Archiv für Februar 2016

Twitterlieblinge Februar 2016

Montag, 29. Februar 2016

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Anderer Leut‘ Lieblingstweets gibt es bei Anne Schüssler.

Oscarnacht 2016

Montag, 29. Februar 2016

Zur Selbsterinnerung: Die eigentliche Show beginnt um 5.30 pm PST, das ist 2.30 Uhr Münchner Zeit, Wecker also auf 2 Uhr.

Moin!

Fernseher anschalten und gleich mal die wunderschöne Cate Blanchett sehen – hätte fast nicht besser beginnen können. Hier ein Bild davon (das dem Kleid aber nicht gerecht wird).

Eine große Kanne Darjeeling steht bereit, ansonsten bin ich nicht zum Einkaufen gekommen, leider wird’s keine speziellen Snacks geben. Ich trage Tchibo, übrigens.

Hossa: Dallmayr leistet sich Oscarübertragungssponsoring!

Willkommen im Dolby Theater!
Erst mal ein Zusammenschnitt aus allen Nominierungen – herrlisch!

Chris Rock fängt gleich mal mit Hautfarbenwitzen an und baut seinen ganzen Auftritt um den „White People Choice Award“. Mit der überschlagenden Stimme muss ich erst fertigwerden (hat Jürgen Thormann seine Eddie-Murphy-Synchronstimme daher?). Rock meint, in den 50ern gab’s doch auch keine schwarzen Nominierungen – und keinen Protest: Schwarze waren zu beschäftigt damit, aufgehängt und vergewaltigt zu werden. Die Nummer mit den Verstorbenen könne man doch ganz schwarz machen, mit „black people being shot by cops on their way to the movies“.
Chris Rock fordert einfach black categories – schließlich gebe es ohne vernünftigten Grund auch Männer- und Frauenkategorien. Er nennt den Hollywood-Rassismus „sorority racism“ (wenn man einfach zum falschen Klub gehört). Aber: „Things are changing.“

Emily Blunt und Charlize Theron – wunderschön wie immer (Emily mit komischer Note), fragwürdige Kleider. Diese extrem breiten Ausschnitte bis zum Bauchnabel (Theron) tun niemandem einen Gefallen.

Diesmal, so heißt es, wird mit der Reihenfolge der Oscars der Prozess des Filmemachens nachgestellt. Er beginnt mit Drehbuch: Spotlight – hätte ich mir am Sonntag fast noch angesehen. Als Dankesrede ein professionelles Runtersagen von Namen.
Ui! Das Orchester sitzt wieder im Saal!

Adapted Screenplay. Ryan Gosling und Russel Crow mit einem komisch gemeinten Dialog – hätte ich Crow eigentlich nicht zugetraut. The Big Short: Ja, das war ein gutes Drehbuch. Es wird jemandem dafür gedankt „for taking that risk“ – uuuu, mit politischem Appell.

Uff, die Werbepause brauchen meine Tippfinger. (Musik eine Version Big Rock Candy Mountain, hihi.)

In der Pause der Trailer von The Revenant – genau, den werde ich mir sowas von nicht anschauen. Männer in der Wildnis mit Gemetzel interessieren mich nicht.

Spaßige Einlage, wie schwer es für schwarze Schauspieler und Schauspielerinnen ist, eine Rolle zu bekommen – anhand nominierter Filme, aus denen Szenen nachgestellt werden, mit Originalschauspielern. Wirklich witzig.

Den Auftritt der Dame habe ich jetzt nicht verstanden.

Sarah Silverman präsentiert Best Original Song – und macht unanständige James Bond-Witze, genau was wir von ihr erwartet haben. Das Oberteil ihres schwarzen Kleides habe ich auch nicht verstanden: Ein Ausschnitt sollte den Bogen nicht nach oben machen, sondern nach unten, sonst tut er beim Achselheben seltsame Dinge mit Brüsten.

Kerry Washington und Henry Cavill präsentieren The Martian (den möchte ich noch sehen) und The Big Short als Nominierte für Best Film.

JK Simmons, awwww! Er präsentiert Supporting Actress. Könnten wir das mit den langen Vollbärten1 langsam wieder lassen? Alicia Vikander ist definitiv meine Favoritin (vielleicht weil ich sie in dem Film gesehen habe?). Und sie bekommt ihn! Ich habe sie schon in so verschiedenen Rollen gesehen, dass ich von einer verhältnismäßig normalen, fröhlichen jungen Frau auf der Bühne fast verwirrt bin. Über den Rock ihres Kleides sollten wir sprechen: Es war GUT, dass Ballonröcke mit den 80ern des letzten Jahrhunderts zurückgelassen wurden, echt ehrlich.

