Archiv für Oktober 2015

Twitterfavoriten Oktober 2015

Samstag, 31. Oktober 2015

Dass es diesen Monat so wenige sind, lag nicht an den Twitterern, sondern an meiner leseverhindernden Arbeitslast, echt ehrlich.

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Anderer Leut‘ Twitterfavoriten sammelt wieder Anne Schüßler.

Journal Donnerstag, 29. Oktober 2015 – Kunst am Bau

Freitag, 30. Oktober 2015

Gaga erlebt medizinische Abenteuer:

Die NaKo („Nationale Kohorte“) hatte mich und noch 9.999 andere Berliner/innen per Zufallsgenerator ausgewählt, um in einer Langzeitstudie, die vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegeben wurde, über einen Zeitraum von dreissig Jahren (oder auch länger) in fünf-Jahres-Abständen mit allen erdenklichen modernen Technologien und Tests und Befragungen, die körperliche und psychische Verfassung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu dokumentieren, zu untersuchen, und anhand der Datenfülle Rückschlüsse auf mögliche Ursachen von Volkskrankheiten oder eben Volksgesundheiten abzuleiten.

Jetzt wurde sie dafür ganzkörpergetomografiert und blogt darüber. Sehr spannend.

Nebenthema ist die Berlin Ultrahigh Field Facility. B.U.F.F., unter anderem wegen ihrer Kunst am Bau. Dass das wirklich etwas ist, habe ich erst vor Kurzem gelernt: Der Staat und viele andere Öffentliche Bauherrn verpflichten sich, einen gewissen Anteil der Baukosten öffentlicher Bauten für Kunstwerke zu verwenden. Dem schließen sich oft auch private Auftraggeber an. „Die Kunst am Bau ist dauerhaft fest innen oder außen mit dem Bauwerk verbunden oder befindet sich im Freiraum auf dem dazugehörigen Grundstück.“

Im B.U.F.F. (hihi) ist diese Kunst wohl besonders beeindruckend. Hier die Dokumentation des Künstlers Robert Patz mit vielen Fotos.

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Lehrreiches Interview mit einem ostberliner Bäcker, der eine westberliner Bäckerei übernommen hat:
„Berliner Bäckermeister entzaubert den Mythos Ostschrippe“.

Es geht unter anderem um den Titel-gebenden Mythos Ostschrippe, darum, wie die Belegschaft reagierte, als er als Ostler einen Westbetrieb übernahm, und um Qualitätsunterschiede beim Brot:

Haben Sie schon mal bei Lidl und Aldi von den Backstationen Ware gekostet?

Klar, ich koste immer und überall, egal, wo ich bin.

Und wie finden Sie es?

Fürchterlich.

Ich kaufe da manchmal, wenn ich nach der Arbeit zu faul bin, den Umweg zum Bäcker zu machen. Ich finde, das schmeckt gar nicht übel.

Frische schlägt Qualität, pflegte mein Vater zu sagen. Eine Hausfrau kann schlechten Kuchen backen. Aber wenn der noch warm auf den Tisch kommt, werden ihn trotzdem alle loben. Deshalb muss bei Qualitätsprüfungen auch immer ein Brot vom Vortag eingereicht werden.

via creezy

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Der geschätzte Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach ist aktiv in der Hamburger Freiwilligenhilfe für Geflüchtete. Und zieht ein recht bitteres Zwischenresümee in Einzelaufnahmen – das dennoch in Optimismus mündet:
„Vom Versagen und von der Angst“.

Journal Sonntag, 25. Oktober 2015 – Musik im Freien

Montag, 26. Oktober 2015

Lange geschlafen, offensichtlich hatte ich nach der mittleren Migräneattacke in der Nacht auf Samstag noch Nachholbedarf.

Wir verabschiedeten den Besuch mit einem Frühstück und einem weiteren Ratsch.

Mittags machte ich mich auf einen ausführlichen Lauf an der Isar, fast 18 Kilometer, fast zwei Stunden.

Ich startete bei Tröpfelregen am Odeonsplatz. Als ich vom Hofgarten in den Englischen Garten kam, hörte ich entfernt, aber laut Hornmusik – ganz offensichtlich Jagdhorn. Bald sah ich das Bild dazu.

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Daheim schlug ich nach: Ich war Zeugin von „Jagd-/Jagdlicher Ausritt der Universitätsreitschule“ geworden.

