Archiv für Dezember 2013

Bücher 2013

Montag, 30. Dezember 2013

Diesmal auch mit Nennung von Büchern, die ich nicht geschafft habe. Was nichts über ihre Qualität aussagen muss.
Ansonsten gilt wieder: Empfehlungen sind mit * markiert. Die anderen Bücher haben mir nicht etwa missfallen, schließlich habe ich sie bis zur letzten Seite gelesen. Aber ich würde sie nicht allen und nicht uneingeschränkt empfehlen.

1 – Don DeLillo, Falling Man

2 – Gunter Frank, Schlechte Medizin*
Hier ausführlich besprochen.

3 – Charles Dickens, Nicholas Nickleby

4 – Yasmina Reza, Eugen Helmlé / Frank Heibert / Hinrich Schmidt-Henkel (Übers.), Nirgendwo*

5 – Friedrich Torberg, Die Erben der Tante Jolesch*

6 – Granta 122, Betrayal

7 – Scott Westerfeld, Uglies*
Über diese Trilogie in vier Büchern wollte ich eigentlich ausführlich schwärmen und schreiben. Mir kam was dazwischen, Lustlosigkeit vermutlich. Hier ein paar Stichwörter:
– Wir befinden uns ein paar Jahrhunderte nach unserer Zeitrechnung. Die Menschheit hat sich durch Über-Reproduktion und Abhängigkeit von Erdöl aus dem Spiel gekegelt – und daraus gelernt.
– Erzählt wird aus der Perspektive von Tally Youngblood, die kurz vor ihrem 16. Geburtstag steht. Dann ziehen die Menschen in dieser Gesellschaft um aus dem Internat für 11- bis 16-jährige in die Stadt der Pretties.
– In dieser Gesellschaft gibt es keine Hierarchien, kein Machtverhältnis – zumindest sieht es zunächst so aus. Zum 16. Geburtstag darf sich jeder und jede nach eigenen Vorstellungen schön und schlau operieren lassen, denn nur dadurch, so die bestechende Logik, werden die Privilegien der wenigen Naturschönen und -schlauen vermieden.
– Die Romane stecken voll großartiger High-Tech: Unter anderem gibt es Hoverboards, die Tally meisterlich beherrscht und auch mit Werkzeug manipuliert. Doch sie findet ihre Meisterin in der neuen Freundin Shay, die ihr eines Abends beim Ausbüchsen begegnet und die auch sonst einige eigene Idee hat. Auch High-Tech: Ein Loch in der Wand des eigenen Zimmers liefert alles, was man will – wieder als Gerechtigkeitsmaßnahme gedacht, denn wenn jede alles haben kann, gibt es keine Besitzhierarchien mehr.
– Durch Shay lernt Tally allerdings, dass es eine alternative Welt gibt und dass ihre eigene schöne Welt einen Preis hat.
– Besonders clever fand ich, dass die Geschichten keine schwarz-weiß-Gegensätze ermöglichen und keine einfachen Antworten liefern: Jeder Kampf gegen einen Missstand führt statt zu einem they lived happily ever after zu immer neuen Konflikten. Ich bin versucht zu beobachten: Wie im wirklichen Leben.
– Die Reihe ist wohl als Jugendbücher gedacht, gehört aber (aber? wieso aber?) zu dem besten, was ich 2013 gelesen habe. Mir ist völlig rätselhaft, warum Hunger Games mehr Erfolg hat.

8 – Friedrich Ani,Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels

9 – Michael Ondaatje, The Cat’s Table*

10 – Scott Westerfeld, Pretties*

11 – Neil Gaiman, The Sandman. Dream Country

12 – Scott Westerfeld, Specials

13 – Lisa Neun, Fresh Fish*

14 – Rolf Cyriax (Hrsg.), Essen & Trinken mit Kabarettisten

15 – Scott Westerfeld, Extras

(A.L. Kennedy, Day – abgebrochen wegen Hä? Der erste Kennedy, der leider völlig an mir vorbei geht.)

16 – Leanne Shapton, Swimming Studies*
Hier ausführlich besprochen.

17 – Neil Gaiman, The Sandman. The Doll’s House.*
Der Sandman-Band, der mir endlich den Zugang zu diesem Universum verschafft hat – und damit wohl auch zu Neil Gaiman.

