Archiv für Januar 2017

Journal Montag, 30. Januar 2017 – Leichte und schwierige Mediengebühren

Dienstag, 31. Januar 2017

Morgens hatte es zwar immer noch deutlichen Frost, doch das Vogelgezwitscher war verdreifacht und verhieß einen Abschied vom strengen Winter.

Endlich ein Digitalabo bei der New York Times abgeschlossen (dem Guardian hatte ich schon am Wochenende eine Summe zukommen lassen, SZ ist eh abonniert). Solch eine monatliche Lesegebühr oder die Möglichkeit einzelner Spenden macht meine finanzielle Beteiligung sehr viel wahrscheinlicher als ein teures Abo nach Print-Tradition – weswegen ich zum Beispiel noch nichts für den geschätzten New Statesman gezahlt habe: Ich will nicht die gesamte Zeitschrift abonnieren, würde aber gerne deren Arbeit unterstützen. Wie ich es hin und wieder durch Einzelzahlungen an die taz tue.

Abends Apple Crumble aus Ernteanteiläpfeln gebacken. Während der im Ofen war, aus sonntags gekochten Kartoffeln und Majoneseresten vom Freitag (plus Kapernäpfeln) norddeutschen Kartoffelsalat – unsere Küche ist derart weltoffen! Den Kartoffelsalat gab es zu kalten Resten vom sonntäglichen Schweinsbraten.

Journal Sonntag, 29. Januar 2017 – Tauwetter

Montag, 30. Januar 2017

Es taute massiv, als ich morgens zum Sport am Ostbahnhof radelte, noch nicht so deutlich, doch auf meinem Rückweg tropfte und rann es in der Sonne überall – wunderbar.

Es hätte keinen besseren Tag geben können, eine Geschichte-Hausarbeit über Amnesty International gegenzulesen, als den Tag, nachdem US-Präsident Trump einen Einreisestopp für sieben muslimische Staaten verhängte, drei Tage nachdem er seine Sympathie für Folter äußerte.

Auditive Begleitung war der Lärm einer vielköpfigen Familienfeier aus der Oberwohnung – ich bewunderte die Ausdauer und die fröhliche Atmosphäre bis in die Nacht hinein.

Angekrapft: Neben Semmeln hatte ich auf dem Rückweg vom Turnen beim Bäcker Wimmer G’staubte und Vanillekrapfen geholt. Der schwere, saftige Teig gefiel mir gut, doch bei der Füllung bleiben die Vanillekrapfen vom Augsburger Bäcker Wolf das Nonplusultra.

Journal Samstag, 28. Januar 2017 – Arrival

Sonntag, 29. Januar 2017

Lange ausgeschlafen, den Tag mit einem sonnigen Morgen und Bloggen begonnen. Erst am späten Vormittag nahm ich eine U-Bahn raus nach Thalkirchen zu einem Isarlauf.

Gerade als ich dieses Bild am Zaun der Burg Schwaneck aufgenommen hatte, segelte über mir ein großer Greifvogel auf einen Baumwipfel, nach wenigen Sekunden flog er weiter. Daheim identifizierte ich ihn anhand seines auffälligen Flügelmusters: Das war wohl ein Bussard.

Auf dem Hinterbühler See wurde eisstockgeschossen.

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Daheim festgestellt, dass es in unserer Küche noch dunkler geworden war: Zwei der drei LED-Lämpchen über der Spüle funktionieren schon seit einiger Zeit nicht (die Leiste soll eh ausgewechselt werden), das eine Lämpchen von dreien über der gegenüberliegenden Arbeitsfläche, dass Herr Kaltmamsell vergangene Woche ersetzt hatte, ging auch mit neuem Birnchen nicht, und jetzt blieb auch das Deckenlicht dunkel. Dummerweise auch nach Tausch der beiden Birnen, da ist also etwas Grundlegenderes kaputt. Ich werde am Sonntag Rat bei meinem Elektrikerpapa einholen müssen.

