Journal Mittwoch bis Freitag, 6.-8. Januar 2016 – Dreikönigszeit

Samstag, 9. Januar 2016 um 9:44

Am Dreikönigstag fuhr ich zu meinen Eltern. Während es in München mild und schneefrei war, wurde es ab der Holledau nach Norden immer weißer, in Ingolstadt lag sogar ernsthaft Schnee. Damit hatte ich nicht gerechnet, ich trug völlig unpassendes Schuhwerk.

Ich hatte morgens wieder einen Roscón de Reyes gebacken, dessen Hefeteig einfach nicht hatte aufgehen wollen. Den Tipp von Bäckertochter Novemberregen, eisern so lange zu warten, bis der Teig aufgeht, konnte ich aus Zeitmangel nicht umsetzen: Ich schob das Vieh halt so in den Ofen. Dort entwickelte es zum Glück doch noch Trieb, riss aber natürlich auf.

160106_01_Roscon_de_reyes

Mein (spanischer) Vater erzählte, dass der Roscón seiner Kindheit allerdings anders ausgesehen habe: Der Teig war wohl bunt gewesen, enthielt wahrscheinlich kandierte Früchte. Eigentlich ist es Zeit, dass ich Weihnachten/Silvestern auch mal in Madrid verbringe. Dort hat sich in den 55 Jahren, seit mein Vater emigrierte, sicher einiges geändert, aber interessant wäre es auf jeden Fall. Ich könnte die Familie seines älteren Bruders zwingen, mir traditionelle spanische Weihnachten vorzuspielen, mit Villancicos und allem sonstigen Drumunddran.

Meine Mutter hatte groß für die Familie aufgekocht (mein Bruder samt Frau und Nifften war auch da). In der traditionellen Kulturmischung meiner Familie gab es polnische Hühnersuppe mit Eierstich und bayerischen Leberspäzle, als Hauptgang Truthahn (an Weihnachten typisch spanisch) mit Semmelknödeln (bayrisch), Spätzle (bayrisch-schwäbisch), Rosenkohl, Karotten, Pilzen. Zum Nachtisch Zitronencreme aus dem Packerl, typisch 80er.

160106_03_Suppe

160106_05_Truthahn

(Ich sag doch: In meiner Familie HAT man Glasteller.)

Die Stimmung bei Tisch war fröhlich (tagespolitische Ereignisse wurden ausgelassen), meine Eltern erinnerten sich, wie sie mich 1992 während meines Auslandstudienjahrs in Swansea, Südwales besuchten. Ich hatte ihnen eine Unterkunft in einem B&B Pferdehof besorgt, und sie erinnerten sich vor allem an die überwältigend freundliche Landlady – mit der sie sich nicht wirklich hatten verständigen können (das Englisch meiner Mutter war wenig und 30 Jahre alt, das meines Vaters nicht existent). Und wie sie Morgen für Morgen die grauenhaften sausages des full English breakfast gegessen hatten, weil sie es einfach nicht fertigbrachten, die lovely Landlady vor den Kopf zu stoßen.
Britische Gene liegen ja wohl eindeutig in unserer Familie.

§

Donnerstag morgens stürzte ich mich in eine weitere Runde Shred, mit fünf Minuten Vorlauf für eigenes Aufwärmen. Ein Problem dieses Level 2 ist für mich nämlich, dass es den Puls zu schnell hochbringt: Schon nach fünf Minuten hopst man kopfunter. Davon wird mir schwindlig und schlecht, also wärmte ich mich selbst erst mal auf.

Erster Arbeitstag nach den Weihnachtsferien, erstaunlich viele Kolleginnen und Kollegen waren schon seit Montag da (eigentlich hatte die Organisation Betriebsferien bis zum Dreikönigstag).

Unter anderem verarbeitete ich die Post für 30 Abteilungsleute von zwei Wochen, pflegte zwei Datenbanken mit Rückläufern der ersten großen von mir bearbeiteten Aussendungen.

§

Freitagmorgen sah ich nach dem Aufstehen auf Twitter den Hinweis, dass die ISS um 6:37 Uhr am deutschen Himmel sichtbar sein würde, von Westen nach Osten ziehend (Folgeempfehlung: @DLR_next, wo ein semi-anonymer Mensch sehr persönlich twittert). Vor einiger Zeit hatte ich schon mal eine App installiert, die mich benachrichtigen sollte, wenn die ISS über meinem Himmel zu sehen war – tat sie aber nie.

Ich checkte den aktuellen Tweet,

160108_DLR

indem ich auf den Balkon ging und nachsah: Tatsächlich, da war Jupiter, da war der große Wagen – München hatte eigens alle Wolken abgezogen. Und um 6:37 Uhr wartete ich also mit Herrn Kaltmamsell im Schlafanzug auf die ISS (nachdem ich mir vom Kompass meines Smartphones bestätigen hatte lassen, dass ich die Himmelsrichtungen korrekt im Gefühl hatte). Und da war sie! Sehr hell und überraschend schnell zog sie einmal quer über uns. Egal wie alt du bist: Wenn du die ISS live siehst, winkst du frenetisch.

Nochmal Shred Level 3 (zum 11. Mal, um die Pause auszugleichen, meine persönliche Sportlogik), zu Fuß ins Büro, ruhiger emsiger Arbeitstag.

Abends machte ich mir eine Kartoffel-Lauch-Suppe (Herr Kaltmamsell war aushäusig) und kochte eine Crème brûlée für Samstagabend.

§

Lokaljournalismus vom Feinsten: Auf der Wanderung entlang den Auer Mühlbach kommt man in Giesing an einem auffallenden Gebäude vorbei, von dem ich bislang lediglich wusste, dass es der Hauptsitz des Templerordens ist. Hubert Grundner von der Süddeutschen Zeitung wollte mehr darüber wissen und hat mal geklingelt. Bis er eingelassen wurde, dauerte es zwar noch ein dreiviertel Jahr, aber dann konnte er von seinem Blick hinter die Mauern berichten:
„Die Templer von Untergiesing“.

Daraus erfuhr ich unter anderem, dass das Gebäude erst seit 1968 Heimat der Templer ist.

§

Ein schönes und ausführliches Interview mit Stevan Paul, aka Herr Paulsen:
„Interview mit Stevan Paul: Schreibender Kulinariker“.

die Kaltmamsell

Kommentare mit erlogener E-Mail-Adresse gelten hier als unredlich und werden hin und wieder gelöscht.

XHTML: Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

 

 

Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.