Journal Montag, 4. Januar 2016 – Putzmannverwirrung

Dienstag, 5. Januar 2016 um 8:07

Es war unklar, ob der immer montägliche Putzmann kommen würde oder erst nächste Woche. Ich bin da ja gerne abwesend, damit er in Ruhe seine Arbeit tun kann.
Vorsichtshalber radelte ich also vormittags hinaus ins Olympiabad, streckenweise sogar durch Sonne. Nach meiner Schwimmrunde (ich brauchte schon wieder rekordverdächtig lange) meldete ich mich bei Herrn Kaltmamsell, der zu Hause arbeitete: Nein, schrieb er, es sei kein Putzmann gekommen, ich könne zu Hause frühstücken.

Also radelte ich über einen ausführlichen Einkauf im liebsten türkischen Süpermarket nach Hause – wo dann doch, später als sonst, der Putzmann gekommen war. Ich stellte die Einkäufe auf dem Balkon kühl, schnappte mir die Zeitung von gestern und ging ins Café Forum, Frühstücken und Lesen.

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Andrea Diener war reisejournalistisch in Nepal. Und hat großartige Fotos mitgebracht, die man auf flickr anschauen kann.

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Schon vor ein paar Tagen stieß ich auf einen Artikel, der mir seither nachgeht. Die Überschrift ist zwar irreführend, der Inhalt aber spannend:
„Die Formel für die ewige Liebe“.

John Gottman gilt als „Einstein der Liebe“: Der Mathematiker und Psychologe packt alle Erkenntnisse über Beziehungen in Formeln und kann die Zukunft von Partnerschaften und Affären exakt vorhersagen.

Es geht keineswegs um ewige Liebe, ohnehin sehr wenig um romantische Gefühle für einen Partner oder eine Partnerin, statt dessen um zwischenmenschliche Mechanismen in Partnerschaften. Gottmann ist Mathematiker und Psychologe, er forschte ab den Siebzigerjahren nach einer wissenschaftlichen Basis für Paartherapien.

Er (…) beschaffte sich an der Indiana University eine Videokamera, Messgeräte und einen Computer, damals noch eine Rarität an Universitäten. Zusammen mit seinem Kollegen Robert Levenson lud er Paare ins Labor ein, verkabelte sie, maß ihren Herzschlag und ihre Atemfrequenz. Und bat sie, 15 Minuten lang ein heikles Thema ihrer Beziehung zu diskutieren.

(…)

Er sah sich alles Material an, immer und immer wieder, kodierte jede Sekunde der Videos, der Messungen, der Daten des „rating dial“, eines Drehrads, an dem die Partner in jeder Sekunde angeben konnten, wie gut oder schlecht sie sich im Gespräch mit ihrem Partner gerade fühlten.

(…)

Über die Daten des „rating dials“ errechnete er die 5:1-Ratio, für die Gottman berühmt wurde. Fünf positiv erlebte Momente, die während eines Konfliktes einem einzigen negativen gegenüberstanden, das charakterisierte glückliche Paare.

Zudem arbeitete er vier Verhaltensweisen heraus, die tödlich für Beziehungen seien: Kritik, Verteidigung, Rückzug und Verachtung. Wenn er diese beobachtete, konnte er die Haltbarkeit einer Partnerschaft recht genau vorhersehen. (Mir fielen sofort Paare ein, die sich allen Anzeichen nach in gegenseitiger Verachtung eingependelt haben, in dieser Haltung sogar geheiratet haben – was mich völlig befremdet und zudem schmerzt, so dass ich deren Gegenwart schnell mied.)

Einen Beziehungsretter hat Gottman auf diese Weise ebenfalls herausgefunden:

Humor und die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen. Beides nimmt die Turbulenzen aus einem Streit und verwandelt ihn in eine Diskussion, in der beide Partner einander zuhören können, anstatt in die Spirale aus Angriff und Verteidigung zu geraten.

Wohlwollender Humor hat eine geradezu magische Wirkung, sagt Gottman. Nichts sonst bringe den aufgeregten Puls während eines Streits nachweislich so schnell wieder herunter, helfe dem Kopf dabei, wieder klar zu denken. Außerdem schafft Humor schnell Nähe, wenn Distanz zwischen den Partnern entstanden ist.

Die Selbstberuhigung hat das gleiche Ziel. „Sie sorgt dafür, dass man dem Reflex widersteht, sofort zurückzuschießen“, sagt Gottman. Dieser Reflex, sich zu verteidigen, sei zwar natürlich, ein evolutionäres Erbe, aber leider in der Liebe völlig fehl am Platz. Wer einmal tief durchatme und trotz aller Wut sagen könne: „Das ist dir offenbar sehr wichtig, deshalb höre ich jetzt einfach mal zu“, habe schon viel verstanden.

die Kaltmamsell

4 mal Beifall zu “Journal Montag, 4. Januar 2016 – Putzmannverwirrung”

  1. Texas-Jim meint:

    Haben Sie Dank, den verlinkten Artikel habe ich sehr gern gelesen. Ich finde es ja sehr spannend, daß die vier genannten Verhaltensweisen für meine Begriffe richtiges Kriegsvokabular sind: Verachtung, Angriff, Verteidigung, Rückzug.

  2. Croco meint:

    Die Fotos von Frau Diener haben mich zuerst sehr verwirrt.
    Bis ich gemerkt habe, dass ich mich verlesen hatte: nein, sie war nicht in Neapel.

    Den Artikel zur ewigen Liebe habe ich auch mit großem Interesse gelesen. Die Rolle des Humors habe ich nicht so groß eingeschätzt, freue mich aber sehr darüber.

  3. lihabiboun meint:

    Der Humor wird m.E. to-tal, to-tal unterschätzt!!!

  4. FrauK meint:

    Angeregt durch den von Ihnen eingestellten Artikel, habe ich heute versucht mich in „wohlwollendem“ Humor zu üben. Von einem Stadtbummel kam ich dann fröhlich lachend wieder nach Hause. Nicht weil es so gut geklappt hätte, sondern weil ich meiner Grantigkeiten – die in bestimmten Situationen schneller aus der Schachtel huscht, als der kleine Springteufel – schön auf die Schliche kam. Ich hatte dann so gute Laune, dass einige sehr nette Kontakte entstanden. (Weil ich über diesen hübschen – mir fremden – Humor mehr wissen wollte, habe ich ein bisschen im Internet gesucht, und sofort die Seite der Uni Zürich gefunden: stärkentraining.ch – ich bleibt mal dran am am Thema – und bin gespannt) LG FrauK

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