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Nachmittags sah ich mir im Cinema Arrival an – mich hatte interessiert, dass bei dieser Alien-Begegnung eine Linguistin die ausschlaggebende Wissenschaftlerin war (und von der geschätzten Amy Adams gespielt wurde).

Mir gefiel der Film sehr gut. Dafür, dass wir es mal wieder mit riesigen Raumschiffen zu tun hatten, war er klein und ruhig gefilmt, die Personen unidealisisert aufgenommen (Amy Adams musste sehr wahrscheinlich nicht die sonst üblichen ein bis zwei Kleidergrößen fürs Filmen abnehmen und trug jederzeit glaubhafte Kleidung und Frisur). Lediglich die Aufnahmen vom und im Raumschiff sowie der Alienschrift waren außerweltlich atemberaubend.

Doch der Star ist die Geschichte: Erst im letzten Viertel des Films wird klar, worin die eigentliche Andersheit der außerirdischen Welt besteht, was sie mitgebracht haben. Und die Perspektive auf alles, was wir davor gesehen haben, verschiebt sich. Ausgezeichnet gemacht – und mal ein für Sprachforschende ansprechendes Science Fiction Set-up.

Hier eine Untersuchung der Darstellung von Linguistik im Film, vor allem des Büros der Hauptdarstellerin, hier macht sich Sprachwissenschaftler David Adger Gedanken über „How alien can language be?“.
Vorsicht: Im englischen Sprachraum gilt Sprachwissenschaft nicht als science, es wird zwischen science (Naturwissenschaften) und humanities (Geisteswissenschaften) unterschieden – selbst wenn letztere wissenschaftliche Methoden verwenden und Mathematik streng genommen nicht zu ersteren gehören dürfte. Aus diesem für Deutschsprachler fremden Gegensatz basiert so manche Diskussion im Film und in den englischen Besprechungen des Films.

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Weder Herr Kaltmamsell noch ich hatten Lust auf abendliches Kochen, der angepeilte Italiener ums Ecke war geschlossen, also gingen wir mittelfein Pizzaessen.

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Mit einer berührenden Multimedia-Reportage erzählt Katrin Steinberger von der 90jährigen Auschwitz-Überlebenden Éva Fahidi – die ihre Geschichte tanzt:
„Éva tanzt“.

Journal Freitag, 27. Januar 2017 – Emma und ich

Samstag, 28. Januar 2017

Die Theresienwiese trug morgens Pink.

Auf dem Heimweg Einkäufe: Ca. zwei Kilo Billigsüßigkeiten vom Aldi, mindestens ebenso viel Obst im Süpermarket, zwei Artischocken fürs Abendbrot (mit selbst gemachter Knoblauchmajo, danach Entrecôte mit Ofenkartoffeln).

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Die Zeitschrift Emma wird 40. Ein Begriff war sie mir von Kindesbeinen an, doch erst mit Anfang 20 las ich ein paar Jahrgänge nach: Es gab sie jahresweise für billig bei Zweitausendeins. Durch die Lektüre begriff ich den politischen Feminismus und Aktivismus dieser Generation. Doch mir fiel auch auf, wie oft Gegendarstellungen veröffentlicht werden musste: Mir als frisch ausgebildeter Journalistin mit enorm hohem ethischen Anspruch erschien das bedenklich, und es trübte mein Vertrauen in die journalistische Qualität der Berichterstattung. Die harte Schwarz-Weiß-Haltung der ideologischen Einstufung nahm ich als zeitgebunden und zweckmäßig hin.

Doch nach meiner feministischen Wiedererweckung war ich unglaublich erleichtert, die inklusive Haltungen des third wave feminism zu erleben, den ich zunächst aus US-Blogs kennenlernte. Vertraut war mir das Hinterfragen von Geschlechterstereotypen und ihren Konsequenzen, doch der Emma-Feminismus hatte immer absolute Handlungsanweisungen daraus gefolgert; wer andere Schlüsse für sich zog, wurde zur Feindin erklärt.

