Archiv für Juli 2013

Lieblingstweets Juli 2013

Mittwoch, 31. Juli 2013

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Königliche Hoflieblingstweetlistensammlerin des Internets (Reichslieblingstweetbewahrerin?) wird wohl wieder Anne Schüssler sein müssen.

Beifang aus dem Internet

Dienstag, 30. Juli 2013

Vielleicht, also nur vielleicht wird das Problem der Totalüberwachung der Internetströme durch die NSA auch von US-Seite angepackt: „Momentum Builds Against N.S.A. Surveillance„. Vergangenen Mittwoch fiel im House of Representatives des US-Kongresses nur knapp ein Antrag durch, der NSA das Geld für die Sammlung von Telefondaten abzudrehen.

Then Mr. Sensenbrenner, a Republican veteran and one of the primary authors of the post-Sept. 11 Patriot Act, stepped to a microphone on the House floor. Never, he said, did he intend to allow the wholesale vacuuming up of domestic phone records, nor did his legislation envision that data dragnets would go beyond specific targets of terrorism investigations.

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Das personifizierte Mittel gegen Berliner Hipster-Allüren heißt Frau Indica, the Queen of Uncool.1 Hier schreibt sie zum Beispiel über ihr Rentner-Bootcamp.

Herr S. ist allein, ohne eigene Damenbegleitung im Wasser. Er gibt den Typ Redseliger Kleingärtner, hat zu allem und jedem eine robuste Meinung und versucht mit Charme und kleiner Leidensmiene unsere Physiotherapeutin immer wieder zu überzeugen, dass sie ihn ein bisschen schonen solle. Das lässt sie ihm natürlich nie durchgehen. Und siehe da, als gestern ein fescher junger Mann die Physiotherapeutin vertrat und uns ein wenig zackiger durchs Wasser scheuchte, da war Herr S. deutlich weniger redselig als sonst …

Sollte man jemals für schick gehalten werden, reicht zur Abwehr, glaube ich, ein einfaches „Kommt ihr erst mal in mein Alter!“. Ich geh gleich mal üben.

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Die einzige TV-Serie, die ich je komplett gesehen habe (und das mehrfach), ist Friends. Über @ankegroener kam ich zur ausführlichen Entstehungsgeschichte als oral history: „With Friends like these„.

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Letzte Woche zeigte sich wieder einmal die blinde Aggression von Frauenhassern, diesmal auf Twitter: „Wie zehn Pfund auf Twitter Hass schüren. Droh-Tweets gegen Feministin„.

Eine Folge noch am Wochenende: „Twitter-Nutzer fordern bessere Meldefunktion für Droh-Tweets„.

Zudem gibt es Belege, dass mein Eindruck von konzertierten Aktionen keineswegs eine Verschwörungstheorie ist: „Organisierter Frauenhass im Netz„.

Langsam dämmert mir, dass all die Beispiele für Frauenhass und Sexismus, die ich in Diskussionen oft mit einem Gefühl der provokanten Übertreibung nannte, noch unter dem tatsächlichen Durchschnitt liegen.

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Es gibt neues von der Ausgrabung am Berliner Jüdenhof: „Reformator gefunden„.

Hier liegen wohl nicht die Ursprünge jüdischen Lebens in Berlin, wie es immer geheißen hatte.

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Brüste und Sport – bislang sah es aus, als hätte sich noch niemand ernsthaft damit befasst (und dass da große Not herrscht, weiß jeder und jede Betroffene, die gerne Sport treiben). Zumindest über diese Seite des Leistungssport hat @kscheib nun einen ausführlichen Artikel gefunden:“You can only hope to contain them“ (allein schon der Titel zeugt von Sachkenntnis).

Ich gehe sehr gerne Dauerlaufen und habe für mich eine Lösung gefunden, die das auch ermöglicht. Doch um ohne Wunden von anderthalb bis zwei Stunden Lauferei zurückzukommen, sind zusätzlich einige Hansaplast-Streifen und ein paar Gramm Fettcreme nötig.

Brüste und Amateursport – liest hier eine Diplomsportlerin oder Sportjournalistin mit, die das Thema mal gründlich recherchieren möchte? Aspekte, die mir einfallen: Körperhaltung, Schwerpunkt und Gleichgewicht, Einfluss auf Dehnübungen, Hilfsmittel wie Sport-BHs (die Menschheit kann Menschen auf den Mond bringen aber keinen wirklich tauglichen Sport-BH für große Masse entwickeln?).