(Stephen Fry, The Ode Less Travelled: Unlocking the Poet Within – abgebrochen, weil ich mich dann doch nicht genug für Lyrik interessiere.)

18 – Shappi Khorsandi, A Beginner’s Guide to Acting English

19 – Frank McCourt, Teacher Man*

20 – Marcelo Figueras, Sabine Giersberg (Übers.), Kamtschatka*
Hier ausführlich besprochen.

21 – Alison Bechdel, Fun Home*
Der graphic novel, der Bechdels Ruhm begründete. Sie schreibt und zeichnet darin ihre Familien- und Lebensgeschichte, sehr persönlich und mit immer wieder überraschenden Mitteln. Es geht um sexuelle Identität, um Erinnerung, vor allem innerhalb von Familien, um Suizid, um Trauer. Hat mich sehr mitgenommen.

22 – Granta 123, Best of Young British Novelists 4*

23 – John Steinbeck, Travels with Charley*

24 – Hilary Mantel, Wolf Hall

25 – Dave Eggers, A Heartbreaking Work of Staggering Genius

26 – Manuel Vázquez Montalbán, Bernhard Straub (Übers.), Die Rose von Alexandria

27 – Monika Scheele Knight, Tomorrow Can Wait. Exploring Europe With Our Autistic Child*
Eine weitere ungeschriebene ausführliche Besprechung, dabei habe ich dieses Buch sogar mitgecrowdfunded. Es war eine hervorragende Investition. Monika schreibt in Reisekapiteln über das Heranwachsen ihres autistischen Sohns und deckt dabei jeweils gut eingewoben Sachthemen ab: Von Forschungsstand über Ursachen von Autismus über Medikation und Medien bis zu persönlichen Entscheidungen über die Förderung ihres Sohnes. Klug und leidenschaftlich.

28 – Sue Reindke, Spam

29 – Neil Gaiman, The Sandman. Preludes & Nocturnes

(James Branch Cabell, Jurgen – Dieses Buch war dem Mitbewohner immer sehr wichtig. Nach den ersten 40 Seiten weiß ich zumindest, dass es eine ganz andere Art Buch ist als ich gedacht hatte. Dann erlöste mich der Mitbewohner zum Glück mit der Erlaubnis, dass ich es nicht fertiglesen müsse.)

30 – Dr. Josephine Chaos, Dann press doch selber, Frau Dokta, Hörbuch, gelesen von Annette Frier.

31 – Terry Pratchett, Nation

32 – Granta 124, Travel

33 – Bethan Roberts, My Policeman

34 – Nathanael West, Miss Lonelyhearts

35 – Martin Walser, Ehen in Philippsburg*
Endlich ein Walser, den ich nicht nur fertig las, sondern der mir auch noch ganz ausgezeichnet gefiel. Für eine atmosphärische Schilderung des Nachkriegsdeutschlands zu empfehlen, unter anderem wegen der Alltagsdetails. Nebenbei wird über den Untergang der westlichen Zivilisation durch das Fernsehen mit exakt denselben Argumenten diskutiert wie in den vergangenen Jahren über diesen Effekt des Internets.

36 – Alexander Görsdorf, Taube Nuss*
Hier ausführlich besprochen.

37 – Linda Castillo, Sworn Silence

38 – Henry James, Washington Square

39 – Stevan Paul, Katharina Seiser (Hrsg.), Deutschland vegetarisch

40 – Vanessa Giese, Da gewöhnze dich dran. Wie ich mein Herz an den Pott verlor*
Hier ausführlich besprochen.

41 – Kurt Vonnegut, Slaughterhouse 5*
Wiedergelesen, schon 2009 empfohlen.

42 – (Kazuo Ishiguro, When We Were Orphans)
Diesen Roman muss ich ausnahmeweise mal dissen, er ist richtig schlecht. Und das von einem Autor, der mit Remains of the Day ein Meisterwerk schuf und dessen An Artist of the Floating World und Never Let Me Go ich für sehr gut halte. When We Were Orphans besteht aus billigen Versatzstücken von Detektiv- und Spionagefiktion Ende des 19. Jahrhunderts, ohne dass ein Spiel mit ihnen erkennbar wäre, und springt geradezu lächerlich mit historischen Fakten um. Zwar ließe sich das mit einem Ishiguro-typischen sehr unreliable Erzähler erklären, doch dann wäre es in diesem Fall handwerklich unterirdisch gemacht.

