Journal Donnerstag, 10. November 2016 – Meine erste Bürgerversammlung

Freitag, 11. November 2016 um 6:58

Schon mal Restaurantempfehlungen für Mallorca Ende des Jahres recherchiert. Auf die Speisekarte eines kleinen Lokals in Sollér gestoßen, die auch Jamones anbietet und dabei unterscheidet zwischen
„Jamón del bueno, bueno“1
und
„Jamón del bueno pero no tan bueno, pero sigue siendo bueno“.2
Dieser Humor gefällt mir, da will ich dringend essen und trinken.

161110_04_buergerversammlung

Abends zum ersten Mal an einer Bürgerversammlung teilgenommen. In Bayern finden sie auf kommunaler Ebene einmal im Jahr statt, in München nach Stadtbezirken aufgeteilt und vom in der Kommunalwahl gewählten Bezirksausschuss geleitet. Gerade jetzt, wo immer mehr davon Profitierende die Vorteile unserer Demokratie bestreiten, möchte ich mehr ihrer Möglichkeiten wahrnehmen. Wenn ich mich schon nicht aktiv engagiere.

Und es war ganz großartig. Die Turnhalle in einem Hinterhof der Corneliusstraße war gut voll, auch wenn ich nach der Begrüßung der Funktionsträger den Eindruck hatte, dass die Hälfte der Menschen vom Amts wegen da war. Ich erlebte endlich mal Alexander Miklosy von der Rosa Liste, den ich seit meinem Zuzug nach München in unseren Bezirksausschuss wähle – ein richtiger Vorzeigemünchner. Die Ausführungen über Finanzen der Stadt und aktuelle Projekte im Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt waren hochinteressant; ich notierte mir zum Dranbleiben:
– Forschungsprojekt City2Share
Ausstellung Südliches Bahnhofsviertel, die jetzt in der Blumenstraße 31 zu sehen sein soll
Aufführung der Mozartoper Zaide mit Geflüchteten im Januar in der Alten Kongresshalle

Der Leiter der Polizeidienststelle in der Beethovenstraße, das ist die, an der ich regelmäßig vorbeilaufe, gab den Sicherheitsbericht. Neben Hintergründen und Zahlen (u.a. Körperverletzungsdelikte angestiegen, Diebstahl und Einbrüche deutlich gesunken) vermittelte er, wie sehr er den Bezirk mag. Und forderte eindringlich auf, die Informationskanäle der Münchner Polizei auf Facebook und Twitter zu nutzen.

Das Eigentliche der Bürgerversammlung aber waren Anfragen und Anträge der Bürgerinnen und Bürger, die bis noch in die laufende Versammlung schriftlich eingereicht werden konnten. Zum Teil lasen die Einreichenden selbst vor, zum Teil ließen sie vorlesen. Die Themen gingen unter anderem von Lärmbelästigung (viel, vor allem am Gärtnerplatz und an der Müllerstraße) und Spielplätze über Parkbänke, Radwege, zu schnelle Autofahrer bis Taubenfütterung und Sperrung der Theresienwiese während des Oktoberfestaufbaus (nicht von mir – aber jetzt weiß ich, dass ich mit solchem Ärger in die Bürgerversammlung gehen kann). Fast alle Einreichungen waren gut nachzuvollziehen.

Nahezu alle Anträge wurden von der Versammlung angenommen, einige wenige auch abgelehnt – zumindest einer, weil er ungeschickt konkret formuliert war, statt eine allgemeine Lösung für das beschriebene Problem zu fordern.

Das möchte ich wieder machen.

§

Im New Yorker ein langer Artikel über einen Restaurantkritiker der New York Times:
„Pete Wells has his knives out“.

Sehr interessant, weil unter anderem beschrieben wird, wie Lokale auf den Besuch eines Kritikers reagieren, von dem ihr Erfolg abhängt.

“I’m very reluctant to break the fourth wall,” Wells had said to me earlier, speaking of restaurant staff. “But I wish there were some subtle way to say, ‘Don’t worry!’” He sighed—he often sighs—and added, “I can’t honestly say that. Because sometimes they should worry.”

via Anne Schüsslers Blog

§

Michael Seemann schließt pessimistische Schlüsse aus dem Ergebnis der US-Wahl:
„Desillusionierung und Selbstdiagnose in Trumpistan“.

Ich denke, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem ich einsehen muss, dass das System nicht mehr zu retten ist. Und zwar weil Establishment-Kandidat/innen und (vorsichtig) progressive Reformer/innen dem anscheinend tiefen Wunsch nach radikalem Umsturz und grundlegender Erneuerung nicht gerecht werden können. Und sie werden deswegen immer gegen eine sich radikal gerierende Rechte verlieren. Und dann passieren Dinge wie Brexit und Trump. Und das ist die schlimmste aller Welten.

Verbittert folgert er:

Nur ein linker Populismus kann den rechten Populismus schlagen.