Der neue Feminismus, mit dem ich mich viel mehr identifizierte, war offener, ließ Platz für so viele Lebensentwürfe wie möglich, kämpfte für Entfaltungsfreiheit und Selbstbestimmung. Das passte offensichtlich nicht in die ideologische Einseitigkeit der Alice Schwarzer-Haltung.

Bascha Mika ist eine Feministin der ungefähr selben Generation und schildert 40 Jahre Emma aus ihrer Sicht:
„Das System Alice Schwarzer“.

In anderen Ländern lässt sich beobachten, welche Fülle an feministischen Theorien es über die Jahrzehnte gab und wie hilfreich sie für weibliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Gleichberechtigung waren. In den USA zum Beispiel, wo die Bewegung einerseits herrschaftskritischer, gleichzeitig aber immer auch glamouröser und positiver war. Nicht umsonst stammt einer der wichtigsten Begriffe auf dem Weg zu weiblicher Eigenständigkeit aus dem angelsächsischen Raum: Empowerment.

Wo Feministinnen heute versuchen, mit dem Topos der Intersektionaliät unterschiedliche Diskriminierungsformen zu ergründen, wo sie sich den Kopf über Rassismus, Sexismus und Klassismus zerbrechen, der sich in einer Person überschneiden kann, werden in der „Emma“ alle Nordafrikaner pauschal als Vergewaltiger bezeichnet.

Wo hierzulande viele und vielfältige offene Debattenblätter gebraucht würden, um den Gleichberechtigungsdiskurs auf Trab zu halten, gibt sich die „Emma“ trotz einiger Öffnungsversuche nach wie vor ideologisch festgezurrt und hartleibig.

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Jochen Wegner hat sich fürs Zeit Magazin mit William Gibson unterhalten – der trotz aller Parallelen bestreitet, die Zukunft vorhergesehen zu haben:
„‚Ich hoffe, wir sind nicht in negativen Utopien gefangen'“.

An der echten Zukunft interessiert mich am meisten, was sie dort über uns denken. Die Sicht etwa, die die Menschen des viktorianischen Zeitalters im 19. Jahrhundert auf sich selbst hatten, hat überhaupt nichts mit unserem heutigen Blick auf sie zu tun. Die Viktorianer wären darüber erschrocken und am Boden zerstört. Alles, was wir heute über uns denken, dürfte in der Zukunft ebenso bizarr erscheinen.

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Kaffeehaus als Menschenrecht
Eine Liebeserklärung von Doron Rabinovici an die älteste und wichtigste Institution Wiens

via ReadonmyDear

Allerdings widerspreche ich ein weiteres Mal der Behauptung „Starbucks oder ähnliche Ketten können es nicht ersetzen“.
Denn:

Ins Café ging, wer anderswo nicht bleiben konnte. Hier wurde gearbeitet, weil die eigene Bleibe unbeheizt war.

Wer zur Jahrhundertwende über keinen anderen Ort verfügte, durfte einen Tag bei einer Schale Kaffee ausharren.

Wer sich in den Starbucks und anderen Ketten von Großstädten umsieht, findet genau das vor. Gerade auf Reisen, mit Koffer zum Warten auf die Weiterreise verurteilt, kuschle ich mich gerne im Sessel eines zentral gelegenen Kettencafés ein. Keine Bedienung drängt auf neue Bestellung, ich habe meist interessante Ausblicke, WLAN gibt’s auch. Rabinovici schreibt ja selbst:

Ich bin so mobil wie mein Laptop. Ich schreibe gerne zu Hause, in der Nationalbibliothek oder auch unterwegs im Zug. Ich gehe meiner Arbeit nach – im buchstäblichen Sinne der Bedeutung. Mein Fluchtpunkt liegt im Text.

