Archiv für Januar 2016

Twitterlieblinge Januar 2016

Sonntag, 31. Januar 2016

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Anderer Leut‘ Twitterlieblinge wieder aufgereiht von Anne Schüssler.

Journal Samstag, 30. Januar 2016 – Draußen an der Isar

Sonntag, 31. Januar 2016

Endlich mal wieder ein Lauf an der Isar, die Schmerzen in meinen Beinen und Hüften hatten mich die vergangenen Wochen davon abgehalten. Und dann war auch noch das Wetter schön!

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Am gegenüber liegenden Isarufer sehen Sie links die Bebauung des ehemaligen Rodenstock-Geländes.

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Auch auf der Isar wurde Sport getrieben.

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Für meine Einkaufsrunde trug ich zum ersten Mal meine neuen goldenen Schnürschuhe. In dem Moment, indem ich sie bestellte, war mir klar geworden, dass das der Beginn eines neuen Lebensabschnitts war: Goldene Schnürschuhe werden ja fast unausweichlich gefolgt von Leopardenmusterblusen. Und sehr künstlich gefärbten Haaren, wahlweise in frechem Dunkelrot oder selbst gesträhntem Blond. Dazu ein klebriger, pinker Lippenstift. Aber da mir die Schuhe wirklich gut gefallen, wird sich der Rest wohl nicht umgehen lassen. Den pfiffigen Kurzhaarschnitt habe ich ja schon.

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Einkauf im knallvollen Eataly: Drei der cuatro quesoni für die abendliche Pizza, ein wenig Babyspinat, aber das Fleisch gefiel mir nicht genug, und die Artischocken sahen mir nicht frisch genug aus.

Ich ging zum Herrmannsdorfer für Fleisch, die Bratgockel fielen mir ins Auge. Als ich einen erbat, wurde ich gefragt, ob ich einen Herrmannsdorfer bevorzuge oder den eines Lieferanten. Ich fragte nach dem Unterschied und erfuhr, dass das Herrmannsdorfer Exemplar ein Zweinutzungshuhn ist. Das Projekt kenne ich ja, also entschied ich mich sofort für dieses, um nicht nur die Eier aus Zweinutzungszucht probiert zu haben (gibt es im Biosupermarkt), sondern auch das Fleisch. Ich bekam ausführlich von der Zucht erzählt und wurde in die Zubereitung eingewiesen – Details dazu morgen, wenn das Viech gegart und gegessen ist.

Weitere Einkäufe im Alnatura (Milchprodukte, Brot, Zitronen) und im Drogeriemarkt (Taschentücher, Kloreiniger, Strumpfhose).

§

Den Pizzateig zum Abendbrot machte ich wieder nach dem Rezept des Klassikers Die echte italienische Küche, drauf kamen große Mengen Käse (Fontina, Mozzarella, Gorgonzola, Parmesan) auf ein bisschen Tomatensoße (mit Wasser verdünntes Tomatenmark).

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Zu zweit aßen wird anderthalb davon.

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Zu Antisemitismus könnte man leider täglich etwas verlinken. Es muss schon viel passieren, dass mein Hirn bei der Lektüre „Ach du Scheiße“ formuliert. Wie es mir gestern ging, als ich las:
„Eine Verschwörungstheorie namens ‚Pinkwashing'“.

Auf einer großen Konferenz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Queeren in den USA werden jüdische Aktivisten aus Israel und Amerika mit Gewalt am Reden gehindert. Das Verdikt ihnen gegenüber lautet: Kollaboration mit einem »Apartheidstaat«, Rassismus, Kolonialismus – und »Pinkwashing«. Zu den Hintergründen eines absurden Theaters.

