Journal Dienstag bis Donnerstag, 22. bis 24. März 2016 – Vorösterlicher Nichtfrühling

Freitag, 25. März 2016 um 9:13

Dienstagmorgen Crosstrainer, Eichhörnchen und Rotkelchen gesichtet.
Dienstagabend zum Friseur geradelt.
In der Arbeit großes Osterfrühstück von drei Kolleginnen, die sich verabschiedeten: Eine in ein Jahr Sonderurlaub, eine für zwei Jahre in eine andere Abteilung, eine ging nach 18 Jahren Organisationszugehörigkeit ganz.

Wetter weiterhin kalt.

§

Mittwochmorgen ein mir neues Bauch- und Rückenmuskelprogramm absolviert- tut meiner Lendenwirbelsäule möglicherweise nicht gut.

Mittwochabend nach Wochen mal wieder in eine Stepaerobicstunde nach Giesing geradelt.

Innere Unruhe wegen Vaters bevorstehender OP, Katastrophenvisionen.

§

Ruhiger Gründonnerstag in der Arbeit, auf dem Heimweg ein paar Einkäufe beim Edeka.
Alleiniger Abend, Herr Kaltmamsell war aushäusig verabredet. Wetter immer noch nicht frühlingshaft, zumindest sind die Vorgärten bereits bunt mit Narzissen, Blausternen, Schlüsselblumen, Veilchen.

Für Techniktagebuch aufgeschrieben:
„Nostalgische Erinnerungen an Navi-Stimme Betty“.

Mit meiner Mutter telefoniert, die von meinem operierten Vater zu berichten wusste, dass er abends noch benommen war, aber hungrig.

Rachel Roddys Buch Five Quarters. Recipes and Notes from a Kitchen in Rome angefangen. Gleich ihre Anregung aufgenommen, mein grobes Salz für Nudel- und Kartoffelwasser zu verwenden und ein Schälchen davon neben den Herd gestellt. So kommt das Kilo endlich mal ganz weg, das seit Jahren im Küchenschrank steht und nur für die Salzmühle auf dem Esstisch genutzt wird. (Irgendwas in Salzkruste zu garen und dann das Salz wegzuwerfen, bringe ich nicht übers Herz.)

§

Weil ich erst letzthin wieder von einer gescheiten Frau hörte, Frauen explizit mitzuerwähnen sei albern, jeder wisse doch, dass in den männlichen Formen Frauen mitgemeint seien: Nein, das reicht eben nicht, Frauen bleiben so unsichtbar.

So gut wie jedes Wort ruft in unserm Kopf Bilder hervor (genau damit arbeiten wir Schriftsteller*innen ja auch) und die damit verbundenen Gefühle und körperlichen Sensationen bis hin zu Handlungsimpulsen. Diese Assoziationsblase nennt die Linguistik Frames. Liest man das Wort “Hammer”, plant unser Hirn (unbewusst) automatisch den Bewegungsablauf. Menschen, die danach eine Nagel einschlagen sollen, machen das besser und schneller als Menschen, die vorher das Wort “Schraube” gelesen haben. Unser Gehirn stutzt, wenn auf ein Wort eine Information folgt, die nicht zum Frame passt. Bei “Mechatroniker” sehen wir keine Frau in einer Werkstatt vor uns, sondern einen Mann. Wenn die Information folgt: “Ihr gefiel der Beruf”, dann gibt es eine Riesenpause im Gehirn, in der wir alle unsere Bilder umstellen auf das Frame “Frau.”

Deshalb also nochmal ausführlich: „Der Widerstand der Männersprache“.

die Kaltmamsell

7 mal Beifall zu “Journal Dienstag bis Donnerstag, 22. bis 24. März 2016 – Vorösterlicher Nichtfrühling”

  1. eva lorem ipsum meint:

    Zum Mittwoch Workout: Die Dame macht einige Übungen aus dem Hohlkreuz. Das kann schon ein bisschen auf die Bandscheiben gehen. Hab zwar nur kursorisch drübergeschaut, aber einige Fehler in der Ausführung gesehen.
    Z.B Pilates leg pull. ca. min 9.30 Sie reisst das Bein viel zu hoch. Richtig wäre es, den Rücken gerade zu machen und das Bein nur ein bisschen über die Horizontale zu heben. Und viel langsamer, damit die Muskelfasern Zeit haben, anzuspringen.
    Eigentlich müssten Sie aus Ihrer Erfahrung heraus schon wissen, wo es nicht gut gemacht ist. Und es eigenständig richtig machen. Oder einfach ein anderes Video suchen.

  2. Berit meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ja, eva lorem ipsum, gerade in dieser half plank position habe ich einiges sicherer gemacht. Ich schiebe diese Form der Ausführung auf die Pilates-Basis: Ballettmenschen müssen ihre Wirbelsäule ja verbiegen.

  4. adelhaid meint:

    salzkrusten sollten ohnehin immer mit dem billigsten salz gemacht werden. wenn man schick bekrusten will, kann man ja auch rosmarin rein machen und dann ggfs das salz anderweitig noch mal einsetzen. aber generell muss man bei der salzkruste ganz stark sein und einfach wegwerfen.
    aber- schönes buch. ich finde aber die rezepte auf der website noch besser und konsultiere diese noch immer.

  5. Margrit meint:

    Früher war mein Standardbeispiel zur Mitgemeintheit: „Mein Frauenarzt hat meinen Zahnarzt geheiratet.“ Aber das funktioniert ja nun (erfreulicherweise) nicht mehr ;~)
    Wahr bleibt’s trotzdem. Danke für das unmittelbar einleuchtende Hammer-und-Schrauben-Bild und den Link.

  6. Julia meint:

    Schön zu lesen, dass Ihr Vater die OP scheinbar/hoffentlich gut überstanden hat. Hunger bzw. Appetit gilt in meiner Familie nach überstandener Krankheit immer als gutes Zeichen. Ich wünsche Ihrem Vater, dass er sich bald und gut erholt.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank für die guten Wünsche, Julia.

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