Journal Sonntag, 13. März 2016 – Augsburger Geburtstagsessen

Montag, 14. März 2016 um 6:20

Morgen bei Elterns: Zusammen mit Herrn Kaltmamsell Papas neues Dumbphone mit Pre-Paid-Tarif von Tchibo in Betrieb genommen, eine durchaus komplexe Angelegenheit. Bis zum Abend hatten wir noch nicht alle Hürden erfolgreich genommen, am abschließenden Laden des bereits bezahlten Guthabens aufs Handy scheiterten wir – es tauchte einfach nicht als Guthaben auf. Solche Geschichten kenne ich ja bislang nur vom Lesen im Techniktagebuch; es kann doch wohl nicht angehen, dass das derart kompliziert ist. Zumal wir alle wollten, dass mein Vater bis spätestens Freitag überall erreichbar ist und überall telefonieren kann, weil er da nämlich ins Krankenhaus muss.

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Auf der Autofahrt mit meinen Eltern nach Augsburg auf Wiesen Rehe gesehen und Störche, kurz vor der Ausfahrt Lechhausen einen Bussard am Himmel.

Geburtstagessen bei Schwiegers mit Lachstatar, Rinderfilet, Maultaschen, Rosenkohl, Granatapfelquitten – und drei Torten zum Nachmittagskaffee.

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Problemlose Zugfahrt nach Hause. Daheim banges Linsen auf die Landtagswahlergebnisse in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Mein Befürchtungen bewahrheiteten sich mit überall gut zweistelligen Stimmenprozenten für die AfD, aber ich merkte, dass ich mich nicht mehr so persönlich bedroht fühlte (mit meiner nicht-deutschen Abstammung) wie damals von den Republikanern. Jetzt hoffe ich vor allem, dass sich die Politikneulinge in den Landtagen selbst zerlegen.

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Mal wieder eine schön recherchierte Geschichte, wie die Zuschreibung von Geschlechterunterschieden funktioniert:
„Über die Erfindung der Handarbeiten als weiblich“.

via @kittykoma

Genau so etwas zahlt auf meinen Feminismus ein: Eine Hauptgefahr des Sexismus besteht in Zuschreibungen und Stereotypen. Statt Menschen individuell zu betrachten, werden sie als Bestandteil einer Gruppe gesehen, werden die vorgefassten Eigenheiten dieser Gruppe auf sie projiziert. Aber sicher gibt es Geschlechterunterschiede, die zum Beispiel bestimmte Krankheiten wahrscheinlicher machen. Doch Verhalten, Vorlieben, gesellschaftliche Rollen, Ziele, Wünsche und Träume daraus abzuleiten oder gar vorzuschreiben (auch elterliche Erwartungshaltung ist Vorschrift) ist Unterdrückung.

Handelt es sich um weiblich konnotierte Eigenheiten, geht gerne Abwertung damit einher: Wenn textile Handarbeit heute als Mädchenkram oder typisch weiblich angesehen wird, bedeutet das implizit eine Abwertung gegenüber echtem Handwerk oder gar Kunst.

die Kaltmamsell

3 mal Beifall zu “Journal Sonntag, 13. März 2016 – Augsburger Geburtstagsessen”

  1. berit meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  2. Trulla meint:

    Leider verstehe ich nicht, liebe Frau Kaltmamsell, was eine nicht deutsche Abstammung damit zu tun haben kann, sich weniger bedroht zu fühlen von den deutlich rechts denkenden Wählern der AfD, die sich immer lauter bemerkbar machen. Schließlich leben Sie doch in diesem Land!
    Allerdings ist auch meine Hoffnung, dass diese dumme Protestpartei sich in den Landtagen selbst zerlegen wird, weil sie außer Hetze nichts zu bieten hat.

  3. Modeste meint:

    Bei Kindern verläuft das übrigens umgekehrt: „Typisch“ weibliche Tätigkeiten werden auf -, „typisch“ männliche abgewertet. Da ist dann das Spielen mit Autos auf einmal sehr bäh, das Basteln dagegen ganz oben. Das hat zwei unschöne Effekte. Mädchen geraten in eine „Weiblichkeitsfalle“, aus der sie dann später schlecht ausbrechen können, kleine Jungen fühlen sich abgewertet und gehen bestimmten Hobbys wie Tanzen oder Malen oft gar nicht mehr nach.

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