Der »Pinkwashing«-Vorwurf gehört zum Absurdesten, was der antiisraelische Aktivismus zu bieten hat, zumal mit ihm ein verschwörungstheoretischer Mechanismus bedient wird, der für den Antisemitismus charakteristisch ist: Gleich, was der jüdische Staat tut, es wird immer nur als Beleg für seine Schlechtigkeit gesehen. Räumt er Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Queeren nicht genügen Rechte ein, wird er der Homophobie geziehen. Gewährt er ihnen Rechte, dann tut er es lediglich, um die Muslime respektive die Palästinenser zu diskriminieren und sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

§

Altphilologie-Professorin Mary Beard verlinkt in passendem Zusammenhang einen Aufsatz, den sie 2012 für The New York Review of Books geschrieben hat:
„Do the Classics Have a Future?“

Eine ausgezeichnete Bestandsaufnahme, die heute sicher genauso gilt. Nicht nur untersucht sie die Beweggründe für die Untergangsbeschwörungen zu Latein und Griechisch. Sie nimmt sich auch die üblichen Argumente für die Erhaltungswürdigkeit vor:

Latin certainly teaches you about language and how language works, and the fact that it is “dead” can be quite liberating: I’m forever grateful that you don’t have to learn how to ask for a pizza in it, or the directions to the cathedral. But honestly, if you want to learn French, you’d frankly be better off doing that, not starting with some other language first. There is really only one good reason for learning Latin, and that is that you want to read what is written in it.

Einer der Schlüsse, zu denen sie kommt: Nein, es muss nicht jeder Griechisch und Latein können – aber es sollten genug Leute übrig sein, die es können und die man fragen kann.

Journal Donnerstag bis Sonntag, 21.-24. Januar 2016 – vorerst Winterende

Montag, 25. Januar 2016

Donnerstag entdeckte ich auf Twitter den Account Ravenmaster. Der twitternde Herr arbeitet für den Tower of London und ist für die sechs (plus zwei Reserve-) Raben zuständig, die seit der Viktorianik schon immer dort gehalten werden. Von denen postet er Bilder und Filmchen – an denen unter anderem schön sichtbar wird, wie groß der Unterschied zu Krähen ist.

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Freitagmorgen absolvierte ich im heimischen Wohnzimmer eine halbe Stunde Krafttraining, dann holte ich mir bei der Hausärztin ein neues Rezept für Migränemittel ab. Dass ich es mit dem unwillkürlichen Gedanken „main Schaaaaatz!“ entgegennahm, beweist mir mehr als manch anderes, wie schlimm die großen Migräneattacken für mich sind und welchen Horror ich davor habe, jemals wieder ohne Medikament eine ungeschützt und ganz durchleben zu müssen.

Nach Feierabend Treffen mit meiner Leserunde zu Richard Yates‘ Cold Spring Harbour: Hatte uns allen gefallen, aber kaum jemand fand es so besonders gut wie ich. Ich hatte die scheinbar nüchterne Sprache gemocht, mit der Yates den Figuren Raum zur Entfaltung gibt, die fast tragische Unausweichlichkeit der zwischenmenschlichen Mechanismen in den frühen 40ern an der amerikanischen Ostküste. Ich hatte mich oft an Jane Austen erinnert gefühlt: Der formalisierte gesellschaftliche Umgang, der schlimme Probleme unter den Teppich kehrt, die extrem wenigen Optionen, die das Leben Frauen ließ, Selbstbetrug als Lebenserhaltungsmaßnahme.

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Samstag den schlimmsten Eisregen verschlafen, der in den frühen Morgenstunden München überzog. Für den Vormittag hatte ich mir eine 45-Minuten-Folge bei Fitnessblender ausgesucht, auch die gefiel mir gut: Die Übungen werden sorgfältig erklärt und gezeigt, die Stimmung ist ruhig und freundlich.

Nach einer Einkaufsrunde bereitete ich Dorschbrot zu. Ich habe das Rezept von einer Studienfreundin: Sie hatte eine kleine Gruppe Freunde damals nach München in die Neuhausener Altbauwohnung ihrer Eltern eingeladen (wir wohnten und studierten ja in Augsburg) und dort Familienrezepte serviert. Wir kochten ohnehin oft füreinander: Wo unsere wilden Altersgenossen Nächte in Discos verbrachten, trafen wir uns zum gemeinsamen Essen. Dorschbrot scheint etwas sehr Spezielles zu sein, nicht mal Google kannte es. Das ändert sich hiermit, ich habe das Rezept aufgeschrieben.