  1. Lange hatte ich angenommen, ich sei das. Aber angesichts dieser monarchischen Größe stecke ich zurück. []

Dieser Höchstsommertage …

Montag, 29. Juli 2013

Samstag:

Nahkampf mit den verstopften Küchenabflüssen, wieder mit der dafür ungeheuer praktischen Stirnlampe. Die Rohre außen und zehn Zentimeter in die Mauer hinein sind jetzt blitzeblank, das Wasser läuft genauso wenig ab wie vorher. Da ich eine Reinigung der eingemauerten Rohre in diesem großen Mietshaus dann doch lieber den Fachleuten überlasse, sieht es ganz nach eeiner ersten Bekanntschaft mit einem Münchner Spengler aus. Ich freue mich schon darauf!

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In bereits brüllender Hitze zur #StopWatchingUs-Demo gegen die staatliche Totalüberwachung des Internets. Denn meine Gefühlsfolge beim Erfahren dieser Enthüllungen waren denen von Sascha Lobo sehr ähnlich. Ein „Supergrundrecht Sicherheit“, wie es unser Innenminister Friedrich identifiziert hat, gibt es nicht; viele Ansichten, die die Regierung bislang zur Affäre geäußert hat, widersprechen unserer Verfassung.

Aus meinem Eck des Internets waren mindestens fünf da, insgesamt nahmen aber nur etwa tausend an Veranstaltungen und Demonstration teil. Ist das ein Zeichen für die Enge meiner Filterblase?
Nachtrag: Felix Schwenzel bietet eine Erklärung für das Desinteresse an, die plausibel klingt.

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Was das gebracht hat? Ein wenig Aufmerksamkeit, bis in die Washington Post.

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Meinen klassischen Marmorkuchen in einen Edelmarmorkuchen (Carrara?) verwandelt, indem ich ein Ei mehr verwendete, in den hellen Teig Marzipan rührte (mit drei Löffeln Schmand püriert), in den dunklen 125 Gramm geschmolzenen Nougat (den ich zum Schmelzen einfach eine halbe Stunde auf den Balkon stellte). Ergebnis: Das Marzipan schmeckt man fast nicht, der dunkle Teil ist tatsächlich schokoladiger. Doch diese Variante ist keine echte Konkurrenz zum Original.

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Am frühen Abend mit dem Mitbewohner nochmal Despicable Me 2 in den immer noch baustelligen Museumslichtspielen angesehen. Ja, doch, verträgt ein zweites Angucken.

Sonntag:

Der Balkon konnte für meinen Morgenkaffee fast keine Morgenkühle liefern, es war schon früh sehr heiß.

Dass die Küche immer noch komplettverstopft ist, macht Waschmaschinenwaschen ein wenig aufwendig: Wasser, das die Maschine abpumpt, steigt in die Spüle, wo ich es mit einer Trümmerfrauen-Blechtasse in meine größte Plastikschüssel schaufle, die ich dann ins Klo entleere. Das machte ich also zwei Runden lang.

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Sportmöglichkeiten werden durch die Hitze stark eingeschränkt; in den vergangenen beiden Wochen hatte ich ein paar Mal die Zeit vor Arbeitsbeginn um 9 Uhr genutzt, um im Sportstudio zu strampeln oder Gewichte zu heben, zweimal auch für einen Isarlauf. Gestern wollte ich mal wieder ausführlich schwimmen und ging dafür wider meine Ahnung, dass es sehr voll sein würde, ins Schyrenbad. (Im Olympiabad wären mir leere Bahnen sicher gewesen, doch es ist einfach zu schön, im sonnigen Freien zu schwimmen.) Zu meiner Überraschung funktionierte das Bahnenziehen im Freibad: Auf den beiden abgeteilten Bahnen im Schwimmerbecken wurden halbwegs geordnet Runden geschwommen, nur ganz selten stand jemand herum.

In einem abgelegenen Eckchen der Liegewiese ruhte ich mich aus, schaltete die Menschenmassen mit Musik durch Kopfhörer weg, machte Brotzeit.

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Wie Sie vielleicht erkennen, waren in der Sonne durchaus noch freie Flächen: Höchstsommer ist, wenn sogar in deutschen Freibädern erst mal die Schattenplätze belegt sind.

Auf dem Heimweg sah ich, dass es einen noch schöneren Badeplatz gegeben hätte.

