Archiv für August 2013

Journal Freitag, 30. August 2013 – Vokabelerweiterung

Samstag, 31. August 2013

Dem Mitbewohner dann doch auch noch eine Vollmacht dagelassen. Denn: Meine extravagante Autolosigkeit bezahle ich unter anderem damit, dass ich mir schwere Dinge liefern lassen, zum Beispiel Weinkisten. Doch statt die jüngsten beiden Kisten am Dienstag daheim vorzufinden, erhielt ich die Nachricht von DHL, ich könne sie mir in der (sechs Kilometer entfernten) Hauptpost an der Arnulfstraße abholen, es sei niemand daheim gewesen. Ernsthaft?! So testete ich also erstmals den Dienst „nochmal zustellen„, gab den Freitag als Liefertag an und verpasste dem Mitbewohner Hausarrest. Bis 14 Uhr durfte er nichts aufs Klo, nicht duschen, selbstverständlich nicht vor die Tür und besser auch nicht auf den Balkon. Dann kam endlich das Paket, „nochmal zustellen“ hatte funktioniert.

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Ein wundervoller Spätsommertag. Als ich kurz vor neun von zu Hause wegradelte, konnte ich mich gar nicht an den Morgendüften sattschnuppern. Und beschloss, die für Samstag geplante Wanderung morgens anzutreten statt wie sonst gewohnt nachmittags.

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Wieder übersetzt. Nachdem ich am Vortag beim Übersetzen in meine Muttersprache die deutschen Ausdrücke „multiple Berührungspunkte“ und „Customisation der IT“ gelernt hatte, erweiterte ich mein Vokabular diesmal um „Erschließungsgebiete“ und „Investitionsprospekt“. Γεςασκο διδασκομενη1

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Und heute mal eine reine Männerausgabe Beifang aus dem Internet:

Sie müssen unbedingt mal wieder bei Herrn kid37 vorbeilesen:

Wie nicht nur entspannte jüngere Menschen oder auch Alt-Hippies wissen, ist „Flowerpower“ oder „Blumenkraft“, wie die Romantiker unter uns sagen, nicht nur als Königsweg zur Antriebslosigkeit bekannt.

(Für dieses Blog gilt übrigens ausnahmslos: Auch die Kommentare lesen.)

David Schwimmer targeted with malicious ‚ROSS IS NOT COOL‘ graffiti“ – für die Friends-Freundinnen unter uns.

Schönheit hat ja zum Glück kein Geschlecht.

Wenn ein ganzer Twitter-Strang lesenswert ist.

  1. Hoffentlich mache ich mich beim Versuch des Altgriechisch-Posens nicht völlig zum Horst. []

Twitterlieblinge im August

Freitag, 30. August 2013

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Andere Twitterfavoriten wieder bei Anne Schüssler.

Journal Donnerstag, 29. August 2013 – auf Schicht

Freitag, 30. August 2013

Dank Medikamenten ruhig und tief geschlafen, bis zum frühen Weckerklingeln: Die fürs Büro bestellte Spermüllabholung hatte sich für „ab halb acht“ angekündigt, also musste ich dort sein.

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Es wurde dann doch bis nach elf, Entschädigung genug war aber der Auftritt der Sperrmüllarbeiter: Fünf sehr verschiedene Herren in Leuchtorange, die das möglicherweise noch nicht so lange machen. Erwartet hatte ich die geschmeidig professionelle Eleganz von Umzugsarbeitern, tatsächlich geboten bekam ich ein gemächliches Übereinanderstolpern, wechselseitiges Im-Weg-Stehen, ungeschicktes Stapeln sowie Fallenlassen, ergänzt durch umständliche Verstopfung der Aufzugtüren. Das Ganze dauerte nur gut fünf Minuten in einem Kellerabteil, enthielt aber fast alle Elemente der Kabinenszene von Marx Brothers, A Night at the Opera.

Detail auf dem Bestätigungsformular (Markierung war so), die heftige Diskussion vor wenigen Jahren hatte ich bereits vergessen.