Costume Design präsentiert von Cate Blanchett, hach. Wie komme ich dazu, Cinderella gesehen zu haben, seltsam. Mad Max: Fury Road, eine Überraschung. Sonst sind es ja eher die historischen Sachen, ich hätte auf The Danish Girl getippt. Eine Britin, die in ihrer Dankesrede erwähnt, dass das Szenario des Films wahr werden könnte (Climate Change).

Steve Carell und Tina Fey für Production Design/Set Decoration. Tina! Sie ist bislang am lustigsten. Mad Max: Fury Road gewinnt.

Für Makeup and Hairstyling haben sie Margot Robbie (woher sollte ich sie kennen?) und Jared Letho. Nochmal Mad Max: Fury Road! Liegt mit drei Oscars vorne.

Benicio Del Toro und Jennifer Garner führen die nächsten Best Film-Nominierten vor. The Revenant und Mad Max: Fury Road. Kleider waren ja bislang eher auf der langweiligen Seite, schon elegant, aber wenig inspirierend.

Michael B. Jordan und Rachel McAdams präsentieren Cinematography – Mad Max: Fury Road. Sollte ich vielleicht doch nachholen? Oscar geht an The Revenant. Acht vorherige Nominierungen für den Herrn: Osteuropäischer Name, spanischer Akzent, solche Mischungen mag ich ja.

Liex Schriber, die Dame habe ich nicht erwischt für Film Editing: Mad Max: Fury Road (ist es Zufall, dass ich mir diesen Filmtitel nach dem ersten Hinschreiben auf Taste gelegt habe?). Oh, hatten wir da einen South London glo’al stop bei der danksagenden Dame?

„Black History Month Minute“ – komische Einlage, die ich noch nicht kapiere: Angela Bassett führt auf einen Helden von „our people“ hin – der sich dann als der weiße Jack Black herausstellt. Mittellustig, aber ich finde passend, dass sie sich das Thema als roten Faden durch die Moderation gegriffen haben.

Bühnenbild habe ich noch gar nicht so mitbekommen. Ein bisschen Great Gatsby, insgesamt eher zurückhaltend.

Chadwick Bosemann und Chris Evans präsentieren Sound Editing – sehr schön, die einzelnen Ausschnitte sind rhythmisch aneinander geschnitten. Der fünfte Oscar des Abends für Mad Max: Fury Road. Interessant: Kurzvortrag über das Geschichtenerzählen mit Sound als Dankesrede.
Sound Mixing vom selben Duo präsentiert. Und noch einer für Mad Max: Fury Road.

Andy Serkis, der wohl der Schauspieler hinter einer ganzen Reihe von rein am Computer generierten Filmfiguren ist, für Visual Effects: Ex Machina, Überraschung. Das war ja seltsamerweise die einzige Nominierung für den Film (mindestens Drehbuch hätte eine weitere verdient gehabt).

Olivia Munn and Jason Segel blicken zurück auf die Technikoscarverleihung. Ja wie: Keiner für Arri?

Die Niedlicheinlage mit Star-Wars-Figuren. Na ja, sie hätten ihnen wenigstens eine Pointe schreiben können.

Durchwühlen des Küchenschranks brachte zumindest ein paar Salznüsschen zutage, an denen ich jetzt nage.

Immer noch kein Kostümwechsel bei Chris Rock. Wofür zahle ich hier eigentlich?
Er schickt Pfadfinderinnen zum Cookieverkaufen ins Publikum, hihi.

MINIONS! Puh, zumindest die sind witzig. Minionsprech wird untertitelt, sie stellen Short Animated Film vor. Bear Story gewinnt. Echte Menschen auf der Bühne, schön.

Best Animated Feature: Buzz Lightyear! (Mist, Kauen von Salznüsschen ist lauter als der Fernsehton.) Inside Out, das war erwartbar. Schöner Film. Es wird innig Pixar gedankt – und appelliert, kreativ zu sein: „Make stuff!“

Rock: „Welcome next year’s host – Kevin Hart!“ Dieser plädiert dafür, über dem Diversity-Streit nicht nur das Negative zu sehen, auch dieses Problem werde bald nur noch im Rückblick existieren. Nächster Song. Gesungen von jemandem mit schlimmen, schlimmen Haaren. Sie haben eine Menge halbnackte Frauen drumrum gestellt, die Gymnastik machen, um davon abzulenken.

