Archiv für Juli 2016

Journal Samstag, 30. Juli 2016 – Sommerferientag mit Freibad und Biergarten

Sonntag, 31. Juli 2016

Der Verdacht vom Freitag bestätigte sich: 2016 waren die Mauersegler schon am 29. Juli weg.

Ich wachte zu einem gloriosen Hochsommertag auf, der heiß, aber nicht unerträglich zu werden versprach. Morgenkaffee auf dem Balkon (ohne die Pfiffe der Mauersegler ist alles anders), Badesachenpacken, mit voll geladenem Smartphone-Akku zu Fuß zum Schyrenbad (das Pokémonfangen wird immer schwieriger).

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Mit Freude und Kraft geschwommen, an meine 3 km weitere 200 Meter drangehängt. Ein Stündchen getrocknet und gesonnt, ein wenig gestört von einem hysterischen Buntspecht, der durchgehend in den Bäumen hinter mit tscheckte. Mag sein, dass ein Greifvogel in der Nähe war, ich glaubte einmal einen zu hören.

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Auf dem Rückweg Getränke besorgt. Daheim wartete Herr Kaltmamsell mit Weißwurschtfrühstück: Er hatte zu einem Arbeitsabscheid in der Vorwoche Weißwürste spendiert, und ich hatte ihm ein wenig übel genommen, dass ich keine abbekommen hatte. Das war damit nachgeholt.

Zeitunglesen auf dem Balkon, ein kleiner Spaziergang zu einer Pokémonarena für einen verheerenden ersten Kampf. Ich sollte mich halt doch mit den speziellen Fertigkeiten der Viecher und dem Punktesystem auseinandersetzen.

Gegen sechs radelte ich mit Herrn Kaltmamsell zum Biergarten Aumeister. Der Herr guckte zwar länglich, weil der Weg dorthin weit ist, doch ich versprach ihm wundervollste Anblicke (Reaktion: „Hm.“).

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Der Aumeister war geschäftig, aber nicht überfüllt.

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Vor allem aber:

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Herr Kaltmamsell hatte sich soeben PokémonGO installiert (bis dahin gehindert durch technische Probleme auf seinem Endgerät), hier konnte er gleich mal mit beiden Händen Viecher einfangen – optimaler Kundenservice. Wir aßen Tellersulz, Obatzten, Riesenbreze, tranken viel Radler.

Das Heimradeln war wieder wundervoll, ich musste einfach nochmal zum Fotografieren absteigen.

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(Herr Kaltmamsell: „Aber jetzt ist es eine Radtour!“)

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Vor der Staatskanzlei saßen so viele Menschen, dass ich etwas überprüfen musste: Richtig, Pokéstop mit aktivem Lockmodul.

Journal Sonntag, 24. Juli 2016 – Heimreise

Montag, 25. Juli 2016

Mit nur dem leisesten Kater aufgewacht. Duschen, Bloggen, Packen, Fahrt zum Bahnhof. Dort trank ich Morgenkaffee und holte mir Proviant für die Heimreise, unter anderem einen Streuselfladen, der für mich typisch Berlin ist: Ein ungeheuer mächtiges Süßgebäck mit saftigem Hefeteig drunter und mehreren Zentimeter fetten, vanillinigen Streuseln drüber. Sättigt auf der Reise von Berlin bis hinter Bozen.

Beim Einsteigen in den ICE Slapstickeinlage, als eine Vielzahl großbekofferter Reisender (Ferienbeginn!) einer umgekehrten Wagenreihung hinterherhetzte.

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Ereignislose Rückfahrt, unter anderem durch ein hochsommerlich abgeerntetes Sachsen. Wie schon auf der Hinfahrt war der ICE perfekt temperiert und pünktlich. Ich sah viel aus dem Fenster, hörte Musik, las in Wilkie Collins‘ Moonstone, nickte immer wieder ein.

München empfing mich mit unerwarteter Sonnigkeit und Hitze, doch die Wohnung war kühl.

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Zum Nachtmahl verwandelte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Aubergine in ein Sechuan-Gericht. Wir erzählten einander unsere vergangenen Tage; Herr Kaltmamsell hatte mindestens so viele Verabredungen gehabt wie ich.

Journal Samstag, 23. Juli 2016 – Berlinurlaub mit Party

Sonntag, 24. Juli 2016

Zum Frühstück war ich gestern verabredet, im Hall & Klee.

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Zum einen aß ich dort den möglicherweise besten Obstsalat meines Lebens. Zum anderen aber und eigentlich saß ich dort in einer Runde mit drei Bloggerfreundinnen, stundenlang und in ergiebigsten Gesprächen.

