Journal Dienstag/Mittwoch, 8./9. März – Kampf um einen freien Tag

Donnerstag, 10. März 2016 um 8:24

Am Dienstag in Schneegestöber in die Arbeit geradelt, vorher eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer gestrampelt und geschwitzt. Ein Eichhörnchen und ein Mäuslein vorbeihuschen sehen.

Im Büro kleinere Kämpfe (vor allem mit meiner Einstellung), daneben emsige Arbeit. Zeit genug für Mittagspause mit Zeitunglesen.

160308_02_Manti

Abends bereitete Herr Kaltmamsell die Mantı zu, die ich aus dem Kühlregal vom Verdi mitgebracht hatte (die Soße ist Joghurt mit Paprikaöl) – in überraschendem Maß wohlschmeckend.

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Auf Mittwoch seltsame Träume, die mal wieder in einer interessanten Wohnung spielten. Wohnräume und -häuser sind in meinen Träumen oft sehr konkret, an manche erinnere ich mich noch nach Jahren.

Morgens eine halbe Stunde Krafttraining, genossen. Wahrscheinlich ist sportliche Bewegung für mich auch eine wichtige Gelegenheit, mich selbst zu spüren. Da zu sein, ohne mich mit Lesen oder Anhören oder Anschauen abzulenken.

Mit viel Mühen hatte ich mir den Donnerstag als Urlaubstag erkämpft, durch den Mittwoch trug mich die Freude darauf – selbst bei vielen kleinen Organisationsschritten, die dafür erforderlich waren.

Abends den Ernteanteil vom Verteilerpunkt abgeholt: Herr Kaltmamsell, der das normalerweise macht, ist auf Reisen. Zum Nachtmahl Salat und Kresse aus der Kiste, dicke Scheiben selbst gebackenes, aufgetautes Brot dazu. Mich so aufs Ausschlafen am freien Donnerstag gefreut, dass ich am liebsten schon um acht ins Bett gegangen wäre. Aber ich weiß ja, dass ich dann um fünf spätestens munter wäre.

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Michael Seemann (an den ich wegen seines Twitter Handles immer als mspro denke) hat seinen Vortrag an der Uni Köln aufgeschrieben:
„Das Internet nach dem Internet – Eine persönliche Anamnese“.

Ich habe mich in Vielem wiedererkannt. Zwar habe ich Computer nicht als Spielzeug, sondern 1986 als Arbeitsgerät kennengelernt, aber auch für mich war das Gerät an sich immer irrelevant (schlimmer noch: Ich interessierte mich nicht mal sonderlich für die Technik dahinter, solange sie funktionierte). Die lebensverändernde Technik für mich waren das Internet und das Web: die Verbindung zu Menschen.

In der Blogosphäre streckte nicht eine kalte Technik seine Apparate in die Welt, sondern es etablierte sich eine neue Form von Lebensraum. Ich las Blogs, wie andere durch ihre Straße gehen, und kommentierte Artikel als würde ich mit den Nachbarn quatschen. Ich spürte das Internet förmlich, und zwar als Verbundenheit und Heimat. Ich fühlte mich im Internet zu Hause.

Und ein bisschen glaubte schon auch ich, dass sich der Rest der Menschheit früher oder später dieser neuen Möglichkeiten bemächtigen würde. Natürlich (im Nachhinein gesehen) waren die Geschäftemacher schneller.

Als die Menschenmassen kamen – etwa 2012, gründeten die wenigsten Blogs, sondern strömten zunächst fast ausschließlich auf Facebook. In dieser Zeit verdoppelte Facebook seine Nutzer/innen-Zahlen. Andere geschlossene Plattformen – Instagram, Whatsapp und Snapchat – wiederum profitierten von den Distinktions- und Ausweichbewegungen der jüngeren Generation und wurden ebenfalls in enormen Tempo zu riesigen Playern. All das hat zur Folge, dass das Internet und das open Web als Entität in den Hintergrund getreten ist, es bildet lediglich die Infrastruktur der eigentlichen Interaktionsschnittstellen.

Mich konnte auch das überraschen:

Ungehinderter Zugang zur Informationsverbreitung und ungehinderter Zugang zu Organisation stellten sich als wirkungsvolle Strukturverstärker nicht nur der Zivilgesellschaft, sondern auch des Hasses heraus. Ein Hass, der bis dahin in den dunklen Gewölben der Eckkneipen eingehegt war und nun mittels gegenseitiger Selbstverstärkung durch die digitalen Ritzen in die Öffentlichkeit quillt. Pegida, das vergessen viele, ist als Facebookgruppe gestartet. Pegida ist unser arabischer Frühling.

Heute ist das Netz einfach da, eine Gegebenheit wie für mich als Kind Telefon und Fernseher.

Das Netz ist halt da. Es ist ein Alltagsgegenstand, mit dem man Dinge machen kann.

(…)

Das Internet zu beschimpfen oder zu idealisieren macht so viel Sinn, wie über die Vor- und Nachteile von Sauerstoff zu diskutieren. Der Trick heißt Atmen.

die Kaltmamsell

3 mal Beifall zu “Journal Dienstag/Mittwoch, 8./9. März – Kampf um einen freien Tag”

  1. lihabiboun meint:

    Ich wünsche einen schönen, entspannten aber spannenden (!) Tag und genießen Sie ihn – trotz der Gräue!

  2. Sewwi meint:

    Danke für die Empfehlung der Mantis! Ich hatte sie mir am Montag intensiv angesehen, dann aber doch von einem Kauf Abstand genommen. Beim nächsten Einkauf dort kommen sie mit!

  3. Niwe meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

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