Archiv für August 2016

Journal Montag, 29. August 2016 – Bröckelnde Ruine

Dienstag, 30. August 2016

Morgens ging ich in schwüler Wärme in die Arbeit, bald begann ein Regen, der den Vormittag über anhielt. Auf meinem Heimweg war die Luft angenehm kühl und frisch.

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Am Sonntag hatte ich übrigens herausgefunden, dass die blauen Flecken auf meiner rechten Hand, am rechten Handgelenk und am rechten Unterarm nicht oder nicht nur durch trampliges Dotzen an Türklinken und Schrankecken verursacht wurden. Diese konkreten jetzigen habe ich mir am Freitag beim Schwimmen geholt.

Das Schwimmbecken war ja sehr voller Menschen, darunter einige Kinder, die mit den Plastikketten spielten, die die Schwimmerbahnen begrenzen. Durch dieses Herumzerren verliefen sie nicht gerade an der Wasseroberfläche, sondern auch unter Wasser und mit deutlichen Abweichungen von der Geraden. Da ich immer recht weit rechts schwimme, um mich möglichst gut überholbar zu machen, schlug ich mich mehrfach heftig an, weil die harte Plastikschlange meinem rechten Arm im Weg lag. Das wurde mir während der sonntäglichen Schwimmrunde klar, als selbst leichte Berührungen der Abgrenzungen mit der rechten Hand, wie sie immer wieder vorkommen, unverhältnismäßig schmerzten.
Am Verlauf der blauen Flecken kann man ablesen, so bilde ich es mir ein, dass ich die Hand in vorbildlicher Weise eintauche.
(Aua.)

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Am Samstag verlor ich ein Stück Schneidezahn, es splitterte einfach ab. Gestern fand ich heraus, dass meine Zahnärztin diese Woche noch in Urlaub ist. Na gut, an die scharfe Bruchkante hatte ich mich schnell gewöhnt, so lang werde ich aushalten.

Journal Sonntag, 28. August 2016 – Brüllsonne und Garmischausflug

Montag, 29. August 2016

Es war der letzte wirkliche Hochsommertag angekündigt, bevor das Wetter gemischt werden und die Temperaturen auf spätsommerliche Höhe fallen sollten.

Ich stand also früh auf, um vor meinem geplanten Krankenbesuch in Garmisch noch zum Schwimmen zu kommen. Nochmal Morgenkaffee und Bloggen auf dem Balkon, allerdings unter fast bedecktem Himmel, dann großartiger Morgensonnenspaziergang zum Schyrenbad.

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Die Pappeln an der Lindwurmstraße mag ich sehr.

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Der Name dieses Herrn auf dem Südfriedhof mag bis zur Unleserlichkeit verwittert sein – die Sonne macht ihn mit Direktbestrahlung dennoch prominent.

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Schon um neun brannte die Sonne ganz schön heiß.

Das Schyrenbad war erwartungsgemäß licht besetzt, ich schwamm genussvoll meine 3 Kilometer über glitzerndem Beckenboden. Auch wenn man mir diesen Genuss anschließend nicht unbedingt ansah.

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Fußmarsch nach Hause, dort ausführliches Duschen und Cremen.

Mit einer Brotzeit und Lesestoff setzte ich mich in den Zug nach Garmisch-Partenkirchen, um meinem Vater im Krankenhaus zu besuchen. Leider ist er wegen dermatologischer Komplikationen noch nicht in Reha und klingt am Telefon bei aller Munterkeit doch hitze-erschöpft und ungeduldig. Ums Garmischer Klinikum gibt es auch keine Grünanlage, in die er sich setzen oder in der er spazieren könnte – ich kam eigens zu Fuß vom Bahnhof, um mich unterwegs gründlich umzusehen: Nein, da ist gar nichts. Also drehte ich mit ihm nur seine gewohnte Übungsrunde mit Krücken ums Gebäude.

Rückfahrt durch wunderschöne Hochsommerlandschaft – ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausblick von der Autobahn auch nur halb so schön ist.

Abends Resteessen mit Tatort-Gucken. Es ging um Internetdinge, und selbst ich Laiin hatte das Bedürfnis, die Ermittlerin wegzuschubsen: „Lass mich mal.“ Vor lauter Fachschmarrn konnte ich mich auf die Handlung nicht einlassen.