Nachmittags ließ ich mir von einer der drei die dörfliche Struktur des Richardplatzes zeigen, dann wollte ich eigentlich zu Fuß zurück nach Weißensee in meine Unterkunft. Ich freute mich auf die zwei Stunden, hatte allerdings übersehen, dass ich ja ein Kleid trug: Es war recht heiß, und schon nach kurzer Zeit rieben sich meine Beine aneinander wund. Ich spazierte also nur bis zur Warschauer Straße und nahm dort die Tram.

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Abends dann der eigentliche Anlass meiner Berlinreise: Der runde Geburtstag einer Studienfreundin. Es war eine großartige Party, ich traf zahlreiche Menschen aus meiner Augsburger Zeit wieder, lernte neue Menschen kennen, bekam Köstliches zu essen und zu trinken. Ich fühlte mich so entspannt und ausgelassen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr auf einem Fest – fast wie zu Studienzeiten.

Journal Freitag, 22. Juli 2016 – Massenmord im fernen Daheim

Samstag, 23. Juli 2016

Eigentlich bestand der Tag aus einem ausführlichen Zufallsgespräch, einem ausführlichen Frühstück, einem ausführlichen Spaziergang und einem ausführlichen geplanten Gespräch.

Doch abends auf der Tramfahrt zurück ins Hotel erreichte mich die erste besorgte Nachfrage per SMS aus der Schweiz: Ein Freund schrieb, das Fernsehen berichte von einer Schießerei in München, ob es mir gut gehe? Ich recherchierte sofort nach dem Grund der Frage – und verbrachte, unterbrochen vom Abendbroteinkauf im Supermarkt, den Abend über Meldungen aus München. Im Olympiaeinkaufszentrum hatte jemand mehrere Menschen erschossen und war auf der Flucht, München stoppte den Öffentlichen Nahverkehr und forderte die Menschen auf, möglichst da zu bleiben, wo sie waren.

Sobald es die Möglichkeit gab, markierte ich mich bei Facebook als „safe“ – was ganz offensichtlich (Likes) schnell registriert wurde. Herr Kaltmamsell meldete unsere Wohnung auf Twitter als #offeneTür, damit in der Innenstadt Gestrandete dort unterkommen konnten. Ich las zwischen Twitter und Techniktagebuchchat, blieb dann aber am Ticker der Süddeutschen Zeitung hängen: Die hatte mehrere Hand voll Personal vor Ort und fand die Balance zwischen Tempo und Verlässlichkeit. Gegen 23 Uhr machte ich mir klar, dass ich weder etwas tun konnte noch irgendetwas in nächster Zeit bestätigt werden würde und ging ins Bett.

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Bis dahin: Morgens verließ ich das Haus erst mal für einen Kaffee.

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Diesen Ort, den Antonplatz, erkannte bei Twitter eine langjährige Twitterfreundin, die gleich ums Eck wohnt: Sie stürzte umgehend aus dem Haus und fing mich ab. Sie begleitete mich bis zum Lokal, das ich mir fürs Frühstück ausgesucht hatte, zum Pasternak. Genug Zeit, einander auf den neuesten Stand des Lebens zu bringen.

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Da ich ja schon Kaffee gehabt hatte, trank ich zum Frühstück Kwas, den ich hier zu schätzen gelernt hatte.

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Ich ergötzte mich an den völlig distanzlosen Spatzen. Der im Bild hatte gerade das kleine Croissant aus meinem Brotkorb gezupft (und es dann fallen gelassen, ich konnte es mir wiederholen).

Nachmittags war ich in Charlottenburg verabredet. Da ich Zeit hatte und das Wetter perfekt sommerlich war, ging ich zwei Stunden zu Fuß – und entdeckte dabei unter anderem den Landwehrkanal (wo auch endlich PokémonGo funktionierte und ich ein paar von den Viechern fangen konnte).

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In Charlottenburg frischte ich dann eine sehr langjährige Bloggerinnenfreundschaft auf – um den Preis, dass wir uns mit Schmerzen trennten und unter dem Seufzer, dass wir einander dringend viel öfter sehen müssen.

Zurück ging ich wieder den Landwehrkanal entlang, bis ich dem Umstand ins Auge sehen musste, dass auch noch so bequeme Sandalen irgendwann scheuern und Blasen verursachen. Also ging ich zum nächstgelegenen S-Bahnhof (Tiergarten).

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Laurie Penny berichtet von der US-Präsidentschaftskandidatenwahl der Republikaner, hier besonders persönlich und gleichzeitg analytisch. Unter anderem, wie sie von einem rechtsradikalen Demagogen zu den Wichtigs der Szene mitgenommen wurde.
„I’m With The Banned“.