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Zurück im abgedunkelten und verhältnismäßig kühlen Wohnzimmer Internet und Zeitung gelesen.

Endlich mal der taz.de einen Zehner überwiesen. Gehört mit zeit.de, Spiegel online und Süddeutsche.de zu den Zeitungsseiten, die ich am häufigsten lese. Die SZ bezahle ich bereits nicht zu knapp auf Papier, damit habe ich gefühlt meinen Obulus auch für das Online-Angebot geleistet. An Spon und Zeit.de würde ich durchaus auch hin und wieder etwas rüberschieben; ich bin schon sehr gespannt auf deren angekündigten Bezahlmodelle. Mir ganz persönlich wäre allerdings eine gemeinsame Plattform am liebsten, die das Online-Leseverhalten widerspiegelt (Tageszeitung abonniert man in Deutschland üblicherweise eine einzige, Online-Zeitungen liest man je nach dem verschiedene): Alle Zeitungen schließen sich auf einem Eingangsportal zusammen, ich abonniere für einen überschaubaren Monatsbetrag den Zugang zu denen, die mir wichtig sind. Und muss mich nicht bei jeder auf ein anderes Modell einstellen und extra zahlen.

Für den Online-Zugriff auf Zeitungsarchive wünsche ich mir weiterhin den Kripperlmechanismus, wie ich ihn schon mal an einem Beispiel geschildert habe: Gegen einen Geldbetrag, sagen wir mal fünf Euro, wird der Archivartikel für zwei Wochen freigeschaltet wird und ist verlinkbar – so, wie im Advent bei Geldeinwurf das Kripperl in der Kirche ein paar Minuten beleuchtet wird. Danach geht das Licht auf den Artikel wieder aus – außer ich oder jemand andere zahlt nochmal.

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Zum Nachtmahl Salat aus Ruccola, Gurke, Pfirsich mit Balsamicodressing, dazu gebratener Grillkäse und Waldmeisterprosecco (selbstgemachter Sirup) auf viel Eis.

Wochenendreport: Brot, Rohre, Tanz, Bikinis

Montag, 22. Juli 2013

Am Samstag das Weißbrot aus Lutz Geißlers Brotbackbuch gebacken, über das ich noch ausführlich schreiben werde (Zusammenfassung vorab: große Empfehlung!). Genauer: Ich habe es fertiggebacken, denn den Sauerteig dafür hatte ich schon Mittwochmorgen angesetzt, am Freitag musste der Mitbewohner einspringen und nachmittags im richtigen zeitlichen Abstand zum Backtermin am Samstagmorgen den Vorteig anrühren.

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Das Brot wurde traumhaft, und ich habe Vieles beim Befolgen der Anweisungen gelernt, unter anderem: Aha, das war zu viel Kraft beim Langformen des Laibes, die gespannte Oberfläche riss. Aber auch: Macht nichts, der Laib wird dadurch lediglich ein bisschen schepps.

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Unsere Küche ist verstopft. Ganz problemlos lief das Wasser in der Spüle noch nie ab, und wenn die dorthin angeschlossene Waschmaschine und die Geschirrspülmaschine abpumpten, stieg das schmutzige Wasser erst mal ins Spülbecken, um erst dann langsam abzufließen. Seit vor ein paar Jahren der liefernde Fachmann eine neue Waschmaschine anschraubte, war das Problem sogar noch größer: Nach Nutzen der Geschirrspülmaschine stand übel riechendes Wasser in der Waschmaschine, wir mussten es händisch abpumpen lassen. Vor zwei Wochen wollte ich den Missstand endlich angehen (hey, auch bei Computer-Bugs halte ich mit Workarounds Jahre durch), erst mal setzte ich die Chemie von Rohrfrei ein. Ergebnis: Jetzt läuft das Wasser praktisch gar nicht mehr ab. Ich bechere es aus der Spüle in eine Schüssel, die wir ins Klo entlehren. Um ein Auseinanderschrauben und Reinigen der Rohre komme ich nun wirklich nicht mehr herum, und mir graut ganz fürchterlich. So fürchterlich, dass ich das Ganze seit über zehn Tagen vor mir her schiebe.

Was ein Glück, dass auch im Bad das Wasser nicht recht abfließen will: Rohrfrei und Pömpeln bringt immer nur die eine oder andere Woche Erleichterung. Da konnte ich doch mal gründlich rangehen und für das Küchenschlamassel üben.