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Mal was ganz anderes. Im Englandurlaub hatte ich mir eine Körpercreme gekauft, die mir in einem Hotel sehr gut gefallen hatte. Gestern war sie alle. Das Besondere:

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Sie war wirklich, wirklich leer. Ich hatte schnell gesehen, dass die Creme nicht direkt im Behälter, sondern in einer Plastiktüte steckte und anfangs noch den Kopf über dieses vermeintliche Chichi geschüttelt. Doch zum ersten Mal erlebte ich, dass ich einen abgeschlossenen Behälter wirklich bequem (also ohne Aufschneiden) leeren konnte. Das geht sonst nur bei Töpfchen, und die sind wegen des ständigen Reingreifens nicht so hygienisch. Ich bin begeistert.

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Auf jetzt.de fragt sich Charlotte Haunhorst
„Warum heiraten wir so rückschrittlich?“

Und ich fuchtle bei jedem Satz unterstützend mit dem Krückstock (außer natürlich beim Eingangssatz – eine solche Hochzeit hätte ich sicher nicht als perfekt empfunden).

… beharren wir nicht sonst immer auf der Vielseitigkeit des Menschen? Darauf, dass er mehr als eben diese Klischees ist? Beim Thema „Hochzeit“ macht dieses Denken eine Pause.

Und ich hüstle bei

Dann dürfen alle, zumindest für einen gewissen Zeitraum, wieder in ganz altmodische Rollenbilder verfallen, ohne dass das jemand komisch findet.

Denn das fand ich schon immer nicht nur komisch, sondern so absurd, dass mir nur spezielle Brauthormone als Erklärung einfielen.

Inzwischen und nach einem weiteren Jahrzehnt immer wahnsinniger werdendem Hochzeitskult habe ich allerdings eine andere Erklärung: Marketing. Hochzeiten sind ein riesiger, millionenschwerer Markt, der nicht nur von Hollywoodbildern profitiert, sondern diese Bilder schon lange selbst produziert und zu Erwartungen sowie Wünschen macht.

Journal Samstag, 27. August 2016 – Einkochen; ein Hochsommersamstag in drei Kapiteln

Sonntag, 28. August 2016

Der Samstag war ein Hochsommertag in drei Kapiteln. Nach Kaffee auf dem Balkon mit Bloggen ging ich kurz einkaufen – verlängerte die Runde aber willkürlich, um bei diesem wunderschönen Licht (und bereits beachtlicher Hitze) durch die Gegend zu spazieren.

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Ickstattstraße

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Unterer Anger

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Isartor Sendlinger Tor (ich habe immer noch nicht verinnerlicht, dass die Sendlinger Straße jetzt den Fußgängern vorbehalten ist und schlängle mich erst mal weiter durch die Touristen auf den Gehsteigen)

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Sonnenstraße – bei dieser Hitze sicher nicht die angenehmste Arbeit

Am karg bestückten Klenzemarkt (August halt) kaufte ich ausführlich Käse (bei dem Herrn, der immer höchst Österreichisch fragt: „Brauchen’S a Sackerl?“), unterwegs Laugenzöpferl, beim Body Shop Körpercreme, beim dm Spülmaschinenreiniger und Klopapier.

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Zweites Kapitel war nach dem Frühstück die Fahrt mit Herrn Kaltmamsell (ebenfalls Genossenschaftler) nach Schönbrunn (S-Bahn mit Fahrrad): Gestern kochten wir Kartoffelkombinatler und -kombinatlerinnen wieder Tomatensugo ein, der in den dunklen und Wurzelgemüse-lastigen Winterwochen den Ernteanteil bunter machen soll.

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Ich übernahm einen Posten in der Küche zum Gemüseschnippeln und zerteilte fünf Stunden lang Tomaten, Tomaten, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Tomaten. Wie vergangenes Jahr war die Aktion bestens organisiert, Koch Wolfgang sorgte für Professionalität (und Kriegsgeschichten aus mehreren Jahrzehnten Kocherei), wir erzählten einander Geschichten und Gedanken. Und schwitzten ganz beachtlich in der Kombination Hochsommerhitze und Herdfeuer.

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Kapitel 3: Auf der Rückfahrt stiegen wir an der Station Hirschgarten aus und radelten rüber in selbigen. Abendessen in einem Münchenklischee.

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Im Hirschgarten muss man sich den Bierkrug selbst holen.