§

Dieses Jahr für den Seelenfrieden nötiger als je zuvor:
Der Weihnachtsspot von John Lewis.

via @londonleben

  1. So richtig guter Schinken. []
  2. Guter Schinken, aber nicht derart gut, aber wirklich immer noch gut. []
die Kaltmamsell

10 mal Beifall zu “Journal Donnerstag, 10. November 2016 – Meine erste Bürgerversammlung”

  1. Petra meint:

    Desillusionierend ist/ sind weniger der „der tiefe Wunsch nach radikalem Umsturz“ als die Verhältnisse, die diesen hervorbringen.
    Es ist mir unverständlich, wie man nicht bemerken kann, dass sowohl politisch als auch wirtschaftlich ein hoher Prozentsatz der Bürger rein mengenmäßig schlicht überflüssig geworden ist bzw. demnächst werden wird. Weder im Produktionsprozess noch bei politischer Entscheidungsfindung werden sie benötigt. Wenn man sich anschaut, wohin Möglichkeiten der Hochtechnologien führen werden und wie sich Kapital bereits jetzt in immer weniger Händen konzentriert, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass der große „Rest“ der Gesellschaft perspektivlos ist.
    Welcher gewaltige soziale Sprengstoff sich in der Folge ansammelt, ist bei den jetzigen Profiteuren der Gesellschaft zumindest schon angekommen, die bereits Vorsorge mit Bunkerbau, Privatflughäfen und Aufkauf verborgener Ländereien getroffen haben.
    Gegenwärtig scheint man sich nur noch nicht einig zu sein, die Masse mit Brosamen ruhigstellen zu wollen oder sie ganz auszusperren.
    Es geht nicht um politische Strömungen etc. sondern um die nackte menschliche Existenz.
    (Und wenn dann einer daherkommt, der sich angeblich in das Rad der Geschichte werfen will, um einen Rest an Selbstbestimmung wiederherzustellen, wird das halt gern genommen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich herausstellt, dass auch dieser Strohhalm versagt…..)

  2. eva lorem ipsum meint:

    Gut speisen auf Mallorca:
    http://daica.es/
    Fosh
    Ca na Toneta
    Es passeig in Port de Soller
    Andreu Genestra
    http://www.santipons.es/ das groupon-Menü ist ein super Deal
    http://www.mirador-de-cabrera.com/de/ (gerne auch Mittags wegen der Aussicht, hier mache ich auch immer interessante Weinentdeckungen)

    Schön Wohnen: http://www.finca-sonverdera.de
    (zumindest mal beim Gerhard reinschauen, falls ein Restaurant in Algaida angesteuert wird. Ernsthaft empfehlen kann ich da leider nix. Dann besser auf den Randa und die Aussicht geniessen.)

    Und danke, für die immer guten Empfehlungen in München.

    Saludos
    Dokse

  3. wrtlbrmft meint:

    Lecker essen in super sympathischer Atmosphäre auf Mallorca: Es Pati, Carrer Soler 22, 07530 Sant Llorenç des Cardassar. Hat im Winter allerdings zwischendurch auch mal ein paar Tage geschlossen – also am besten vorher anrufen (was sich wegen Reservierung aber sowieso empfiehlt) und checken.

  4. lihabiboun meint:

    So eine wunderschöne rote Hose!!! Das ist ja Manna in diesem tristen Novembergrau. Und dann die Kombi mit zarttürkis …. hach, ich schwelge!
    Ein superbarwundersames Wochenende wünsche ich Ihnen.

  5. Rainer meint:

    Und noch ein paar Tips für Mallorca aus langjähriger Erfahrung: :-)
    http://www.restaurantsantitaura.com/index.php (unbedingt vorbestellen und Taxi fahren, die Weinkarte und Ginauswahl ist sensationell!!!)
    – Restaurant Es 4 Vents, Ctra. Manacor, KM 21,700, 07210 Algaida (das Spanferkel hat eine Knusperhaut wie Pergament…)
    http://www.tast.com/tastunion/ leckere Tapas in Palma
    http://www.canpep.es/restaurante-can-pep-sa-rapita-cocina-mallorquina-y-mediterranea-en-primera-linea-al-mar.html (lecker Fisch und Aussicht)
    Viel Spaß!!!

  6. die Kaltmamsell meint:

    Sie schildern definitiv einen Missstand, Petra, der dringend bekämpft werden muss – gerade wenn man über die Zukunft der Arbeitswelt nachdenkt. Aber in den USA lässt sich das Wahlergebnis damit wohl nicht erklären:

    The election of Trump, this narrative goes, proves how these people feel ignored by the elite politicians and metropolitan media. We need to hear more from these people, the argument continues, and how they have suffered because of globalisation, the demise of industry, the opioid crisis, the death of the American dream.
    It’s interesting, this take, not least because, far from being a „working-class revolt“, 48% of those who earn more than $250,000 and 49% of white college graduate voters chose Trump.
    (…)
    The much-discussed American Dream is only considered „broken“ when it’s the white working classes who are suffering. When it’s African-Americans, they are simply lazy and morally flawed.

    Quelle:
    https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/nov/10/misogyny-us-election-voters

  7. Sanníe meint:

    Ergänzung zum Weihnachtsspot
    https://youtu.be/andad_Rd2ZU

  8. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank für die vielen Mallorca-Tipps!
    Kchchchch, Sanníe!

  9. Sigrid meint:

    Ich kann auch noch eine Empfehlung beisteuern:
    https://www.tripadvisor.de/Restaurant_Review-g580319-d3506022-Reviews-Casa_de_Sa_Miranda-Valldemossa_Majorca_Balearic_Islands.html
    Unbedingt reservieren, da sehr klein. Aber sehr leckeres Essen.

  10. Ina Pö meint:

    Ca na toneta in Caimari ist ein Restaurant das ich noch empfehlen möchte, zwei Schwestern alles aus dem eigenen Garten, tolles Ideen und eine sehr warmherzige Aufnahme. http://www.canatoneta.com
    Etwas am Arsch der Heide aber allemal eine Fahrt wert, so ziemlich in der Mitte der Insel hinter Inka.

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