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Mittagsverabredung bei Marietta. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich nach und nach einmal die Woche mittags quer durchs Stadtviertel zu probieren. Doch dann schmeckte es gleich in diesem ersten Lokal so überdurchschnittlich gut, und ich fühlte mich gleich derart aufgehoben – dass ich erstmal nirgendwo sonst hingehe. Und halt lernen muss damit umzugehen, dass man mich dort kennt (wg. Spuren).

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Kalb mache ich mir aus unbekannten Gründen nie, deshalb wählte ich von der Tageskarte das Milchkalbkottelet. Es schmeckte großartig, hatte auch ordentlich Fettrand drumrum, war mit frischen Kräuter gebraten. Der Tafelspitz gegenüber gereichte ebenfalls zur Begeisterung.

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Selbsterinnerung: „Mal schnell übersetzen“ ERST zusagen, NACHDEM ich die Länge des Textes kenne! (Und das jetzt 100 Mal schreiben.)

So kam ich nur knapp unter der 12-Stunden-Schicht raus aus dem Büro. HASS.

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Ich vermisse das Draußen.

Journal Mittwoch, 28. August 2013 – Relaxanz

Donnerstag, 29. August 2013

Ein paar Stunden Schlaf hatte ich ja bereits bekommen, als ich bei jeder Bewegung von munter ausstrahlenden Kreuzschmerzen geweckt wurde. Um halb sechs erklärte ich die Nacht für beendet und wartete bei Milchkaffee und Internetlektüre auf die Öffnung der Hausärztinpraxis.

Dort wartete ich weiter, jetzt allerdings auf Stühlen, die mir den letzten Zweifel nahmen, ob es nicht auch ohne Ärztin gehen würde.

Ergebnis der Untersuchung: gereizte Nervenwurzel in der Lendenwirbelsäule. Kurzfristige Behandlung: Ibu und ein Muskelrelaxanz. Für die langfristige Therapie überzeugte mich meine (nicht nur ausgesprochen kompetent wirkende, sondern auch bezaubernde) Hausärztin von den Vorteilen der Krankengymnastik gegenüber eigenständigem Training. Unter anderem durch die fachliche Analyse eigener Erlebnisse.

Auf ihr Angebot mich krankzuschreiben, reagierte ich wie immer mit dem Reflex „Ach nee, so schlimm is nich“. War es ja auch nicht, doch im Büro stellte ich schnell fest, dass das Muskelrelaxanz zwar schnell die schmerzhafte Verspannung linderte, aber meine Konzentrationsfähigkeit einschränkte.

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Konnte im Büro nützlich sein (Redaktion, Recherche, Etatführung – ist halt alles wie Radfahren, das verlernt man nicht), verbrachte aber auch wieder einige Stunden mit dem Sortieren und Archivieren alter Dateien. Die erste Stunde ging das problemlos, in den folgenden beiden Stunden musste ich mich insgesamt 18 Mal neu einloggen, um dem „Ordner-kann-nicht-verschoben-werden-weil-geöffnet“-Dilemma zu entgehen. (Ja, ich habe eine Strichliste geführt. Nein, manche von diesen Ordnern waren seit Jahren nicht geöffnet worden, auch nicht von mir; ich hatte sie ledlich durch einmal Anklicken zum Verschieben markiert.)

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Zum Nachtmahl Ökokistensalat und Käse. Selige Benebelung durch die Kombination Muskelrelaxanz, Ibu und Montepulciano d’Abruzzo.

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Beifang aus dem Netz:

Wegen ständiger Angst mich daneben zu benehmen, bin ich dankbar für Benimmtipps. Heute: „Im Umgang mit … Autoren“ (pdf) von Kathrin Passig und Ira Strübel in der Neuen Zürcher Zeitung.

Katjaberlin hat sie endlich mal konzise und übersichtlich zusammengefasst: „Die Wahrheit über die Geschlechter„.