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Zu meiner großen Freude war ein Tisch direkt an der Tiershow frei.

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Wieder mal fiel mir auf, wie sehr ein Biergarten Bevölkerungsschichten mischt. Ich kenne wirklich niemanden in München, für den Biergartenbesuche nicht zum Sommer gehören. Oktoberfestverächter gibt es nicht nur mich, aber „Nee, Biergarten ist nichts für mich“ habe ich noch nie gehört. Entsprechend bunt ist dort das Bild. (Nur so als Tipp für Ethnologinnen auf der Suche nach einem Forschungsthema.)

Während es hier mit Einbruch der Dunkelheit spürbar kühler wurde, radelten wir in die Stadtmitte auch zurück in die Hitze. Aber keineswegs mit so schlaffeindlichen Graden, wie wir es aus dem Sommer 2015 kannten.

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Maximilian Buddenbohm verlinkt einen lesenwerten Artikel über den Umstand, dass Expertentum inzwischen mehr als lästig denn als nützlich angesehen wird:

„Fachwissen:
Hört auf die Experten!“

(Die) Mehrheit mag sich nicht mehr belehren lassen von denen da oben. Und mit oben sind, anders als früher, nicht nur die Paläste gemeint, sondern immer öfter die Podien. Lieber als auf den Rat der Experten hört man jetzt auf Menschen, die Emotionen wecken, Ängste und Ressentiments. Die Abwägen als Zaudern abtun und Genauigkeit als Erbsenzählerei.

(…)

Das Problem des Experten ist (…), dass er auf die einfachen Fragen nach dem Weg aus der gesellschaftlichen Malaise keine einfachen Antworten hat.

(…)

Für jemanden, der um seine Zukunft fürchtet, klingt dieses Einerseits-andererseits-Gelaber schnell wie ein Nach-Ausreden-Suchen. Lavieren so nicht die Mächtigen, wenn man sie beim Lügen ertappt? Und ist der Experte nicht bloß ihre Marionette, die den Schlamassel entschuldigen soll?

Journal Sonntag, 21. August 2016 – Garmisch-München

Montag, 22. August 2016

In Garmisch hatte es über Nacht heftig geregnet, das Bergpanorama hing voller Wolken. Aber auch das kann Garmisch.

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An manchen Ecken schien die Zeit stehen geblieben.

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Wir sahen auch an der kleinen Rehaklinik vorbei, die meinen Vater ab Dienstag wieder in vollen Einsatz bringen soll.

Beim Auschecken war ich umschwirrt von Amateurradprofis in hochinteressanter und sehr teuer aussehender Kunstfaserkleidung von den Haarspitzen bis um die Füße, ihre Renngeräte unterm Arm.
Wir frühstückten mit Gepäck wieder bei Hoffmanns, diesmal wegen schlechten Wetters drinnen.

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Pralinenkauf beim Konditor Krönner – wir hörten mit, wie eine Fremdenführerin erzählte, dass dies hier das älteste Konditorengeschlecht Bayerns sei. Die Pralinen stellten sich nach dem Abendbrot als durchaus empfehlenswert heraus.

Diesmal nahmen wir den Bus raus in die Garmischer Klinik, um meinen Vater nochmal zu besuchen. Er ist weiterhin bester Dinge, fühlt sich gut versorgt – ihm fällt aber durchaus auf, dass selbst Schwesternschülerinnen manchmal die 12 Stunden Ruhe zwischen Schichten nicht einhalten: Personalmangel.

Bus zum Bahnhof, Zug heim nach München.

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Zuhause kruschen und räumen, die eine oder andere Stunde Bügeln. Dann brachte ich mal wieder ein Säckchen Urlaubskassenkleingeld zum Einzahlen, verlängerte den Heimweg, um über den frisch Regen-gewaschenen Südfriedhof Pokémon zu jagen. Über einen Pokéstop entdeckte ich ein Grabmal mit frischer Rose – so hieß der Stop.

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Das hier war mir aber schon vor Wochen und ohne Pokéstop aufgefallen.

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Das Abendessen bestritt wieder Herr Kaltmamsell. Er wagte sich nochmal an Spaghetti carbonara – und diesmal waren sie perfekt.

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Wie ist es eigentlich als Online-Redakteur im Lokalen? Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier schildert seine vergangenen beiden Jahre:
„Wie wir mit der Hetze fertig geworden sind“.