Geert Wilders is also a true believer. I am introduced to the euro-fascist and his dead-badger hair by a genial young Dutchman I met earlier on Tinder. He tells Wilders that I am a left wing journalist, and Wilders does not alter his tone of voice as he turns to me and starts vaguely explaining how the whole of France is about to be abolished and replaced with a giant Halal kebab.

Wilders is the most obviously disturbed member of the neo-right suicide squad in attendance. He cannot finish a sentence. His voice drifts, and he trails away, already out of the room. There is a dustbin fire behind the blank eyes of his human suit.

Wilders is a less polished, wholly charmless rendition of the neo-right demagogue character creation sheet that gave us Donald Trump and Boris Johnson. These people do not have personalities, they have haircuts. Ugly ones. And we have fallen through the looking glass in which they see themselves reflected as small gods.

Nachtrag 24.7.16: Bei Spiegel Online gibt es eine deutsche Übersetzung des Artikels.

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In der aktuellen Ausgabe der New York Review of Books kommt Zadie Smith mit einem Essay über Brexit und ihrer Erklärung des Wahlergebnisses zu Wort:
„Fences: A Brexit Diary“.

Sehr lang und ausführlich, absolut lesenswert. Smith führt zum Thema, indem sie über die Gegend Londons schreibt, in der sie aufgewachsen ist und in der sie vorübergehend ihre Kinder zur Schule schickt. Am Unterschied des Verhältnisses der Bevölkerungsschichten früher und heute zeigt sie auf, was seither schief gegangen ist. Und worin die Hybris der gebildeten Mittelschicht besteht, die vom Brexit-Ergebnis schockiert war.

„What have they done?” we said to each other, sometimes meaning the leaders, who we felt must have known what they were doing, and sometimes meaning the people, who, we implied, didn’t.

Now I’m tempted to think it was the other way around. Doing something, anything, was in some inchoate way the aim: the notable feature of neoliberalism is that it feels like you can do nothing to change it, but this vote offered up the rare prize of causing a chaotic rupture in a system that more usually steamrolls all in its path. But even this most optimistic leftist interpretation—that this was a violent, more or less considered reaction to austerity and the neoliberal economic meltdown that preceded it—cannot deny the casual racism that seems to have been unleashed alongside it, both by the campaign and by the vote itself.

(…)

Extreme inequality fractures communities, and after a while the cracks gape so wide the whole edifice comes tumbling down. In this process everybody has been losing for some time, but perhaps no one quite as much as the white working classes who really have nothing, not even the perceived moral elevation that comes with acknowledged trauma or recognized victimhood. The left is thoroughly ashamed of them. The right sees them only as a useful tool for its own personal ambitions. This inconvenient working-class revolution we are now witnessing has been accused of stupidity—I cursed it myself the day it happened—but the longer you look at it, you realize that in another sense it has the touch of genius, for it intuited the weaknesses of its enemies and effectively exploited them. The middle-class left so delights in being right! And so much of the disenfranchised working class has chosen to be flagrantly, shamelessly wrong.

(…)

While we loudly and rightly condemn the misguided racial attitudes that led to millions asking “them” to leave “us,” to get out of our jobs and public housing and hospitals and schools and country, we might also take a look at the last thirty years and ask ourselves what kind of attitudes have allowed a different class of people to discreetly maneuver, behind the scenes, to ensure that “them” and “us” never actually meet anywhere but in symbol. Wealthy London, whether red or blue, has always been able to pick and choose the nature of its multicultural and cross-class relations, to lecture the rest of the country on its narrow-mindedness while simultaneously fencing off its own discreet advantages. We may walk past “them” very often in the street and get into their cabs and eat their food in their ethnic restaurants, but the truth is that more often than not they are not in our schools, or in our social circles, and they very rarely enter our houses—unless they’ve come to work on our endlessly remodeled kitchens.

Journal Donnerstag, 21. Juli 2016 – Fahrt nach Berlin

Freitag, 22. Juli 2016

Am Samstag bin ich zu einem Fest in Berlin eingeladen. Ich nutzte die Gelegenheit für ein paar Tage Berlinurlaub und nahm schon gestern einen Zug nach Nordosten.

In München hatte sich der Hochsommer schwül verdüstert, kurz vor meiner Abfahrt setzte ein Wolkenbruch ein. (Neues Hindernis fürs Pokémonspielen: App findet kein GPS-Signal.) Der Regen hielt in verschiedener Stärke an bis Leipzig. In Berlin war es zwar bedeckt, aber trocken und warm, über den Nachmittag verschwanden auch die meisten Wolken.