Journal Dienstag, 27. August 2013 – Schmerzen

Mittwoch, 28. August 2013

Nun habe ich doch ein schmerzhaft verzogenes Kreuz – und es ist mir peinlich. Da kann ich noch so betonen, dass es keinen 100-prozentigen Schutz vor Rückenproblemen gibt, schon gar nicht, wenn jemand wie ich mit bereits verbogener und verwachsener Wirbelsäule auf die Welt gekommen ist. In der zweiten Hälfte des frühmorgendlichen Krafttrainings „Hot Iron 2“, bei den Bodenübungen, zwickte es ein wenig im Kreuz, doch über den Tag wuchs sich das zu der schmerzhaften Versteifung aus, die ich nur zu gut kenne, aber seit zwei Jahren nicht mehr hatte. Jetzt merke ich, dass es mir das tatsächlich peinlich ist, weil mir das doch gar nicht passieren dürfte – bei all der Gymnastik und Kräftigung, die ich vorbeugend mache.

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Wolfgang Herrndorf ist tot. Wir furchtbar traurig und schade.

(Dieser Nachruf bei der FAZ gefällt mir besonders gut. Und diese Begegnung mit Herrndorf, die Wolfgang Höbel 2011 für den Spiegel beschrieb, ist eine schöne Erinnerung. Herrndorfs Blog ist nach gestriger Überlastung jetzt wieder zu erreichen.)

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Beruflich trieb ich mich gestern in London herum und recherchierte potenzielle Reisekosten. Diese Art von Kostenschätzungen habe ich zuletzt vor 15 Jahren in der ersten Agentur gemacht, für die ich arbeitete, und – Meine Herrn! – ist das durchs Internet einfacher geworden. Allein schon: Wegstrecken bei Google Maps ausmessen, über Taxitarifrechner die Preise herausfinden.

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Mittags im zarten Nieselregen zu Arzttermin geradelt, mir im Regenponcho bescheuert vorgekommen. Den Rückweg deshalb ohne Poncho angetreten, schnell die Nässe bemerkt, dann doch übergeworfen.

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Daheim der erste Griff zur Großpackung Thermacare – nicht dass ich damit schmerzlinderde Erfahrung gemacht hätte, aber irgendwas musste ich doch für mein Kreuz tun. Dass ich die Packung in einem Regal lagere, zu dem ich mich bücken muss, stellte sich als sehr unbesonnen heraus.

Journal Montag, 26. August 2013 – Verspätungen

Dienstag, 27. August 2013

Nun auch ich: Ich habe herausgefunden, was passiert, wenn man in der Stadtbücherei ausgeliehene DVDs nicht rechtzeitig zurückgibt. Genauer: Ich habe es den Mitbewohner herausfinden lassen, die Bücherei war gestern nur während meiner Arbeitszeiten geöffnet. Dabei war ich so sicher gewesen, dass die Leihfrist erst diese Woche enden würde – war sie aber, wie ein Online-Blick auf mein Konto ergab, schon am Freitag. Was mir wirklich unangenehm war, da eine der DVDs (The Good Wife) so begehrt ist, dass ich fünf Wochen darauf hatte warten müssen.
Ergebnis: 40 Cent Strafe pro DVD, aber nicht mal mahnende Worte.

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Heftig gearbeitet, mich dabei recherchierend in San Francisco und Boston herumgetrieben. Habe dort jetzt zumindest Grundorientiertung. Erste spürbare Überstunden.

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Doch auch dieser Tag hatte einen Feierabend.

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Da haben die Herren schon schöne lange Haare, auf die sie oft stolz sind, und dann machen sie nichts damit. Jessica Saia hat was dagegen getan: Guys with fancy lady hair. (via @kscheib)

Journal Sonntag, 25. August 2013 – Familienverbandelungen

Montag, 26. August 2013

Ich erwachte zu Regenrauschen und Kälte, plante also kurzerhand den Morgensport in eine Kino-Matinee um und sah mir Mr. Morgan’s Last Love an.

Schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass das möglicherweise keine gute Idee gewesen war: Nicht weil der Film einen schlechten Eindruck machte, sondern weil er mich zu sehr mitnehmen würde. So sehr, dass ich über die Qualität des Films nichts sagen kann. Haltlosigkeit im Leben, die existenziell tiefe Beziehung zu einem Menschen, Väter und das komplizierte Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern – diese Themen gehen mir derzeit zu nahe. Und dann spielt Michael Caine diese Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben wurde, auch noch mit all seinem Können.

Um ein Haar wäre ich dankbar gewesen um die Musik Hans Zimmers: Der Ekel vor dem völligen Klischee der Muster, vor dem Kitsch der g’schiss’nen Zimmer-Klarinette, holte mich immer wieder aus der Berührtheit. In vielen Szenen setzt allein die Schubladenmusik die Stimmung. Zum Beispiel sind anfangs Morgans kurze Gänge durch die Pariser Innenstadt hoffnungslos traurig; doch Zimmer kleistert munteres Klavier darüber und zwingt uns auf, es handle sich um munteres Schlendern. Nur eines halte ich ihm zugute: Obwohl der Film in Paris spielt, erklingt kein Akkordeon.

Was mir bei der Gelegenheit dieses Films auffiel: Wenn es von einer Person heißt „lights up a room“, handelt sich immer um Frauen. Bechdeltest übrigens nicht bestanden, Frauen haben in diesem Film fast ausschließlich Rollen im Leben eines Mannes. Nur Mr. Morgans Tochter scheint ein wirklich eigenständiges Leben zu haben, und gerade sie wird ausgesprochen unsympathisch gezeichnet.

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Also halt dann Geburtstagskaffee mit Eltern. Ich nutzte die Gelegenheit, meiner Butterkuchen-liebenden Mutter den Luxemburger Schuedi vorzuführen; er schmeckt frisch am besten, so frisch, wie ich ihn beim Mitbringen nie servieren könnte.

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(Keine Angst, Kaffeetafeln sehen bei mir nicht immer so aus. Genau gesagt, gibt’s bei mir sonst gar keine Kaffeetafeln.)

Meine Eltern wurden für ihr Insistieren mit 60 Minuten Stillstand im Autobahnstau gestraft, ich natürlich mit ebensolangem Warten, während der Schuedi unfrisch und der Kaffee kalt wurde. Mein Verständnis für die Freude am Geburtstagfeiern wollte dabei nicht so recht wachsen.

Aber ich freute mich dann, meinen Vater vom kürzlichen Spanienurlaub in seiner Heimat erzählen zu hören. Er hatte mit meiner Mutter viele Verwandte auf dem Land besucht (meine aus Nordkastilien stammende Großmutter hatte über zehn Geschwister), mit dem einen Vetter und seiner Familie in der Garage gefeiert (meine Muttern lernte, welch Fauxpas es ist, einen Landwirt nach der Anzahl seiner Kühe zu fragen), sich von der anderen Kusine meines Vater zu einer Paella einladen lassen. Nur bei Kusine Lupe (Abkürzung für den Vornamen Guadalupe) wurde nicht mal das Angebot eines Getränks angenommen: Sie hatte umgekehrt bei einem Besuch nichts annehmen wollen, also instruierte mein Vater meine Mutter vor dem Betreten ihres Hauses, dass sie alles abzulehnen habe. Mein Vater ist da manchmal ein wenig … äh … korsisch. Aber er erzählte die Begebenheit schmunzelnd.

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Wäschewaschen, -trocknen, -räumen. Das dünne Sommerbett verräumt, jetzt brauche ich eine wärmere Decke zum Schlafen.

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Internet-Beifang:

Bridget Christie hat den renommiertesten Comedy-Preis der UK gewonnen, und ich wünschte, in Deutschland läsen sich Komikerinnen-Rezensionen wie diese hier.

Der Fotograf Kai Fagerström hat den Verfall eines finnisches Landhauses begleitet. Das Resultat: Niedliche Tierfotos.