Kate Winslett und Reese Witherspoon – ich liebe Kates dicke Brille! Sie stellen Bridge of Spies und Spotlight als Nominierte für Best Film vor.

„Fresh perspective“, kündigt Chris Rock an: Er hat (schwarze) Kinobesucher in Compton nach ihren Meinungen zu den Oscarnominierungen gefragt. Sehr lustig.

Patricia Arquette – awww! Sie stellt Best Supporting Actor vor. Es gewinnt Mark Rylance für seinen Auftritt in Bridge of Spies, interessant. Sein Dank besteht aus bescheidenen Hinweisen auf alle anderen.

Louis C.K. präsentiert Documentary Short, unterstreicht, dass die Leute, die sowas machen, völlig anders sind als das Publikum vor ihm. Dass die nie reich werden: „This Oscar is going home in a Honda Civic.“ A Girl in the River – ihr zweiter Oscar. Wunderschöner bestickter Mantel an der Dame.

Daisy Ridley und Dex Patel für Documentary Feature: Amy, keine Überraschung hier.

Chris Rock stellt PriceWaterhouseCoopers vor (die Leute hinter der Oscar-Bürokratie), drei Kinder in Anzügen kommen auf die Bühne. Hm?

Das Ergebnis des Cookieverkaufs wird präsentiert (sind Pfadfinderinnenkekse eigentlich eine eigene kulinarische Kategorie? mit speziellen Rezeptbüchern?).

Whoopie Goldberg – sie sieht großartig aus! Rückblick auf Honorary Oscars: Gena Rowlands, Spike Lee und Debbie Reynolds.

Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs: Filme sollten die Diversity des Publikums spiegeln. Sie bittet das Publikum, darauf Einfluss zu nehmen. Wow, ich hätte nicht gedacht, dass dieser Part der Oscars mal interessant sein könnte.

Louis Gossett, Jr., führt die Nachrufe ein. So viele Große starben in den vergangenen 12 Monaten (James Horner hatte ich übersehen), leiser Zwischenapplaus bei David Bowie.

Abraham Cromley und Jacob (verpasst) für Live Action Short: Stutterer. WHAT’S WITH THE BEARDS?! Lass das bitte aufhören, der Gag-Charakter ist lang schon rum.

Byung-Hun Lee und Sofia Vergara präsentieren Foreign Language Film: Es gewinnt Son of Saul, Ungarn. Der zweite Oscar, der nach Ungarn geht. Souveräne Dankesrede, inklusive philosophischem Exkurs.

Joe Biden auf der Bühne, what? Das Publikum steht applaudierend – was habe ich verpasst? Es geht um sexuellen Missbrauch an Universitäten, Biden appelliert, bei fehlendem consent einzuschreiten. Es folgt: Der nächste nominierte Song. Eine verrückte Branche.
Na gut, der Song hatte mit dem Thema zu tun.

Danke, Twitter, für die Erklärung:

Quincey Jones und Pharrell Williams präsentieren Best Original Score: Ennio Morricone für The Hateful Eight. Das war spannend bei diesen Nominierungen (mir fehlte The Danish Girl) – bis ich hörte, dass er noch keinen hat bei acht Nominierungen. Dann war’s echt Zeit, auch wenn seine Zeit doch ziemlich lang rum ist. Die wenigen Ausschnitte, die ich gehört habe, klingen auch gar nicht nach Morricone. Das ist von mir ein Lob.
UND er spricht nicht Englisch bei der Dankesrede, sondern Italienisch, Respekt.

Common (?) und John Legend für Best Original Song (immer noch die überflüssigste Kategorie): „Writing’s on the Wall“, der James Bond-Song. Nu, nicht so auswechselbar, wie anfangs geunkt wurde, aber auch kein echtes musikalisches Highlight. Widmet seinen Oscar der „LGBT community all around the world“.

Olivia Wild und Sacha Baron Cohen präsentieren. Sacha tut als wenn er schwarz wäre, mit offensiv schlechter Rappersprache-Imitation und rassistischen Sprüchen. Die letzten Best Film-Nominierungen. (Auch an Frau Wild mag ich diesen breiten Ausschnitt bis zum Bauchnabel nicht – es sieht einfach aus, als gehöre etwas drunter).