43 – Jean-Yves Ferri, Didier Conrad, Klaus Jöken (Übers.), Asterix bei den Pikten*
Hier ausführlich besprochen.

44 – Neil Gaiman, The Sandman. Season of Mists

45 – Salman Rushdie, Joseph Anton*

46 – Charles Portis, True Grit

47 – Allie Brosh, Hyperbole and a Half*
Hier ausführlich besprochen.

48 – G. K. Chesterton, The Club of Queer Trades

49 – Teju Cole, Open City

50 – Nelleke Noordervliet, Hanni Ehlers (Übers.), Die Schatten von Pelican Bay

51 – Anne-Ev Ustorf, Wir Kinder der Kriegskinder

Israel, baby! – 6 – Vögel und Fahrräder

Sonntag, 29. Dezember 2013

Zum einen begeistert mich weiterhin die hiesige Vogelwelt.

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Da sind weiterhin meine Palmensänger, die wohl tatsächlich common myna sind, also Hirtenmainas, auch wenn die einheimische vered zweifelt. Die Website Birds of Israel gibt Tel Aviv explizit als den Ort an, wo man sie am häufigsten findet.

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Über die Wiedehopfe kann ich mich bei jeder Sichtung begeistern, für mich sind sie sehr exotisch (beide Bilder oben aufgenommen vom Mitbewohner – aber nicht mal er hat einen Wiedehopf mit aufgestelltem Kamm erwischt).

Heute begegnete ich zwei mir unbekannten.

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Dieser Krähen-große Vogel leuchtete mich auf meinem Morgenlauf mit seinen glänzend türkisen Federn an, die ganz ausgezeichnet zum braunen Restgefieder und Schnabel passten (ein Motelone-Vogel?).

Außerdem war dann noch dieser hier in eleganter Einbeinpose:

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Heute Abend klicke ich mich auf der Suche nach den beiden mal durch Birds of Israel. Treffer: Der obere heißt laut Wikipedia zu deutsch Braunliest und ist eine Eisvogelart, der untere ist ein Spornkiebitz.

§

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Zum anderen möchte ich hiermit vom hiesigen Leihradlsystem Tel-O-Fun schwärmen. An derzeit 170 Standorten in ganz Tel Aviv gibt es Stationen mit markant grünen Leihrädern und Leih-Terminals. An den Automaten kann man sich als Besucherin per Kreditkarte einen Tages- oder Wochenpass kaufen (Wochenpass für derzeit 70 Schekel = 14 Euro). Mit diesem Wochenpass lässt man sich über den Automaten eines der angesperrten Fahrräder entsperren und radelt los – die ersten 30 Minuten sind von der Grundgebühr abgedeckt, danach kostet die Nutzung halbstundenweise. In der Nähe des Zielorts sperrt man das Rad wieder an einer Station an. Das System an sich ist perfekt (Tel Aviver registrieren sich für ein Jahr und bekommen dann einen grünen Plastikdongel zugeschickt, mit dem sie sich ein Fahrrad entsperren), hat allerdings wie jedes System Detailtücken: Schon zwei Mal mussten wir mit leeren Händen zur nächsten Station gehen, weil keines der vorhandenen Fahrräder sich ordnungsgemäß entsperrte – Fehlermeldung.

Der Mitbewohner und ich nutzen die Räder täglich. Heute waren wir die bislang längste Strecke unterwegs, nämlich zum Diasporamuseum. Das sie derart weit draußen hingestellt haben, als wollten sie alle Besucher dazu zwingen, den Auszug aus dem gelobten Land am eigenen Leib zu spüren. (Melodramatische Übertreibung, das Museum liegt halt nordöstlich des Stadtkerns auf dem Campus der Campusuniversität, und im Grunde hatte ich gar nichts dagegen, bei dieser Gelegenheit die hiesige Uni zu sehen. Mit Instituten unter anderem für „exact sciences“ – ich hätte als Studentin mein Fach Literaturwissenschaft vermutlich trotzig „vage sciences“ genannt.)

