Journal Mittwoch, 17. Februar 2016 – Hail, Cesar!

Donnerstag, 18. Februar 2016 um 7:09

Vormittags in der Arbeit großes Geburtstagsfrühstück einer Kollegin, Plaudereien mit Kolleginnen. Draußen schneite es hübsch wie für einen Hollywood-Weihnachtsfilm, zum Glück eher kurz und ohne Folgen.

Abends Hail, Cesar! im Cinema, angenehmste Unterhaltung. Ich hatte schon gelesen, dass der wundervolle Trailer einen ganz anderen Film verkauft: Die tatsächliche Show drehte sich um Eddie Mannix, der in einem riesigen Hollywoodstudio der großen Studiozeit dafür sorgt, dass die vielen Skandale keine Folgen haben. In Besprechungen des Films ist davon die Rede, er spiele in den 50ern, doch fasst er viel mehr drei Jahrzehnte zusammen:
Singende Cowboys (Alden Ehrenreich spielt ganz bezaubernd das naive Landei, das sich sogar beim Warten auf sein Date mit Lassotricks die Zeit vertreibt) waren in den 1930ern Stars (die Edelfassung Roy Rogers in den 40ern), die großen MGM-Musicals gehören in die 30er und 40er (Channing Tatum beweist in einer richtig gut choreografierten Tanzszene, dass man bis heute in Hollywood gehobene Steptanzkünste findet) Esther Willams‘ Badende Venus ist von 1944 (Scarlett Johansson in einer ambitionierten Busby-Berkeley-Wasserszene, die leider echte Patzer in den Massensynchronschwimmaufnahmen hat – die aber möglicherweise nur jemandem auffallen, die als Kind atemlos die Vorbilder bewunderte) und Ben Hur, die Vorlage für den Film im Film Hail, Cesar! (George Clooney spielt ganz hervorragend Schauspielen), kam 1959 in die Kinos. Immer wieder hörbare Freude im Publikum, wenn weitere Stars auftauchten, zum Beispiel Ralph Fiennes als geplagter Regisseur, der seinem Star die einfachsten Sätze vorsprechen muss oder Christopher Lambert als Musicalregisseur (dessen Silberblick ich erst beim Lesen des Abspanns zuordnen konnte).
Das alles bildet eine liebevoll zusammengestellte Kulisse für die Coen-Komödie, in der unter anderem ein etablierter Hollywoodstar zum Kommunismus bekehrt wird.

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„Period pain can be ‚as bad as a heart attack.‘ So why aren’t we researching how to treat it?“

Das frage ich mich seit Schülerinnenzeiten, als ich einmal monatlich eine Freundin (superfitte Sportlerin) grün im Gesicht wegen Menstruationsschmerzen für Tage ausfallen sah.

Dysmenorrhea, the clinical term for painful menstruation, interferes with the daily life of around one in five women, according to the American Academy of Family Physicians.

Bei mir sind die Schmerzen zum Glück mit einer Ibu (und einem Gläschen Wein dazu) niederzuhalten, aber auch ich habe schon mehrfach befürchtet, ich könnte mir die Lendenwirbelbandscheiben verletzt haben.

In meinem Fall sind es ja vor allem die Brutschmerzen in den bis zu 10 Tagen davor, die Gynäkologinnen und meine Zyklus-App mit „Spannungsgefühl“ bezeichnen: Hahaha, „Spannungsgefühl“ sage ich, wenn ich nach dem Duschen mein Gesicht nicht eincreme; dann spannt die Haut ein wenig. Aber sie fühlt sich keineswegs wie einmal durchgeprügelt an. Auch dazu habe ich noch keinerlei Forschungsergebnisse gefunden, weder Ursachen noch verlässliche Therapien.

