Journal Donnerstag, 4. Februar 2016 – Winterradeln

Freitag, 5. Februar 2016 um 6:33

Die neuen Nachbarn wissen also nicht nur nicht, dass man in diesem Haus nicht laut feiert. Sie wissen auch nicht, wie man Rollläden hochzieht, ohne dass das ganze Viertel mithört und die direkte Nachbarin senkrecht im Bett steht. Kurz vor sechs.

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Über Facebook verabredete ich mich für Freitagnachmittag. Mit einer Frau, die ich 20 Jahre nicht mehr gesehen habe und die maßgeblich am Erfolg meines Auslandsjahrs beteiligt war.

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Mit dem Rad in die Arbeit, weil ich nach Feierabend noch entlegenere Besorgungen zu erledigen hatte.

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„Sturmfrei“ nannte es die Kollegin, dass die Führungsriege komplett auf einem aushäusigen Workshop war. Ich amüsierte mich, dass ich am Mailaufkommen ablesen konnte, wann gerade Kaffeepause auf der Tagesordnung stand.

Ein wenig nahm man den Fasching im Haus wahr, es war Weiberfasching. In der Cafeteria gab es Krapfen – leider hatte ich keine Lust darauf, insgesamt bin ich dieses Jahr allerdings sehr unterkrapft.

Viel Korrektur gelesen, mich um den Plural von LED gedrückt (landläufig LEDs, wortkorrekt müsste er eigentlich LEDn lauten, auf Leuchtdioden ausgewichen).

Gelernt, wie ich eine Gutschrift an meinen Arbeitgeber verarbeite. In der bayrischen Firma, mit der ich das telefonisch klärte, herrschte ausgelassene Stimmung, die möglicherweise mit Fasching zu tun hatte.

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Nachmittags hatte es wieder zu schneien begonnen, recht nass. Kurz erwog ich, mit der U-Bahn rüber nach Schwabing zu fahren, aber dann hätte mein Rad beim Büro gestanden, außerdem reute mich das Geld. Ich musste früh los, da die Verkaufsstelle und der Kaffeeladen beide um 18 Uhr schlossen und ich mich nicht hetzen wollte. Noch vor fünf packte ich mich also in Jacket, Schal, Janker, Leuchtweste, dicke Mütze, Handschuhe und radelte ins östliche Altschwabing. Ich nahm dabei eine von Google Maps vorgeschlagene Route, auf die ich selbst nicht gekommen wäre: Quer über die Theresienwiese, über den Marienplatz (wagte ich nur, weil ich bei diesem Wetter wenige Fußgänger erwartete), Hofgarten, Englischer Garten – the scenic route. War schön im leichten Schneefall, nur dass ich halt bald durch die nassgeschneite Brille nichts mehr sah.
Meine Besorgungen verliefen problemlos, so dass ich bereits um sechs daheim war – mit dann aber doch durchgefrorenen Füßen hatte ich genug vom Draußen.

160204_01_Sandwichtoaster

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell alles für Vergnügen mit dem Sandwichtoaster besorgt. Die Kombination gegrillte Aubergine/Raclettekäse kann ich sehr empfehlen, Paprikapaste macht sich ganz hervorragend, das abschließende Urteil zum Einsatz von Obatztem steht noch aus.

(Ich mag ungeschönte Fotos von heimischen Mahlzeiten sehr, fühle mich aber immer beklommen, wenn ich keine Servietten sehe: Mit Servietten bin ich so konsequent groß geworden, dass ich sie wirklich zu jeder Mahlzeit brauche. Selbst wenn ich nur ein Brot am Schreibtisch esse, lege ich mir ein Stück Küchenrolle daneben, weil ich mir ganz sicher während des Essens mindestens den Mund und oft auch Finger abwische. Mittlerweile argwöhne ich, Eltern sollten ihren Kindern vielleicht gar nicht erst Servietten beibringen: Ein Fehlen bringt mich beim Essen tatsächlich ein wenig in Bedrängnis.)

die Kaltmamsell

15 mal Beifall zu “Journal Donnerstag, 4. Februar 2016 – Winterradeln”

  1. Helga meint:

    Servietten sind definitiv ein Muss. Soll man sich etwa den Mund am Ärmel und die Finger an der Hose abwischen?

  2. lihabiboun meint:

    Allerbeste Frau Kaltmamsell, kennen Sie die Krapfen vom Café Högl? http://www.cafehoegl.de/
    Das ist von Ihnen aus ja nur umme Ecke, sozusagen. Im Gegensatz zu vielem anderen dieser Bäckerei sind sie allerwärmstens zu empfehlen!
    Und sehen Sie, Ihr Serviettenproblem ist bei mir die Schürze: Ohne geht gar nichts in der Küche, ich fühle mich dann wie zwei linke Hände. Tja. Das sind so Probleme.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ich habe den Verdacht, Helga, dass serviettenlose Erziehung zu einer sauberen Essweise führt: Diese Menschen schmutzen einfach weniger.