J.J. Abrams für Directing: Alejandro González Iñárritu für The Revenant (ja auch ich muss spanische Namen aus Wikipedia kopieren, wenn sie derart mit diakritischen Zeichen um sich werfen). Mir fällt auf, dass ich gar nichts gelesen habe, ob der Film überhaupt was taugt, so viel wurde über ihn als Genre und über seinen Hauptdarsteller gesprochen. Walkürenritt als Rausschmeißer von der Bühne ist lustig. Und nicht gerade subtil.

Langsam wird das Sitzen anstrengend. Tippen auf dem Schoß mache ich sonst auch nicht.

Eddie Redmayne stellt die Nominierten für Best Actress vor: Gewinnerin ist Brie Larson. Ich gestehe, von Room habe ich heute zum ersten Mal gehört, und zwar weil Brie Larson als Favoritin gehandelt wurde. „Thank you to the moviegoers.“ Das ist ungewöhnlich.

Julianne Moore – puh, ihr Kleid ist ok. Bei ihr muss man ja immer auf Schlimmes gefasst sein. Sie präsentiert Best Actor: Leonardo DiCaprio. Na also, ist jetzt da endlich mal Ruhe? Jajaja, die Rede hat er ja schon ein paarmal geübt und nicht halten können. (Ich habe immer noch ein Problem, ihm die Darstellung Erwachsener abzunehmen.) Er zieht seinen Einsatz gegen Klimawandel durch, auch in der Dankesrede.

Morgan Freeman präsentiert Best Film: Spotlight, auch Freeman scheint überrascht. Von einer der Produzentinnen Lob dem Investigativjournalismus (ja, muss auch mal gesagt werden). Die letzte Danksagende trägt möglicherweise das schönste Kleid des Abends.
Michael Keaton isst einen Pfadfinderinnenkeks.

Ok, das war’s. Durchschnittliche Show für ein reiches Filmjahr.

Ich räume jetzt noch ein wenig auf und koche mir Kaffee, über dem ich versuche, die Vertipper hier zu korrigieren.
Dann ab zu einem Arbeitstag, wird schon gehen.

  1. Zunächst vertippt als „Vollbräten“, hätte ich fast gelassen. []

Journal Sonntag, 28. Februar 2016 – Hochnebelkälte

Sonntag, 28. Februar 2016

Vorzeitiger Tagebucheintrag für heute, damit morgen der live geschriebene Text zur Oscarnacht online gehen kann.

Der Tag begann mit allerseligstem Auschlafen. Nach dem Bloggen ging es hinaus an die hochnebelig frostige Isar zum ersten Lauf mit Achillessehnenbandage.

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Die Bandage machte keinen Unterschied: Währen des Laufens nur wenig Schmerzen, nach dem ausgedehnten Vollbad waren jedes Aufstehen von Stuhl der Sessel und die ersten Schritte eine Slapstick-Einlage: böse Schmerzen in unterer Wade und Hüfte.

Beim Frühstücken festgestellt, dass ich vergangenes Jahr die beste Erdbeermarmelade meines Lebens gemacht habe: Sie schmeckte auch nach Monaten noch intensiv nach frischen, duftenden Erdbeeren. Da ich mich nicht an einen besonderen Kniff in der Zubereitung erinnern kann, muss es an den Früchten gelegen haben.

Zeitungen der Woche hinterhergelesen. Mich über das Interview in der Wochenend-SZ gefreut, in dem Interviewer Marten Rolff ein wenig die Luft aus Noma-Mitgründer Claus Meyer lässt.

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Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Bratkartoffeln aus Ernteanteil mit Spiegeleiern. Ich bereitete noch aus den eben gekochten Ernteanteil-Gelbe-Bete einen Salat für die morgige Brotzeit und ging nach kurzem Blick in den Fernseher früh schlafen.

§

Diese Geschichte hatte Aleks in Auszügen schon im Techniktagebuch-Redaktionschat erzählt, vor allem der letzte Absatz über die vorelektronische Navigation von Feuerwehren hatte mich um ein Aufschreiben betteln lassen:
„Ca. 1993 – Professionell von A nach B finden“.