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Der Monopteros war nicht wiederzuerkennen. Also: gar nicht. Und das wird wohl noch fast ein Jahr so bleiben.

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Gerade an der Isar angekommen, hörte ich wieder Musik: Ein Flöte schallte übers Wasser (dass es auf Flüssen eine klasse Akustik hat, weiß ich noch von den Schlauchbootfahrten meiner Kindheit auf der Donau).

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Am Ende meiner Runde bekam ich sogar noch ein wenig Sonne.

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Die am Vorabend geknackten Haselnüsse aus Elterns Garten zu einem Nusszopf verarbeitet.

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So schön ist mir schon lange kein Hefeteig mehr aufgegangen. Das Knacken war gar nicht so einfach: Die meisten der Nüsse waren zu klein für den Nussknacker, den wir schon hatten. Wir kauften auf der Auer Dult extra einen zangenförmigen mit kleinerer Aussparung – doch auch hier fiel die Hälfte der Nüsse durch. Ich knackte sie mit einem dafür eigentlich nicht vorgesehenen Teil des Knackers, dem Verbindungsabschnitt zwischen den beiden Nussaussparungen, ging gut.

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Geflüchtete in Österreich:
„‚Hier schlafen alle Menschen schon so früh'“.

Vorurteile über Flüchtlinge gibt es viele. Doch wie sieht es umgekehrt aus? Was denken Syrer, Iraker oder Somalis über das Land, in das sie geflüchtet sind? „Die Presse am Sonntag“ hat nachgefragt.

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Wunderschönes Beispiel für die Zuordnung von „typisch männlich“ und wie wenig diese Äußerlichkeiten angeboren sind, statt dessen gesellschaftlich gebunden.

„Französische Mode-Revolution
Le style, c’est moi
Die Revolution von 1789 veränderte auch die Kleiderordnung: Fortan entsagten Männer Samt, Seide, Spitze und Schminke – und verloren so ihr erotisches Potential.“

Die Revolution von 1789 führt zu einem grundsätzlichen Umbruch in der Kleiderordnung. Bis dahin trennte die Mode die Stände streng, wie Schiller es sagte. Nach der Revolution teilt sie die Geschlechter.

(…)

Dem Bürger ist alles Schmückende suspekt, aller Glanz, alle Äußerlichkeit und der täuschende Schein, der von den inneren Werten ablenkt. Männliche Koketterie galt zunehmend als lächerlich. Es wurde unelegant, sich um Eleganz zu bemühen. Dass er es nicht nötig hat, durch seine Kleider zu glänzen und das anderen überlässt, denen sonst nichts bleibt, wird der Bürger zu demonstrieren nicht müde. Richtig angezogen zu sein heißt jetzt, in seinen Kleidern zum Ausdruck zu bringen, dass man Wichtigeres zu tun hat, als einen Gedanken darauf zu verschwenden, was man anhat. Indessen, auch die Kunst des Kunstlosen will gelernt sein und wird eine Wissenschaft für sich.

(…)

Vor der Mode der sogenannten sans ­culottes hatten die Männer des Ancien Régime ihre Beine aufreizend und selbst­bewusst ins rechte Licht gerückt. Bis zur Revolution galt, was heute Devise der Frauenmode geworden ist: Beine sind zum Zeigen da. Bein, noch mehr Bein, noch schönere, längere, wohlgeformtere Männerbeine zeigten die Bilder aus Mittelalter und Renaissance.

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Andrea Diener ist schon vor einiger Zeit Transsibirische Eisenbahn gefahren:
„Nichts passiert, und trotzdem verpasst man nichts“.

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Und noch ein bisschen Albernheit (durch die Bank kleidsam, finde ich übrigens):

World leaders and man buns

via @katjaberlin

Journal Samstag, 17. Oktober 2015 – Genesung bei A Royal Night Out

Sonntag, 18. Oktober 2015

Mich den ganzen Vormittag gegrämt, dass ich im Bett lag, statt auf einer Leiter im Apfelbaum zu stehen: Was hatte ich mich seit Monaten auf die Apfelernte mit dem Kartoffelkombinat in Schönbrunn gefreut! Aber das stand gesundheitlich völlig außer Diskussion. Überm Morgenkaffee sah ich auch noch, dass der Himmel aufriss. Jetzt wurde ich wirklich ärgerlich, das Konzept Krankheit erschließt sich mir immer weniger.