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Bis Sonntag war der Winter fast verschwunden, die Temperaturen stiegen in deutliche Plus-Regionen. Ich radelte vormittags zu einer Hüpfstunde am Ostbahnhof, verbrachte den Nachmittag über Ostfriesentee und Kuchen mit Kunstgeschichtegesprächen.

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Der Blogger Kurzhaarschnitt hat die Geschichte seiner Frau aufgeschrieben und schildert bedrückend nachvollziehbar das juristische Dilemma und die Folgen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit:
„Meine Frau und ich. Eine Liebesgeschichte mit bitterem Beigeschmack. Und Happy End.“

Auch bemerkenswert ist die Geschichte wegen ihres Trigger Warnings, das den Sinn solch eines Hinweises erklärt:

Liebe Leserinnen und Leser, Smartphones und Laptops ermöglichen uns, Texte wie diesen jederzeit und überall zu lesen, ob nun zu Hause, an der Arbeit in der Pause, im Wartezimmer beim Arzt oder, oder, oder. Jedoch gibt es Momente, in denen aus verschiedenen Gründen die Konfrontation mit manchen Themen für einige Menschen ein Problem darstellen kann. Damit Sie eine Chance haben, zu entscheiden, ob Sie diesen Text zu diesem Zeitpunkt lesen wollen/können, möchte ich Sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass er se*uellen M*ssbr*uch thematisiert.

Bei dieser Gelegenheit fiel mir auf, wie sehr ich mich zum einen an diese Technik gewöhnt habe, die ich hauptsächlich aus dem angloamerikanischen Raum kenne: Dass vor einem Text auf Themen hingewiesen wird, die manchen Menschen zu nahe gehen könnten. Und wie sinnvoll das aus genau den oben genannten Gründen ist. In deutschen Medien habe ich über diese Entwicklung noch nie sachlich gelesen; wenn überhaupt, taucht sie ins Lächerliche überzogen auf. Als Beispiel für Zwang zu etwas, was bescheuerterweise als political correctness diffamiert wird.

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Meine Geburtsstadt hat einen Imagefilm veröffentlicht und geschafft, kein einziges Auto darin vorkommen zu lassen – eine Meisterleistung.

Übrigens sieht ein Hopfengarten nach der Ernte keineswegs so aus wie der, durch den im Filmchen der Pferdewagen (ROFL) rollt: Statt grün und bewachsen ist er nach der Ernte nackig, denn die Pflanze wird vom „Roreißa“ (Hinunterreißer) mitsamt dem Draht, an dem sie hochgewachsen ist, auf dem Boden befördert. Zumindest scheint sich diese Stadt ihrer Wirklichkeit genug zu schämen, dass sie sie im Imagefilm lieber gar nicht erst vorkommen lässt.

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14 Fragen geklaut

Freitag, 22. Januar 2016

Dieses Stöckchen ist besonders schön, deshalb habe ich es mir einfach bei Anke abgegriffen.

1. Wie hast Du Deinen ersten Korb erlebt? (receiving)
Peinlich berührt. Der Herr war ehrlich verzweifelt, dass er sich nicht in mich verlieben konnte. Wo ich ihn doch so fasziniere.

2. Wie hast Du Deinen ersten Korb erlebt? (giving)
Peinlich berührt. Ich sah zum ersten Mal diesen tiefen verliebten Blick bis in die Seele und wusste, dass der gleich von einem Kuss gefolgt würde. Was ich durch ein fröhliches „Also dann, bis nächste Woche!“ und Aussteigen aus dem Auto verhinderte. (Laute Fröhlichkeit ist ein wirkungsvolles Distanzierungsmittel – trust me.)