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Ich ruinierte dabei auch nur die oberste Rohrschraube (ging so schwer auf, dass sie beim Öffnen mit Zange zerbrach), doch die ließ sich leicht ersetzen (deshalb sind wir Innenstadtbewohnerinnen für klassische Kaufhäuser mit Vollsortiment dankbar). Die Rohre enthielten erstaunlich wenig Schmodder (hier wohnt halt niemand mit langen Haaren), was allerdings bedeutet: Das Ablaufproblem des Bads steckt viel weiter hinten im Rohr. Wir werden dann doch jemand kommen lassen müssen.

Nachdem ich sichergestellt habe, dass das nicht auch in der Küche das Problem ist.

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Eine Runde Krafttraining im Rest Morgenkühle des Fitnessstudios (auch dort glaubt die Mehrheit der Mitglieder, dass ein Öffnen der Fenster hinaus in heiße Außenluft die Innentemperatur absenkt). Ich finde langsam Spaß am selbstständigen Langhantel- und Kurzhanteltraining, kombiniere es aber mit Balanceübungen am Boden und mit Maschinen.

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Sommer ist Bügelzeit, und da ich den Sonntag frei haben wollte, bügelte ich den mittelhohen Berg am Samstag weg und hörte dabei Press doch selber, Frau Dokta von Dr. Josephine Chaos, gelesen von Annette Friers.

Da ich Frau Friers sehr mag und mich für Bücher von Bloggerinnen interessiere (haben mittlerweile eine eigene Ecke in unserer Bibliothek), schien mir das die ideale Kombination. Für einen Nachmittag im Freibad und als Ablenkung zum Bügeln ist das Hörbuch auch gut geeignet. Die betonte Launigkeit des gerne gelesenen Blogs (aus dem ich über die Jahre mehr über Geburtsheilkunde gelernt habe als bereits aus John Irvings The Cider House Rules) verträgt die Übertragung in ein Buch nicht gut, doch Annette Friers liest mit Leidenschaft und in verschiedenen Akzenten – das ist durchaus lustig. Am Ende der gut drei Stunden Hörbuch war ich dennoch ein wenig genervt von den ständigen atemlosen Übertreibungen und klischeehaften Vergleichen.

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Am Sonntag war der diesjährige Kocherlball angesetzt, und da das Wetter in die vierte Woche wundervollen Sommer geht, würde er zweifelsohne stattfinden. Nach ein paar Jahren Pause ging ich mal wieder mit dem Mitbewohner hin. Aus Erfahrung wussten wir, dass sich die Tanzfläche nach der ersten Stunde etwas leert, und da wir vor allem tanzen wollten, schlenderten wir erst um 8 Uhr ein – als zahlreiche Frühaufsteherinnen schon wieder auf dem Heimweg waren.

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Mittlerweile liegt die Verkleidungsquote bei deutlich über 70 Prozent. Davon haben sich 98 Prozent für ein Oktoberfestkostüm entschieden, unter ein Prozent für etwas zum Thema „Kocherl“, ob liebevoll historisch oder nur eine improvisierte Dienstmädchenhaube aus Tortenspitze. Ein Paar hatte seine Mittelaltermarktgewandung gewählt, sehr erfrischend.

Musikalisch wird keineswegs getümelt, die Tänze sind praktisch international: Wir tanzten diesmal neben dem Boarischen auch einen Italiener und eine böhmische Polka. Und eine der beiden Musiken, die zum Tanz aufspielten, verabschiedete sich mit einem kurzen Pasodoble samt „Olé!“.

Anderthalb Stunden drehten wir uns zu Volkstänzen (unser Zwiefachenkurs nützte uns nur bei einem solchen, der nämlich einen schnell lernbaren Text zum Mitsingen hatte – die Taktwechsel des zweiten, rein instrumentalen, brachten wir nicht hin) und schwitzten in der kräftigen Morgensonne. Beim BR gibt’s Bilder, hier die Fotogalerie der Stadt München.

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So sehen übrigens Haferlschua aus, die als Kleidungsstück getragen wurden (nicht als Verkleidungsbestandteil). An Tanzmeister Magnus Kaindl.

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Den Nachmittag verbrachte ich im knackvollen Freibad Maria Einsiedel (aka Einzelbad), den Lärm der Menschenmassen durch Kopfhörermusik aus dem Smartphone übertönt.