Mit hängenden Flügeln kehrte ich zurück ins Bett – und stand 30 Minuten später darin senkrecht: Vor dem (geschlossenen) Schlafzimmerfenster fand ein Raudauwettbewerb zwischen mehreren Rasenmähern und Laubbläsern statt. Also erklärte ich die Bettruhe für beendet – mir ging es auch schon bedeutend besser. Ich duschte und kleidete mich an, aß viel Hühnersuppe.

Neil Gaimans Coraline ausgelesen – ich brauchte nach der unwilligen und anstrengenden Lektüre von Amos Oz‘ Black Box (so ein überzeichneter, überkandidelter Schmarrn) dringend garantierten Lesegenuss. Funktionierte wunderbar.

Die beiden Balkonpflanzen hereingeholt.

Ich fühlte mich fit genug für ein wenig draußen und blätterte im Kinoprogramm: von A Royal Night Out hatte ich mal einen Trailer gesehen, der unterhaltsam wirkte, ich fuhr brav mit der Straßenbahn in die Museumslichtspiele (statt wie sonst mit dem Rad oder zu Fuß hinzukommen). Ein netter Film (die Bilder aus dem Trailer stammen übrigens zu 80% aus den letzten 10 Minuten des Films), zu einem etwas seltsamen Erzähltempo geschnitten. Hat jemand die deutsch synchronisierte Version gesehen und kann mir sagen, wie die überdeutliche Einordnung der Figuren durch ihre Akzente gerettet wurde? Im Englischen musste eine Figur ja nur den Mund aufzumachen und war klar working class oder middle class – die Prinzessinnen mussten praktisch nur husten, um sie als upper class zu markieren (plus Missverständnisse im Vokabular – „to go to the ladies“, hihi).

Auf dem (brav langsamen) Weg zurück zur Straßenbahnhaltestelle gesehen, dass die Isar überraschend wenig Wasser führt.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell das Suppenhuhn in Geflügelsalat verwandelt (mit Fenchel aus dem Ernteanteil, Nachbars Walnüssen und Ananas aus der Dose).

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Es wird einen Schulfilm übers Bloggen geben, in dem ich etwas sage – und hinter mir sieht man vorm Fenster ein Eichhörnchen einen Ast entlangrennen. My work is done.

Journal Freitag, 16. Oktober 2015 – weiter aus dem Krankenbett

Samstag, 17. Oktober 2015

Gestern schlief ich richtig aus, ich wachte mit ein wenig Besserung auf.
Milchkaffee, ein wenig Lesen, zurück ins Bett.
Und jetzt schlief ich einen echten Genesungsschlaf, tief und wohlig. Ich wachte kurz nach drei mit Appetit und dem Bedürfnis nach einer Dusche auf. Vielen Dank für all Ihre Genesungswünsche!

Von Herrn Kaltmamsell ließ ich mir jüdisches Antibiotikum servieren.

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Im gestrigen Süddeutschen Magazin eine schöne Geschichte über fünf Schweine aus Massentierhaltung, die auf die Weide entlassen wurden. Online das Ganze nicht nur kostenlose für alle verfügbar, sondern um ein paar herzerfrischende Filmchen ergänzt. Schweine machen einfach gute Laune.

Zurück zur Natur
Können Schweine aus der Massentierhaltung je wieder ein normales Leben in Freiheit führen? Ein Experiment.

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Über die grassierende Unsitte, Speisen nicht als Wohltat und Genuss, sondern als Medikamente oder Gift zu sehen, habe ich mich ja schon ausgelassen. Verzeihen Sie mir die Schadenfreude, wenn mal wieder Versuche erweisen, dass die Wundermittel-Seite von Nahrungsmitteln (selbst der einstige Genusskoch Jamie Oliver setzt inzwischen auf das Geschäftsmodell „Super Food“) das Gegenteil bewirkt.

Was dem Krebs hilft
Antioxidantien in Vitaminpräparaten und Nahrungszusätzen galten lange als Allheilmittel. Jetzt zeigt sich: Sie hemmen nicht das Tumorwachstum, sondern fördern es offenbar

(SZ-Artikel bei blendle für 79 Cent)

Journal Donnerstag, 15. Oktober 2015 – kränker

Freitag, 16. Oktober 2015

Da ich so selten richtig bettlägerig krank bin, vergesse ich immer, wie wenig sich das mit einem freien Tag vergleichen lässt. Deshalb halte ich zur Selbsterinnerung besser mal fest, wie das mit dem Kranksein ist:
In der Nacht auf gestern ständig von den Schmerzen in Kehle und Brust aufgewacht. Jedes Schlucken fühlte sich an, als hätte ich eine Handvoll Stecknadeln essen müssen. Mein neuerdings so konstruktives Schlaf-Ich baute daraus Bilder, auf denen ich Post-its mit der Aufschrift „Aua“ an Hals und Brustbeim trug. Ohne Stimme aufgewacht, dafür mit tobenden Nebenhöhlenschmerzen. Also erst mal in der Arbeit Bescheid gegeben, dass ich auch an diesem Tag nicht kommen würde, um die Erledigung eines offenen Orga-Jobs gebeten.