3. Wenn Du nochmal zurück könntest, worum würdest Du Deine erste Grundschullehrerin (m/w) bitten?
Dass sie mich auch in der 2. Klasse unterrichtet (was natürlich nicht in ihrem Einfluss lag). Die junge Lehrerin in der 1. Grundschulklasse hatte Erzählungen zufolge ihren Spaß an mir und meiner Impulsivität, meinen Ideen, meiner Umtriebigkeit. Ich erinnere mich nur vage an ihre kurzen, dunklen Locken. Sehr gut erinnere ich mich an die Qual der 2. Klasse: Diese Lehrerin setzte alles daran, mich zu zähmen und zu zügeln – unter anderem, in dem sie mich anwies, meine Hände auf den Tisch zu legen und mein Lineal darüberlegte: damit ich still hielt. Sie war dann aber laut meiner Mutter ehrlich erschüttert, als sie ihr erzählte, wie viel Angst ich vor ihr hätte. Des hätt’s net braucht.

4. Zahnseide oder Munddusche?
Zahnseide. Vor zwei Jahren hat meine großartige Zahnärztin mich davon überzeugt, inzwischen habe ich gelesen, dass man bei knapper Zeit eher auf Bürsteln als aufs Seideln verzichten soll. Was ich nachvollziehen kann, wenn ich mir ansehe, was die Zahnseide jeden Tag nach der elektrischen Bürste so rausholt, und wie viel weniger Zahnstein jetzt bei der Zahnreinigung in der Praxis zu entfernen ist.

5. Notlüge oder bittere Wahrheit?
Die Wahrheit so ausdünnen, dass sie nicht mehr bitter wirkt. Vorher weiträuming dafür sorgen, nie überhaupt in die Situation zu kommen. Wegrennen. Oder ablenken: „Da! Schau! Die Büffel paaren sich!“ (Ich sollte in die PR gehen.)

6. Hütchenspiel oder Skat?
Skat. Kann ich nicht, würde ich mir aber, vor die Wahl oben gestellt, beibringen lassen. Pokern hat mir immer viel Spaß gemacht.

7. Musical oder Oper?
Beides eher nicht, und wenn unbedingt: nur Stücke, die ich schon kenne und die ich mitsummen kann. Bis vor 20 Jahren ging ich in Opern und in Musicals, jetzt kann ich ihnen nichts mehr abgewinnen.

8. Nachschlag oder Nachtisch?
Daheim eher Nachtisch, in Restaurants lieber eine Vorspeise. Was daran liegt, dass daheim der Nachtisch meist aus Schokolade besteht und Restaurantnachtisch mir meist zu kompliziert ist (wenn man mir bitte einfach ein Stück wirklich aromatisches Obst anböte?).

9. Wenn Du eine Sache an Deinem Körper ändern könntest, welche wäre das?
Das weiß ich sofort: Meine schief miteinander verwachsenen untersten drei Lendenwirbel tauschte ich gerne gegen gerade Normwirbel ein. Die meisten Probleme, die ich beim Sport oder sonst mit Bewegungen habe, resultieren aus dieser angeborenen Eigenheit – ich habe den Verdacht, dass auch meine Migräne damit zu tun hat. Die Verwachsung verhalf mir zwar schon mit 19 zur ersten Krankengymnastik und zur Bekanntschaft mit wechselnden orthopädischen Bewegungslehren seither. Aber dieses Wissen gäbe ich gerne dran.

10. Wenn Du eine Sache an Deinem Charakter ändern könntest, welche wäre das?
Meine regelmäßigen Anfälle an Gehässigkeit – die ich mit kalter Gänsehaut auf dem Kopf sogar körperlich spüre.

11. Wenn Dir ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglichen würde, Dich – anstatt zu arbeiten – einer Aufgabe zu widmen – welche wäre das?
Es fällt mir sehr schwer, mich auf diese Prämisse einzulassen. Auch wenn ich generell das bedingungslose Grundeinkommen überlegenswert finde: Mein übergroßes Autarkiebedürfnis würde es mir sehr wahrscheinlich unmöglich machen, meinen Lebensunterhalt mit diesem Geschenk zu bestreiten. Ich würde mich als vermutlich der Aufgabe widmen, ohne dieses bedingungslose Grundeinkommen auszukommen.