Sehr schnmunzeln musste ich über diese Beobachtung:

Was ein wahrer Mensch sein will, braucht zumindest drei Kaffeehäuser: sein persönliches Lieblingslokal, das er regelmäßig frequentiert; ein weiteres Etablissement, in welches er inkognito ausweichen kann; letztlich aber das Wichtigste, ein Café, das er nie und nimmer betreten würde.

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Nur damit niemand vergisst, dass das Brexit-Votum schon seit einiger Zeit massive Konsequenzen für Ausländer in Großbritannien hat:
„No longer welcome: the EU academics in Britain told to ‘make arrangements to leave’“.

Journal Mittwoch/Donnerstag, 25./26. Januar 2017 – Fotoblick

Freitag, 27. Januar 2017

PokémonGO behauptete schon am Montag, ich sei mit dem Spiel 1.000 Kilometer gelaufen. Das verblüfft mich nun doch – zumal ich es beim Wandern nicht mal anschalte. Tausend Kilometer in sieben Monaten? Echt jetzt?

Gestern vor der Arbeit eine halbe Stunde Crosstrainer daheim – wie gut mir sportliche Bewegung am Morgen immer tut. Gestern Abend Friseurtermin, diesmal nicht ganz so kurz, rein wegen der Abwechslung. Daheim wartete mein neuer Rucksack auf mich und ist noch viel toller als erwartet: Eine eigene geräumige Tasche vorne mit Schlüsselschlange sowie Fächern für Handy und Geldbörse, ein extra Reißverschluss auf zwei Drittel Höhe, der einen seitlichen Zugriff ermöglicht, ein Täschchen mit einem Fahrradsattelüberzug.

Wetter nicht mehr ganz so bitter kalt, Temperatur nur noch um den Gefrierpunkt. Allerdings immer noch Inversionswetterlage mit gehöriger Feinstaubbelastung (hier die ständig aktualisierten Messwerte) – ob meine Kopfschmerzen damit zu tun haben?
Die Tage werden länger.

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In Zeiten hoch entwickelter Fototechnik wird Profi-Fotografinnen und -Fotografen oft die Könnerschaft abgesprochen – mit einer entsprechenden Ausrüstung könne das doch jede. Deswegen finde ich es vielsagend, welche Bilder sie mit Wegwerfkameras erzeugen.
„Was passiert, wenn man Profi-Fotografen Einwegkameras in die Hand drückt“.

Mein Favorit: Strand mit Orangen von Rob Kulisek.

via @ankegroener

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Und weil wir gerade bei Fotos sind:
„Check Out These Fantastic Photos of Birds in Urban Spaces“.

via @fraudiener

[Sam Hobson has] made it his mission to bestow some intrigue on birds and other animals by showing how they survive in and around cities and towns, even if we fail to notice.

Ganz genau: Ich bin immer wieder erstaunt, wie erstaunt Leute sind, wenn ich ihnen Vögel in der Stadt zeige. Ja, das war gerade ein Falke, der ums Eck des Bürohochhauses flitzte. Und nein, ich muss nicht hinsehen, um die Ankunft der Mauersegler zu bemerken – ja, diese komischen Sommergeräusche sind Mauersegler. Nein, das sind keine Schwalben. Und wenn man einen Krähenschwarm im Flug von einem Starenschwarm unterscheiden kann (d’ooh?), bemerkt man auch die beiden Kormorane, die eben am Bürofenster vorbeizogen.
Andererseits musste ich auch erst Ende 30 werden, bis ich Vögel genauer bemerkte.

Journal Dienstag, 24. Januar 2017 – Rudyard Kipling, Stalky & Co.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Nach zwei Wochen Pause mal wieder frühmorgens zum Langhanteltraining gelaufen. Neues Programm fürs Training, das mir Spaß machte, unter anderem enthielt es Bizeps Curls mit nicht-mittig gegriffener Stange (nur ein Arm arbeitete, der andere stabilisierte).