§

Welche Auswirkung auf die Kunstrezeption es haben kann, wenn Künstler und Künstlerinnen Abbildungen ihrer Werke untersagen:
„Abbildungsverbote“.

via @ankegroener

§

Hier eine Erklärung von Gravitationswellen, die mir endlich zu der Illusion verhilft, ich hätte das auch nur ansatzweise kapiert.

via @journelle

Journal Freitag/Samstag, 26./27. Februar – #rgmuc

Sonntag, 28. Februar 2016

Sonniger Freitag, ohne Frühsport zu Fuß in die Arbeit.

160226_01_Theresienwiese

Zu Fuß auch wieder nach Hause, nach kurzer Tätigkeit in der Küche spazierte ich zu einer lange geplanten Verabredung mit Bloggerinnen aus der ganzen Republik samt Anrainerstaaten (Zeugnisse sind zu finden unter #rgmuc für Reisegruppe München) im Spatenhaus: Nathalie von Cucina Casalinga hatte fertiggebracht, dass dieses immer wieder mal diskutierte Treffen in München tatsächlich stattfand und war so nett gewesen, auch mich anzusprechen. So kam ich zum ersten Mal ins Spatenhaus, sah einige seit Jahren gelesene Blogerinnen und Twitterinnen zum ersten Mal persönlich, traf schon länger bekannte wieder. Diese Gesellschaft, das gute Essen (mein ersten Mal Kalbskopf!), die überaus herzliche Bedienung und die Kuschligkeit des winzigen Hinterstüberls machten den Abend zu einem großen Genuss.

§

Am Samstag ließ ich mich früh wecken, um noch Zeit für haushaltliches Kruschen und Wäschewaschen zu finden. Nathalie hatte die Bloggerinnenrunde zum Frühstück eingeladen, die Radlstrecke hinaus zu ihr machte mir klar, dass München sich an manchen Enden dann doch weiter ausdehnt, als ich snobbistische Innenstadtbewohnerin so im Gefühl habe – ich kam ordentlich zu spät.
Tatsächlich gab es zwei Frühstücke: Das erste am Morgen mit frischem Brot, Wurst, Käse, Marmeladen war meinem Organismus noch deutlich zu früh, umso mehr genoss ich das zweite um die Mittagszeit mit Weißwürscht und Leberkäs – sogar einer Halben Weizen dazu.

Der Rückweg nachmittags durch den Englischen Garten war gebremst: In der Sonne gingen viele Leute spazieren. Ich bog für ein paar Einkäufe ab Richtung Schrannenhalle – könnte mich bitte jemand vor dem nächsten Versuch davon abhalten, am Samstag Nachmittag die Frauenstraße entlangzuradeln? Ich hatte den starken Autoverkehr nicht einkalkuliert, und die heutigen Autobreiten lassen Radlern keinerlei Platz: Da ich nicht auf dem Fußweg fahren wollte, musste ich mich in den Autostau einreihen.

Daheim holte ich ein wenig Schlaf nach und las dann Stoner von John Williams aus:
Eine amerikanische university novel von 1965, die mir von Blogkommentatorinnen empfohlen worden war – zu Recht. Die Hauptfigur, der Literaturwissenschaftler William Stoner, wird ganz am Anfang mit einem kurzen Abriss seiner akademischen Karriere eingeführt: Studienbeginn an der Universität von Missouri, Promotion, als Dozent nie Karriere gemacht, kaum Spuren bei den Studierenden hinterlassen. Die ausführliche Version erzählt dann von einem doch recht besonderen Menschen aus sehr einfachen Verhältnissen, der sein Leben nie richtig in die Hand genommen hat, nur in der Forschung und in einer Freundschaft ganz aufging. Formal unauffällig schildert der Roman Stoners Wahl einer Partnerin, die ihm bald mit vielen Mitteln das Leben zur Hölle macht, die ruhige, tiefe Liebe zu seiner Tochter, die Lebensfeindschaft mit dem Leiter des Lehrstuhls, an dem er arbeitet – alles vor dem zeithistorischen Hintergrund zweier Weltkriege. Sehr schnell schafft die Geschichte eine Identifikation mit dieser einsamen Figur, vor allem wenn man Stoners Loyalität und die Anziehungskraft einer akademischen Umgebung nachvollziehen kann. Und wie Stoner frage ich mich seit der Lektüre, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er energisch Ansprüche erhoben – oder auch nur für seine Tochter gekämpft.

Eine weitere Radfahrt wieder hinaus an den Stadtrand, Nathalie und Partner hatten noch einmal eingeladen, diesmal zu einem köstlichen Abendessen:

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Zur Vorspeise eine Terrine und eine Pastete, dazu sardisches Brot.