Die permanente Ausstellung zur Geschichte der Juden in den vergangenen 2300 Jahren auf drei Ebenen gefiel mir gut. Zwar muss auch sie sich in meinen ganz persönlichen Augen mit der Benchmark jüdisches Museum in Berlin messen und kommt bei Weitem nicht hin. Doch aus den verschiedenen Wanderungsgeschichten über die halbe Welt zog ich einige neue Informationen, sehr beeindruckend fand ich auch den Raum mit Modellen berühmter Synagogen quer durch die Jahrtausende und über den Erdball. Was halt völlig fehlte, waren Originalexponate, für ein Museum etwas seltsam. Dafür gab es einige Erklärfilme, zum Teil mit Originalaufnahmen.

In der Reihe: Laufstrecken aus aller Welt – am Strand von Tel Aviv

Samstag, 28. Dezember 2013

Idyllisch ist er nicht, dieser Lauf, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn – aber idyllisch im herkömmlichen Sinn würde wohl auch niemand Tel Aviv bezeichnen. Was durchaus ein Kompliment sein kann.

Dafür profitieren Läuferinnen hier von einem wunderbar ausgebauten Weg, der im nördlichen Teil über lange Strecken auf Holzplanken verläuft, nirgends den Autoverkehr kreuzt und fast durchgehend das Meer im Blick hat.

Raus auf die Ben-Yehuda-Straße, an der unsere Ferienwohnung liegt,

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Runter zum Strand, vorbei an einem der vielen Kraftspielplätze.

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Eines der vielen Strandlokale im Norden.

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Der alte Hafen von Tel Aviv.

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Neben großen und kleinen Möwen sowie Bachstelzen und Nebelkrähen sah ich häufiger diese Schönheit:

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Das hier ist bei näherer Betrachtung dann wohl doch kein Kormoran?

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Am gestrigen Freitag war vormittags das Durchkommen zwischen all den Ausflüglern und Brotzeitern in Wochenendlaune am Hafen nicht ganz einfach.

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Und wieder zurück im Haus.

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Israel, baby! – 4 – Essen

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Der Plan für diesen Urlaub lautete ja: Wohnen und essen. Das mit dem Wohnen erwies sich als schwierig wegen des Lärms der benachbarten Baustelle, wegen der Innentemperatur von ca. 15 Grad und der generellen Abgewohntheit der Wohnung. Essen hingegen tun wir recht erfolgreich, hier ein paar Beispiele.

So frühstückten wir im Benedict an der Sderot Rothschild (es ist unglaublich entspannend, dass ich die nicht-Ivrit-Schreibung nicht mal nachschlagen muss, sondern drauflosimprovisiere, da selbst die Straßenschilder in vier bis fünf verschiedenen Varianten schreiben). Dafür, dass ich Eggs Benedict ausgesprochen gerne esse, bestelle ich sie viel zu selten (hier in der Spielart „Florentine“ und auf sensationell fluffigem Brot). Der Mitbewohner hatte Shakshuka.

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Ein Lokal, das von früh bis spät nichts als Frühstück serviert, kann ich mir auch in München sehr gut vorstellen. Was ich mir ebenfalls für München wünsche: Dass der Cappuccino überall mindestens annehmbar, meist sogar köstlich wäre. So ist das nämlich hier.

Ein Ausflug ins Street Food: Sabich. Gekochtes Ei und frittierte Aubergine in Pita, mit Zeugs drumrum – ich hatte zu allem Ja gesagt, was mir der freundliche Herr hinterm Tresen anbot, auch zu den Pommes frites. Dazu ein Schälchen Salat von der Salatbar.

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Hier in Israel müsste übrigens das Paradies für Fleischlose liegen: Bislang habe ich noch nicht einen Bissen Fleisch gegessen, ohne dass ich es im Geringsten darauf angelegt hätte. Aufgefallen ist mir lediglich, dass viele Lokale eine ganze Reihe explizit veganer Gerichte anbieten.

Das Shakshuka im Strandlokal 9 beach am Mezizim-Strand (Nord-Tel-Aviv) war ok, schmeckte aber ein wenig nach lieblosen Supermarktzutaten. Die Aussicht allerdings gefiel mir sehr gut dazu.

