kennen, stellte fest, dass der so leger mündlich schreibende Claus fast wie gedruckt spricht. Dazu kamen die spitzen Schreie und innige Kuscheleien mit schon persönlich bekannten Internetmenschen: Paulsen war ja im Trific eh fast zu Hause, und Katha hatte sogar Zitrusfrüchte aus Schönbrunn im Gepäck.

Und Essen gabe es im Trific! Ich hatte Kalbsbries, Maischollen und Quarkklößchen – alles ganz ausgezeichnet.

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Über die App und die Presseveranstaltung wird Ariane nach der Veröffentlichung im App Store berichten. (Nur so viel: Regnen können sie in Hamburg aber wirklich. In diesem konkreten Fall 36 Stunden praktisch durchgehend in verschiedenen Stärken.)

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Erste Informationen über die App und Caramelized sind hier auf Arianes Blog nachzulesen.

Gedruckt wird es das Buch schießlich auch noch geben: Es erscheint im Herbst dieses Jahres im Hädecke-Verlag. Die Diplomarbeitszeiten sind endgültig vorbei.

Beifang aus dem Internet

Montag, 27. Mai 2013

Frau kittykoma hat letzte Woche ihre Großmutter verloren. Und nun schreibt sie deren Leben auf – ein Einblick in eine fremde Welt, eine fremde Zeit und in eine geplagte (wie plagende) Seele.

Charlotte I:

Sie wurde 1920 in sehr einfachen Verhältnissen in Lichtentanne unweit von Zwickau, auf dem Vorwerk Tannhof (einem alten Rittergut) geboren.

Charlotte II:

Mit dem Tod von Heinz war Lottes Leben wieder einmal auf Null gestellt. Seit über 20 Jahren gedieh aus ihrer Sicht nichts richtig. Auf ein paar Monate gute Zeit folgten lange schlechte Zeiten wie eine Strafe.

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Frau Happyschnitzel ist gerade in New York und hat dort mein Lieblingsfoto der Woche aufgenommen.

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Über eine Szene, die es nicht in die Endfassung des eher vergessenswerten Star Trek Into Darkness geschafft hat:
It’s a good scene, although Cumby looks like he is about to murder the water.
Ja, die Szene selbst ist hinter dem Link zu sehen.

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Die Knallermeldung des Wochenendes: Im September erscheint

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Eigentlich ist das nicht wirklich Beifang aus dem Internet, weil ich es von der Autorin, Katharina Seiser, in Hamburg persönlich erzählt bekam, also so richtig von Angesicht zu Angesicht mit unter einem Meter Abstand zwischen uns beiden. Wie lautet da bloß die korrekte Quellenangabe? @katha_esskultur schriebe ich, wenn ich es aus einem Tweet von ihr erfahren hätte. esskultur.at, wenn ich es aus ihrem Blog hätte. Aber von Mund zu Ohr? Da kann ich leicht was behaupten, ist ja nicht nachprüfbar. Sehen Sie: Und deswegen hat das Internet die belastbareren Informationen. Ein Glück, dass ich mich mit einem Link zur Ankündigung des Verlags absichern kann.

Balkonstatus

Freitag, 24. Mai 2013

Wir füttern also die Vögelein, die uns den langen, langen Winter versüßt haben, weiter. Denn Ganzjahresfütterung ist laut komplett unbefangenen Quellen wie Vogelfutteranbietern und Ornithologen eine gute Tat. Das Leben auf unserem Balkon hat sich dadurch maßgeblich verändert.

Größter Fan des Meisenknödels sind mindestens zwei Buntspechte. Mindestens, weil einer sich immer wieder so blöd anstellt, dass er unmöglich identisch sein kann mit dem, der sein Kommen meist mit lautem TSCHECK! TSCHECK! TSCHECK! ankündigt (und damit durchaus mal früh morgens den benachbart schlafenden Mitbewohner weckt) und sich dann für Minuten an den Meisenknödel krallt, mit wuchtigen Schnabelschlägen große Stücke raushaut. Dabei stützt er sich mit dem Schwanz ein wenig an der Schnur des parallel hängenden Meisenrings ab. Der ungeschickte Buntspecht hingegen versucht sich am gespannten Drahtseil festzuhalten, an dem das nie genutzte Sonnensegel angeseilt wird – ist allerdings viel zu schwer dafür, rutscht runter (wo Spechte doch auch am Baumstamm nur aufwärts können, dem muss ja ganz schwindlig werden), flattert linkisch, versucht im Rutschen an den Meisenknödel ranzukommen. Allen Buntspechten gemein ist besonders große Schreckhaftigkeit: Während die Blaumeisen mittlerweile nicht mal mehr wegfliegen, wenn ich vorsichtig den Balkon betrete, reicht bereits Bewegung zwei Meter hinter dem Balkonfenster, um den Buntspecht zu vertreiben.

Möglicherweise gibt es mehr als einen geschickten Buntspecht am Knödel, und ich kann sie lediglich nicht unterscheiden. Mitesser sind in jedem Fall Amseln. Mindestens ein Amslerich (selbes Problem der Unterscheidung) hat mitbekommen, dass bei jeder Spechtmahlzeit Körner auf den Balkonsims und den Balkon fallen – die holt er sich. Mittlerweile reicht bereits der Anflug des Buntspechts, und schon sitzt Herr Amsel unter dem Meisenknödel. Aber auch (wahrscheinlich) andere Amsleriche und Amseln hopsen auf dem Balkon herum und picken heruntergefallene Körner auf. Von denen es reichlich gibt, den keiner der Meisenknödelbesucher frisst manierlich.

Der (die?) Kleiber kommen ebenfalls mehrfach täglich und picken mal am Meisenknödel selbst, mal am Boden. Meist kopfunter, weil sie es können.

Dazu kommen die namengebenden Blaumeisen, Kohlmeisen, Tannenmeisen (jawohl!), die immer wieder gute Laune machen. Leider haben inzwischen auch die Tauben mitbekommen, dass es auf unserem Balkon Futter gibt. Eigentlich gibt es an und um unser Haus überraschend wenige Stadttauben; vielleicht schreckt sie das Sperberpärchen, das hier sein Revier hat, vielleicht tun die vielen Krähen gut, die hier daheim sind. Doch nun musste ich mehrfach Tauben vom Balkonsims verscheuchen. Oder sollte ich vielleicht gar nicht?

Gespannt bin ich schon, wie es wird, wenn ich bei dann endlich mal warmem Wetter den Balkon selbst nutzen will. Irgendwie werden wir miteinander auskommen müssen.