Mein Wissen, dass die Praxis meiner Hausärztin bereits eine Stunde vor den veröffentlichten Öffnungszeiten offen ist, erwies sich als Glück: Kurz nach sieben waren wir nur zu zweit im Wartezimmer, als ich die Praxis verließ, war das Wartezimmer knallvoll. Ich habe also einen viralen Infekt, der zu Kehlkopfentzündung und Luftröhrenentzündung geführt hat (die Schmerzen in der Brust haben wohl nichts mit dem Herzen zu tun – diese Befürchtung hatte in mir geglommen). Die Ärztin schickte mich mit einer langen Liste Symptombekämpfungsverschreibungen, Sprechverbot und Krankschreibung bis Ende der Woche heim. Zwei von den verschriebenen Mitteln schob ich der Apothekerin wieder zurück, da sie laut Aufschrift wirkstofffreie Homöopathie und nicht Medizin waren – wenn ich einfach nur irgendwas lutschen soll, nehme ich billigere Bonbons (Rechnung sank gleich um 20 Euro). Manchmal wünschte ich, ich wäre nicht so Placebo-resistent.

Daheim nahm ich anweisungsgemäß Ibuprofen gegen die Schmerzen, trank Tee und gurgelte desinfizierende Spülung, zurück im Bett übte ich wieder Stecknadelschlucken.

Nach Mittag ging ich nochmal raus, um das letzte Medikament abzuholen und Bonbons zu kaufen. (Wenn man ein Bayrisch Blockmalz im Chiemsee auflöst, das Wasser in Flaschen abfüllt und rhythmisch schüttelt, sagen wir im Dreivierteltakt eines Landlers, dann müsste man doch homöopathisches Bayerntum haben, das man verkaufen kann. Jetzt müssen wir uns nur noch ausdenken, wogegen es hilft.). Atmen schmerzte, Husten schmerzte sprengend, Augenbewegen schmerzten. Daheim mehr Tee und zurück ins Bett, die Abendverabredung abgesagt.

Als Herr Kaltmamsell abends heimkam, hetzte ich ihn nochmal hinaus in die regnerische Kälte (ich warte immer noch auf den goldenen Spätsommer, den man mir hier versprochen hat), damit er mir ein glückliches Huhn für Hühnersuppe besorge – die einzige „alternative“ Medizin, der ich vertraue.

Und falls Sie’s nicht wussten: Wenn man wegen Krankheit zu Hause ist – man kommt zu nix! Nix weggelesen, die Winterkleidung nicht aus dem Keller geholt, nichts gebügelt. Man fragt sich, wozu dieses Kranksein überhaupt gut sein soll.

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Andrea Diener ist immer noch auf der Frankfurter Buchmesse und hat sich von Droemer-Knaur alles über den Programmbereich „Body Mind Spirit“ erzählen lassen. Es ist noch viel schlimmer, als Sie denken:
„Lebensthema Achtsamkeits-Pommes“.

Das Problem ist nämlich, dass es sehr viele Leute gibt, die bewusst leben wollen und von Uli Hoeneß bis VW keiner Institution mehr trauen können. Doch, das wurde genau so gesagt, und ich habe auch gestaunt.

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Großartige Idee: Ein Magazin „celebrating immigrant communities in the UK“ namens British Values.

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Und dann gibt’s von der Frankfurter Buchmesse noch ein Street Style (Booth Style?)-Modeblog.
(Möglicherweise sogar ernst gemeint, aber wir sind doch Rezeptionsästheten, oder?)