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Abends hatten wir einen Tisch im allerorts gerühmten Manta Ray reserviert. Die Restaurantchefin (nicht das richtige Wort, aber für den im englischsprachgigen Raum Standardposten der Maitre de / Hostess gibt es im Deutschen kein wirkliches Equivalent) brachte uns zu unserem Tisch, sah, dass wir dort von sehr lauten Gesellschaften umgeben gewesen wären und suchte uns kurzerhand einen besseren – ebenfalls am Fenster mit Blick auf Strand und Wellen. Ich war gerührt und fühlte mich bestens umsorgt.

Dieses Gefühl setzte sich fort, als ein Kellner uns die Karten brachte und gemütlich die Aperitivs des Tages empfahl: Wir sollten sie ruhig probieren – wenn sie uns nicht schmeckten, könnten wir sie zurückgeben. Irgendeinem anderen Tisch, ergänzte er toternst, würde er sie schon unterjubeln können.
Diesen Tonfall behielt der Herr den Abend über bei.

Als Vorspeisen gab es die landesüblichen Mezze, hier wurde uns ein riesiges Tablett verschiedenster solcher Vorspeiserln an den Tisch gebracht, wir durften wählen.
Als Hauptspeise gab es Fisch, bei mir mit frischen Bohnenkernen, Spinat und Erbsensprossen, beim Mitbewohner auf rotem Reis mit Ananas. Dazu einen isrealischen Flam blanc (den wir vor der Bestellung probieren durften).

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Da wir bei der Anzahl der Vorspeisen mit übermenschlichen Kräften vernünftig gewesen waren, war noch Platz für Nachtisch: Zitronencreme mit Meringue für mich, gefrorene Crème Bruleè für den Mitbewohner.

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Heute sahen wir uns in Jaffa um. Nachmittags ließen wir uns im Hafen im Old Man and the Sea nieder, wo zu jedem Hauptgericht 20 (zwanzig) Schälchen Mezze und ein Krug Lemonade gehören. Fast die Hälfte der Mezze waren mit Tahini angerichtet – meine Vorliebe für Majonese bekommt ernsthaft Konkurrenz. Der Fisch war scharf gegrillt und saftig, die aufgewärmt schmeckenden Kartoffeln blieben nach einem Bissen liegen, waren aber ohnehin überflüssig.

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Israel, baby! – 3 – Tel Aviv, Häuserbilder

Dienstag, 24. Dezember 2013

In der Sonne herumlaufen, in Cafés sitzen, bummeln, Häuser fotografieren, frisch gepressten Granatapfelsaft trinken, weiterbummeln. Schöner Urlaub.

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Nachtrag:
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Israel, baby! – 2 – Es bauhaust.

Montag, 23. Dezember 2013

Touri-Fakt: Tel Aviv ist wegen seiner Vielzahl an Bauhaus-Bauten UNESCO Weltkulturerbe. Was die Hiesigen verdammt ernst nehmen: Sie bauen Häuser wie beklopft. (Nee, der ist nicht gut. Fällt jemandem ein besserer Dreh zu Bau-Haus ein?).

Zumindest neben unserer Ferienwohnung wird gerade gebaut, oder besser abgerissen, was ja fast dasselbe ist. Mit Presslufthammern. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Der Lärm wirft mich zwar nicht aus dem Bett, macht es aber unmöglich, die 20 Grad Außentemperatur zum Wärmen der heizungslosen Wohnung zu nutzen, da es durch offene Fenster hereinstaubt und man sich dann vor Lärm nicht mehr unterhalten kann.

Die Bauhäuser (vielleicht doch eher in Richtung Heimwerkermarkt kalauern?) faszinieren mich aber sehr; in der Umgebung der Ferienwohnung stehen sie überall und in jedem Zustand.