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Unterwegs las ich Bov Bjergs Die Modernisierung meiner Mutter zu Ende. Die Geschichten gefielen mir sehr; da sie für Lesebühnenauftritte geschrieben waren, hatte ich Launigkeit befürchtet. Doch obwohl die Geschichten oft lustig sind, fehlt ihnen jede Launigkeit: Komisch sind die beschriebenen Inhalte, die Bov beobachtet. Fast alle Geschichten leben von der Dörflichkeit und Provinzialiät, in der sie spielen – möglicherweise ist aber gerade diese nur aus der Warte der Großstadt erkennbar. Blick und Menschlichkeit erinnerten mich mehrfach an Hanns Dieter Hüsch, dazu kommt aber bei Bov die Reflexion dieses Blicks; ich fürchte, wir1 können nicht anders, wir bestehen aus purer Befangenheit.
Meine Lieblingsgeschichte ist „Im Kreisel“. Zum einen als Metapher für genau diese Befangenheit, zum anderen als beste Schilderung gesellschaftlicher Mechaniken anhand eben dieser Kreisverkehre, wie sie in den vergangenen 20 (30?) Jahren vor Dörfern und Kleinstädten aufkamen.

§

Untergekommen war ich in einem billigen Hotel im nördlichen Prenzlauer Berg; das ebenerdige Zimmer ist geräumig und mit Fenstern in den Hinterhof kühl.

Zum Abendessen war ich im Cordobar verabredet. Ich spazierte durch den sommerlichen Spätnachmittag eine gute Stunde hin (neues Hindernis fürs Pokémonspielen: Es tauchte kein einziges Pokémon auf.)
In anregender Begleitung saß ich in einem schönen Innenhof. Die Lage des Lokals hatte mir ein völlig unbekanntes Berlin gezeigt, das mich eher an Wien denken ließ.

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Sophienkirche

Wir aßen ganz ausgezeichnet eine Vielzahl kleinerer Gerichte, die wir uns teilten.

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Ein winziger, mit Frischkäse gefüllter Kohlrabi

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Gurke mit Hollerblüten und Dill

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Ochsenherztomate mit Kimchi und Entenleber (Knaller!)

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Blutwurstpizza mit Roter Bete, Feta, Wasabi (die Blutwurst ist die Unterlage)

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Gegrillte Erdbeermargherita mit schwarzen Oliven und Thymian (es war eine kleine Pizza mit Erdbeeren)

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Ausgelöstes Tandoorihühnchen

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Wie kompliziert alles immer ist. Modeste erzählt von drei sehr verschiedenen Müttern.
„Drei Mütter“.

  1. Nein, ich weiß nicht genau, wen ich mit „wir“ meine; ich weiß bloß, dass ich dazu gehöre. []

Journal Mittwoch, 20. Juli 2016 – Hochsommertag mit Reisevorbereitungen

Donnerstag, 21. Juli 2016

Hochsommer: Morgenkaffee auf dem Balkon, zu Fuß in die Arbeit – mit Pokémonfang, während dem ich die Meldung erhielt, mein „Beutel“ sei voll. Im Büro hätte ich für Geld einen neuen gekauft (auch, um die Gelegenheit zu nutzen, für den Spaß mal zu zahlen), doch dazu hätte ich Netzzugang gebraucht.

Reise- und Abwesenheitsvorbereitungen, da ich Donnerstag und Freitag nicht in der Arbeit sein werde. Heimweg zu Fuß durch große, wolkenlose Hitze. In der verdunkelten, angenehm kühlen Wohnung noch ein paar Reisevorbereitungen. Zum Abendessen hatte ich mit Herrn Kaltmamsell Biergarten vereinbart, und er wäre mit mir auch zum Flaucher oder bis in den Hirschgarten geradelt. Doch ich hatte großen Hunger, also wurde es der nahegelegene Schnitzelgarten. Dieser war sehr voll, dennoch waren wir schnell mit Getränken und Speisen versorgt.

§

Schriftstellerin Hatice Akyün erzählte gerne, wie wichtig für sie als Kind der Duisburger Bücherbus war. Jetzt hat sie den Herrn getroffen, der das Projekt seinerzeit auf die Beine stellte.
„Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte“.

Ich möchte wild die Fahne schwenken für alle Projekte, die denjenigen Kindern den Zugang zu Lesestoff ermöglich, die ihn eben nicht daheim finden. Meine Einwanderereltern waren bereits die erste Generation nach Analphabetismus, haben beide einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung. Doch ohne die Pfarrbibliothek, später die Schulbücherei und die Stadtbücherei wäre ich leseverdurstet.