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Als Hauptgericht ein Kalbsgulasch.

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Und zum Nachtisch Crème Caramel mit den ersten aromatischen Erdbeeren aus Italien.

Da die Gesellschaft aus lauter Geschichtenerzählerinnen bestand, war das Menü natürlich begleitet von weiterer lebhaftester Unterhaltung um Anekdoten aus diversen Ländern, Bundesländern, beruflichen Umständen und Freizeitverstrickungen.

Beim Heimradeln bewies München, dass es manchmal, ganz manchmal auch grüne Welle kann – großer Genuss.

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Nebenbei: Ich bin ganz begeistert, wie gut mein Organismus den Alkohol der vergangenen drei Abende vertragen hat. Keinerlei Nebenwirkungen, nicht mal in Form von Migräneangst. Verstehe einer diesen Körper.

Journal Montag, 22. Februar 2016 – Laue Lüfte

Dienstag, 23. Februar 2016

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In wundervoller Frühlingssonne baren Hauptes in die Arbeit marschiert.

Da mir auch diesmal die Bewegungsapp riesige Umwege unterstellte, fasste ich ihren Irrwitz fürs Techniktagebuch zusammen:
„Bewegungstracker – you’re drunk“.

Nach Feierabend erfrischender Spaziergang in lauer Luft nach Hause. Abend vor Internet und Fernseher, im Bett noch ein Stündchen herzergreifenden Stoner gelesen.

Journal Sonntag, 21. Februar 2016 – Mode der 30er / Bücher zu verschenken

Montag, 22. Februar 2016

Jetzt waren sie da, die spürbar gestiegenen Temperaturen. Beim Radeln an den Ostbahnhof hätte ich eigentlich weder Mütze noch Handschuhe benötigt.

Ich turnte nach einer halben Stunde Crosstrainer lediglich die Stepstunde mit; meine schmerzenden Knochen nahmen mir die Lust auf die anschließende Rückengymnastik.

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Zu Hause duftete es bereits wundervoll: Herr Kaltmamsell hatte die zwei Kilo Schweineschulter, die ich am Samstag auf dem Weg zum Schwimmen in der Metzgerei Burr besorgt hatte, in einen Schweinsbraten verwandelt.

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Wie ich es von gutem Schweinefleisch aus Hausschlachtung kenne, war der Braten beim Garen aufgegangen, mit sensationell saftigem Fleisch. Da wir keine Knödel oder sonstige Stärkebeilage dazu hatten, gab’s auch keine Soße. Als Beilage hatte ich den Krautsalat fertiggestellt.

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Hier habe ich das sehr simple Rezept notiert – ich finde sogar eine gehackte Zwiebel eher verschlechternd. Für ein Salatbuffet würde ich aber gebratene Speckwürfel dazugeben.

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Nach dem Essen machte ich ein paar Einheiten auf meinem Kulturtracker gut: Ich ging ins Museum, und zwar in die Ausstellung „Gretchen mag’s mondän – Damenmode der 1930er Jahre“ im Stadtmuseum. Herr Kaltmamsell hatte mich darauf hingewiesen, weil ich ein Faible für die Mode dieser Zeit habe – wohl wegen damaligen US-Filme und UFA-Filme, die mich schon als Kind faszinierten.

Ich sah hochinteressante Exponate aus vielen damaligen Lebenslagen, viele Zeitschriftentitel aus den 30ern – sehr gerne hätte ich eine Grafikerin dabei gehabt. An den Printexponaten fand ich mal wieder frappierend, wie viel Inhalt allein schon Typografie transportiert.

Roter Faden der Erklärtexte: Wie die Parteiproganda versuchte, Einfluss auf die Mode in Deutschland zu nehmen (wenig erfolgreich), wie politische Verhältnisse sich auswirkten (Arisierung erschreckend erfolgreich).

Überraschendes Exponat:

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An Kleidern und Oberteilen fiel mir auf, dass es damals praktisch keine Ausschnitte gab, das weibliche Dekolleté war fast immer bis zum Hals bedeckt. Wunderschöne Handschuhe und Hüte – in einem Raum gab es sogar Nachbildungen zum Anprobieren (mir wie erwartet alle zu klein).