Journal Sonntag, 11. Oktober 2015 – Inside Out

Montag, 12. Oktober 2015

Nach dem Bloggen (wenn ich endlich lernte, den Fotoapparat gerade zu halten, dauerte die Bildbearbeitung deutlich kürzer) zum Sport an den Ostbahnhof geradelt, sehr viel Spaß in einer Stepstunde gehabt. Vorturner hatte neue Musik dabei: Er verwendet sowie so nie den Standard-Kirmestechno, diesmal aber war es durchgehend wunderbarste Rentnerinnenmusik (Bonnie Tyler, Gloria Gaynor, Flashdance etc.).

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Auf Rückweg dann doch in die Verkehrssperren wegen des Münchenmarathons geraten, obwohl ich die Strecke vorher recherchiert und ohnehin einen Umweg gewählt hatte.

Nach dem Frühstück ins Kino: Inside Out. Ich hatte mich seit dem Trailer auf den Film gefreut und fand ihn großartig. (Allerdings: Könntet ihr das mit dem penetranten 3D endlich mal lassen? Nein, das braucht es nicht unbedingt! Und die Brille über der Brille drückt.) Ich mochte die Hauptfigur Riley sehr, unter anderem weil sie in erster Linie ein Kind ist, nicht ein Mädchen. Die Gefühle Joy, Fear, Anger, Disgust und Sadness sind wunderbar gezeichnet und geführt. Sprecherin ist erst mal Joy – naheliegend bei einer unbeschwerten 10-Jährigen.

Von Sadness weiß Joy nicht so recht, wozu sie gut sein sein soll. Als die Umstände etwas unangenehmer werden (Umzug in eine fremde große Stadt) taucht Sadness immer häufiger auf, entschuldigt sich aber ständig dafür und dass sie den anderen alles kaputt macht. Joy erinnert in ihren Anfeuerungsrufen („let’s have fun!“, „think positive!“) immer mehr an die Animateurin im Camp Chippewa der Addams Family (oder an Autorinnen von Lebenshilfe-Bestsellern). Was passiert, wenn Sadness keine Rolle spielen darf, hat Pixar ebenso wie die neurologische Struktur des Menschen wunderbar in Bilder und Metaphern übersetzt.

Empfehlung!

Auf dem Rückweg geriet ich in den Absperrungen wegen des Open Airs am Königsplatz – das hatte ich als Verkehrshindernis nicht auf dem Schirm gehabt.

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Rote Beete (Ernteanteil) und Linsen gekocht, um diesen Salat nachzubauen, für Brotzeit und Abendessen am Montag.

Herr Kaltmamsell bereitete das Abendbrot zu: Wirsing und Kartoffeln aus Ernteanteil, Grünkohlwürste von der Metzgerei Clasen.

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§

Möglicherweise habe ich Ihnen noch nicht oft und breit genug von Ronald Blythes Akenfield vorgeschwärmt. Also nutze ich den Umstand, dass eine US-amerikanische Neuauflage herauskommt, mit diesem neuen Vorwort:
„Portrait of an English Village“.

The experience of reading Akenfield feels like standing before a rich but outwardly inaccessible painting and finding its deepest beauties slowly emerge, both as individual details and as a unified whole. Blythe’s first wish had been to be a painter, after all, and it’s no accident that Akenfield is subtitled Portrait of an English Village.

(…)

The great subject of Akenfield, and the reason it remains such a vital book to read now, even in America, thousands of miles from its milieu, is the ways people grapple with changes in the patterns of life in their own time—whether through social flux, cultural variation, demographic shifts, technological progress, environmental degradation, or some combination. Blythe recognized that under the placid surface of a place as seemingly unchanging as Akenfield lay a clash of virtual tectonic plates, as a class-riven, tradition-bound, nearly feudal community began to erupt and fissure.

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Überraschend unblödeliges Interview:
„Titanic“-Chef: ‚Ich bin traurig, dass Benedikt nicht mehr Papst ist'“

STANDARD: Ein Religionsvergleich: Wer bietet am meisten Reibungsfläche?

Wolff: Beim Islam ist das Problem, dass es keinen irdischen Vertreter gibt. Klar kann man auch Scherze mit Mohammed treiben, der ist aber schon lange tot, und wir konzentrieren uns lieber auf das Irdische. Und ich muss gestehen, hier in Deutschland benehmen sich die Muslime gut. Sie liefern uns nicht genügend Stoff für Satire. Jetzt im Ernst: In Deutschland und Österreich haben die katholische und die evangelische Kirche einen ganz anderen politischen Einfluss als der Islam und bleiben deswegen unser Hauptziel. Und Juden haben wir praktisch keine. Über wen sollen wir da noch Witze machen?