Journal Freitag/Samstag, 26./27. Februar – #rgmuc

Sonntag, 28. Februar 2016 um 9:56

Sonniger Freitag, ohne Frühsport zu Fuß in die Arbeit.

160226_01_Theresienwiese

Zu Fuß auch wieder nach Hause, nach kurzer Tätigkeit in der Küche spazierte ich zu einer lange geplanten Verabredung mit Bloggerinnen aus der ganzen Republik samt Anrainerstaaten (Zeugnisse sind zu finden unter #rgmuc für Reisegruppe München) im Spatenhaus: Nathalie von Cucina Casalinga hatte fertiggebracht, dass dieses immer wieder mal diskutierte Treffen in München tatsächlich stattfand und war so nett gewesen, auch mich anzusprechen. So kam ich zum ersten Mal ins Spatenhaus, sah einige seit Jahren gelesene Blogerinnen und Twitterinnen zum ersten Mal persönlich, traf schon länger bekannte wieder. Diese Gesellschaft, das gute Essen (mein ersten Mal Kalbskopf!), die überaus herzliche Bedienung und die Kuschligkeit des winzigen Hinterstüberls machten den Abend zu einem großen Genuss.

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Am Samstag ließ ich mich früh wecken, um noch Zeit für haushaltliches Kruschen und Wäschewaschen zu finden. Nathalie hatte die Bloggerinnenrunde zum Frühstück eingeladen, die Radlstrecke hinaus zu ihr machte mir klar, dass München sich an manchen Enden dann doch weiter ausdehnt, als ich snobbistische Innenstadtbewohnerin so im Gefühl habe – ich kam ordentlich zu spät.
Tatsächlich gab es zwei Frühstücke: Das erste am Morgen mit frischem Brot, Wurst, Käse, Marmeladen war meinem Organismus noch deutlich zu früh, umso mehr genoss ich das zweite um die Mittagszeit mit Weißwürscht und Leberkäs – sogar einer Halben Weizen dazu.

Der Rückweg nachmittags durch den Englischen Garten war gebremst: In der Sonne gingen viele Leute spazieren. Ich bog für ein paar Einkäufe ab Richtung Schrannenhalle – könnte mich bitte jemand vor dem nächsten Versuch davon abhalten, am Samstag Nachmittag die Frauenstraße entlangzuradeln? Ich hatte den starken Autoverkehr nicht einkalkuliert, und die heutigen Autobreiten lassen Radlern keinerlei Platz: Da ich nicht auf dem Fußweg fahren wollte, musste ich mich in den Autostau einreihen.

Daheim holte ich ein wenig Schlaf nach und las dann Stoner von John Williams aus:
Eine amerikanische university novel von 1965, die mir von Blogkommentatorinnen empfohlen worden war – zu Recht. Die Hauptfigur, der Literaturwissenschaftler William Stoner, wird ganz am Anfang mit einem kurzen Abriss seiner akademischen Karriere eingeführt: Studienbeginn an der Universität von Missouri, Promotion, als Dozent nie Karriere gemacht, kaum Spuren bei den Studierenden hinterlassen. Die ausführliche Version erzählt dann von einem doch recht besonderen Menschen aus sehr einfachen Verhältnissen, der sein Leben nie richtig in die Hand genommen hat, nur in der Forschung und in einer Freundschaft ganz aufging. Formal unauffällig schildert der Roman Stoners Wahl einer Partnerin, die ihm bald mit vielen Mitteln das Leben zur Hölle macht, die ruhige, tiefe Liebe zu seiner Tochter, die Lebensfeindschaft mit dem Leiter des Lehrstuhls, an dem er arbeitet – alles vor dem zeithistorischen Hintergrund zweier Weltkriege. Sehr schnell schafft die Geschichte eine Identifikation mit dieser einsamen Figur, vor allem wenn man Stoners Loyalität und die Anziehungskraft einer akademischen Umgebung nachvollziehen kann. Und wie Stoner frage ich mich seit der Lektüre, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er energisch Ansprüche erhoben – oder auch nur für seine Tochter gekämpft.

Eine weitere Radfahrt wieder hinaus an den Stadtrand, Nathalie und Partner hatten noch einmal eingeladen, diesmal zu einem köstlichen Abendessen:

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Zur Vorspeise eine Terrine und eine Pastete, dazu sardisches Brot.

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Als Hauptgericht ein Kalbsgulasch.

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Und zum Nachtisch Crème Caramel mit den ersten aromatischen Erdbeeren aus Italien.

Da die Gesellschaft aus lauter Geschichtenerzählerinnen bestand, war das Menü natürlich begleitet von weiterer lebhaftester Unterhaltung um Anekdoten aus diversen Ländern, Bundesländern, beruflichen Umständen und Freizeitverstrickungen.

Beim Heimradeln bewies München, dass es manchmal, ganz manchmal auch grüne Welle kann – großer Genuss.

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Nebenbei: Ich bin ganz begeistert, wie gut mein Organismus den Alkohol der vergangenen drei Abende vertragen hat. Keinerlei Nebenwirkungen, nicht mal in Form von Migräneangst. Verstehe einer diesen Körper.

die Kaltmamsell

1 mal Beifall zu “Journal Freitag/Samstag, 26./27. Februar – #rgmuc”

  1. Ulla meint:

    Ach deshalb gibt es bei Cucina Casalinga keine neuen postings!

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