Da waren echte Heldinnen und Helden am Werk. Was mich unglaublich erleichtert:

Ich habe mir (…) die Mühe gemacht und auf alle Nachrichten und E-Mails sehr ausführlich geantwortet, erklärt, wann ich von der Auseinandersetzung erfahren habe, was ich dann getan habe, mit wem ich telefoniert habe. Warum es nicht sinnvoll ist, ungeprüfte Informationen zu verbreiten. Und dass eine halbe Stunde eine lange Zeit für jemanden ist, der auf eine Nachricht wartet, aber eine kurze für jemanden, der versucht, die Polizei ans Telefon zu kriegen, die gerade ihren größten Einsatz des Jahres zu koordinieren hat. Mit einigen der Leser hatte ich daraufhin längere Zeit Kontakt; sie zeigten ernsthaftes Interesse an der Arbeit unserer Redaktion, von der sie – teils jahrzehntelange treue Abonnenten – keine große Vorstellung hatten.

Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber auch nicht – wie wir lange Zeit dachten – ein Kampf gegen Windmühlen. Im Gegenteil. Einige der Leser, die uns damals unterstellt hatten, ungefähr alles vertuschen zu wollen, melden sich heute regelmäßig auf der Facebookseite unserer Zeitung zu Wort und machen, wie wir scherzhaft sagen, einen guten Job. Wir beobachten mit Freude, wie sie nunmehr ihrerseits – nicht nur beim Flüchtlingsthema – anderen Lesern erklären, wie wir arbeiten, uns in Schutz nehmen und neuerdings sogar unsere Paywall verteidigen.

Bis dato hatte ich zu meiner Bestürzung annehmen müssen, dass sachliche Erklärungen völlig nutzlos seien. Sind sie wohl nicht immer, zum Glück.

via @spreeblick

Journal Freitag/Samstag, 19./20. August 2016 – Garmisch

Sonntag, 21. August 2016

Ich hatte mich am Freitag für nach Feierabend mit Herrn Kaltmamsell am Zug verabredet: Plan war, in Garmisch meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen (neues Knie) und zu wandern. Allerdings war schlechtes Wetter vorhergesagt, wir würden flexibel sein müssen.

Von Garmisch hatte ich nur vage Vorstellungen. Meine Besuche hatten sich in der Vergangenheit aufs örtliche Kino beschränkt (davon unten mehr), an den Rest hatte ich kaum Erinnerungen (gab es nicht gegenüber vom Kino eine Pizza Hut?).

Unterkunft hatte ich in der Altstadt gebucht; auf der Karte sah der Ort so übersichtlich aus, als könne kein Weg länger als 20 Minuten dauern. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Schon vom Bahnhof (pünktliche Ankunft, allerdings in einem unklimatisierten Backofen) zum Marienplatz gingen wir 20 Minuten – durchgeschwitzt von der Bahnfahrt durchaus anstrengend.

Das Restaurant, dass ich vorher recherchiert hatte, war dann aber wirklich nah: Vaun.
Ich aß Kürbismousse mit Zwetschen, Staffelseerenke mit Kräutersaitlingen und Asiareis, dazu lernte ich Welschriesling aus der Steiermark, von Skoff. Schmeckte mir sehr gut, passte wunderbar zum Kürbis, ist nicht verwandt mit Riesling. (Was die Empfehlerin nicht wusste.)

Am Samstag ausgeschlafen, zu sonnigem Sommerwetter aufgewacht.

Dafür, dass ich aus Oberbayern komme, empfinde ich Alpen-hohe Berge schon als sehr exotisch. Na gut, aus dem nördlichsten Oberbayern. Tatsächlich konnte ich schier nicht mit BOAH!-Fotos aufhören.

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Zudem sieht Garmisch an jedem Eck wie ein 50er-Jahr-Film aus, statt der omnipräsenten Damen in Niquab erwartet man Peter Alexander mit Band auf einem Pferdewagen oder Heinz Erhardt an Pettycoat-Mädel. Vielleicht halt ein 50er-Film von Buñuel.