12. Deine größte irrationale Angst ist …?
Zu versagen. Immer. Bei allem.

13. Gibt es einen Film, den Du immer wieder gucken kannst?
Es gibt sehr viele, die ich gerne nochmal sähe. Doch tatsächlich ist es Love Actually, den habe ich wohl mittlerweile am häufigsten gesehen.

14. Wie stehst Du zu Deinen Füßen?
Ich beobachte mit Sorge die Schmerzen, die mit ihrem Altern verbunden sind. Das Senken, Spreizen und Knicken lässt sich nicht völlig wegtherapieren, also kann ich immer kürzere Zeit mit hohen Absätzen laufen, werden meine Zehen beim Sport taub, plagen mich schmerzende Achillessehnen. Aber noch kann ich so weit damit gehen und wandern, wie ich will – ich hoffe, das bleibt noch lange so.

Journal Sonntag, 17. Januar 2016 – Tatsächlich Schnee. Und Zimtschnecken

Montag, 18. Januar 2016

Den ganzen Vormittag über füllte sich instagram mit Schneebildern.

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In München schneite es den Tag über immer wieder ein wenig, die Vogelfutterstelle auf unserem Balkon war sehr gut besucht.

Seit Monaten wünschte sich Herr Kaltmamsell die Zimtschnecken von Katharina Seiser, die ich unerklärlicherweise seit Jahren nicht mehr gebacken habe. Gestern endlich dann doch.

Ich hatte den Teig schon am Samstagabend geknetet (mit nur 30 Gramm Hefe statt der angegebenen 42 Gramm eines ganzen Würfels), dann in den Kühlschrank gestellt. Hefegebäck schmeckt frisch einfach am allerbesten, idealerweise warm. Da ich aber am Sonntagvormittag zum Sport wollte, hätte ich für frische Zimtschnecken schon um sechs aufstehen müssen – oder den Teig eben schon am Vorabend kneten.

Das klappte wie gewohnt gut: Teig eine Stunde vor Weiterverarbeitung aus dem Kühlschrank geholt, dann Rezept fertiggearbeitet. Diesmal drückte ich die Schnecken auf dem Blech ein wenig flach.

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Ich radelte zum Ostbahnhof zu einer Stunde Aerobic und einer Stunde Gymnastik auf Wackelpolster. Die Straßen waren meist geräumt, die Fahrradwege eher nicht, also radelte ich im lichten Sonntagsverkehr auf der Straße.

Nach dem Turnen las ich den ganzen Nachmittag Internet, Zeitung und Buch, begleitet von Essen: Zimtschnecken (sehr gut), süße, knackige Äpfel, frisch gesäbelten Jamón, dann wieder Zimtschnecken und Äpfel. Bis es Zeit fürs Abendessen war (Reste vom Vortag). Vor komplettem Überfressen schaffte ich es, einige Zimtschnecken einzufrieren.

Abends im Fernsehen den Polizeiruf angesehen, weil die mit Matthias Brandt bislang immer herausragend gewesen waren. So auch dieser.

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Als Münchnerin wache ich streng über die Regel für Rolltreppen in den hiesigen Bahnhöfen öffentlicher Verkehrsmittel: Rechts stehen, links gehen. Stellt sich heraus, dass das in richtigen Großstädten mit Menschenmassen vielleicht doch nicht die ideale Regel ist.
„The tube at a standstill: why TfL stopped people walking up the escalators“.

In London zum Beispiel hat man ausgerechnet, dass es an einiges Stellen theoretisch viel praktischer wäre, wenn auf den Stufen doppelt gestanden würde. Doch: Wie findet man das praktisch heraus?

In the execution of their own daily miracles, London’s commuters have learned to withstand vast and unpredictable challenges: track closures; signal failures; engineering works. And they have developed a thick skin. But on that particular Friday, the 11,000 of them who got off at Holborn station between 8.30 and 9.30am faced an unusually severe provocation. As they turned into the concourse at the bottom of the station’s main route out and looked up, they saw something frankly outrageous: on the escalators just ahead of them, dozens of people were standing on the left.