Die vielen Freibadbesuche letztes Jahr und einige heuer haben mein Verhältnis zu Bikinibekleidung immer entspannter werden lassen. Am Samstag hatte ich mir im Schlussverkauf, Verzeihung: im Sales, sogar einen richtigen, neuen Bikini gekauft, der etwas albern ist (Rüscherl!) und mir ganz ausgezeichnet steht. Gestern im Einzelbad betrachtete ich wieder interessiert die höchst unterschiedlichen Körperformen in Bikinis und ihre Bekleidungswahl. Einen Stiltipp glaube ich allerdings bei aller Freude an Vielfalt geben zu können: Sie werden immer dann am besten im Bikini aussehen, wenn Sie die wirklich passende Größe tragen.

Beifang aus dem Internet

Sonntag, 21. Juli 2013

Man kann seinen Urlaub dazu verwenden, Mittelalter zu spielen. Andrea Diener hat das für die FAZ gemacht und darüber mal wieder einen Reisebericht geschrieben, der weiter weg von Katalogtexten nicht sein könnte: Abschied von gestern. Mit Häubchen und Täubchen.

Die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten ist kein Phänomen der Gegenwart, bereits in den letzten Jahrhunderten begeisterten sich schwärmerische Zeitgenossen abwechselnd für Antike, Mittelalter und Renaissance, lobten edle Einfalt und stille Größe sowie die vermeintlich verlorengegangene Einfachheit vergangener Zeitalter, fanden sie konserviert bei „edlen Wilden“, den Naturvölkern in entfernteren Winkeln abseits der westlichen Zivilisation. Einige wollten nur spielen, nämlich die, die es sich leisten konnten. Sie kleideten sich in Schäfergewänder oder bauten Burgen in ihre Landschaftsgärten, mittelalterlicher, als es sie im Mittelalter je gab. Andere stiegen konsequenter aus der Zivilisation aus und gingen in den Wald, sei er heimisch oder fern. Meine Gewandung und mein Häubchen und ich, wir stehen in großer Tradition.

Und nun muss ich doch mal ausführlicher lobhudeln: Andrea Dieners Reiseartikel sind einmalig. Sie hat genügend Selbstbewusstsein, auf jede Sensationsheischerei zu verzichten, verlässt sich darauf, dass sie auch ohne Koketterie genug Interessantes zu erzählen hat. Ihre Unaufgeregtheit ist magisch – und wenn es wirklich etwas zum Aufregen gibt, bewahrt sie Contenance. Andrea Diener hat ihren Blogstil mit in die Zeitung genommen, hinter all ihren Geschichten bleibt sie als Mensch erkennbar und macht die Artikel damit umso glaubwürdiger. Sie ordnet Wahrnehmung in ihre umfassende Bildung ein, relativiert, stellt Bezüge her, vermittelt – und erweckt so nie den Eindruck, sie müsse irgendwas verkaufen. Dafür fotografiert sie auch noch ausgezeichnet, derzeit sind ihre Aufnahmen von der Straße in einer Ausstellung in Frankfurt zu sehen. Ich kann nur sehr hoffen, dass die FAZ weiß, was sie an ihr hat und ihr dauerhaft Arbeit gibt.

Ich bin nur ganz wenig persönlich vorbelastet: Zwar lese ich Frau Dieners Blog, seit ich vor elf Jahren Blogs entdeckte (die Dame gehört praktisch zu den Miterfinderinnen des deutschsprachigen Bloggens), persönlich begegnet sind wir einander aber nach meiner Zählung nur zwei kurze Male.

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„Ein oberservierter Mensch ist nicht frei.“ Juli Zeh in einem Interview mit dem Donaukurier Ingolstadt.

Mich zu ärgern, darüber bin ich eigentlich schon hinaus. Ich beschäftige mich mit diesem Thema schon so lange, dass mir eigentlich klar ist, dass unsere Regierende, in persona Frau Merkel und Herr Friedrich, das so wollen. Im Jahr 2006 hat Frau Merkel in einem ihrer Videopodcasts den schönen Satz gesagt: „Eigentlich läuft alles ganz prima, aber trotzdem brauchen wir mehr Überwachung.“ Das kann man als Regierungsprogramm verstehen.