Abends daheim beim Auspacken der verschwitzten Sportkleidung musste ich Abschied nehmen von meinem Sportrucksack. Mindestens 15 Jahre hatte ich den silbernen Punch-Rucksack von Bree genutzt, zum Einkaufen und zum Transport meiner Sportsachen zum Turnen, Schwimmen, ins Freibad. Vor ein paar Jahren hatte ich ihn ausrangieren wollen, weil er so schmuddelig war. Zum Glück war ich rechtzeitig zur Besinnung gekommen und hatte gemerkt, dass sich Schmuddel einfach wegwaschen lässt: Eine ausgiebige Schaumdusche mit nur wenig Bürsteln hatte den Rucksack wieder ansehnlich gemacht. Doch gestern brach der letzte Schnappstift der Schließe –  einige Jahre hatte sie mit nur einem gut funktioniert, doch jetzt schloss nichts mehr, der Riemen mit Verschluss war nutzlos geworden. Außerdem hatte sich schon vor einiger Zeit die Naht des Reißverschlusses gelöst, schmuddelig war der Rucksack auch wieder. Ich beschloss, dass ich genug aus dem Gegenstand rausgeholt hatte.

Der Nachfolger ist bereits bestellt.

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Herr Kaltmamsell bereitete zum Abendessen Muschelbandnudeln mit Chorizo in Weißwein-Sahne-Sauce.

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Schon am Vorabend hatte ich Rudyard Kiplings Stalky & Co. gründlich ausgelesen – nämlich nachdem ich nach Ende die ersten beiden Geschichten nochmal las. Aus Gründen:

Herr Kaltmamsell hat ja eher abseitige Leseinteressen. Ich lasse mir gerne darüber erzählen, doch nur selten macht mir das Lust auf Selberlesen. Warum ich ihn darum gebeten habe, mir Stalky & Co. zu lesen zu geben, weiß ich gar nicht mehr. Herr Kaltmamsell liest Kipling sehr gerne und kennt wahrscheinlich sein Gesamtwerk, hat viele schöne antiquarische Ausgaben. Stalky & Co. ist ein Kurzgeschichtenzyklus aus einem englischen Bubeninternat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erzählt wird ohne Rücksicht auf Verluste im Schuljargon und in dieser Schulwelt, erklärt wird nichts. Die ersten beiden Geschichten verstand ich praktisch überhaupt nicht, es hätte gradsogut Lyrik sein können. Wie zu Zeiten, als mein Englisch noch nicht so flüssig war, las ich einfach mal mit Schwung weiter, bis ich in den Fluss kam. Nach und nach erschlossen sich Handlung und Sprache fast ganz. Mit dem durchs Lesen erworbenen Wissen las ich dann nochmal den Anfang.

Die Geschichten der drei Freunde Stalky, M’Turk und Beetle gefielen mir ganz ausgezeichnet: die Lausbuben mit ihrer alterstypischen Mischung aus Schlitzohrigkeit, Coolness, verquastem Ehrgefühl und echter Wissbegier, die exotische Schulwelt vor historischen Hintergrund. Schnell wurde mir klar, dass diese Schule viel mehr Vorbild für Rowlings Hogwarts ist als alle Internate, die Enid Blyton schilderte: Bewohnt von einer spezielle Bevölkerungsgruppe (Kinder von Militärs in den Kolonien), ein hermetischer Kosmos, die Aufteilung in Häuser und deren Konkurrenz untereinander, die Prefects, alte Gebäude mit geheimen Gängen, ein weiser und pragmatischer Head, die Sonderwelt des Hauspersonals, die Rolle von Sport.

Ich empfehle die Lektüre. Es gibt Übersetzungen ins Deutsche, doch da es in Deutschland nicht entfernt ein historisches Pendant zu der erzählten Welt gibt, klingen sie arg angestrengt.