We might be bad at dancing and expressing our feelings, but say this for the British: when we settle on a convention of public order, we bloody well stick to it. We wait in line. We leave the last biscuit. And when we take the escalator, we stand on the right. The left is reserved for people in a hurry.

(…)

Last month, as (Harrison) stood on the concourse with all those good ideas up her sleeve and watched the trial unfold, she was a little unprepared for the intensity of the reaction, let alone for the interest of newspapers such as Denmark’s Politiken or the Washington Post. During the three weeks of the Holborn project, those who disapproved of the idea voiced their opinions with alacrity, as a preliminary internal report diligently records.

In München allerdings geht es ja nicht um Menschenmassen (allermeistens). Außerdem heißt es selbst in dem Artikel: „In lots of places, with short escalators or minimal congestion, this doesn’t much matter.“ Puh.

Journal Freitag/Samstag, 15./16. Januar 2016 – The Big Short

Sonntag, 17. Januar 2016

In den frühen Morgenstunden des Freitags erwischte mich eine Migräne. Ich konnte sie mit meinem Triptan-Nasenspray vor dem großen Kotzen brechen, brauchte aber Schlaf. Um nicht zu spät in die Arbeit zu kommen, ließ ich Kaffee und Schminken aus, nahm das Fahrrad (vorsichtiges Radeln, denn es hatte geschneit, die Radwege waren zum Teil vereist). Bis zum Abend war ich einigermaßen wiederhergestellt.

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Auf Samstag hatte es ernsthafter geschneit. Als ich nach langem Schlaf aufstand, schneite es immer noch. Das sah sehr nach einer Schwimmrunde im Dantebad aus, mit Schneeflockenkitzeln auf den Armen.

Doch beim Morgenkaffee missfielen mir die Aussicht auf den Hinweg und die Materialschlacht in der Umkleide immer mehr. Ich ließ das Schwimmen bleiben. Statt dessen folgte ich dem Tipp von jongleurin und probierte fitnessblender.com aus. Ich klickte an Ausstattung Hanteln an, als Trainingsschwerpunkt Total Body, mittleren Schwierigkeitsgrad und als Trainingslänge 20 bis 30 Minuten. Unter den Treffern suchte ich mir dieses Training aus (auch hier muss ich über „fat loss“ hinwegsehen). Anleitungsgemäß wärmte ich mich selbst auf und turnte dann die acht Übungen jeweils drei Runden lang mit. Gefielen mir gut, waren machbar, ich schwitzte ordentlich. Vielen Dank für den Tipp, das sieht nach Zukunft aus.
Allerdings werde ich mir dann doch eine Turnmatte besorgen: Nur Handtuch auf Parkett ist bei manchen Bodenübungen arg hart (z.B. Brücke: schmerzende Hals- und Brustwirbel).

Nachmittag spazierte ich ums Eck ins Kino: The Big Short (Trailer). Ein kleiner Film um eine große Sauerei, sah nach schmalem Budget und genau nicht großem Hollywoodkino aus. Zwar hieß es auch hier „nach einer wahren Begebenheit“, doch der Film erzählte herrlich gebrochen. Immer wieder sprachen die Figuren in die Kamera, zum Beispiel um darauf hinzuweisen, dass einer der hilfreichen Zufälle in der Handlung in Wirklichkeit gar nicht so passiert war. Es geht um die Subprime-Blase, die die US-amerikanische Wirtschaft in die Krise stürzte, mit ihr weite Teile der Weltwirtschaft – da werden fachliche Details schon mal kompliziert. Doch da sie für die Handlung essenziell sind, werden sie kurz außerhalb der Handlung freundlich und anschaulich erklärt – von echten Menschen wie vom Koch Anthony Bourdin oder dem Disney-Star Selena Gomez.
Ich schließe mich dem Urteil von SZ-Rezensenten Jörg Hentzschel an (auch wenn der Einstieg in seine Besprechung nicht stimmt: Nein, das knurrt nicht Brad Pitt, das steht als eingeblendetes Zitat auf der Leinwand – gibt es als Pendant zu voice over den Ausdruck write over? – zumindest nicht in der englischen Originalversion). Empfehlung.