    Högl-Krapfen finde ich ok, lihabiboun, aber das Ideal der Augsburger Bäckerei Wolf konnte für mich noch keine Münchner Bäckerei erreichen.

  4. Julia meint:

    Harissa/Paprikapaste als Brotaufstrich bzw., um die Käsescheibe vom Herunterrutschen abzuhalten, mag ich sehr. Die Idee, sie in den Obazda zu machen, kam mir noch nicht. Das probiere ich aus! Überhaupt: Ein Leben ohne Sandwichmaker wäre schlimm… Ich habe meinen oft im Einsatz, seit ich von zuhause arbeite. Ein Sandwich zum Lunch wirkt gleich viel mehr als Mahlzeit als ein belegtes Brot.
    Ich finde übrigens, dass Servietten guter Stil sind. Egal, ob Küchenrolle, Papier- oder Stoffserviette. Das hat nichts damit zu tun, dass wir alle nicht gescheit essen können. Oder doch???

  5. eausp meint:

    Ohne Serviette geht gar nicht, aber erst seitdem ich in Portugal wohne. Ob Frühstück, Mittagessen, Snak oder Abendessen, es gibt Servietten. Die Portugiesen finden es übrigens gar nicht gut, dass man in Deutschland oft keine Serviette bekommt, wenn man z.B. ein Teilchen/Kaffeestückchen oder Brötchen beim Bäcker kauft zum Gleichessen.

  6. philine meint:

    Servietten zum Essen finde ich sehr wichtig. Zum Schutz der Kleidung legt man sie sich auf den Schoß. Aufgewachsen bin ich mit Stoffservietten. Jedes Mitglied der Familie hatte einen silbernen Serviettenring, den wir jeweils zur Taufe bekamen, mit Namen drauf. Der meines Vaters war besonders schön, immerhin Jahrgang 1910; seinerzeit wurde noch mit sehr viel Liebe und besonderen Schriften graviert.

  7. Trolleira meint:

    Ahhh, daher haben die Brasilianer das „Serviettensyndrom“, von den Portugiesen! Ohne Serviette geht hier auch nix, selbst der Burger von diversen Burgerketten wird zum Halten in eine Serviette gewickelt.

    Das ist wirklich lustig, ich hatte diese Woche auch Sandwichtoasterabendessen, nach langer Zeit wieder! Muss in der Luft liegen :-)

    Schönen Fasching!

  8. berit meint:

    Ich schäme mich beim Lesen der Kommentare gerade ob der völligen Serviettenlosigkeits meines Haushalts und dem meiner Eltern.

    In der DDR war vielleicht auch anderes wichtiger ;-)

  9. Crazycook meint:

    LED ist die Abkürzung von „light emitting diode“ (International üblich) Also wäre die Mehrzahl LEDs richtig.

  10. windsbraut meint:

    @berit
    Das kann nicht an der DDR gelegen haben, denn bei uns gab es immer Servietten. Wenn es keine Papierservietten zu kaufen gab, gab’s welche aus Stoff, die meine Großmutter z. T. aus allter Weißwäsche schneiderte.

  11. Trulla meint:

    Thema Serviette: Blau für Herrn und Rot für Frau Kaltmamsell?

  12. die Kaltmamsell meint:

    Tatsächlich genau umgekehrt, Trulla, aber reiner Zufall.

  13. berit meint:

    Windbraut, ich weiß, ich weiß, aber IRGENDEINE Ausrede wollte ich doch hinschreiben. Ich könnte alternativ noch „Ich komme vom Dorf“ bieten? ;)

  14. Galalettalotta meint:

    Liebe Kaltmamsell, ganz in der Nähe Ihres Giesinger Sportstudios macht Herr Lehmann in der Pilgersheimerstr. 48 ganz wunderbare Krapfen. Vielleicht mögen Sie die ja mal probieren (nächstes Jahr)?

  15. Steffi meint:

    Bei uns gab es nur zu speziellen Anlässen Servietten (sonntags und bei Familienfeiern. Und Küchenrolle nur, wenn es etwas Fettiges zu essen gab (z.B. Brathähnchen). Ich brauche auch heute meist keine Serviette, und wenn, dann reiße ich etwas von der stets in Griffweite stehenden Küchenrolle ab. Mich würde auch die Müllproduktion stören, wenn ich bei jeder Mahlzeit Servietten verwenden würde. Aber wäre ich von Kindesbeinen an daran gewöhnt, würde ich das vielleicht auch anders sehen.

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