§

Ein von @dielila gepostetes Foto am

Selbstverständlich birgt PokémonGO-Spielen Gefahren, etwa dieselben wie das Aufnehmen von Selfies: Beides sollte man nicht machen, ohne seine Umgebung zu berücksichtigen.
„‘Pokemon Go’ players fall off 90-foot ocean bluff“.

§

Richard Brody im New Yorker über den neuen Ghostbusters-Film.

“’Ghostbusters‘: Bland, Mechanical, and Completely Worth Seeing“.

The story is so gleeful in the telling, so clever in the fit of its parts, so straightforwardly personal in its emotional underpinnings—and so pointed in its identification of precisely the kind of frustrated loner who can’t bear the very existence of this film—that its bland and mechanical realization is all the more disheartening.

(…)

Yet criticism of the new “Ghostbusters” is almost beside the point. What matters is that it exists and that it will, I hope, point the way to other movies starring (and, I also hope, directed by) women that will both reveal the artistry of the makers on both sides of the camera and that will bring their active and distinctive—and refreshing—points of view to themes, stories, and events that have previously been filmed from unchallenged and unconsidered points of views.

Es ist traurig, dass das noch so ist, aber es ist so.
Ich kann’s trotzdem kaum erwarten! (Und bin ausgerechnet zum Kinostart verreist.) Aber ich liege Melissa McCarthy ohnehin so ergeben zu Füßen, dass sie mir die AGB des neuesten iPhone-Updates vorlesen könnte.
Ich muss dringend nochmal Spy gucken.

Interessante Abschlussbeobachtung:

Regardless of its artistic lapses, “Ghostbusters” should very much be seen—first, because what’s good about it is very good and, second, because what emerges from the film, as from most recent studio films, is more a matter of politics than of art. The age of aesthetics in movies is near its end in the studios, and the result is a paradox: even mediocre studio films tend to have multiple dimensions—extra-cinematic, allegorical, metaphorical—that arise from the very corporate, institutional complexity of their production, their baked-in backroom backstory; as a result, even when the viewing experience is dull, the ideas that emerge are fascinating. That’s why there’s often much more to see and ponder in a run-of-the-mill studio movie than in an unexceptional low-budget or Sundance movie: in the latter, apart from the aesthetic, there’s almost nothing. The “Ghostbusters” remake is like the campaign of a major-party political candidate—imperfect, the product of years of fighting within the system, of years of negotiation and struggle and compromise, a campaign that represents and promises progress nonetheless—which is to say, like an important new beginning, no matter what.

Journal Sonntag, 17. Juli 2016 – Regen und Serverausfall

Montag, 18. Juli 2016

Am Vorabend hatte ich Herrn Kaltmamsell nur kurz daran erinnert, dass am Sonntagmorgen der diesjährige Kocherlball stattfinden würde – doch ihm war genauso wenig danach wie mir.

Aus unruhigen Träumen aufgewacht, während Kaffeetrinken und Bloggen begann es heftig zu regnen. Ich nahm also für die Fahrt zur Aerobicstunde am Ostbahnhof die U- und S-Bahn.

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Düstere Aussicht im Vergleich zum Vorsonntag. Ich hatte viel Spaß beim Turnen, konnte mich gut auf die komplizierte Choreo konzentieren.

Hätte meine Pokémon-App funktioniert, wäre ich zu Fuß heimgegangen, denn der Regen hatte aufgehört und es war warm geworden. Doch sie steckte immer noch fest. Über den Tag brachte ich sie einmal für 12 Minuten und einmal für 5 Minuten zum Laufen bis zum nächsten Absturz – sobald ich sie hatte aktivieren können, lief ich aus dem Haus (ich brüte doch gerade!). Bis ich wieder eines dieser Bildschirmbilder hatte:

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So ähnlich müssen sich in den 90ern die ersten PC-Spiele angefühlt haben. Dieses Pokémonproblem gab es wohl überall, nur wenige beneidete Spielende twitterten von Arenakämpfen und ausdauernden Fangspaziergängen.

Dazwischen wusch ich Wäsche und las alte Wochenend-SZ auf. Abends kochte Herr Kaltmamsell ein selbst erfundenes Rote-Bete-Risotto, das sehr gut schmeckte.

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Dazu lief im Fernseher A Long Way Down – ganz nett, eine Komödie um Suizid hätte viel danebener gehen können; der einzige konstruiert wirkende Charakter war der Fernsehmensch Martin Sharp, aber der war halt Satire. Toni Colette beim Schauspielen zuzusehen ist immer großartig.