Gestern vor zehn Jahren starb meine polnische Oma. Ich hatte meiner Familie ein Treffen aus diesem Anlass vorgeschlagen, doch die zog nicht recht. Also gedachte ich ihrer abends nur zusammen mit Herrn Kaltmamsell und mit einem Abendessen nach Omarezepten: Schweinhals aus dem Ofen (lässt sich vielleicht durch Ablöschen mit Bier verfeinern) und Kopytka.

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Journal Donnerstag, 14. Januar 2016 – Alan Rickman ist tot

Freitag, 15. Januar 2016

Oh nein, nicht Alan Rickman.

Mir will zum Teufel nicht einfallen, wo ich ihn entdeckt habe – und ich bin mir sicher, dass ich ihn selbst entdeckt habe, bevor er mit Die Hard berühmt wurde.

Truly Madly Deeply mag einer seiner ersten Kinofilme gewesen sein, aber ich bilde mir ein, dass ich den später als 1990 sah und dass ich Rickman schon vorher in einem Film gesehen hatte.

Vielleicht doch Robin Hood, Prince of Thieves? Der besser Sheriff of Nottingham, King of Being Annoyed geheißen hätte.

Sicher, als Snape war er sehr gut – aber der Punkt geht eigentlich an J.K. Rowling, die den Charakter so gut geschrieben hat.

In Sense and Sensibility stellte ich fest: Rickman konnte ja auch anziehend sein!

Nicht nochmal sehen kann ich An Awfully Big Adventure, weil er mir zu nahe ging. Und Gambit will ich ganz sicher nicht nochmal sehen; es reicht zu wissen, dass man auch mit einer sensationellen Besetzung einen sensationell schlechten Film machen kann.

§

Schöner Artikel eines Vogelbeobachters.
„Die Vögel in Nachbars Garten“.

Die Vogelbeobachtung ist neben dem Schallplattensammeln eine der schönsten und beglückendsten Tätigkeiten, denen ein Mensch nachgehen kann.

Allein schon wegen des Zwischentitels „Nur ein tiefgefrorener Vogel ist ein ruhiger Vogel“ muss man ihn lieben.

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Wie sagen wir Berufskommunikatorinnen immer über Botschaften: Wenn sie dir selbst schon zum Hals raushängt, kommt sie draußen gerade erst an. In diesem Sinne: Teresa Brückner fordert zum Kampf gegen Sexismus und sexuelle Gewalt auf.
„Das geht #ausnahmslos alle etwas an“.

Dass insbesondere männliche Publizisten die Herkunft der Täter betonen, dient aber allzu oft auch der Rückversicherung, dass mit dem Frauenbild herkunftsdeutscher Männer alles zum Besten steht. Doch so ist es nicht. Nicht die Behauptungen von Feministinnen, sondern Studien, die von offiziellen deutschen und europäischen Stellen beauftragt wurden, belegen, dass sexualisierte Gewalt und Belästigung für Frauen zum Alltag gehören. Rund 40 Prozent der Frauen berichteten in der Studie des Bundesfamilienministeriums, mindestens einmal seit dem 16. Lebensjahr sexualisierte Gewalt erfahren zu haben, bei sexueller Belästigung sind es 60 Prozent.

Als Journalistin, die sich schon länger mit Gewalt gegen Frauen beschäftigt, kann ich all diese Zahlen im Schlaf aufsagen – sie ändern sich ja kaum. Ich bewundere jede Kollegin, die schon Jahrzehnte darüber berichtet, wenn sie sich immer wieder diesem Thema zuwendet. Ich bewundere aber auch jeden, der mit Blick auf diese stabilen Zahlen sagt, mit dem Frauenbild in diesem Land sei alles in Ordnung. Wir alle müssen diese Fakten anders interpretieren, denn die Masse der Gewalt lässt sich nicht auf individuelle Entgleisungen zurückführen. Sie belegt ein strukturelles Problem – auch in aufgeklärten europäischen Gesellschaften.

