Journal Freitag, 4. März 2016 – Schönheit in Grau

Samstag, 5. März 2016 um 8:38

Wieder so ein Arbeitstag. Morgens zu erledigt für Frühsport, im Trocken-Grau ins Büro geradelt, pausenlos weitergearbeitet an einem Ergebnis, das der Empfänger sehr wahrscheinlich gerade mal überfliegt. Dadurch eine andere Deadline reißen müssen (zumindest mit Ansage), was ich hasse wie die Pest. Anrufern Google-Ergebnisse vorgelesen.

Diesmal konnte ich nicht zu spät bleiben, weil ich einen lange ersehnten Termin bei der Pediküre hatte, zu dem ich durch das weiterhin kalte, aber immer noch trockene München radelte.

Alleiniges Abendessen, da Herr Kaltmamsell verabredet war.

§

Altphilologieprofessorin Mary Beard war im Fernsehen als Vertretrin von Menschen, die ihre grauen Haare nicht überfärben. In ihrem Blog macht sie sich Gedanken zum Thema der (verlinkten) Sendung „Proud to be grey“ – unter anderem zum Umstand, dass alte Männer in den Medien mit der Wirkung Distinguiertheit besetzt werden, Frauen aber nicht.
„Some serious fun on Newsnight“.

Why do we usually take it as flattering to be told that we look 10 years younger than we really are?

Können Sie das beantworten? Ich sicher nicht: Ich wurde immer für älter gehalten und noch original niemand hat welche Aussehensveränderung auch immer an mir damit kommentiert, sie mache mich jünger.

Soll bitte wirklich jede mit ihren Haaren machen, was sie will. Nicht mal Hübschizität halte ich für ein allgemein gültiges Ziel. Zumal die ohnehin nicht in der Kombination billig dunkel gefärbter Haare und altem Gesicht liegt.

die Kaltmamsell

6 mal Beifall zu “Journal Freitag, 4. März 2016 – Schönheit in Grau”

  1. MissJanet meint:

    Ich werde immer so 10 – 15 Jahre jünger geschätzt, sowohl von Männern, als auch von Frauen gleichermaßen, und soll das dann schmeichelhaft finden, was mir schwerfällt. 10 – 15 Jahre Erfahrung, Weisheit und Leben abgesprochen zu bekommen, bloß wegen der schrägen Wahrnehmung des entsprechenden Mitmenschen – nun ja. In beruflichen Situationen war das früher oft wirklich ein Problem, weil mir meine Sachkompetenz und Berufserfahrung erst mal aberkannt wurde und ich sie dann nachweisen mußte. Das war extrem nervig. Wenn ich dann mein Alter angab/angebe, muß ich dann auch noch mit Unglauben umgehen, bzw. damit, dass Leute sich von mir getäuscht fühlen. Richtig gruselig wird es, wenn Männer sich verschätzen, es ist offenbar viel besser, 37 zu sein als 52, also gebährfähig contra menopausal, oder kurz neudeutsch „fuckable/unfuckable“. Da steckt dann auch so viel Sexismus drin, dass ich explodieren könnte.
    Mir ist das dann auch tatsächlich immer noch peinlich (als hätte ich etwas falsch gemacht), mit den Jahren habe ich aber gelernt, dem Gegenüber zu vermitteln, dass der plötzlich über mich ausgeschüttete „Ageism“ völlig unangebracht und idiotisch ist.
    Meine Haare färbe ich nicht, um Gottes Willen, jede graue Strähne mehr wird freudig begrüßt, ich möchte wirklich nicht auch noch als „Berufsjugendliche“ durch meine goldenen Jahre gehen. Ich habe aber auch so ein Straßenköterblond, da wirken die grauen Haare sogar noch schmeichelnd, machen den Teint frischer. Ist halt einfach so, liegt in der Familie.

  2. Trulla meint:

    Ich erkläre es mir historisch: die Männerwelt „musste“ angesichts der frühen Sterblichkeit der viel gebärenden Frau nach einer neuen, jungen, wiederum gebärfähigen Frau Ausschau halten. Da eine sitzengebliebene ältere Frau auf diesem Markt keine Chance hatte, war es sicher von Vorteil, jung/jünger auszusehen. Da pflanzt sich dann das Denkmuster Jung= gut, Alt= ungünstig in die Hirne ein.

    Noch meine Tante Hilde, Jahrgang 1910, gab mir den Rat, als ich in den 30ern war, diese Zeit doch zu genießen, denn ab 40 werde man als Frau doch unsichtbar!
    Sie hat den Wandel der Zeiten nicht mehr erlebt, ich denke, sie wäre erstaunt zu sehen, wie selbstbewusst und attraktiv Grauhaarige jeden Alters sich inzwischen in der Welt bewegen. Sie selbst hat übrigens bis zum Tod mit 80 Jahren ihre Haare gefärbt.