Schuhe: Gerade setzte ich zum Seufzer an „genau sowas suche ich“ (elegante Schnürschuhe mit ein wenig Absatz, damals Trotteur genannt und ideal für längere Fußwege, ohne gleich rustikal zu wirken), als eine Dame neben mir bereits sagte: „Die würde ich sofort nehmen.“ Am wenigsten scheint sich bis heute der elegante Pumps verändert zu haben.

Sehr begrüßen würde ich eine Wiederkehr des Konzepts „Festlicher Abendpyjama“:

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Ich dachte sofort an den undress, den ich aus englischen Romanen des 18. Jahrhunderts kenne: Bequeme, aber edle Hauskleidung, in der man nicht auf die Straße gehen würde, in der man aber sehr wohl Besuch empfangen kann.

Ich hatte schon eine ganze Reihe Fotos gemacht, als mich eine der Angestellten darauf hinwies, dass in der Ausstellung Fotografieren nicht erlaubt sei. Ich poste also mal lieber keins meiner Bilder.

Angesichts von Vertippern, Komma- und Rechtschreibfehlern in den sorgfältig getexteten und gesetzten (so schöne Schriften!) Beschreibungen fragte ich mich mal wieder, ob ein paar Stunden Endkorrektorat das Budget der Ausstellung wirklich überzogen hätten. Nach meiner Schätzung hätte das nicht mehr als 800 Euro gekostet.
(Ich weiß ja durch meine eigenen Vertipper hier im Blog, wie unzuverlässig eigenes Drüberlesen ist.)

§

Draußen hatte sich der Himmel angemessen zum Sonntag entwickelt.

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Schon am Samstagabend hatte ich Bücher ausgemistet – es liegen bereits wieder viel zu viele quer in den Regalen. Mag jemand zwölf Krimis von Elizabeth Georg bei mir abholen? (Alle oder keinen.)

  • Deception on his mind
  • In pursuit of the proper sinner
  • Missing Joseph
  • Playing for the ashes
  • In the presence of the enemy
  • Well-schooled in murder
  • A great deliverance
  • Payment in blood
  • A suitable vengance
  • For the sake of Elena
  • A traitor to memory
  • I, Richard

Und jemand die ersten acht Donna Leons? Alle oder keinen.

  • Death at La Venice
  • Acqua alta
  • Fatal remedies
  • A noble radiance
  • The death of faith
  • A Venetian reckoning
  • Death in a strange country
  • The anonymous Venetian

Verpacken und versenden ist mir zu mühsam. Interesse gerne in den Kommentaren oder an die E-Mail-Adresse links anmelden.

§

Schon lange nichts mehr von einem meiner Lieblingstiere gehört, dem Ameisenbären. Bis ich diesen Science Slam-Beitrag mit aktueller Forschung über ihn fand:
„Ameisenbären: Erbsenhirnparalleluniversumsforschung“.

Sind nicht so wirklich schlau, die Viecher. Aber halt herrlich abgefahren.

Journal Samstag, 20. Februar 2016 – Schneeregen und Energieschub

Sonntag, 21. Februar 2016

So ziemlich als Erstes nach dem morgendlichen Bloggen erfahren, dass Umberto Eco gestorben ist. Herr Kaltmamsell hatte eh vor, nach langem mal wieder Der Name der Rose mit einer Schulklasse zu lesen (zwar kann ein Deutschlehrer daran eine Menge lehren, von Erzählhaltung über Rahmengeschichte bis Mittelalter, doch ist das halt ein sehr dickes Buch). Zudem hatte ich wieder ein Bild vor Augen, das ich eigentlich schon immer mit dem Roman verbinde:

Die untere Turnhalle meines Gymnasiums ca. 1985. Auf der Turnbank an der Umkleidenseite sitzen die vom Sport befreiten Schülerinnen, darunter die Bieringer Jutta1. Sie ist völlig vertieft in die Taschenbuchausgabe von Der Name der Rose, die sie von mir ausgeliehen hat. Sie hält das Buch mit einer Hand und hat das bereits gelesene Drittel hinter den Rest UMGEKLAPPT – für mich damals ein Sakrileg größter Verdammnis. Ich kam aus einem nahezu buchlosen Haus, hatte mich von Kindesaugen an durch Büchereien gelesen, die wenigen Bücher, die ich selbst besaß, waren mir überaus kostbar. Das mag der Moment gewesen sein, in dem ich beschloss, meine Bücher nicht mehr zu verleihen.