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Vor allem aber gibt es in Garmisch dieses Kino:

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Als ich Ende der 80er, Anfang der 90er in Augsburg studierte, waren amerikanische Streitkräfte in beachtlicher Stärke in Garmisch stationiert. Und für sie liefen in diesem Kino US-Filme nicht nur unsynchronisiert, sondern auch immer bereits zum US-Start. Regelmäßig packten wir das eine im Freundeskreis vorhandene Auto voll und fuhren auf zwei bis vier Filme nach Garmisch. Mit einer Pause für Pizza in der Pizza Hut gegenüber. Hier sah ich unter anderem Jurassic Park und Sliver.

Gestern frühstückten wir unter Obstbäumen im Garten des Hoffmanns.

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Doch langsam wurde ich unruhig: Wir wollten vor unserer Wanderung über Kochelbergalm und Partnachalm ja noch meinen Vater im Krankenhaus besuchen, und für den Nachmittag war ein Wetterumschwung angekündigt. Der Routenplaner von Google Maps gab trocken an, dass es zur Klinik zu Fuß knapp 4 Kilometer und eine gute dreiviertel Stunde waren. Wir hasteten los.

Tatsächlich wurde das erst mal ein kurzer Besuch: Mein Vater hatte um 11 Uhr einen Physiotermin, er konnte uns gerade noch versichern, dass es ihm gut ging. Wir verabredeten uns für nach dem Wandern.

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So eine Skischanze ist schon ein eher absurdes Sportgerät.

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Kochelbergalm mit Fischweiher (und Hühnern und mächtigen Gänsen und Schweinen).

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Mittagspause auf der Partnachalm: Ich hatte Spaghetti Bolognese, Herr Kaltmamsell abgebräunten Leberkäse mit Kartoffelsalat. Ich hoffe, wir haben den Kellner durch Anwesenheit, Hunger und den Wunsch zu zahlen nicht zu sehr belästigt.

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Verlass dich niemals auf ein Wörterbuch.

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Partnachklamm von oben.

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Wir üben Selfie. (Irgenwann klappte es besser.)

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Partnachklamm von drinnen.

Das Wetter schlug wie vorhergesagt um. Als wir kurz vor vier wieder in die Klinik kamen, hatten uns erste Regentropfen angespritzt.

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Unglaublich, was die Medizin heute kann. Mein Vater stand bereits zwei Tage nach der OP wieder auf eigenen Beinen (unterstützt von Krücken, na gut).

Der Regen war stärker geworden. Doch Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass wir jetzt in geschützter Umgebung testen konnten, wie regendicht unsere Wanderjacken und -hosen tatsächlich waren – wir gingen die knappe Stunde zu Fuß zum Hotel. (Ergebnis: Nach einer halben Stunde Starkregen wird man auch innen nass.)

Und Abendessen gab es aus Nostalgiegründen gegenüber vom Garmischer Kino: in der Pizza Hut. Cheese Crust ist möglicherweise eine der akzeptableren Erfindungen der Nahrungsmittelindustrie.

Journal Mittwoch/Donnerstag, 17./18. August 2016 – Bankgeschäfte und Beifang aus dem Internet

Freitag, 19. August 2016

Jetzt hebt er dann doch die Hand zum Abschied, der Sommer. Gestern regnete es mehrfach kräftig, war den ganzen Tag düster und bedeckt.

Mittwochmorgen eine halbe Stunde Gymnastik für Bauch und Rücken, fühlte sich anstrengend an.

Mittwochabend nahm ich einen weiteren Schritt meines Kontowechsels in Angriff und schwitzte eine Stunde über der Auflistung aller Stellen, mit denen ich per Lastschrift oder Dauerauftrag in Verbindung stehe. Bankgeschäfte sind halt wirklich keine Routine für mich.

Anschließend gab es zum Nachtmahl Ernteanteil.

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Salat mit Gurken und Tomaten (und einer zugekauften milden Zwiebel), gebratene Zucchinischeiben.

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Am gestrigen Donnerstagmorgen eine Runde Crosstrainerstrampeln – ich komme sonst diese Woche nicht mehr zu Ausdauersport.

Für meine Radlfahrten erwischte ich zum Glück immer Regenpausen. Nach Feierabend Termin in meiner künftigen Bank; jetzt fehlen nur noch wenige Schritte, bis ich nicht mehr an das Thema denken muss.

Zum Nachtmahl mehr Ernteanteil.

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Gebratener Mangold – inklusive dem Grün der roten Beete, die botanisch dieselbe Pflanze ist. Dazu in Schweineschmalz gebratene Bratkartoffeln.
(Zum Nachtisch müssen Sie sich immer Schokolade, Schokonüsse, Fruchtgummi etc. vorstellen.)