Ich gestehe: Noch immer komme ich nicht darüber hinweg, dass das rektionäre Blatt, in dem ich vor 25 Jahren volontierte, nun seit Jahren Vorreiter in Sachen Datenschutz ist. Beim Thema Google Streetview zwar völlig übers Ziel hinausgeschossen und auf der Basis von Irrtümern (die dortigen Artikel unterstützten damals die Fehlannahme, die Bilder seien live und man könne den Leserinnen dadurch beim Sonnenbaden zusehen). Aber in der grundsätzlichen Sache vehementer als jede andere vergleichbare Printpublikation. Hammer.

Kleiner unsachlicher Lacher am Rande, ermöglicht vom immer wieder erstaunlich guten Satiremagazin des Bayerischen Rundfunks, quer: Bundesinnenminister Friedrich sagt Amakaner (wahrscheinlich ein Verwandter der Kommion und des Nuhlauflaufs).

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Die Frage nach der möglicherweise nicht einheimischen Herkunft eines Menschen muss nicht immer ausgrenzend sein – ist es aber meistens. Auf Jezebel ein paar Tipps „How to Ask Someone About Their Ethnicity Without Being an Asshole“.

via naekubi

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Ein weiteres Spässle: Benedict Cumberbatch sendet dem (der? ich will mich da wirklich nicht einmischen) Comic-Con eine Videobotschaft. In der er unter anderem endlich verrät, wie Sherlock in der gleichnamigen BBC-Fernsehserie überlebt hat.

via Pajiba

Wie es mit dem Arbeitsamt war

Mittwoch, 17. Juli 2013

Arbeitsamt

Seit 2004 (wow, so lange ist das schon her) heißt das Arbeitsamt „Bundesagentur für Arbeit“, aber lassen Sie mich ganz neutral festhalten: Nein, das ist keine Agentur. Ich habe in Agenturen gearbeitet, und nichts an diesem Amt hat mit Grundhaltung, Atmosphäre und Abläufen in Agenturen zu tun. Muss es ja auch nicht, meinetwegen darf durchaus ein Amt für Arbeitssuchende und Arbeitslose zuständig sein. So schlägt mein PR-Bullshit-Sensor jedes mal störend Alarm, wenn dort allen Ernstes und erstaunlich konsequent von den Betroffenen als „Kunden“ gesprochen wird.

Im Mai hatte ich mich online arbeitssuchend gemeldet. Arbeitslos wollte ich mich auch melden, das muss man persönlich machen. Die Anweisungen dazu auf der Website missverstand ich: Ich nahm an, beim angekündigten Terminvereinbarungsanruf des Amtes würde ich für die Meldung einen Termin ausmachen. Zumindest klärte der freundliche Anruf das: Nein, der Anruf zielt nur auf ein Gespräch über die Arbeitssuche, zur Arbeitslosenmeldung musste ich einfach zu Bürozeiten ins Arbeitsamt gehen und mich anstellen.

An einem frühen Morgen Ende Mai ging ich also ins Münchner Arbeitsamt, das derzeit dicht von Baustellen umzingelt ist; ich wohne sehr günstig und bin in zehn Minuten zu Fuß dort. Nach kurzer Anstehzeit (doch am späteren Morgen und am Vormittag sind die Warteschlangen erschreckend lang) stellte eine weitere freundliche Angestellte fest, dass ich im Computersystem bereits angelegt war und benachrichtigte eine Kollegin. Zu deren Büro schickte sie mich mit Vordruck, nach wieder nicht langer Wartezeit leitete diese Angestellte im Großraumbüro meine Arbeitslosenmeldung ein, versorgte mich mit Formularen und kündigte die Einladung zu einem Vermittlungsgespräch an.

Zehn Tage gab mir das Anweisungsblatt fürs Herbeischaffen aller Unterlagen für den Antrag auf Arbeitslosengeld. Dann sollte ich eine Servicenummer anrufen und einen Termin für die Besprechung meines Antrags auf Arbeitslosengeld vereinbaren. Entsprechend panisch war ich, als ich am Stichtag keineswegs alls Bescheinigungen beisammen hatte, obwohl ich alles am Tag des Erhalts abgeschickt hatte: Die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers brauchte 13 Tage, beim Ausfüllen des Antrags hatte ich herausgefunden, dass ich zusätzliche Formulare benötigte. Die ich erst beim Arbeitsamt holen musste (es steht erstaunlich wenig online zur Verfügung), dann per Post weiterschicken, zu deren Bearbeitung ich die Empfängerstelle erst durch Hinterhertelefonieren brachte.
Mit viel schlechtem Gewissen rief ich am Tag der Deadline die Servicenummer an – und geriet an eine Bandansage, dass diese Nummer nicht mehr gelte. Unter der neuen Nummer wurde ich beruhigt: Der nächste freie Termin zum Durchsprechen meines Antrags war ohnehin noch drei Wochen entfernt, fünf Wochen nach meiner Arbeitslos-Meldung.