Vor allem aber erinnert mich dieses Bild daran, dass Der Name der Rose unter uns als Schmöker gehandelt wurde, als Lesegenuss wie die kurz davor herumgereichten Dornenvögel. Bei der Übergabe wurde durchaus mal erwähnt, dass sie ersten hundert Seiten sich etwas ziehen könnten, aber wir Vielleserinnen, die ohne Unterscheidung alles an guten Geschichten verschlangen, wären eh nicht auf die Idee gekommen, ein einmal begonnenes Buch nicht zu Ende zu lesen, bloß weil nicht schon die ersten Seiten packend waren.

§

Ich radelte durch den kalten, grauen Tag zum Schwimmen ins Olympiabad. Meine Bahnen schwammen sich angenehm, doch als mich der Rückenschwimmer auf der Nebenbahn mit seinen gelben Plastikhandflossen zum dritten Mal schmerzhaft kratzte (1. Mal Hand, 2. Mal Oberschenkel, 3. Mal Schulter), schrie ich anscheinend selbst für ihn hörbar auf. Der Blick, den er sich anschließend einfing, war wohl selbst hinter meiner Schwimmbrille eindeutig: Er legte dieses Spielzeug ab. (Ich hatte in diesem Moment ernsthaft vor, ihn beim nächsten Kratzer zu hauen.)

Die Wettervorhersage hatte „deutlich steigende Temperaturen“ angekündigt. Umso erstaunter und wütender war ich, dass mich beim Heimradeln Schneeregen und Schnee ziemlich durchnässten.

Zu meiner nachmittäglichen Verabredung in der Maxvorstadt nahm ich also die U-Bahn – ab Marienplatz eingepfercht zwischen Fußballfans.

Doch die Verabredung war glorios: Ich hatte schon befürchtet, dass ich den Kontakt zu dieser Frau aus einem früheren Berufsleben verschusselt haben könnte (sie hat kein Internetleben). Doch nun erfuhr ich von Überraschungshochzeit (die Gäste ahnten nichts), beruflichen Erfolgen, einem Leben in Fülle, mit Zielen und Leidenschaft – ein echter Energieschub.

Eine Runde Lebensmitteleinkäufe, Krautsalat zum sonntäglichen Schweinsbraten angesetzt (und damit ich ihn als weiteres bayrisches Grundgericht verbloggen kann). Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell ein Graupotto mit Tomatensugo und Feta (Graupen und Sugo aus Ernteanteil).

Ich ließ beim Internetlesen den Fernseher laufen: Die Reifeprüfung hatte ich erst einmal gesehen und das vor vielen Jahren. Den Soundtrack kannte ich in jeder Note, doch erst diesmal fiel mir auf, dass der damals 30jährige Dustin Hoffman als Typ eigentlich eine komplette Fehlbesetzung war: Highschool-Sportskanone und verwöhnten Müßiggänger nehme ich ihm nicht ab.

§

Ein Grund, das Techniktagebuch (und den Redaktionschat) zu lieben: Während man vordergründig über Technik liest, liest man hintergründig über Leben und Alltag.
„Ich bin ein Idiot, werde aber eventuell nicht daran sterben“.

§

Eine weitere ruhige, kluge Stimme gegen das derzeitige Gebrüll da draußen: Margarete Stokowski (die auf Twitter immer wieder weitergibt, welche Reaktionen sie allein schon wegen ihrer polnischen Vorfahren erntet).
„Oben und unten: Pöbeln, aber präzise
Plädoyer für eine differenzierte Schmähkritik“.

Nun ist es aber gar nicht dumm, die Ruinen von Palmyra wegzusprengen, Mexikaner pauschal als drogenhandelnde Vergewaltiger zu bezeichnen oder Flüchtlingen zu wünschen, sie sollten im Meer ertrinken oder an der Grenze erschossen werden. Es ist falsch und böse und hässlich, aber nicht dumm: Wer das tut, ist kein Idiot, sondern ein schlechter Mensch.

(…)

Warum finden viele Dunja Hayali und Anja Reschke so cool, wenn sie sich über Hass äußern oder über Lügenpressevorwürfe? Weil die sich selbst und ihre Arbeit ernst nehmen – aber andere Menschen eben auch. Sie machen es sich nicht einfach. Sie geben zu, dass Dinge kompliziert sind, und machen trotzdem weiter.

  1. In Bayern werden Namen in der Reihenfolge Familienname Taufname genannt. []