Wieder früh ins Bett, um dort noch eine Stunde zu lesen.

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Die erfolgreiche US-Komikerin und Autorin Sara Benincasa reagiert auf die anonyme Frage: „Why did you gain so much weight?“
„Why Am I So Fat?
A man wrote to me to ask why I gained weight. Here’s my response.“

First things first, thank you for not threatening to rape me! I get rape threats because I’m a woman on the Internet.

via @misscaro

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Eine schöne Bahngeschichte bei Spon, Gegengift zu einer dort kürzlich veröffentlichten Bahnnöhlgeschichte.
„Würzburg-Hamburg: Bahn-Mitarbeiter können auch nett sein – und wie“.

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Carolin Emcke hat die Festspielrede zur Eröffnung der Ruhrtriennale 2016 gehalten:
„Vom Übersetzen“.

Selten hatte ich so wenig Zutrauen zu öffentlichen Reden als Instrumenten der Verständigung wie in diesen finsteren Zeiten.

Wann hat das begonnen, dass ungefiltert und hemmungslos jede innere Unanständigkeit heraus gepoltert werden darf, ganz gleich wie verletzend, ganz gleich wie schamlos, ganz gleich wie falsch?

Doch dann spricht sie über Aufklärung und über Anstand. Ihre Rede endet mit einem Appell für saubere Hosen.

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Bedrückend und sehr informativ:
„Leben mit einer Angststörung
Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle“

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„Die Schwimmerin, die über ihre Periode spricht, zeigt, wie sehr wir uns nach Normalität sehnen“.

Journal Montag, 15. August 2016 – Sommer zu Mariä Himmelfahrt

Dienstag, 16. August 2016

Langes Wochenende, da gestern einer der seltsameren bayrischen Feiertage war (und selbst in Bayern nur in den vorwiegend katholischen Teilen): Mariä Himmelfahrt.

Das Wetter blieb sommerlich, über den blauen Himmel schoben sich allerdings immer wieder große Wolken. Nach einem weiteren Morgenkaffee auf dem Balkon plus Bloggen radelte ich zum Friedensengel für eine Laufrunde. Ich ließ das Pokémonspiel angeschaltet um herauszufinden, welche Viecher hier zu fangen waren (einige sehr seltsame, stellte sich heraus). Dass ich immer wieder vom Laufen ins Gehen wechselte, um Pokémons zu fangen, war gestern genau richtig: Ich fühlte mich nicht in Bestform, nach einer Gehpause konnte ich jedes Mal erfrischt weiterlaufen.

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Einer unserer beiden sich abwechselnden Putzmänner war so nett gewesen, trotz Feiertags seinen Montagstermin zu erledigen. Deshalb duschte ich mich nach dem Lauf nicht daheim, sondern griff mir den gepackten Rucksack, die Picknickdecke und Herrn Kaltmamsell, zusammen radelten wir ins Einzelbad. München ist offenbar fast geschlossen verreist: Keine Schlangen an der Kasse, viel freie Fläche auf den Liegewiesen.

Zweimal schwamm/trieb ich den Kanal runter (SCHEISSEKALT!), sah unterwegs nach den Brombeeren, die an einer Stelle an dicken Büschen ins Wasser hängen: Sind noch nicht so weit. Als spätes Mittagessen (oder für mich als Frühstück) hatte Herr Kaltmamsell eine große Schüssel Wassermelone mit Feta und Minze dabei – köstlich. Unter gemischten Wolken mit Sonne lag ich herum, las ein wenig.

Zurück daheim setzte ich mich mit der Wochenendzeitung auf den Balkon (nicht gebügelt, nicht um Kontounterlagen gekümmert). Es war perfekt, nicht zu heiß, nicht kühl. Dieser Sommer darf bleiben.

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Antje Schrupp stöhnt:
„Schon wieder so eine Burkadiskussion“.

Sie legt den Finger darauf, was auch mich am meisten nervt:

Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der ständig öffentlich darüber verhandelt wird, was Frauen (nicht) anziehen dürfen, und wie das am besten gesetzlich zu regeln ist. Was Frauen anziehen, geht die Gesellschaft, den Staat, die Männer und im übrigen auch andere Frauen einen feuchten Kehricht an.