    Meine Mutter war mit Mitte 40 schon völlig grau, ihr Friseur lehnte ihren Färbewunsch ab mit dem Bemerken, die Farben seien nicht differenziert genug und ihr Haar wunderschön! Sie hatte sehr gute, glatte Haut und der Kontrast war reizvoll. Aber ihr Wunsch war entstanden aus tiefer Verletzung durch Bemerkungen anderer Frauen. So meinte eine Kundin meines Vaters in ihrer Gegenwart sagen zu müssen „Oh, Herr …., heute ist Ihre Frau Mutter auch da?“ Dabei war mein Vater der 6 Jahre Ältere.

    Ich trage mein Grau jetzt schon sehr lange, habe aber mit dem Färben erst aufgehört, als absehbar war, dass es sich harmonisch ausgebreitet hatte. Bevor es aber so weit war, habe ich zwischen 40 und 60 die Zeit genutzt, im ursprünglich dunkelbraunen Haar verschiedene Farben auszuprobieren, angefangen mit Henna, dann Strähnen, dann Blond. Und ganz klar wollte ich nie zu einem alten Gesicht zu
    dunkle Haare. Das finde auch ganz schrecklich.

    In früheren Zeiten wurde ich auch oft jünger geschätzt. Heute nicht mehr und das finde ich toll. Denn ich stelle tatsächlich fest, dass man mir netter, vielleicht weil konkurrenzfreier, begegnet.

    Und da man am Alter eh nichts ändern kann, ist es doch viel schmeichelhafter für attraktiv denn jung gehalten zu werden. Und Attraktivität verlangt m.E. nicht mal Schönheit, sondern ist ein Gesamtpaket aus vielen Komponenten.

  3. Hildegard Reinsch meint:

    Auch ich liebe mittlerweile seit einigen Jahre meine graue Haarpracht. Befreit sie mich doch vom ständig vorhandenen schlechten Gewissen wenn mal wieder die hellen Ansätze schon nach kurzer Zeit im braunen Haar sichtbar wurden und diese unsägliche Tortur des Nachfärbens anstand. Anfangs tat die Umgebung überrascht und ungläubig – dem Tenor nach Das kannst du doch nicht machen, das macht dich doch alt- mittlerweile finden es alle toll und meinen sogar das Grau sieht dynamischer aus. Alles zwar Quatsch aber mir geht’s gut dabei.
    Frau muss halt tun was ihr guttut!
    In diesem Sinne ein ruhiges Wochenende
    Hildegard

  4. Steffi meint:

    Ich habe erst ein paar graue Haare, die in meinem von Natur aus „mehrfarbigen“ Haar – ich habe so eine Art natürliche Strähnchen im dunkelblonden Haar – bislang nicht weiter auffallen. Ich mag meine Haarfarbe sehr und kann es mir deshalb auch gar nicht vorstellen zu färben, bin allerdings schon sehr gespannt, wie ich damit umgehe, wenn die grauen Haare überhand nehmen. Ich denke, das hängt sehr davon ab, wie sie mir stehen. Ich kenne viele Frauen – Sie eingeschlossen, Frau Kaltmamsell -, bei denen das graue Haar wunderbar aussieht. Aber eben nicht bei allen. Mal sehen, ich bin sehr neugierig darauf!

    Vielleicht kennen Sie ihn ja längst, aber bei diesem Beitrag von der Schlussredakteurin des SZ-Magazins musste ich an Sie denken. Ich könnte mir vorstellen, dass er Ihnen so gut gefällt wie mir: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44237

  5. die Kaltmamsell meint:

    Oh ja, Steffi, den Artikel im SZ-Magazin habe ich sehr gern gelesen: Professionell rechthaben dürfen ist ein Traum.

  6. Christine meint:

    Meine Haarfarbeist mittelblond und deshalb fallen hellere Strähnen oder sogar graue Haare nicht auf. Die grauen Haare erkenne ich weniger an der Farbe als vielmehr an einer gewissen Störrischkeit.
    Nur wenig ist peinlicher als ein zu dunkel gefärbter Schopf, der dann auch noch im Kontrast zu einem grauen Bart oder grauen Augenbrauen steht.

    In meiner Familie werden wir alle für jünger gehalten, als wir sind. Bei mir sind es schmeichelhafte etwa 5 Jahre. Das Leben ist im Moment nicht gut zu mir, weshalb ich froh bin, dass man mir das zumindest nicht auf den ersten Blick ansieht.
    Ich denke aber, dass sich das in den kommenden Monaten ändern wird: Ich nehme gerade durch das erhöhte Sportpensum reichlich ab und deshalb fehlt im Gesicht die Unterpolsterung der Falten durch den Speck: Es sackt alles in sich zusammen. Leider auch die Brust.

    Mein Vater wurde mit Ende 60 noch für Mitte 50 gehalten, was ihm im Berufsleben, wo es auf Jugend ankommt, sehr gut tat. Meine Mutter wird dieses Jahr 70: Sie arbeitet in einer OGATA und die meisten der Kinder ahnen nicht, dass sie älter ist als ihre Großeltern.
    Meine Schwester wurde mit Anfang 30 beim Einkauf von Prosecco noch nach dem Ausweis gefragt. Auch in dem Alter kam sie nich ohne Ausweis in einen Club… Sie ist sichtlich genervt davon, was ich sehr nachvollziehen kann.

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