(…)

Ich persönlich bin gegenüber sexualisierten Übergriffen abgestumpft. Ich habe aufgehört, sie zu zählen, weil sie zu oft geschehen. Unabhängig davon, was ich gerade anhabe, ob ich gekämmt und geschminkt bin, sogar wenn ich den Kinderwagen schiebe. Mehrere Dutzend Männer haben im Laufe der vergangenen Jahre gegen meinen Willen meine Brüste, meinen Hintern oder mein Haar angefasst. Ich hätte jedem davon am liebsten auf die Schuhe gekotzt. Dem Manager auf einer Business-Konferenz, dem Berlin-Touristen, dem Jugendlichen aus Kreuzberg – so unterschiedlich ihre Herkunft auch war, ihre Übergriffe haben sich für mich immer gleich schlecht angefühlt. Die verbalen Belästigungen höre ich nur leise durch die Kopfhörer, die ich fast immer trage, manchmal habe ich zurückgefaucht, geohrfeigt oder mit all meiner Kraft den Angreifer weggestoßen.

Auch Zoë Beck weist lesenswert darauf hin, dass sexuelle Übergriffe für sehr viele Frauen Alltag sind. Zum Beispiel für all die Frauen, die vor drei Jahren unter #aufschrei diesen Alltag schilderten.
„Das Märchen vom anekdotischen Einzelfall“.

Es gibt keine Entschuldigung für die Übergriffe in Köln und in anderen Städten. Aber eben auch keine Entschuldigung für all das, was (in der überwiegenden Mehrzahl) Frauen vorher angetan wurde und auch weiterhin angetan werden wird, egal welcher Nationalität oder welchen Glaubens die Täter (überwiegend Männer) waren oder sind. Gewaltopfer zu sein ist furchtbar. Opfer sexualisierter Gewalt zu sein, ist furchtbar. Opfer zu sein ist immer auch demütigend. Opfer sexualisierter Gewalt zu sein, trägt noch eine weitere Form der Demütigung in sich. (Was nicht qualitativ wertend gemeint ist. Kein Gewaltopfer hat es besser oder schlechter als ein anderes. Darum geht es nicht.)

Ebenfalls mal wieder und zur Sicherheit: Wenn Sie eine Frau sind, die nicht 90% ihres Verhaltens und Alltags auf mögliche männliche Übergriffe ausrichten muss, bedeutet das nicht, das mit den Frauen etwas nicht stimmt, die das müssen.

Antje Schrupp macht sich interessante Gedanken zu
„Verharmlosen Feministinnen die Taten von Köln?“,
dabei vor allem über die Frage, ob es sich vielleicht doch in der Silvesternacht in Köln um eine „neue Qualität“ sexueller Gewalt gehandelt hat.

Und tatsächlich ist in Köln eine Form von sexualisierter Gewalt offensichtlich geworden, die uns bisher unbekannt war – und auf die wir deshalb nicht vorbereitet sind. Dadurch ist ein Gefühl des Kontrollverlustes entstanden, und Kontrollverlust macht Angst: Viele Menschen haben ja auch Angst vorm Fliegen, aber nicht vorm Autofahren, obwohl Autofahren objektiv gefährlicher ist. Aber im Auto hat man eben selbst die Kontrolle (oder kann sich das einbilden), im Flugzeug nicht.

Das dominierende Gefühl unter vielen Frauen, mit denen ich seit Köln gesprochen habe, war das Ausgeliefert sein, die Überrumpelung, die Vorstellung einer Bedrohung, mit der man – oder frau – bisher nicht gerechnet hatte. Und gegen die es deshalb auch noch keine Strategien gibt.

Was hingegen die „normale“ sexualisierte Gewalt in Deutschland betrifft, so haben wir von klein auf gelernt, mit ihr zu leben.