§

Ein weiterer Versuch, Trump-Wähler zu verstehen.
„Peter’s Choice
I asked my student why he voted for Trump. The answer was thoughtful, smart, and terrifying.“

Nach Aussagen dieses eloquenten jungen Manns („Peter was one of the brightest students in the class, and certainly the sweetest.“) war das Ziel: „Send in a wrecking ball to disrupt the system“.

Trump voters report experiencing greater-than-average levels of economic anxiety, even though they tend have better-than-average incomes. And they are inclined to blame economic instability on the federal government—even, sometimes, when it flows from private corporations.

(…)

Feelings can’t be fact-checked, and in the end, feelings were what Peter’s eloquent essay came down to­—what it feels like to belong, and what it feels like to be culturally dispossessed. „After continually losing on the economic side,“ he wrote, „one of the few things that you can retain is your identity. What it means, to you, to be an American, your somewhat self-sufficient and isolated way of life, and your Christian faith and values. Your identity and heritage is the very last thing you can cling to…

(…)

To him, focusing on race was „an attention-grabbing tool that politicians use to their advantage,“ one that „really just annoys and angers conservatives more than anything, because it is usually a straw man attack.“

Das klingt sehr nach der typischen deutschen Rechts-Wählerin. Doch wie an jemanden rankommen, die Ängste und Gefühle über faktische Zusammenhänge stellt?

Journal Montag, 23. Januar 2017 – spanischer Kaffee

Dienstag, 24. Januar 2017

Vor einer Woche hatte ich noch den Eindruck, ich könnte mich an das Winterding mit Schnee gewöhnen, gestern war mir dann aber wirklich zu kalt. Bei deutlich unter zehn Minusgraden musste ich auf dem Weg in die Arbeit ein sehr zackiges Tempo hinlegen, damit ich nicht fror. Haben die Winterfans jetzt bitte genug gehabt, und wir können ganz langsam wieder wärmer drehen?

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In Palma de Mallorca hatte ich mich auch nach spanischem Kaffee umgesehen. Vor zehn Jahren hatte ich ja endlich herausgefunden, warum er so besonders schmeckt: Traditionell wird er mit Zucker geröstet, „torrefacto“. In Palma hoffte ich auf eine lokale Rösterei, um ein Pfund davon heim zu nehmen – die Hipster-Kaffeewelle war doch sicher auch hier angekommen und hatte junge Kleinröstereien sprießen lassen.

Darin lag natürlich ein Denkfehler: Der aktuelle Kaffeekenner rümpft über das Rösten mit Zucker die Nase, weil es den angestrebten fruchtigen Geschmack verfremdet. Gefunden habe ich den café torrefacto zufällig im Vorbeigehen in einem alten und deutlich unhippen Laden der Cafès Llofriu.

Getrunken wird in Spanien am häufigsten eine Mischung von tueste torrefacto und tueste natural, halb/halb oder 30/70. Als ich gestern die Packung anbrach, wollte ich aber erst mal reinen torrefacto, mischen kann ich immer noch.

Ich war überrascht, wie hell das Pulver nach dem Mahlen war.

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Landeskunde über Kulinarik ist mir eh die liebste. Katrin Scheib gibt zum Beispiel
„Russische Landeskunde mit Schoko-Bonbons“.

§

Es ist zwar schon eine Weile her, doch erst gestern stieß ich auf die Geschichte, wie Designer Matthew Hubble 2014 ungefragt ein Kleid für die Neurophysiologin May-Britt Moser entwarf – in dem sie ihren Nobelpreis entgegen nehmen sollte. Weil er die Leistung einer Wissenschaftlerin für mindestens so glamourös hielt wie die von Oscar-prämierten Schauspielerinnen.
„A Dress for the Queen of Neuroscience“.

May-Britt Moser war von dem Kleid mit naturnahen aufgestickten Neuronen begeistert und trug es tatsächlich bei der Feier.