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In diesem Café an der Pinsker Road / Ecke Shne’ur) frühstückten wir heute. Es heißt vermutlich Sugar – unsere Ivrit-Lesekünste lassen noch sehr zu wünschen übrig. Zum einen Salate: Einen „chopped salad“ (lustig: Obwohl ich ihn aus einem israelischen Kochbuch habe, das ihn „israelischen Salat“ nennt, sage ich immer „Schnipselsalat“) und einen „lentil and wheat salad with dried cherries“. Der Mitbewohner kam zu dem Schluss, dass praktisch alles besser schmeckt, wenn man Tahini drübertröpfelt – die israelische Variante des Geheimnisses böhmischer Küche: NOCH ein Löffel Rahm.

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Außerdem bestellte ich mir dort ein Granola mit Joghurt, Früchten und Honig. Das wurde als Bausatz serviert (vielleicht den Schlenker zum Bauhaus erst hier einbauen?) und war unglaublich köstlich: Das Obst hocharomatisch (süßeste Birne, feste und süße Banane, und jetzt weiß ich, dass es Granny-Smith-Äpfel auch MIT Geschmack gibt), der Joghurt bröcklig sauer, das Granola superfrisch knusprig und mit Röstgeschmack.

§

Sagen Sie: Kennen Sie sich mit israelischen Vögeln aus? Nebelkrähen, Spatzen, Möwen, Rauchschwalben und Kormorane konnte ich leicht selbst identifizieren, auch den Wiedehopf, den ich heute überraschend auf einem Rasenstück am Strand sah. Doch wie heißen die Gesellen, deren unglaublich vielfältiger Gesang aus allen bepflanzten Ecken tönt, vor allem aus den Palmenkronen, in denen sie Samen fressen, und die ich deshalb kurzerhand zu „Palmensängern“ ernannt habe? Größe etwa Amsel, beim Fliegen sieht man einen dicken weißen Querstreifen im Flügel.

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§

Sonst bin immer ich diejenige, die das Tempo beim Herumschlendern verlangsamt: Weil ich ständig zum Fotografieren stehenbleibe. In Tel Aviv kommen wir gerade gar nicht mehr voran, weil zudem der Mitbewohner ständig vor Schildern und Aufschriften stehenbleibt, um die Schriftzeichen zu entschlüsseln und zu lernen. Am wenigsten half bislang die Lerntafel auf einem Kinderspielplatz.

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Zusätzliche Vewirrung: Obwohl Ivrit eigentlich eine Quadratschrift ist1 (was man halt so aufschnappt, wenn man mit einem Linguisten unterwegs ist), gibt es Unterlängen.

§

Der gestrige Sonnenuntergang.

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  1. „Den Namen Quadratschrift hat diese Schrift, weil jedes Zeichen genau in ein Quadrat oder in ein halbes Quadrat passt und sich die Linienführung der Buchstaben mit hauptsächlich waagerechten und senkrechten Strichen in den meisten Fällen am Quadrat orientiert.“ []

Israel, baby! – Vaya vaya, aqui hay playa

Sonntag, 22. Dezember 2013

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Bye bye Bayern. Jetzt habe auch ich die Halle 7 des Münchner Flughafens kennengelernt, allein Flügen nach Israel vorbehalten.

Als wir nachmittags an der Adresse unseres Tel Aviver Airbnb-Apartments ankamen (Sonne! milde Luft!), war der Putzmann noch nicht fertig. Wir ließen uns also vom Vermieter einweisen („Best apartment in the whole of Tel Aviv!“ „Never empty!“), stellten unser Gepäck unter und gingen erst mal zum fünf Fußminuten entfernten Strand. Wo gerade spektakulär, aber halt schon um halb fünf Ortstzeit die Sonne unterging (Israel ist der deutschen Ortszeit um eine Stunde voraus).

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Kite Surfer, Jogger, eigene Spielplätze fürs Krafttraining – der Tel Aviver Strand mag Sport. Auf der langen Strandpromenade spazierten Paare und Familien. Der Schauplatz des Bombenanschlags von 2001 ragt als verkohlte Ruine in den Horizont, zahllose Katzen lagen mit halb geschlossenen Augen auf den noch warmen Steinen drumherum.

Der Mitbewohner holte sich in einem Imbisslokal sein erstes Schawarma, wir kauften das Nötigste in einem 24/7-Supermarkt ein.

Die Unterkunft ist reichlich spartanisch, jetzt gehen wir erst mal Geschirrtücher und Fön besorgen.