Zum Glück hatte ich Geld für etwa zwei Monate Lebensunterhalt auf meinem Konto zurückbehalten (ich bin ohnehin ganz erstaunt, wie weit ich die Kosten meines Lebensunterhalts in dem Jahr Auszeit heruntergefahren habe – nun ja, das recht hohe Ausgangsniveau machte das einfacher). Denn ohne Durchsprache beim Arbeitsamt keine Genehmigung des Arbeitslosengelds, ohne Genehmigung keine Überweisung.

Die Einladung zum Vermittlungsgespräch lag zwei Wochen nach Ersttermin im Briefkasten, der Termin dafür lag sechs Wochen nach meiner Meldung als Arbeitssuchende.

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Meinen Antrag auf Arbeitslosengeld besprach ich mit einer jungen Frau in ihrem Einzelbüro. Hinter ihr hing an einer Pinnwand ein Holztäfelchen, in das lustig eingebrannt war: „Arbeit macht das Leben süß. Ich mag aber keinen Zucker.“ Selbst abgenudelter Bürohumor bekommt in dieser Umgebung eine ganz eigene Note.

Wieder stellte sich ein Missverständnis durch ungenaue Formulierung heraus. Das Antragsformular fragt, ob man bei einer Krankenkenkasse pflichtversichert war. Das war ich nicht (sondern freiwillig versichert in einer gesetzlichen Krankenkasse), also kreuzte ich „nein“ an und kümmerte mich um die entsprechenden Zusatzformulare und Bescheinigungen. Doch es stellte sich heraus, dass die Frage korrekt lauten müsste: „Waren Sie in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert?“ Nur privat Versicherte müssen die Zusatzformulare ausfüllen. Was auch die Dame vom Arbeitsamt nicht gewusst hatte, die mir die Zusatzformulare gab.

Ich lernte weiterhin: Man muss sich spätestens drei Tage nach Ende des unbefristeten Arbeitsverhältnisses arbeitssuchend melden, auch wenn man keine Arbeit sucht. Sonst werden spätere Ansprüche auf Arbeitslosengeld gemindert. Auf meinen Einwand, dass ich dann doch gelogen hätte, wurde mir beschieden, ich hätte mich ja wenige Tage später von der Arbeitssuche abmelden können.

Bei befristeten Arbeitsverhältnissen, so erfuhr ich weiterhin, muss man sich aus denselben Gründen drei Monate vor Ablauf des Vertrags arbeitssuchend melden – wieder unabhängig davon, ob das zutrifft.

Die Arbeitsamtmitarbeiterin nannte mir sogar den ganz konkreten Gesetzesparagraphen samt Absatz, der das vorschreibt.

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Obwohl ich mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden hatte, sogar über die Online-Stellenanzeigen des Arbeitsamts selbst, nahm ich die Drohungen auf der Einladung zum Vermittlungsgespräch ernst und ging hin. Ich traf auch hier auf einen sehr freundlichen Menschen, der sich über meinen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben freute. Ich erzählte von meinem Hintergrund, er sprach von seinen Erfahrungen mit ähnlichen Arbeitssuchenden, also mit ausgestiegenen Managern und Managerinnen. Es waren sehr interessante, weil unauffällige Geschichten: Wenn traditionelle Medien über Karriereabbrecherinnen berichten, läuft das immer auf erfolgreiche Geschäftsmodelle in Selbstständigkeit heraus, auf die Konzentration auf sensationelle Hobbys oder auf die Verwirklichung lange gehegter Träume. Nach nichts davon habe ich im vergangenen Jahr Wünsche und Sehnsucht entwickelt. Ich suchte nach einem Job, idealerweise in anregender Umgebung, der mir die Miete und sonstigen Lebensunterhalt zahlt.

Und nun arbeite ich seit Montag in einer kleinen (echten) Agentur als Sekretärin. Heute mache ich mich ans Aufräumen des Agenturkellers.

Wie es nach dem Mantelklau weiterging

Sonntag, 14. Juli 2013

Mittlerweile ist die Sache ausgestanden und vorbei, ich kann die Geschichte aufräumen. Die Geschichte mit gestohlenem Geldbeutel und Hausschlüssel, die ich zwar wiederbekam, deren vorübergehender Verlust aber ein Nachspiel hatte.