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Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim NDR, wurde diese Woche als „Journalistin des Jahres 2015“ ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede sprach sie nicht von Triumphen, sondern von innneren Kämpfen und ständigem Hadern:
„Aber was heißt denn das: ‚Sagen, was ist‘?“

Es ist sehr aufschlussreich, wie Reschke unter anderem ganz konkrete Fälle von Berichterstattung schildert, zum Beispiel die Vorbereitungen und Entscheidungen zur Sendung „Panorama“ am 7. Januar.

Mich bewegt es, wie viele Journalistinnen und Journalisten ihre Aufgaben und ihre Auswirkungen reflektieren, wie sie damit kämpfen. Gleichzeitig fürchte ich, dass sie selbst mit einer Offenheit wie der von Anja Reschke nie Offenheit und Verständnis bei Menschen ernten werden, die nichts in Betracht ziehen, was nicht ihre eigenen Ansichten und Meinungen bedient.

Es ist ein bisschen wie mit Kindern: Wenn das Kind sagt: „Uh, da ist ein Monster unterm Bett“, und man sagt: „Nee, ich hab nachgeguckt, da ist kein Monster“ – es hilft nichts. Angst lässt sich nicht so leicht wegwischen.

Wir haben festgestellt: Je mehr Fakten wir den Ängsten und Gerüchten entgegengesetzt haben, desto größer wurde die Wut, desto mehr Kommentare und Mails hab ich bekommen.

die Kaltmamsell

11 mal Beifall zu “Journal Mittwoch, 17. Februar 2016 – Hail, Cesar!

  1. Claudia meint:

    Vielen Dank für die nette Zusammenfassung des Films. Da waren wir doch gestern tatsächlich im selben Kino. Christopher Lambert habe ich ziemlich schnell erkannt, wenn ich auch ob seines Aussehens ziemlich erschrocken war. Habe mich gefragt, wieviel davon Maske war. Als alter Gene Kelly und Fred Astaire Fan war ich natürlich von Channing Tatum’s Tanzeinlage begeistert. Die Szene mit dem russischen Unterseeboot hat mich allerdings etwas verwirrt zurückgelassen. …und Ralph Fiennes war einfach zu gut.
    Gegen das Spannungsgefüh in der Brust hat mir meine Ärztin Mastodynon empfohlen. Allerdings ein homöopathisches Arzneimittel. Selber habe ich es aber noch nicht ausprobiert.

  2. Frau Klugscheisser meint:

    Brutschmerzen gnihihi…

  3. die Kaltmamsell meint:

    Muahaha, Frau Klugscheisser, das MUSS ich so lassen! (Ich sollte meinen Tippfehlern eine eigene Comedy Show geben.)

  4. Tim meint:

    Da musste ich sofort an Sie denken.

    http://www.spiegel.de/panorama/bialetti-chef-renato-bialetti-in-espresso-kocher-beerdigt-a-1077997.html

  5. Regina meint:

    Vielen Dank für den Link zur Rede von Anja Reschke !
    Überhaupt vielen Dank für die vielen interessanten Anregungen und links.
    (zB James Rebanks, beide in Buchform, wegen Ihnen gucke ich sogar bei ihm und bei Ihnen in Twitter rein).

    Die Brutschmerzen hören mit der Menopause auf. Gegen Ende wurden sie allerdings nochmal stärker. Aber nicht so schlimm wie bei Ihnen, das ist ja furchtbar. (Hätten Männer sowas, gäbs bestimmt schon ein Mittel.)
    Aber echt Klasse, wenn das ganze unnötige Brimborium für nix endlich rum ist !!! Ging nicht ohne Entfernung von Myomen, hat sich aber im nachhinein sehr gelohnt. Hatte auch Hormone zur Unterstützung, die halfen ganz gut, allerdings als Nebenwirkung mitunter auftretende „cholerische Anfälle“ :0

  6. die.sandra meint:

    Da habe ich wohl viel Glück. Ich kann z.B. gar nicht sagen, wie sich eine schmerzende Brust anfühlt. Mich nervt meine Periode nur, weil sie daist und man die ständige Unsicherheit hat, ob der Tampon jetzt nicht doch schon voll ist und man, wenn man unterwegs ist, jede saubere Toilette zum Wechsel nutzt- die Periode beherrscht einen dann so. Aber mich wundert, dass die Ibu nicht auch bei den Brustschmerzen hilft. Die Tablette weiß ja nicht, wo sie hinsoll und schaltet einfach die Schmerzweiterleitung aus- egal, wo der Schmerz ist. Und Ibu hat sich eben allgemein bei Verspannungsschmerzen bewährt…

  7. die Kaltmamsell meint:

    Oh, Claudia, ich bin leider gegen Placebos immun. Und da die Forschung keinen blassen Schimmer von den Ursachen der Schmerzen hat (oder warum Schmerzmittel sie nicht lindern, die.sandra), werde ich wohl tatsächlich auf die Menopause warten müssen.

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  8. Ulla meint:

    Ich empfehle wärmstens Misteltropfen bei Menstruationsschmerzen! Haben mir bei meinen starken Schmerzen inkl. Übelkeit sehr gut geholfen. Ein bis zwei Tage vorher anfangen und während die Tropfen mit etwas Wasser einnehmen. Meine mich zu erinnern ca. 10-20 Tropfen, ist bei mir zum Glück nicht mehr nötig :-).
    Ich konnte dann sogar auf Schmerzmittel verzichten, nachdem ich die Tropfen regelmäßig an diesen Tagen einnahm.

  9. vered meint:

    Oja, diese Brut- und Periodenschmerzen sind Gründe, sich auf die Menopause zu freuen. Ist dann noch die Zeit der Hitzewallungen überstanden, beginnt DAS SCHÖNE LEBEN. Sie werden es doppelt geniessen … Bis dahin alles Gute (und möglichst viel Ruhe).

  10. Nicky meint:

    Bis vor etwa zwei Jahren praktisch ohne Beschwerden, dann auf einmal solche Unterleibsschmerzen, dass ich vier, fünf Tage am Stück gekrümmt durchs Leben schlich. Haus- und Frauenärztin fanden nichts, empfahlen verschiedene Schmerzmittel und Krampflöser, aber nichts half, nichts linderte die Krämpfe auch nur ein wenig. Nachträglich leistete ich Abbitte bei allen Freundinnen, die immer über Regelschmerzen geklagt hatten… DIESE Schmerzen kamen tatsächlich gleich hinter den schlimmstmöglichen Zahn- oder Ohrenschmerzen. Ich probierte sogar Kügelchen aus einer homöopathischen Apotheke – was einiges über den Grad meiner damaligen Verzweiflung aussagen dürfte. Half natürlich auch nicht. Als ich meinem Apotheker Feedback gab, dass auch die letzten Schmerztabletten nicht geholfen hatten, schaltete sich ein neues Apotheker-Mädel ein. Ja, das komme ihr bekannt vor, sie kam früher vor Schmerzen kaum aus dem Bett, bis sie Aleve ausprobiert hätte. Seitdem sei sie praktisch schmerzfrei.
    Das Ende vom Lied: Das war das allererste Mal, dass ich in meine Apotheke zurückgegangen bin, nur um mich zu bedanken – ich hätte diese junge Apothekerin küssen können! Innerhalb von zwei Stunden war ich schmerzfrei und habe seitdem auch ihren Rat befolgt, immer schon beim allerersten Ziehen eine Tablette zu nehmen. Dann reicht mir meist sogar eine einzige Tablette um die kompletten fünf Tage schmerzfrei zu bleiben.

  11. Anke meint:

    Nicky, bei mir fing das auch erst in etwas höherem Alter an. Früher völlig schmerzfrei, heute teilweise (glücklicherweise nicht immer) ein, zwei Tag/e komplett raus und mit Wärmflasche im Bett. Und vielen, schönen, chemischen Tabletten. (Dolormin für Frauen. Kein Geheimtipp, aber bei mir äußerst wirksam.)

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