Mein Personalausweis gehörte ja zu den dauerhaften Verlusten. Beim Beantragen eines neuen (das Bürgerbüro in der Ruppertstraße stellte sich als sehr freundlich, flott und effizient heraus) nahm die Angestellte den Diebstahl gleich auf und leitete ihn an die Polizei weiter. Diese reagierte mit einer schriftlichen Einladung zur Aussage, als ich gerade zur re:publica in Berlin war. Ich rief also morgens von meinem Hotel aus in der Wache an der Theresienwiese an, an der ich so oft vorbeiradle, und bat um Rückruf. Und geriet an einen bezaubernden Polizeibeamten, der aus allen Positiv-Klischees bayerischer TV-Serien der Nachkriegszeit zusammengesetzt war.

Der Polizeihauptmeister mit urbayerischem Namen sprach tiefstes Bayerisch, war entwaffnend freundlich und herzlich. Sollte das seine Masche gewesen sein, möglichst viele Informationen aus mir rauszubekommen, hat sie perfekt funktioniert. Ich wechselte sofort in mein muttersprachliches Oberbayerisch und ratschte fröhlich mit ihm.

Auf sein verdutztes: „Ja, vo wo ruafa Sie denn o?“ erzählte ich ihm halt: „Genau deshalb kann ich ja nicht vorbeikommen. Ich bin in Berlin auf so einer Internetkonferenz, müssen Sie nicht kennen.“ Und dann plauderten wir über das Wetter in Berlin und Berlin überhaupt. Herr Polizeihauptmeister ließ sich von mir erzählen, wie genau mir der Mantel mit Geldbeutel und Schlüssel abhanden gekommen war, zeigte sich beeindruckt, in welch kurzer Zeit ich die Strecke Ostbahnhof-Hauptbahnhof mit dem Rad zurückgelegt hatte, scherzte: „San Sie a so a Radlrambo?“ Was ich durch meine Theorie widerlegte, dass da wohl jemand an einer roten Ampel in den Fahrradkorb gegriffen hat: „Ich bin nämlich genau KEIN Radlrambo und halte an allen roten Ampeln.“ Worauf wir herzlich zusammen lachten.

Ob ich mich wohl an die Marke des Mantels erinnern könne? Konnte ich: „Wallis, weil das eine englische Marke ist und ich den Mantel sehr gern mochte. „Ah, des hob i, glab i, scho moi g’hert.“ Es war völlig klar, dass er nur freundlich sein wollte. Auch den Hersteller der Geldbörse musste ich ihm buchstabieren.

Nach weiteren Details machte Herr Polizei mir wenig Hoffnung, dass sich die Sache aufklären würde und erläuterte mir die nächsten Schritte. Abschließend bedauerten wir beide, dass wir einander nicht persönlich kennengelernt hatten, ich bedauerte zudem, dass ich diese vertraute Polizeiwache nun wieder nicht von innen gesehen hatte.

Wer hätte gedacht, dass mir ausgerechnet ein Gespräch mit der Polizei mal die Tageslaune aufs Sonnigste färben würde?

Wenige Wochen später bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft München I (VON DER STAATSANWALTSCHAFT! – ich schaue zu viel The Good Wife …): „Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, weil der Täter bisher nicht ermittelt werden konnte.“

Blieb also noch die Sache mit den Türschlössern. Die weiterhin freundliche und sehr hilfreiche Hausverwaltung sprach mit dem Vermieter: Er bestand nicht auf dem Tausch der gesamten Schließanlage, ich musste lediglich die beiden Schlösser der Wohnungstür ersetzen lassen. Die Absprache mit der Schlüssel- und Schlossfirma übernahm die Hausverwaltung, informierte mich aber regelmäßig über den Stand der Dinge. Die beiden Schlösser mussten wegen des Alters der Schließanlage eigens gefertigt werden, vor zehn Tagen setzte ein jovialer und stark metallhaltiger Handwerker sie ein. Nachdem die Kostenschätzungen zwischen halbem Jahresgehalt und zwei Urlauben geschwankt hatten, kam ich schlussendlich mit 570 Euro davon.

Und nun schließe ich mit nigelnagelneuen Schlüsseln ein nigelnagelneu messingglänzendes Schloss.

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